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Full text of "Philosophische Vorlesungen über den Staat"

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LIBRARY 
UNIVERSITY OF CALTFORN 



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Philosophische 



Vorlesnngen 



über den 



gehalten und herausgegeben 



Dr. Mann Eduard Erdmann. 

ordentlichem Professor der Philosophie an der üniTersilät Halle - Wittenberg. 






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Halle, 

Druck und Verlag von H. W. Schmidt. 
1851. 



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Dem 

Herrn Berghauptmann Dr. Martins 

überreicht 

n seinem goldenen Hodizeitfeste 

ihr Verfasser diese Vorlesungen, deren letztes Wort erst heute 
auf dem Katheder verhallte. 



Vor dem 

bewftkrten Patrioten , dem gewissenkaften Manne 

kann 

wer sich bewusst ist das Vaterland zu lieben und nach seinem 

Gewissen zu reden, kühn aussprechen, was er meint. Findet er 

nicht Zustimmung, so mehr als diese: Anerkennung« 






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1 . . : . . I . 



Vorwort. 



Ich lasse diese Vorlesungen ganz so drucken, wie sie ge- 
halten wurden. Nichts steht in ihnen, was nicht auf dem Ka- 
theder gesagt wurde, und nur sehr Weniges, was im mündlichen 
Vortrage gesprodien ward, ist weggelassen, weil es zum Druck 
nicht passend schien. Die einzige Aenderung ist vorgenommen, 
dass die Deberschrilten „Erste Vorlesung** u. s. w. nicht dem 
correspondiren , wie weit ich in jeder Stunde kam, sondern viel- 
mehr dem Gegenstande, der gerade abgehandelt ist. Darum ist die 
Extension der einzelnen Vorlesungen grösser, ihre Zahl geringer 
geworden, als in dem akademischen Vortrage der Fall war. Un- 
ter den Gründen, die mich zar Herausgabe bewogen, war nicht 
vom kleinsten Gewicht, dass der Druck einer solchen Vorlesung 
es eigentlich unmöglich macht, über denselben Gegenstand noch 
einmal zu lesen. Welche Forderungen ich an diese Vorlesungen 
gestellt wünsche, darüber gibt die erste derselben hinreichend 
Auskunft. 

Halle, am 4. August 1851« 

Dr. ISrdmaiui. 



BrackfeUer. 

Die folgenden sinnentstellenden Drnckfebler bittet man za Terbessern, die 
dbrigen zu fibersehn: 

Seife 53, Zeile 24 anstatt : der lies : das. 

„ 59, „ 17 ,y Nun „ Nur. 

„ 105, „ 13 ,, GrundsaU „ Grundbesitz« 

„ 159, „ 22 „ soll Jener „ soll man jenem, 

„ — „ 23 „ diesem den ,, den. 






ilMte Torleis^iuiff. 



!Der Erklfiruog, darüber, was ich loir in dieser VorleeuAg 
für eine Aargabe gestellt habe, muas ich die negative yorausschic&en, 
was dieselbe nicht sey» will. Ick habe keine Vorlesung über 
Politik ai^hüodigt, weil auf die meinige dieser Name in keiner 
der Bedeutungen passen wird, die man gewöhnlich mit diesem 
Worte verbindet« 

Wenn man von der Politik des Fürsten MeUwmkh spricht, 
oder wenn man sagt, dass England an Sir Robert Peel seinen 
grössten Politiker rertoren habe, so versteht man unter dem er- 
sten dieser Worte die Kunst der Staatenlenkang, unter dem zwei- 
ten einen Virtuosen in dieser Kunst« So diese Worte genommen, 
würde also Toa einer Voriesinfg über Politik erwartet • werden, 
dass sie eine Anleitung zu dieser Kunst au geben habe. Zu al- 
len perstolichen Gründen , aus weldien ich mich wohl hüten ' 
werde einen solcboi Versuch zu madien, kommt ein über das 
Persönüdie hiaausgdiender Umstand, um dess willen Sie eine solche 
Anleitung nieht erwarten dürfen. Dieser Umstand ist die Eigen- 
thümlichkett meines Standes und Berufes. Ich will nicht unter- 
suchen, ob Cftoe natörlidie Unvereinbarkeit Statt findet zwischen 
' den angeboomen Anlagoi, welche eine glückfidie akademische 
Wirksamkeit versprechen, und denen, welche zu einer tüchtigen 
Staatslenkupg befihigen, nicht erürtem, ob die Beschäftigung des 
Professors die Uebung unmöglich macht, welche für den Politiker 
die wichtigste ist, mit einem Worte, ich will nicht zu erforschen 
suchen, ob überall der Professorberuf zur Politik unfihig mache — 
die praktischen Engländer scheinen dergleichen zu vermuthen, 
wenigstens erwählen dort sogar die Universitäten zu ihren Ver- 
tretern im Parlament akht Professoren, sondern Staatsmänner — 
sondern ich will bei uns^m Vaterlande slehn bleiben. Da haben 
mir die letatvergangenen drei Jahre eine Menge von Beispielen 

1 



^ 2 — 

gezeigt, wo deutsche Professoren praktisch in die Lenkung der 
Staaten einzugreifen versuchten. Das Resultat dieser Versuche ist 
(für mich wenigstens und manche Andere) die Regel gewesen, 
— der freilich die Bestätigung durch eine Ausnahme noch fehlt — 
dass deutsche Professoren keine Politiker sind, d. h. nicht Staa- 
ten zu lenken verstehn, und dass es demgemäss kaum zweck- 
mässig seyn möchte, wenn hei uns, ganz im Gegensatz gegen die 
oben erwähnte englisc'he Praxis, politische Körper (Wahlkreise) 
besonders gern Professoren zu ihren Vertretern wählen. Dies hat 
meiner Achtung vor meinen Berufsgenossto keinen Abbruch ge- 
than. Im Gegentheil, ich habe mir oft gesagt : Deutschland muss 
doch ganze Professoren haben, da e» so viele hat, die ganz — 
(nichts als) — Professoren sind. Wenn ich aber diese lieber-» 
Zeugung habe, zugleich aber als mein höchstes Gluck erkenne, 
Professor und nur Professor, als das höchste Ziel meines Strc^ 
bens, ein ganzer Professor zu seyn, so, versteht sich's von selbst, 
dass ich nicht versuchen werde, Anleitung zu dem zu geben, wovon 
ich sicher weiss, dass ich es selbst nicht kann. 

Es braucht aber das Viori Politik nidit dieses Können oder 
diese Kunst zu bezeichnen, weil im gewöhnlichen Sprachgebrauch 
auch nocli etwas ganz Anderes ^darunter verstanden zu werden 
pflegt. Wenn man den brittischen Peel als einen grossen Politi- 
ker preiiBty und wenn man den deutschen Dahlmann einen be-* 
rühmten Politiker nennt, so ist es klar, dass das eine Wort beide 
Hai etwas ganz Verschiedenes bezeichnet, das eine Mal näm« 
lieh den Künstler, das andere Mal den Kundigen, das eine Mal 
den Virtuosen in der Lenkung des Staates, das andere Mal den 
um staatliche Dinge und um die Lenkung der Staaten Wissenden. 
Beides verhalt sidi so zu einander, wie die Thätigkeit eines ge- 
nialen Maschinenbauers und Verfertigers physikalischer Instrumente 
zu der des Phys&ers, welcher angeben kann, worauf es bei dem 
Instrumente ankommt, aber nicht im Stande zu 'seyn braudit, 
eine Glasröhre zu biegen, ja vielleicht so ungeschiekte Finger hat, 
dass, wenn mit dem von ihm sTkigegebenen Instrument experimen- 
tirt werden soll, er dies seinem Assistenten überlassen muss. 
Wenn ich die Politik als Staatskunst den deutschen Professoren 
absprach, um sie zu ehren, so wird dagegen die Politik als 
Staatenkunde und als das Wissen um staatlidie Dinge, wie aHe 
Kunde und alles Wissen, ihre natüriioben, gesetzlichen mödite ich 



— 3 — 

sagen, Repräsentanten unter den Professoren finden, und es hiesse 
sie ihres Berufs unwürdig erklären und also vemnehren, wenn 
man sagen wollte, von Politik in diesem Sinne verstünden sie 
Nichts. Diese ist gerade ihre Sache, und mehr als alier übrigen 
Professoren möchte sie die der deutschen seyn. Es liegt näm- 
lich in der Natur der Sache, dass eine solche Kunde um so er- 
schöpfender seyn wird, je mehr Rücksicht genommen wird auf 
die Art und Weise, wie verschiedene Staaten sich entwickelt ha- 
ben. Wenn wir Deutsche nun auch leider den Ruhm eingebüsst 
haben, dass unsere Studien so viel gründlicher sind als die ande- 
rer Völker, so wird uns dies doch nicht abgesprochen werden, 
dass %ie universeller sind und dass wir für das Staatsleben der 
verschiedensten Völker mehr Interesse haben, als die Engländer 
und Franzosen. Dieses Interesse aber wird dazu beitragen, eine 
möglichst vollständige Kunde des staatlichen Zustandes der ver- 
schiedensten Völker sich zu verschaffen, aus welcher dann die all- 
gemeinen Regeln mit grösserer Sicherheit abgeleitet werden können, 
als wenn sie von den Einrichtungen nur eines Staates abstrahirt 
würden, üeber Politik im zweiten Sinne des Wortes Vorträge zu 
halten, wird also gerade recht die Sache eines deutschen Pro-* 
fessors seyn, aber meinß auch so nicht. Da nämlich eine jede 
solche Politik, wie Dahlmann dies mit Recht auf dem Titel sei- 
nes Werks andeutet, auf der Basis der gegebenen Zustände ruhen 
wird, die Kunde derselben aber durch ihren Beruf vorzugsweise 
bei denen sich findet, welche auf der Universität die Geschichte 
und die Staatswissenschaften vertreten, so liegt es in der Natur 
der Sache, dass eine Vorlesung über Politik auf dem Katheder 
des Historikers oder des Statistikers und Nationalökonomen .er- 
wartet werden muss. Da nun dies Katheder nicht das meinige 
ist, das Pfuschen in fremdes Handwerk aber nicht meinen BeifaU 
hat, so werden Sie es nach dem Gesagten begreiflich finden, 
wenn ich erkläre, dass ich keine Vorlesung über Politik, auch in 
dem zweiten Sinne des Wortes nicht, versuchen werde. — 

Wenn ich nun nach diesen negativen Erklärungen auszu- 
spreche habe, was ich in dieser Vorlesung zu geben versuchen 
¥nll, so scheint es mür passend, ihre Aufgabe mit dem zu ver- 
gleichen, was Aufgabe des Politikers ist. Wenn der Politi- 
ker im ersten Sinne des Worts zu finden hat, was einem be- 
stimmten Staate im bestimmten Momente frommt, wenn der Po* 

1» 



~ 4 ^ 

tüker im zweiten Sinne des WorU darstellen soll, was in 4eii 
verschiedenen Staaten zu Terschiedenen Zeiten Geltung gewonnen 
hat und nach welchen Regeln, so will ich dagegen zu zeigen ver*- 
suchen, was von dem Staat überhaupt mit unabänderlicher Noth- 
wendigkeit gilt Da dieser „Staat uberhaupt^S dessen Erscheinung 
die besonderen Staaten sind, das ist, was man als das Wesen 
oder den Begriff oder die Idee des Staates zu bezeichnen pflegt; 
so kann ich meine Aufgabe auch so formuliren : ich will die Idee 
des Staates vor Ihnen entwickeUi, indem ich zeige, was ans ihr 
jolgt und was darum in jedem Staate sich zeigen muss^ wenn er 
seiner Idee entsprechen oder, was dasselbe beisst, ein wahrer 
Staat seyn soll. Hatte ich den praktischen Politiker mit dem Er- 
bauer einer Maschine, den historischen Politiker mit dem gelehr-- 
ten Physiker verglichen, so werde ich meine Aufgabe mit der des 
Mathematikers vergleichen, welcher die Sätze der reinen Mechanik ent- 
wickelt, die allein noch lange keinen praktischen Mechaniker machen* 
Oder aber, wenn wir oben den praktischen Staatsmann als Künstler 
bezeichneten, so wird der kundige Politiker mit dem Kunstkenner zu 
vergleich«[i, meine Aufgabe aber deqenigen analog seyn, die sich der 
stellt, welcher die Idee des Schönen und des Kunstwerks Oberhaupt 
fixiren will. Diese Idee des Staates wird in dem praktischen Staats- 
mann eben so leben müssen, wie in dem historischen Politiker oder 
politiachen Historiker, denn ohne sie läuft der Erstere. Gefahr, 2um 
blossen Koulinier faerabzusink«]i« der höcbatens im Stande ist, eine 
überlieferte Technik fortzusetzen, und der Zweite, bei irgend einemun-* 
erwarteten Zeitereigniss eine, JaArzehende hindurch festgehaltene, 
Theorie zu, opfern^ Allein es wird für beide genug seyn, dass diese 
Idee in ihnen als Gefühl existirt, gan2 wie der Künstler ohne die Idee 
des Schönen nur ein ideenloser Farben virtuqs wird» andiM*erseUs 
es aber für ihn genug ist, w^n ihn ein ideales Gefühl, eki 
ideenvoller Instinot leitet, den man mit dem Worte Genialität su 
bezeichnen pflegt Eben so genügt bei dem KunsÜbcaner der 
ideale Geschmack. Ganz anders dagegen verbalt es sich mit uns» 
Wie der Aesthetiker nicht nur fühlen, sondern yf'mm soU^ was 
schön ist, so wollen wir uns zum Bewusstseyn bringen jene Idee 
des Staates, welche den Politiker als Genialitöt leitet, wollen uns 
Recfaenschait darüber ablegen« was er, ohne sich vielleicht stets 
der Grunde bewusst zu seyn, befolgt. Da nun jein zum fiewusst- 
seynbringen der Idee oder ein bewusAtes Entwickeln d^s Segriffs 



das ist, was man philosopfaisehe Betraditimg nennt, so soD 
diese Vorlesung eine philosophische Entwickhing der Idee des 
Staates seyn. Eine solche zu yersuchen, dazn nehme ich aller- 
dings das Recht in Anspruch als Einer, den nicht nur seine Nei- 
gung stets dahin geflihrt hat, sondern der, seit er das Glück 
hat Philosophie ^ zu dociren , durch seinen Beruf verpflichtet 
ist, in Allem, eben darum andi in dem Staate, die Idee wieder zu 
erkennen und zu entwidieln, was aus dieser folgt« Wenn ich 
darum vorhin sagte, ich ktone nidit eine Vorlesung über Politik 
geben, weil ich ^^eder Poiitfter sey in dem Sinne, in welchem 
man Ped so nennt, noch in dem, in welchem Bahlmafm so ge- 
nannt wird, so glaube ich dagegen nicht ohne Nutzen für Sie eine 
Vorlesung über die Idee des Staates oder eine philosophische 
UntersQchung über den Staat nntemdimen zu können. 

Der Ausdruck „nicht ohne Nutzen'*, dessen ich mich eben be- 
diente, führt mich nun auf die Frage, ob dergleichen Untersu- 
chungen, wie ich sie vor Ihnen anstellen will, irgend einen prak- 
tischen Werth haben. In früherer Zeit konnte dies zweifelhaft 
seyn. Damals war nämlich die Feststellung der Gesetze und die 
Verwaltung, diese beiden Hauptfunctionen des Staatslebens, einem 
kleinen Kreise von MSnnern anvertraut, welche, indem sie allmäh- 
lig in dieses Geschäft hineinkamen, durch eine gewisse Tradition 
geschult wurden. Indem unter den Augen und dem Einfluss äl- 
terer Beamten mit der Entwicklung ihrer politischen und juridi- 
schen Grundsätze zugfeich ihre Bekanntschaft mit dem Herge- 
brachten und ihre Erfahrung von der Durchführbarkeit unter den 
gegebenen Umständen zunahm, bekam ihre legislative und admini- 
strative Bildung viel weniger den Character der Reflexion als des 
unmittelbaren Eriebtseyns, so dass sie sich in ihnen gleichsam 
personrficnle. Traditioneller Patriotismus, durch Tradition fest- 
gewordenes BhrgefCih), dies waren, wie die traditionelle Religiosi- 
tät, die ideellen Mädite, von denen jene Männer mehr gehalten 
wurden, als dass sie um dieselben wussten. Nicht in Weise be- 
wusster Theorie, sondern als Genialität hatte sich in einem 
Trai^mannädorf^ oder Poäeeih Oesterreichische oder Preussische 
Politik verk(ta*pert, oder waren Cocceji und Carmer Incarnationen 
der legislativen Function. Auf der andern Seite die, welche 
nicht durch ihr Amt berufen waren an der Fortbildung der Ge- 
setze oder an der Verwaltung Theil zu ndim^, pflegten nicht viel 



idU dem Beiirtheilen d^sseo siiidi abzngdien, was darin geschah. 
Bei dea Einen war es ein traditionelles Vertrauen zu der Regie- 
rung, welches sie glauben liess, diese verstehe ds^ besser als 
sie selbst, Andere wieder wurden durch den Stolz auf die Würde 
des eigenen Berufs dahin gebracht, einzusehn, dass jedes Geschilft 
gelernt seyn will und daher, wer Beruf undUebung habe, Gesetze 
zu redigiren oder die Staatsangelegenheiten zu leiten, dass dieser 
es wohl auch besser verstehn werde als ein Anderer, — kurz, 
wenn man auch nicht Jeden einen Vorlauten nannte , weicher die 
A<4e der Regierung einer Kritik unterwarf, so konnte man es 
mindestens Niemand yerdenjien, wenn er sich um dieselben nicht 
kümmerte , weil sie ihn nichts angingen. Dies hat sich nun in 
unserer Zeit geändert. Es giebt in diesem Augenblick keimen 
einzigen Staat in Europa, wo die Regierung auf solche Resignation 
und Pietät von Seiten der Regierten rechnen könnte. Selbst 
Russland findet es nothwendig, von Zeit zu Zeit in Denkschriften 
die Grundsätze der Administration zu entwickeln und bei der 
Promulgation von Gesetzen die, in der berathenden Behörde gel*- 
tend gemachten, Motive mit zu veröffentlichen. Noch mehr aeigt 
sich dies natürlich in Staaten« wo es eine zur Feststellung der 
Gesetze berufene Landesvertretung gibt. Dieser gegenüber sind 
die höchsten Beamten des Staates, welche die Regierung bilden, 
verpflichtet, auf geschehene Interpellationen Auskunft über ihre 
leitenden Grundsätze, und Rechtfertigung einzelner Maassregebi zu 
geben. Diejenigen wieder, welche die neuen Gesetze berathen, 
sind verpflichtet, ihre Gründe öffentlich vor dem ganzen Lande 
zu entwickeln, damit dieses sehe, warum dieses oder jenes neue 
Gesetz eingeführt wird. Bei jenen Darlegungen nun an das 
grössere Publicum, bei den Antworten der Regierung auf die 
Interpellationen, bei dem Begründen endlich der Gesetzesvorschläge 
Andersdenkenden gegenüber und unter der Aufmerksamkeit des 
ganzen Landes, reicht es nicht aus, wie früher in der Be* 
rathung innerhalb eines CoUegiums, die Gründe anzuführen* 
welche für den Sachverständigen schlagend sind, oder sich auf 
hergebrachten Gebrauch, auf obwaltende Schwierigkeiten u.s.w. zu 
berufen. Dies reicht deswegen nicht aus^ weil ein grosser Theti 
derer, welche jene Denkschriften lesen, welche die Interpellationen 
stellen, welche endlich die Kammerdebatten anhören oder lesen, 
nicht aus Sachverständigen besteht, den Gebrauch nicht acbtet 



^ 7 ~ 

utid diek SchivJerigkeUto nicbi kennt» Unter diesen Umstinden 
werden sowol die Regierungen als die versammelten Landesyer* 
treter genöthigt seyn, sich auf die allgemeine Principien alles 
Staatslebens, wekbe auch dem, der keine positiven Kenntnisse 
hat, als Vernimftwaln'heiten nadigewiesen werden können, zu be» 
rufen. Um dieses 2U können, werden sie Untersuchungen ange* 
stellt haben müssen über das unvefanderliehe. Wesen des Staates, 
wie wir sie hier versuchen wollen. Aber nicht nur Jenen, auch 
den Regierten und den^ die nicht den legislativen Körper bilden 
hdfen, wird dies obliegen. Deim auch mit der Stellung dieser ist 
in unserer Zeit, wenigstens bei uns, eine wesentliche Veränderung 
vorgegangen. Früher stand es einem Jeden mehr oder minder 
frei, ob er sich gewisse Principien zur Beurtheilung der Staats^ 
angeiagenbeiteh erworben hatte oder nicht. So ist es nicht mehr. 
Da jeder Füunfundzwanzig|ahrige bei uns den Vertreter seines 
Bezirks mitwählen hilft, so ist es gewissi^los von ihm, wenn er 
nicht dazu h<eiträgt, dass ein Solcher gewählt wird, dem das wahre 
Wohl des Staates am Herzen liegt. Da von ihm nicht verlangt 
werden kann, dass er sich in die praktischen Eriken der Natio- 
nalökonomie vertiere, so wkd er gewisse Principien sich zum Be* 
wusstseyn bringen müssen, weldie ihm zur negativen Norm wer- 
den, so dass er sich sagen wird: „wer diese nicht gelten lässt, 
dem kann ich nun und nimmermehr meine Stimme geben, mag 
auch sein politisches Glaubensbekenntniss (dass ohnedies bloss pflegt 
abgelegt zu werden, um es zu übertreten) sonst lauten wie es 
will.'' Da nun Sie alle, die ich vor mir habe, in einigen Jahren 
Urwähler resp. Wahlmänner seyn werden, da ein grosser Theil 
von Ihnen einmal mit die Regierung des Landes bilden wird, da ich 
endlich hoffe, dass ein recht grosser Theil von Ihnen, wenn Sie 
dreissig Jähre alt sind, auch schon so viel V^trauen im Lande 
gemessen wird, dass man ihn in die Kammern hineinwäblt, für 
alle diese Fälle es aber nothwendig ist, dass Sie gewisse Prin- 
cipien alles Staatslebens als unerschütterlich fest behaupten, so 
komme ich darauf zurück, dass eine Vorlesung für Sie von 
Nutzen seyn kann , in welcher die Principien entwickelt wer- 
den sollen, welche aus dem Begriffe des Staats folgen, und 
deren Negation darum begriffswidrig ist« Der Zweck meiner Vor* 
lesung also ist, durch ein Entwickeln dieser Principien Sie in 
StMid zu setzen, politische Frag^ und politische Persönlichkeiten, 



— 8 -. 

SU deren Beurtbeilung ^r nichr nur bereditigt sondern verpflich- 
tet sind, richtig und geredit zu beurtheilen. 

£e könnte aber hier die Frage entstehen, ob es eines so 
langen und langweMigen Weges, me eine akademische Vorlesang 
ist, bedarf, um jenen Zweck zu erreichen?. Es sind die Stimmen 
noch ntdit verhaHt, wddie uns zurufen, zu der Zeit, wo die Di^ 
plomatie Iierrschte, da seyen gelehrte wissenschalUidie Unter- 
suchungen am Platze gewesen, seit dem grossen „VÖlkerfrlhling^ 
aber hAe sich die Sache ge&ndert und der oifn« Sinn des Volks- 
freundes überwinde die Schwierigkeiten, *vor wdcben die abg^eiin- 
ten Diplomaten zurückweichen niassten% Dt in «llra Zweigen des 
Wissens sich ahnUcbe Stioioien bereits erhoben hatten, so wfire 
es ein Wunder gewesen, wenn nicht in der Lehre vom Staat sidi 
ganz Aehnltches gezeigt bfitte. Nachdem es auf den Gassen ge* 
predigt war, dass die Religion nur enthalten dörfe, was jedem 
Menschen Ton selbst klar ist und dass das Herz den Theologen 
mache, nachdem g^ildete Leute sich zu der einfoehen Priessnitz«- 
sdien Pathologie und Therapie bekttint hatten, dass die verder- 
bten Säfte ausgewaschen werden müssten, nachdem die gelehrte 
Jurisprudenz als unnütz verworfen war nicht »nur durch Mepbi- 
stopheles, sondern durdi Staatsanwälte und Gericht^rftsidenten, 
nachdem man in der Philosophie glücklich so weit gekommen 
war, als ihr eigentliches Organ die fünf Sinne anznsehn *— musste 
natürlich auch an den Staat die Reihe kommen. Xamarltno^ sprach 
es öffentlich aus, dass, um über Fragen der Nationalökonomie zu 
urtheilen, es der Kenntnisse bedürfe, dagegen sey die Politik die 
Sache des senimenlj des Gefühls, des Itozeas. Ab die Praxis 
dieser polüique de ientimmU schon Frankreich längst ins Unglück 
gdiracht hatte, sah ich, wie in Erfiirt die Wiederholung dieser 
Phrase (denn sehr originell sind wir in uns^m politisdien Reden 
nicht) einen wahren Beifallssturm hervorrief. Trotz der Autorttit 
Lamari»ne$ und des Beifall spendenden Erfurter Tages muss ich 
jenen Grundsatz als den Grundsatz der Rohheit bezeichnen, weil 
der Unterschied zwischen dem Rohen und dem Gebildeten darin 
besteht, dass jener natürlich - individuellen Antrieben folgt, wfih- 
rend hei diesem allgemeine (Vernunft*) Motive bestimmend sind« 
zu deren Auffinden es eines angestrengten Nachdenkens bedarf. 
Wohin aber das Geltendmachen jenes Princips der Rohheit fÜHt, 
tdas lehrt uns ein Blick auf die Art, wie die Mehrzahl in unserer 



— 9 -- 

Zeit (weldier nimikh jenes Xamarilite'sche Wort aus der Seele 
gesprochen kt) iber staatliche Dinge zu urtheilen pflegt. Zweier- 
lei cbaraeterisirt sie: die Unkhrheit und die Unwafaiiieit; beide 
haben ihren Grand darin, dass man das s. g. Herz sprechen lässt^ 
wo Verstand und Vernunft entscheiden sollen. Zunächst die Un* 
Klarheit Sie besteht im gleichzeitigen Festhalten des Entge- 
gengesetzten.' Der verständige Mensch scheidet dieses und heisst 
darum gescheidt, das Herz dagegen Termag das Entgegengesetzte 
zu hei4)ergen und Wänsche zu hegen , die sich gegenseitig auf* 
heben, letzt denke' man sich das Herz als Richter in Staatsan- 
gelegeidieiten , und man wird es erUärfich finden, wie so viele 
Menschen in nnsem Tagen, die dabei herzensgute, ja vielleicht 
edeMierzige Minner seyn kennen, das Unvereinbarste verbinden 
wollen. Mancher von ftnen erinnert sich vietleidit noch jenes 
badisdieri Bauern vom J. 1849, welcher eincfr der lautesten 
Schreier war unter den Aufständigen, und auf die Frage, was er 
denn v?olie, die Antwort gaß: er wolle die Republik mit dem 
seligen Grossherzog an der Spitze. Dem badischen Bauern ver* 
giebt man dergleichen und la<^t darüber, dass er nicht recht ge- 
schadt ist Viel ernste aber wird die Sache, wenn ganz gleiche 
Oonftision sieh bei denen zeigt, welche die Gesetze machen. 
Unter den Grundrechten, mit welchen die Frankfiirter Ver- 
sauHslung als mit einem schönen Neujahrsgeschenk das deutsche 
Volk bedadite^ findet sich $. 137. auch, dass kein Deutscher ei- 
nen fremden Orden annehmen dürfe« Das Recht ihn auszuschla- 
gen haben wir immer g^abt, das Neue, was jener Paragraph 
uns schenkte, war, dass ich ihn ausschlagen muss, ihn nicht an- 
nehmen darr. Dieses nun, was man sonst immer eine Verpflich- 
tung oder eine Beschränkung zu nennen pflegt, haben sie als 
Recht bezeichnet, obgleich ein Recht, was in einem Nicht- dürfen 
besteht, sehr viel Aehnlichkeit hat mit der Republik unter dem 
seligen Grossherzog. Dieser Paragraph hat mir gezeigt, dass die 
Redactoren der Grundrechte (deutsche Professoren sollen leider 
am meisten dabei betheiligt seyn) nicht wnssten, was ein Recht 
ist, und darum habe ich mich nicht gewundert, wenn ich in den 
Grundrechten Sätze fand, die offenbar unter dem Patronat des 
h. Crüpkius aufgestellt wurden. Vielleicht wird man mir sagen: 
Du wählst bei der Anklage unserer Zeit deine Beispiele schlecht^ 
Baden hat keine aufständigen Bauern und die Frankfurter Vei^ 



^ 10 — 

sanmiking existirt nicht mehr. Du rechtest also Aber Vergangenes, 
ich wünschte, die Gegenwart böte keine Analoga. Allein ich ge- 
stehe, wenn in Petitionen an die preussisdien Kamniern und in die* 
sen selbst Männer, welche stets verlangt haben» dass die Kirche vom 
Staat getrennt werde, und weldie darüber triumphirten, dass diese 
Trennung in einem Paragraph der Verfassungsurjiuode ausge* 
sprochen wurde, wenn diese jetzt verlangen « dass die Kammern 
über die Rechtmassigkeit der evangelischen Kircbenordnui^ de^ 
battiren, oder gar beschliessen sollen, dass eine Synode berufen 
werde — die Kammern, die als solche, da sie ja aUeh aue nur katholi- 
schen oder nur jüdisichen Gliedern besteben kdnnen, gewiss nicht 
wissen können, ob nicht eine Synode oder andere Mandatare mit dem 
Begriff der evangelischen Kirche unvereinbar — so erinnert mich das 
sehr an jenen badischen Bauern und an jenes Grundrecht. Wie steht 
$s zweitens mit der Unwahrheit? Auch hier wird Keiner» der er- 
fahren hat, wie das eigne Herz den Menschen zu betrugen pflegt« indem 
es Wünsche zu Gründen stempelt, sich wundern, wenn die h, Schrift 
das Herz als den Sitz der bösen Gedanken bezeichnet, und man wird 
voraussehn können, dass, wo das Herz anstattder Vernunft zur Au- 
torität in politischen Dingen gemacht wird, die Unwahrheit mäch- 
tig ihr Haupt erheben wird. Dies wird nun auch durch die Er- 
fahrung reichlich und überreichlich bestätigt. Blicken wir, um 
anderer Beispiele nicht zu gedenken , auf die , welche es so oft 
.und laut ausgesprochen haben, sie seyen der eigentliche Ausdruck 
des Volkswillens, dass sie wirklich viele Guünüthige gefunden 
haben, die es ihnen glauben, die Zeitungsredacteure , so zeigen 
diese uns täglich das Messen mit doppeltem Maass und Gewicht, 
welches natürlich ist, wo die wechselnde Leidenschaft, wo Sym- 
pathien und Antipathien des Herzens das Wort führen, anstatt 
der unabänderlichen und darum konsequenten, Stimme der Ver- 
nunft, Gleich zu concreten Fällen, damit ich nicht scheine zu 
verläumden: Als in Frankfurt im Anfange des Jahres 1849 über 
die Erblichkeit der Kaiserwürde abgestimmt wurde, stimmten 
sämmtliche Reichsmmister für dieselbe; die Majorität bei diesem 
Beschlüsse war gering, sie be:trug nur vier Stimmen, dies bin-» 
derte aber manche Zeitungsredacteure nicht, jenen Besebluss als 
Willen des deutschen Volks zu bezeichnen. Ich habe nichts da-< 
gegen i denn sie haben es oft ausgesprochen, was die Migorität 
besehl^ßsei das sey Wille des Volks, und da ist es am Ende 



^ 11 -^ 

gldehgflliig^, wie Tide die Majorität btlden. Aber weaii diese sel- 
ben Männer im Jannar des Jahres 1851 sich heiser darüber 
schreien, es sey ein Skandal, dass das Preussiche Ministerium 
nicht abtrete, wenn mit einer Majorität von mir vier Stimmen, 
worunter ihre eignen, ein ihm ungünstiger Beschiuss abgelehnt 
wird, — dann sehe ich, dass jenes ihr Princip mir festgehalten 
wird, wo es den Parteigenossen zu Gute kommt, und sie werden 
mir verächtlich, wie jeder andere Lugner. Oder aber, wenn die- 
selben Zeitungen, die Monate lang geschrien hatten« es sey ein 
Skandal, dass Herr von Radowüzt unsere auswärtige Politik mache 
aber nicht verantworte, der Minister Mmt9uffel aber» der noCorisdi 
sie nicht wolle, dieselbe vertrete, wenn diese selben jetzt immer 
dem Minister Manteuffel vorwerfen, er sey von dem abgegangen, 
was er selbst früher gewollt, so ist das dieselbe lügenhafte Weise 
wie in Frankreich, wo die Opposition Herrn Cfuizot stets die 
enUnie cardiale mit England zum Vorwurf machte, als aber bei 
d^ Spanischen Heirathen Lord Pülmerston das Loos des 
betrogenen Betrugers erfuhr, über Herrn Guixot herfiel, weil er 
das einzige Palladium von Frankreichs Wohl, die enUnte eordiale 
geopfert habe* Ja, es ist mit diesem l^enhaften Wesen so weit 
gekommen, daßs man geradezu die Lüge als das eigentliche Prin- 
cip bekannt hat, freilich mit der Vorsicht, die man immer an- 
wendet, wenn man ein schlechtes Ding bemänteln will, dass man 
das Wort Lüge in eine fremde Sprache übersetzte. Sie werden 
es vielleiGht audi oft erfahren haben, was mir sehr häufig vorge- 
kommen ist, dass — NB. von Anhängern des constitutioneUen 
Systems -r- behaiq>tet wird, dieses System beruhe auf gewissen 
Fictionen, als wenn, da Fiction» Erdichtung und Lüge, nicht da- 
mit das ganze System verurtheilt wäre* (Wer sich hier auf die 
juristischen Fictionen der Römer und Engländer beriefe, vergässe 
dass es ein sehr grosser Unterschied ist, oh Etwas, was an sich 
Unrei^t ist, durch eine Fiction unter die Kategorie bereits ver- 
klagbarer Handlungen gebracht wird, um die Zahl der gesetzlichen 
Bestimmungen nicht zu vermehren, oder ob Etwas durch eine 
Fiction zu Recht oder Unrecht wird.) Vermöge dieser Fictions- 
vergötterung sind wir denn auch dahin gekommen, dass die, 
welche immer verlangen, die Charte solle eine Wahrheit, der 
Constitutioiialismus kein Schein seyn, dass diese öffentlich aus- 
sprechen, nach der Charte müsse den Kammern ein Recht zuge- 



— tt - 

sprochen werden, dessen Anwendung freilich HociHrerratfi wfire, 
(d. h. ein Scheinredit) , oder autii: das Veto, welches die Ver* 
fassungsnrfcunde dem König zuschreibt, dürfe nie angewandt wer- 
den (d, h. müsse ein Schein -Veto seyn). 

Wenn ich nun, um so Tiel in meinen Kräften steht, der so weit 
Terbreiteten UnJdarheit und Unwahrheit entgegenzutreten > Sie 
au einer philosophischen Betrachtung des Staates, oder was mir 
dassdbe helsst, zu einer Betrachtung der Idee ded Staates ein- 
lade, 60 muss ich um so mehr nachweisen, dass jenem Zwedt 
dieses Mittel entspreche, als es in unserer Zeit Viele gibt, die 
dies bezweifeln. Wenn Remeo trotz aller Rathsehläge des Br«^ 
ders Lorenzo dabei bleibt, dass es mit der Philosophie Nichts 
«ey, weil sie ihm seine Julia nicht wieder schaffen könne, sie 
halten wir dies der Leidenschaft zu Oute. Ganz ohne al)e Lei- 
denschaft wjerden Viele es für ein schlecht gewühltes Mittel er- 
klären, der herrschenden Unklarheit Philosophie entgegenzustellen, 
da es ja dieser selbst an Klarheit mangle. Rühme sich doch die 
IHiilosophie am liebsten des Tiefsinnes, bestimme sie doch gern 
ihre Aufgabe als die Erforschung der Tiefe des eigentlichen We- 
sens, und scheine «o denen Recht zu geben, die es für ein« 
ievk nota maculae halten, wenn die Klarheit eines Philosophen 
gerühmt werde. Allein so paradox es Einem auch zuerst yor- 
kommen mag, wenn Fichte sagt, dass nur in der Tiefe sich die 
Klarheit finde, während die Oberfläche immer verworren und ntk* 
klar sey, so wird man doch bei genauerer Betrachtung immer £e 
Erfahrung machen, dass er fol&ommeH Recht hat. Wie compli- 
cirt, ja confus erscheineti die Bewegungen der Planeten dem , der 
nicht das Centrum derselben gefunden hat, wie erscheint es dem 
Anfänger in der Mathematik wunderbar» dass Einer so complicirCe 
Formeln wie (a-f-b)^^ im Kopf haben könne, ist er aber in das 
Wesen des Binomialsatzes eingedrungen, so ist es ihm klar, wie 
es für den Mathematiker nicht schwerer ist, die eilfte ads die 
sechste Potenz jenes Binoms hinzusetzen. Ganz eben so verhält 
sich's audi hinsichtlich des Staats. Was Mancher unhegreiflidi 
findet, dass wir vom Staate fordern, dass er jedes Eigenthum 
respectire und dass wir ihm zugleich das Recht der Expropriation 
beilegen, dies wird ganz klar, wenn man das Wesen des Staa- 
tes eii^annt hat. Dazu gehöi^t aber eine tiefgehende Untersucheng. 
Es gibt aber Andere, wekhe zwar nicht der Pbilosopirie über- 



-r- 13 — 

haiipt die Klarheit «bspreohen, woU A%r der PbUoeopbie oder 
der Schule, als deren Anhänger man mich anxusehn pflegt« Wena 
nämlich die Unklarheit in dem gleichieitigen Festhaken des Ent* 
gegengesetxten hestehn sollte, so werde die JETe^Wscbe Philoso- 
phie ihr gewiss kein Ende machen, denn sie sey ja die Philoso- 
phie des absolaten Widerspruchs. Dies ist in so weit wahr^ als 
diese Philosophie sieh wirklieh philosophia cinUradielumi$ äbioluUie 
nennen kann, in so fem sie den Widerspruch nicht nur vermei* 
det, sondern absolvirt, abthut, damit wird aber ihr Hauptg^schäft auch 
seyn, der Confusion und UaUarhcit ein Ende zu machen« Nimmt 
man dagegen jene Bezeichnung in einem andern Sinne und will 
damit sagen, dass die Hegel* sehe Philosophie sich in (ungelösten) 
Widersprüchen, gefalle, so ist über diese Behauptung wie über 
jede andere Verleumdung hinwegzugehn« Also Klarheit wird am 
Sichersten bei der Philosophie gefunden, und zwar in demselben 
Haasse mehr, als sie die Wurzel aller Unklarheit, den Widerspruch» 
zum Worte kommen lässl, um ihn zu überwinden. — Steht es 
wohl aber eben so mit der Wahrheit, und kann Terntalligerweise 
erwartet werden, dass sie in dieser meiner Vorlesung sich uns 
enthüllen wird? Verneinen muss dies natürlich, wer überhaupt 
leugnet, dass es eine Philosophie als Erkenntniss der Wahrheit 
gebe, Yerneinen wird dies ferner, bei wem d^s Geschrei in Ta- 
ges- und Flugschriften Eingang gefunden, dass alles Uebel unse- 
rer Tage seinen Grund in der Hegel* sdkea Philosophie, als der 
Incamation aller Lüge habe. Aber auch die, welche einsehn, dass 
sich der Zweifel an der Erkennbarkeit d«sr Wahrheit selbst wider- 
legt, und die auf jene Kläffer gegen die HegeVsoht Philosophie, 
schon deshalb nicht achten, weil sie derselben in einem Athem 
Paittbeismus und Atheismus nachsagen — (was ungefähr so 
sinnreich ist, wie zu weniges zu viel oder Ueberfluss an Mangel, 
und an jenen Pariser Charlatan erinnert, dessen Stiefelwichse vor- 
trefflidi seyn sollte, um Wäsche zu reinigen) — aber auch diese, 
sage ich, werden zweifelhaft werden^ ob aus einem Munde Wahr- 
heit «pwartet werden kann, der lauter als irgend Einer es auszu^ 
sprachen pflegt» dass die Philosophie Bewusstseyn ihrer Zeit sey» 
und welcher ja damit ihr nur eine^ ephemere, zeitliche, Geltung 
vindicire, wälirend Wahrheit doch nur dem ewig Gültigen zukomme. 
Dass die Philosophie Wahrheit und also das Ewige enthalte und 
dass sie das Bewusstseyn einer bestimmten Zei^ ist, die^ wäre 



— 14 -^ 

kin Widersprach nur dann, wenn behauptet würde, dass diePhi» 
losophie und die Zeiten so wechselten, wie etwa die Moden, wo 
die eine die andere verdrängt. Dies aber ist nicht der Fall, 
vielmehr wie von jeder Zeit Vieles als bleibendes Resultat auf die 
ihr folgenden übergeht und ihnen bleibt, eben so ist, was eine 
Philosophie behauptet, höchste und alleinige Wahrheit für ihre 
Zeit, bleibt aber Wahrheit für alle Zeiten. Es verhfilt sich hier 
wie mit jeder andern Entwicklung« Ein Baum z. B. entwickelt 
sich, indem er neue Zellen hervorbringt; viele derselben und 
ganze Complexe derselben, die Blätter und Bläthen, sind ephe- 
mere Erscheinungen, neben diesen aber, die jährlich abfallen, 
gibt es andere, die, wie die Jahresringe uns beweisen, ein blei- 
bendes Besitzthum des Baumes bilden, und das, was wir den 
Baum nennen, mit ausmachen. Dies nun, was eine Zeit erringt 
und was, gleich jenen die Jahresringe bildenden Zellen, das Wahre 
und Bleibende ist für alle Zeiten, dies erhebt die Philosophie ins 
Bewusstseyn, und wie in dem Baume der Zeiten das nicht verlo- 
ren geht, was die frühem Jahrhunderte als bleibende Ringe ab<- 
setzten, so auch nicht in dem Baume der Philosophie das, was 
wahrhafte Philosophen auffanden. Und darum darf ich, obgleich 
überzeugt, dass jede Zeit ihre Philosophie habe, dennoch so kühn 
wie jeder Andere behaupten, die Philosophie lehre nicht ephe* 
mere Tagesmeinungen, sondern das ewig Wahre. 

Ist es aber so vorzugsweise die Aufgabe der Philosophie, der 
Unklarheit entgegen zu arbeiten und der Unwahrheit totgegen zu 
treten, so werden philosophische Untersuchungen über das Wesen 
des Staates das beste Mittel seyn, sich von jenem Fehler im po* 
litischen Räsonnement zu befreien. Ja für den wissenschaftiidi 
gebildeten jungen Mann nicht nur das beste, sondern das einzige. 
In dem Ungebildeten vertritt die SteUe der klaren Erkenntniss der 
unmittelbare Patriotismus, welcher sich als instinctartige Ehrsam** 
keit, als reflexionslose Pietät zeigt. Diese leiten ihn sicher, wie 
das Gemüth des Kindes oder des gesunden Weibes so oft das 
Wahre findet, wo die Reflexion es verfehlt. Unsere ganze Schul- 
und sonstige Bildung aber vernichtet diese Unmittelbarkeit, indem sie 
wesentUch auf Reflexion beruht, darum kommt es höchstens ab 
seltene Ausnahme vor, dass ein junger Mann, der die Schule 
durchgemacht hat, jene Pietät in sich hat, die die Uebrigen bei 
ihren Vätern m Yerwunderung setzt. Die Meisten bleiben in ei- 



— IS — 

nem Zwischeni^stdiid , wo das unmittelbare Einsseyn mit dem 
Staat, jene Pietät, aufgehört hat, und das bewusste Ergreifen und 
Begreifen «eines Wesens nicht eingetreten ist, und in diesem 
Mittekustande rfisonniren sie in einer Weise , die dem unbefan- 
genen Patrioten wie dem zu wissenschaftUcber Klarheit Gekomme-* 
nen gerade so unangenehm ist, wie dem Ohr der Gesang einer 
Stimme, die sich bricht und weder Alt ist noch Bass. Wie in 
solcher Zeit nicht gesungen werden soll, so sollte in diesem 
Zwischenzustande nicht über die Staatsangelegenheiten geurtheilt 
werden, aber gerade er liefert die lautesten Räsonneure. Sie ha- 
ben kein Recht zum Urtheilen, weil ihnen die Organe dazu fehlen« 
Ob ein Componist einen Fehler gemacht hat, darüber kann der 
Hörer der Musik urtheilen, wenn er ein feines Ohr hat, wer taub 
ist und die Partitur liest, nur unter der Bedingung, dass er den 
Generalbass gründlich studirt hat; über das Licht gestatten wir 
dem Sehenden zu urtheilen, oder unter den Blinden nur dem, 
der optische Studien gemacht hat wie Saunderson; — eben so 
gestatten wir über Staatsangelegenheiten zu urtheilen dem, der 
ihn Hebt und kindlich an ihm hängt, oder >vieder dem, der ihn 
begreift; in wem die Piet^it aufgehört und das Begreifen noch 
nicht begonnen hat, der soll schweigen. Ich will durch meinen 
Vortrag dazu beitragen, dass Sie nicht zu schweigen brauchen, 
sondern reden und urtheilen dürfen : ich will dies, indem ich de- 
nen unter Ihnen, welche jene Pietät noch kennen, indem die Idee 
des Staates in Ihnen lebt, dieselbe zum Bewusstseyn bringe, so 
dass Sie Rechenschaft geben können von Ihrer Liebe zu dem 
Staate, dem sie angehören; ich will denen, welche irre daran ge- 
worden sind, ob unser Staat seinem Begriffe entspricht, diesen 
Begriff in prägnanten Zügen darzustellen versuchen, damit Sie das 
Gegebene nicht nach ihren Wünschen, sondern nach den For- 
derungen der Vernunft messen^ nicht darnach fragen, was seyn 
könnte, sondern was seyn muss. Diese Aufgabe aber sehe ich 
vorzugsweise, ja ausschliesslich, als die des Katheders an, welches 
ich glücklicherweise auch meines nenne, des philosophischen. 
Wie ich es offen zugestand , dass man Politik als Staatskunst 
schweriich bei den Kathedermännem lernen möchte, wie ich es 
eben so offen erklärte, eine Politik als Staatenkunde, als pragma- 
tische Ei^iärung der Gegenwart und Deutung ihrer Aufgaben 
nicht geben zu wollen, weil unsere Historiker und Statistiker dies* 



^ 16 — 

besaer können als ich, eben so ofi^n spreche ich ed atia^ 4aeft 
eine Vorlesung über die Idee des Staates von dem Professor d&t 
Philosophie besser wird gelesen werden, als ¥on Einem» der nicbl 
Philosoph von Fach ist. Dass diese Vorlesung eben darum nichts 
als Professorenweisheit enthalten wird , versteht sidi von seihet, 
die ist aber hier auch am Platz, so Ucberlidb sie immerhin m 
constitnirenden upd legislativen Versammlungen sidi ausnebmeR 
mag. 



Tiia^eMe Vorlesnngr« 

Entwicklung aus der Idee oder philo sophis<}he Betracbtuiig 
i^t dasselbe. Eine solche aber ist untrennbar vom systematischen 
Zusammenhange, welcher seinerseits verlangt, dass zuerst die Ge* 
genstände abgehandelt werden, ohne deren Erkenntniss die andera 
nicht gehörig begriffen werden können, dann ^rst diese letztere. 
Darum wird das ganze System der Philosophie beginnen müssen 
mit den Begriffen, welche als die, keine andern voraussetzenden, 
die ersten und einfachsten oder die Grundsätze für alle übrigen 
sind, und je weiter es fortschreitet, um so. mehr wird es sich mil 
Begriffen beschäftigen« welche viele andere voraussetzen und also, 
complicirtere, später zu betrachtende sind. (Beiläufig kann be- 
merkt werden« dass jene ersten Begriffe diejenigep sind, welche 
den Inhalt: der Logik bilden, die sich also mit den einfaohsteisi» 
allgemeinsten, abstractesten Gedankenbestimmungen beschäftigt.) 
Dass nun der Staat, mit dem wir uns hier beschäftigen wollen, 
ein Begriff letzterer Art ist, d» b. einer der sehr viele andere 
voraussetzt, dies wird ein Jeder zugeben, w^im ^r ^ich sagt, dass 
man ihn gewöhnlich ia dem Tbeil der Philosophie abzuhandehn 
pflegt, welcher praktische Philosophie oder Ethik genannt wird, 
der dann weiter einsieht, dass diese nicht denkbar ist ohne die 
Erörterung der Begriffe gut, welcher der Moral, und recht, welcher 
dem s. g. Naturrecht angehört, ferner aber, dass von gut und 
recht nicht gesprochen werden kann, wenn man nicht die (psycho- 
logischen) Untersuchungen über Erkennen und Wollea angestellt 
hat, dass diese wieder Erörterungen über Empfindung und spon- 
tan^ Bewegungen vorauszuseUen^ die^ wenigstens, zum Theil» phy-* 



— !1 — 

ftloloKgfiMäbe Onifträkchttng^tl elFibrdem u. s. w. Im ftjiteMitistheil 
EttsamnMiibatige wü»d6 aho Physiologie, f^sjrdiologie^ Naturreeht, 
Hi^ta abgdidiid^lt a«yii fnfisften, ehe die I4ee des Staates ent- 
WMikiM werden körnte. üVenn nun meine Absidit ist, in dieser 
Yoriesiiii; iiat* den Siael zu betraobteti, also jene YoraiMetediigeii 
seines Begtiife nicht mit sit geben, wenn ferner eine Voriesung 
wie diese nieht das Recdit hat voratis;iuset2en , dass Sie alle Jene 
Disciplinen in Weise des Systems» su dem idi midi b^enae^ 
durchgemacht haben, so muss ich dem Uebelstande abhelfen, der 
dadurch entsteht, dass dn lElegriff, welcher eigentlich das Resul- 
tat vorhergehender Entwickking ist, nicht als Hesiliat, Soodertl 
als Attfengepunkt «d als ein Sdbslslandiges filr sieh befaaadeH 
WM« Zwei Wege ktfni^te ich hierbei eMsehlagen: Einmal nUm« 
lid) in einer kürzen eraihleDden Damteltang den Gang angeben» 
w^Ieken das System der Ptntosophie nimti]t,«um bei dein Begriff 
de« Staates amubtogem, nrit welchem unsere Untersuchung begin« 
imk wird, oder aber ich könnte gans ohne solche Erzfthlang in 
einem möglichst kurzen und pracisen Satz, welcher dann eine 
blosse Bebaüptong ist, das Resultat jenes Ganges aussprechen,; 
olMi6 anch nur ein Wort dardber zu rerlieren, wie es herauskain« 
Von diesen beiden D«rtfteOttngen unseres Gegenstandes, — wetehe 
idi v^IeicheB nddite mit zwei Speoialcharten «Ines Landes, auf 
deren einer die Naokbariinder mit ihren FMIsseo, Gebirgen u» s. w« 
mit angegeben sind, nur nackt so genau und nüdit oelorirt, wMirend 
awf df»* alldem dieses Land wie eine Insd «nf dem Ooetfi de* 
weisse Papiers schwinknt -^ von diesen werde ich dei^ Kdrti 
halber die letztere erWifalen. Ich kann dies um so eher» als die* 
ser Satt in dner ^rieisen leichtverstindtiehen Form ausgesprocheot 
weMeu band, und hinsiohtiick seines Inhaltes scbWeriick an^tössig 
seyn mftcbie. Naitiriich wird hier ein grosser Unterschied Statt 
fi n den na^h dem Verbikuss, in dem man zu diesem Satz steht» 
Für nieh sMtA und fdr^jednn, der wie idk sieh dieseh Satz be- 
wiesen hat, indem er ihn^aus unersdiatterlich geWisHen Ptitnissen 
fbigerte, wird di^ folgende Barateilung, die nur a|U8 diedem Satsli 
fSoigem wird^ dieelutd d. h^ materielle und formeUe, objective und 
siAfedive Gäüigknil und Wahrheit haben; ffar den, welchem jener 
Satz nicht eine bewiesene Wahrheit ist, der aber sich nüt dem 
bhalt daiselben ei»ve)^standen erklart» weil er nur enthUt, was 
auch emnd eigene Anseht ist» Sär die&ctt wkd meine DarsteUuilg. 

2 



- w -» 

Rubjeeüf« Gewis^eii haben mAs^eii upd «r .wir4 ftr materielle 
WahEhjeit nicht, absprechen ; endlich aber, wer diesen meuiea SaU 
niaht zugesteht undr demgemäss die Consequenzen damus j»iah 
nichi; gefaUen lässt, wird, wenn.Acb anders riobtig folgere, meiner 
DaratelluBg die formelle Wahrheit, nicht . absprechen können^ soUte 
er es auch mit dns Polmivs Worten thun: bt'd Tollbeit gleiidi, 
80 bat es doch Methode* DaȧesuUat nun aller Tiorhergehenden 
Unter$iithfmgen i^preobe icU in dem einen Sats ms : 

Der Staat ist {1er höchste sittliche (D|rganismus. 

Die$«r.Satz is4 kurz und präcis. Er enthalt dabei Alles, was. wir 
f&r ionsem Zwetk ndäiig. baben. Ich kann endlidi vorauasetze*, 
dass die Miekten unter Urnen ihn unyerflingliöh finden ui^ i^agen 
werden: Dies kann man zugehen. Da mir aber nicht daran liegl, 
Sie zu überreden, sondern daran, dass Sie überzeugt werden» so 
bitte ich Sie, Ihre Zustimmung so lange. znrttduubaUen , bis wir 
nns darüber Yetsiandigt haben, was dieser Satz eigentlich besagt. 
Verstehn wir uns recht: Nicht &o bnge solleii Sie IhreZustim-* 
mnng zur&d[halten , bis ich gdzeigt; habe, was aus diesem Satze 
folgt', idenn dies. hiesse dieselbe erst im Ende aller :dieser Vern 
lesungen erbitten, sondern, nur bis ich Ihnen gezeigt; habe (war 
Aufgabe. der heutigen. Vorlesung sejnsoli)^ was dieser SaU expreaa 
besagU Dazu' ist Ji5thig,. dass üdi ihn ^Yöt Ihren Augen. analjfsire, 
dine Analflsis.^ die: sich za der Evohitibn des Satzes-, in .wdcha» 
di^^gaozciV^Hrbsiing l>efitehft wird/ ungefähr so. YerUUl^ wie dae 
Thüni dei3> Pflanzen -Anatomen , der eittSäamrakom zerlegt und 
unter dem Mikroskop bertraobtel;, utn .zu .sehn, waa. dasselbe eilt* 
hiUt, zui dem des Pflanzen r.Phystolbgen, ^er.^ia Veränderungen, 
desselben and das HerYorgehn der Pflatnse aiiis -ihm beobachtet. ' 
'Jener Satz sagt also erstlich, dass del* Staat ein Otgania*- 
mns ist^ isin Wort, -das ich als das -bestimmtere dem Wort Gemekftr 
schiift, :a^s das k&rzere dem Ausdruck organische Gemeiiischaft TOi^e-« 
zogen habe. £s> bezeichnen aber, die Worte Onganismus, organisdi^ 
ein logischeB (A.b. ein allgemeines Veriiimft*') V^hältmss> und. 
wenn Einige gesagt haben ^ dieses Wort habe «ui* in der Natur 
eine eigentliche, sonst aber eine bikUielie Bedeutung, so könnte 
man» mit denselben Recht oder .vielmehr Unrecht sagen: es sey^ 
ein bildlicher Ausdruck ,* wen» man Yom Zweck einer Handlung 
oder Tbm Grunde einer Natuirersoheöning spricht» Vielmidir tWie, 



~ is — • . 

6s in der N«tur Organisches «nd NicMörganisch^ ^ibt, >tte5^.kd 
in der Sphäre, die über die Natur hinamftgeht: das Wachsen der 
Pflanze ist ein organischer Vorgang, wie die Bildung des Staates, 
die Reibung ein nicht- organischer, wie das Gezwungenwerden. ku 
einer That. Was dann weiter die eigentlidie Natur und Bedeu* 
tuflg dieses Verhältnisses oder dieser Kategorie betrifft, so be- 
zeichnet das Wort Organismus eine Vereinigung, welche nicht 
eine blosse Summe oder Zusammtnensetzung ist, in weicher die 
I%eile gesondert, viele, bleiben, sondern eine solche, in welcher 
durch ein wirkliches Eins -werden an die Stelle der Theile Glie^ 
der treten, d. h. solche, welche nur im Ganzen sind, nur an ihm 
eine Realität haben. (Eine Hand vom Leibe getrennt ist keine 
Band) sondern ein Stumpf.) Also durch Aufhebung der Vialheit- 
erst koimnt ein Organismus zu Standes • Aufhebung aber ist nicht 
Abwesenheit. Wo alle Vielheit mangelt, giebt es eben so keinew 
Organismus, sondern nur gleichartige Masse, und seit Äristöü^ 
les haben alle tiefer blickenden Philosophen dies mit Recht an-^ 
erkannt, dass das Organisehe nickt ein Atom, auch nicht ein ho-r 
mog^es (homöomerisdies) sey, sondern ein soldies; das eine> 
M«niig£ailtigkeit darbietet. Diese beiden Bestimmungen der Viel- 
heit und Einheit, die zugleich Nicht- Vielheit und Nidit - Einheit 
ist» vereinigen sieh darin , dass die Realität des OrganismoB ift 
dem «t<^n Eins-eetzen des Mannigfaltigen, dem steten Differen«« 
»ren des Homogenen besteht. ■• Der Organismus ist nur im stdi 
Orgahisiren, d. h. jBich als Orgai^mus Hervorbringen, oder in 
dem, was man gewöhnlich seine Selbsterhältung nennt. — Pran- 
gen wir nun weiter, was denn die vielen zu einer Einheit macht, 
ibfsdien wir nach dem Bande, welches nach dem Gesagten kein 
blosses Additionszeichen ist, sondern ein den- Mannig£aJtigen die' 
Selbstständigkeit Nehmendes, so nennen wir dies in emem natOri» 
lieben Organismi» seine Seele oder sein Lebensprincip (welche 
Worte niir ganz gleich viel bedeuten). Ein unbeseelter Organis- 
mus ist daher ein bandloses Gebundenes, d» h: ein hölzemes 
Bisen. In unserer. Zeit, welche sich überhaupt dadm*ch auszeioh-. 
»et, dass ^,Schon dagewesenes*/ als neue W^heit gqiriesen wird» 
giebt es nun sehr ^eie, die, was ich eben aussprach, als anti- 
quirten Aber|^auben bezeichnen, weil die neuem., namentlich dicj 
diemiscben und mikroskopischen UntersuchimgeÄ gezeigt, dasa 
der Qi^amsmtis nm aus Stoffen, diia Lekensersdieinungen nur im 

2» 



— 20 — 

Stoffwtehsd befttebiu DUts imierftehr«ihe ich. kis auf ü6 Icftzte 
Säbe, eben weil aber der Stoffwechsel kSan Staff iat^ -deB daa 
Hikroikop enUteiskt,. ^n deswegen behaupte ic^, das« d^r Orga-» 
msmus etwas mehr eathalt als die Stoffe, eben jenen Wecfasel, 
in welfchem fortni^hrettd die egoistische Selbstständigkeit negiii^ 
Eines in das Andere übergefährt < — Blut lu Muskel -^ wird, ftm*- 
des Uebergebn ist Lebensprinctp, Seele, findet b(ri deiü Entaeel-** 
tea, dem Leidinam, mebt Statt» Das Lebensprineip eineb nidü 
bloto natürlldien Organisinub, eines silüichen z. B«, nett&efl ntff 
6«ifii Eine Familie ist ein Organismus, iodenl der eine (Fani^ 
laeik'-) Gebt die einzelnen Glieder durcbdriogi, und im Einaelneli 
ds den EgDismns aushebende Liebe zum Andern, als Familien-^ 
pietaty als Famüienstoh u; s* w. sich kund gibt. Dieser Drang 
ädi zu Verleugnen,, sioli ai^zaopfern, ist/ nur geffihlt o4ef be« 
wuBSt, was dasUntergehn des Bluts in der Muskelfaser War ; ibM 
dies aui; indem der Einzelne sich HA Einzelner behaupten wiU^.aO 
krankt dafe Familienleben, elvtirbt endficb, W9& Alka keitt^ bild^ 
liehen, sondern gaaz eigentlicbe Au&drudLQ sind» -^ Eben sa ist nun 
auöh der Staaä^ ein OrganiaiBus nur dadurch, daas ean Geist in 
ihm waltet, der sich fti . dem Einselnen als das deti EgoiaaMS 
lieberwindenide aeigt, obgleich er sich in dbm £inen ibehrratd 
hewusstloBe nar gefifaUe fietit, id dem Andetti als bewttssteif 
inteHi^ttter Patriolismus zeigen wird. 'Wählend ^int Bande nut* 
dbreh den Sginsmua der Einzelnen KüsaanlneAgeballen ^rd , und 
delher das, iast inlmer berechtigte» Mis&trauen ntir. eine meidmnJH 
sdift durch Fnrcht erhdkene Einheit erlaubte, wahnead deasen idi 
es kn Stalle der Giaid>6, das Vertrauto, die- Liehe ^ wekbe 4it 
Bärger terkiiüpft; dagegen je mehr der Egoismus des EansafaMI 
hervortritt,, um so mehr erscheint der Staat als hraiik* Da vdd 
Nafiur das Geistige al» eine Yidhcit erscbemt -^ das Geistige^ 
w» äier alle Ntttörlichkeit hiiia«sgeht,< wird' daimm ataiEioktoÜ 
geiadit-^-^ so ist. der Egoismiis das Natudiehste im Ibnsdieai 
Nicbt das Vernünftigste« Vieknehr da sefaie Bestknatimlf istl, sich 
über die Nfttnr su eiiieben, so erfüllt er selbe BastiinMiung .um 
so mehr, oder was dasselbe heisst, euUavirtei'^sMdli um sd "mebr^ 
je mehr er dea natürlichen Egoismus «heiMMdet Schon in der 
Familienliebe 'wird die natürKdr-egiMitisidie f renliung aMgcMieii 
und ein Geist kerrsisfaeiid, m^o es bie' ddna hieks« tott^ia» M 
$eniu$t^ mehr noch wo der Geist mäehtig w«d^ 4er im. ganzes 



-- ai — 

VMkiieinwlty noA mriir wo der Geist def Himanitäl» mti seuMb» ve 
ier Cteifll 4er iiiiiFeratllcii Lifebe, £ottt in- de» Ksnstinen.sidi be^ 
(liitBgt. DiAmm ist der Staat ein übernattaitcber^ d. fa. cü» küniti- 
iicfaer oder Cultorz«8tand> unfebekrt eber das GelteodiiFerden d«k 
J^goisiiiiis «Rtepgrftbt nidit aur deii Siaal> aowten 'ist ab Ztb- 
rückfliUki sam Rati^liehen, HadfiM nir UiMiiltur ode^ »ur Aofar 
heitt die als MckM schlimmer ist als die «rate Botdteit, ddier 
sahne Aasatihiiia Anarchie die Bestialität bN^^rornifL Ber ^Siait 
«t OrganiaiMiÄ heisat alsa: Beine Glieder sind dureh einaa Gaiat 
dnrcbdrongeB und der eine Geist zeigt .sicli inaiaer Hai^gftd»' 
tigktil 7«ar Gliedern. (Nm gaaz. heitiii% ifill ich hier bealeakeii, 
dass wenn die Sahl und Manaigfidtigkeit' so gross wird , das& ^i^ 
iädheit Aen <9biateBsieb ideht behaupten kan^ oder aber wieder 
umgekehrt die ZaM 00 gering wird, dass die MannigiUitgkeit gan^ 
▼ersehwiridetj von etnckn Staate. niofat di» Bede saya kann«. We»*- 
der daa ganao Manüfehj^eBoldedit, nodi eioelZ^M Tbn xebuPer«- 
«onett wird einen Stadt bilden kdnnen. Naturtidi aber« tritt -hier 
wie' ' in allen • llahSieskinAniingdn . dte ' ftdattae , Flienedda befver 
und der rdmisefae ofltis terrtsrnm und die FurstenthAmer Iffianoeö 
und Liditenstein seigan hier die Extreme.) Ms Orgamsuina. alao 
gehdrt der Stallt unter die Kategorie d«r bcseeltnii oder Tielmelar 
iMigifistetett tiemeinsdiaften,^ 

Ich habe zwiitena den Staat d««n sittlichen Organismus 
genahnt. Bies ist nicht nur . gesdMhn> am ihn yen den natArw 
Kebeii'Orgaiiiuneib KU tl^ennen und in die Ueäe der geistigen ati 
st^n, eoildern zu^eidi, um ihm innerhalb diesem letztem seine 
Stelle ane»weisen. 

• Da das Weson des Gdstes in der Fueiheit besteht, so wird 
es keinen «iii^en Tkdil der. Geialeilelire geben, welcher aseht 
die ErscbdiirangeD der Freiheit betrachtete, und auch cBe Psycho^ 
logie hat tan Grande keine andere Frage zu beantworten als die.: 
was> ist BfilUtiguag der Freiheit? Sie stellt aber dibse Fiage 
gana ^dtgeen^in und formell^ fl«gt nur laab der FreiUeit über^ 
faatipt, indem sie audeht, ob ein Erkennen gekviden oder frei, 
ob ein Begehren wUlhährlioh oder umulkuhrädi'dst u. a^m 
Anders TerbHt «oh's mit den Erseheitiangen, wekdie der Gegoi«- 
slaad^der pratösobeti Phifaisi^bie oder Ethik sind, und die. Im* 
daher ethisebe nennen wollen» Unter diesen Yerstehen wir sofadie 
BraAeinangen, die nibbt bloa Manüestatianeit der Freiheit sind» 



sondern nigieich ein Vatältniss rü gewiifeen FordBhmgch der 
Vernunft ausdrücken) welches den Werüi dersdbtn bedingt und 
mit den Worten gut und sdilecht bezeichnet wird, welche andeil«- 
ten, ob das Vernünftige gewollt wird oder nicht, so dass alle 
ethischen Untersnehungen eigentiich wie Cicero die seioigeil 
nannte de finibtu bonorum et malwum handeln. Nur die RoBexion 
aber auf das Factnm, dass das^Wort gut etwas ganz Anderes be^ 
deatet» wenn ich von einem guten Zahler spreche, als wenn ieh 
sagd ein guter Mensch, und wieder etwas gan2 Andores, wenn 
ich Jemand «inen gnten Bürg^ nenne, schon diese muss uns 
nahe iegen^ was die genauere wissenschaftlicbe Erörtenuig bestat 
tigt, dass das ethische Gebiet in gewisse von einander Terschie^ 
d^e Sphären zerfällt. Wenn nftmlioh^ das Gute dem MensoheA 
gegenübertritt als einß von ihm vorgefundene Haobt, die er ju 
respectiren bat, so steht er im Rechtsverbäitnissj Im Rechte er^ 
scheint das Gute, die gewollte Vernünftigkeit, ab etn ohne mein 
Ziithon, von unsem Vorfahren, Gewolltes, dem idi iinidh wie dem 
Natui!geset£ zu unterwerfen habe. Eben weil es ohne mein^ Wolr 
len da ist, verlangt es nur, dass ich es nicht antaste, verhieltet -^ 
auf fismittem laede kann .zuletzt alles Recht zurückgeführt werden — 
eben so aber hat es* als meinem Willen Aeusserliches eine Maobt 
nur in dem Gebiete des Erzwingbaren, der Sachen und Handlu»*- 
gen, und betrifft die Gesinnung gar nicht; Endlich aber: liegt 
eben deswegen in seinem Begriff, d«ss es, welches gar keine 
jSubjectivität achtet, keinen Unterschied unter dm Sabjeeteil 
madit« Vor dem Forum des Reehts gelte ich so viel wie j^der 
Andere, ja wenn ich einen Process gegen den Staat fobrO) so viel 
als dieser. Ist eine Handlung dem Rechte conform, .so nennt 
Bian sie legal; wer legal handelt, hat Recht, ist gut, in dem 
Sinne, wie wir oben. sagten guter Zahler. So sagt ja: wohl im 
kanfm&nnischen Gesprich der Eine zum Andern: „Der Mann ist 
gut'* und versieht nur, dass man ihm vertrauen, cr^lü^iren, tonnen 
Vi^enn idi hinfort von Redits-bstituten, von rechtlicher Beurlbei-- 
Jung u. s. w. sprechen werde, so werde ich nur die,.alle Ge«ia* 
nnng frei lassende, Legalität im Auge haben. Giibe es nun kei^ 
nen andern Maassstab derBeurtbälung als diesen rechtlicben, eo 
wäre Jeder ein guter Mensch > der sieh nicht an fremdem Eägen«- 
4hum vergriffe, sondern in den Grenzen dessen hielte^ wosu er 
berechtigt ist. Dies aber verstehn wir bekanntlich niisbt. unter 



pxieh JtHaaditni sMidem wissen isebr gut,' 4bss wton et 
%. B. aiiien Prcrcsss führt r m dem eor Recht bat, der 'aber seiiien 
Wohldiäter rukiirt, dass er da unredit, sdiledit handelt, sieh 
nidit als ein guter Mensch erweist. Hier bezeichnet das Wort 
gut nicht die Legalität der Handlung, sondern die Moratitat dessen, 
welcher handelt Analysiren wir Uöss was in uns Torgeht, wenn 
wir eine Handlung juridisch und wenn wir sie moralisch beoT'- 
theilen» so werden wir finden, dass hier ein diametraler Gegen'^ 
satz Statt findet. Dort wird nor auf den Thatbestand gesebn, 
hier dagegen ist ' die Gesinnung die HaupHsaehe. Dort bandeltii 
siob's einaig uoid allein um Unterlassungen, welche mr Noth ev^ 
zwangen werden komten , hier dagegen uin- ek eignes' Handelal^ 
hfliäehtitcb dessen ein Zwang' undenkbar ist, dessen Unt^friassuog 
aber das Gewissen strenig iadelt. Dort handelt sich's darom, ol^ 
lA eine Handlung vor dem« nicht von mir gemachten Geselz 
Tsrantworten kann, so dass sie «vor ein forum ^xienfiwn gebrächt 
mrd, hier dagegen ft'agt sieh'sAur, ob die innere Stifhnie dei^ 
Gewissens mich freispricht • ode» ventrlbeüt. Eben darum Ahit 
weH hier die eigne Subjectifität entschefd^t (mein Gewissen isic 
nichts Andres als ich selbst), eben deswcsgen findet hier Statt #as 
dort fehlte, individuelle Versekiedeiilheit. t¥as dem Efnen sein 
Gewis^n orlaubl, das wird dem Andern durch das seinige ver- 
beten, woraus der rohe Mensch 8i<^ kein Gewissen macht,' das 
ersehemt dem gebildetern als ein m^alisches Unrecht. Wenn 
nun aber die Individualität und Bigenthümlicfakeit mit den na~ 
tQrltt^n Unterschieden der Menschen zusammenhängt, so wird 
gesagt werden messen, dass die moralische Beurtheilang die na^ 
tQrlichere, dagegen die reohtliehe als die künstliche' ahgesehn 
werden mnss. Daherkommt es> dass wir Analoga des moraliscbetf 
GeAMs (Scbaam. z. B.) auch in der Natur, bei den höhern Thie- 
ren finden, dagegen von einem 'RechtsEustadde nicht di<^ allerge- 
ringste Spur. Daher kommt es, dass der Mensch in dem^Zu^ 
Stande wo er den Natnrwesen am Nächsten steht ,' während dei' 
Kindheit» den Standpunkt des abstracten Rechts, weil er unnatär^' 
lieh ist, nicht zu fassen im Stande ist, sondern immer mit mo- 
ralischen Gesichtspunkten kommt. Dieser Mensch ist gut beisst 
dem Kinde nur: er bat ein gutes Herz, und der Standpunkt je- 
nes Küüftnanns ist ihni unbegreiflich« Dies gilt von Ihdividueh' 
eben so wie von Völkern. Ein Kind kadu es ilidht b^egreifen; 



— a* — 

4au wßm Koßr undankbar ifiA, tr vor Gericiit Racbl b«k<wMNi 
kann, ^<^n «o Qndet 6« der Ghinesre g9«3 in d«r Ordnung^ wen 
lliner Prugßl kriegt* ^eil er seine Frau nicht genug IkÜi, gA- 
j»<4n£hi die^ doch auch bei Kindern, w«in eie racbeuchtige Ga^ 
danken 9ßigen; bei grösserer GuUur degegen «taht diee f«il, ä^a» 
dies vpq einander getrennte Sj^ärea aindi und der Richter «nge«^ 
recht ^rtbei)en würde, wenn er bestrafen wollte» n^ dew eiger 
nen Qe^issen überlassen bleiben muaSt (Die lauten Stiwnea, 
welche sidi beat m Tage vernfliiDen lasse»: es sey gana R^t» 
dass der Reiche geawnngen werde, den Armen lu unterstüt^eoi 
weil es #chl^cbt eey« dass jener scbw^Ig«^ wahrend dieser Jinngp^t 
^igen nur dass e^ sehr ^iele erwachsene Kinder und «anafijkiaete 
Chinesen gibt) Sq streng 'nun auch für den gebildeten Uenachen 
beide Gdoiete geschieden sind, so fühlen wir dod) euch, dasa <# 
]E:rsobeiquQgen im ethisphen Gebiete gibt« von denen weder 9^ 
yagt werden kapn, da^^s sie der Rechts* notd» ism sie der meta^ 
Aschen Spbäre angeboren, indem gie an beiden particnpiieq und 
i|ber beide hinausgebn. Diese b^ere Sphäre faal; tuin Seg^l mit 
dem Worte Sittlichkeit beaeiehnet und wir werden ihm darin Mr 
gen, weil der $praßhgd»rauch, der nicht überall zuläast, dasa die 
Worte p^^raUscb upd siuiioh vertauscht werd#n, (z.. B, in den 
Be^nsa^ten: ich bin morf^liscb überzeugt» ländlich sittticb u, a. w.) 
einen Unterschied zwischen ihnen zu maobeu erlaubl» dann abtet 
weil das Wort SittlicbkeU durch den Tusanimenhafig «Mt dem 
Wortfi Sitte — dass sicb's mit Ifaralität eben a^ verhält, yimm 
nur die Latein können -^ darauf hinweist, daas über die nur lu 
der Subjectivität bej^ündete Moralitat hinausgegangen is>t. In den 
^itüicben Gepieins^aften« i* B. der üb^, bat man es niidit mit 
^ner mv rechtln^en Verbindung zu tbuapi» uat eineoü Vertr^e« 
in welchem die {Persönlichkeiten sioli behaupten, mein und d»ili 
sKih au^schliei^st» sondern ganv ipQegentbeU, hier heilst e^, wa^ 
mein ist« das ist dein. IVoch mehr ist diea aiditbar in dem Ver^ 
bäUnifi^a von Vater und Kind, w<^ die Tbe^ie» daas der Vater das 
Kind ernähren müsse inF^gQ fin^ fingirten. I^aets »wiscben ihm 
und dem zu erzeugenden Kinde, wobi fcbwerbcb nncb Anhänger 
zahlt. Auf der andern ^te fübjen wir ^4^ a#br gnt, da^a ein^ 
blosse s« g. Gewissensc^. auch dem Begriff dar Sbe nii^bt Wt^ 
^icbt» son4ern dass dazi^ nothi^endig i^t, iaßs sie durch ein. 
höheres $ffentli(^eta Forum Icig^wt werde, un4 Jeder wird sufr 



tuüktkyduBä der HeaaUi oidit mr möfaUsdi <teriiHUiM> ist Mr 
ABioftfimicr av soigoi, aoBdetnivoU euqb diini geBwongen wai^ 
dm kann* Wekeor nuiit dltSM S^hnankeBde in uaiertr Beiirtfi«i«- 
liu^? Daher dats üi der Eh* und FaaMiiA wir es mit eioer 6e^ 
jaeiBSchtit nt thitn hli»cii , die weder ref btlidb meh »ortliidk 
ist, weil sie lieides ist uttd zwar Hiebt aiir wie eim Sainmebei» 
der, sondern ao dass beide m ikr ab negtrte, — latent, gebu»^ 
den — etttbalten fliiH), Httd darum frei werden und henoofftretam 
IM jene Gemeiosobaft stirbt, gana wie die Bastandthrile de» hK 
bendqiea Organismus. So ist die Ehe Iemb Cmitraet, äbef dat 
Ehebiudi ist ein Cpntractbrneb wld die Sbhaidung ein GiviiVPre^ 
oeas; so iet e& aiolit das Crawissen, was denMaui an aein Weift 
bindet, emt wo er nach eindm andern Wette begehrt, die Ehe 
gfihroehen bat in seiabem Berzen, da klagt itmaein Gewissen daiv 
fiber an. Wk aprecdbesi adsa vmi Sittliobheit mr dant,/wai m'w eh 
mi eäner elhiachfoi Gestall zu tbwn haben, in wehdier Momdischeii 
uwi Reehllieheai si^h nickt :Diir. durch Addition, «endens diMPoh 
Midtiflicalidn, nif^t «ur mecbenisGh, sondern. cbeoHsoh .verirndtn 
hAbiem Dte iegale GesiiuMtiig, die gesinniugavotte Legriitfit^käfil 
was wir Xr^u«, Pietät nedneü, ditft nlacbl dsis Band .einer f'silOii« 
oben Gewein^ehAft und in ihr beslebt die Silliiebkcat Unser Satif 
»ennl dea Staat einen siUticiben Organismus und setit- ihndesi* 
haU> ausserbalh der bloss recfaHicben und der nup moratiacben 
Verböndupgen. Der $tlttt ist k«iii bk^aea Bj^ohtainatilul, und die 
Theorie des Ae«!btas.laa4s hat* m mir keiben Anhänger, weil der 
Beditsaliiat nur em aus euM» Vertage hervergebender sejrti 
kdonte, und wtil ii^ aibem solehaii es sieh nur um ReehtBObjecte 
d« h. um erzwingbare Leistungen' hasideiil, die Geaittmmfp.abeb 
gena gteiehgOkig bleiben würde. So aber kommt es m kiünmK 
Staat, Mcbslans' m einer SeKdaritdt egoiatiacher Ibtsraaeti. M 
eiaem Staat gebirt mebr. Wie fiiner noch kein guter Ehemann 
ist,. WieU nr sein Weib* weder iMalieblt noch sieh injuriein «egeai 
m ßrieiibt, aendern daz« gebiet daas er sein Weil» liebe^ so iat; 
es um ein piter Bärgar m seyn nicht binrolohend, dnaa mnn'diM 
Abg^e^ regehnäüsig leistet, snaidern man muas ^m Hdra hifctn 
Sir ^oin Velk, Liebe und Piel^> welohe hier Pa|rMlismus heisai;' 
WM^t den Bui^er» Eblon so unriehlig aber M^Sre as^ Weä da» 
nur geaetzipMige Tbim mA nicht an «ifiem'gittdn Birgec maebt/ 
nun di» Bäil^q^ld^l ate eine . hloBs moraliaeha m ntfutien . und> 



daher deü PMriotismttft als Etwas amus^bn, was dem GeiHasen 
des Eiozekieii überlassen bleiben nfisee. .Der UnpatrUtisams isl 
Aea. so wie der Ehebrudi ein Verbrechen^ und es ist eben nicht 
ein beneidehswerther Zustand in einem Lande, wenn di^ Ansiebt 
herrscb^d ist, dass politisdie Verbrecben nkhts Anderes sejem, 
als von den unsem abw^chende sobjeetiTe Ansieht^i. (Dass wir 
^nnoeh bei dem politischen Verbrechen eher als bei dem gemei* 
jMOy moralische Rechtfertigangsgrüiide statuiren, kommt daher, 
dass es sich hier nicht um eine blosse Rechtsfrage bandelt). Der 
Sisaat ids sittliche Gemeinschaft ist also ganz wie die Ehe weder 
ein ViBrtrag noch ein blosses GewissenSband, sondern geht über 
beide hinaus. Damit aber streitet durchaus nicht, Tiehnehr folgt 
es daraus, dass in Momenten wo das Staatsleben schwankt, und 
die also das Analogon zum Verschwin.den der Familieopietit bil** 
den, die VertragsMite herror treten und eben dfffum Verletzung 
des Staatslebens (Ver£assiingsbruch) als Bruch eines Vertrages 
ersdieinen wird. Dies ist, ganz wie dort oben schon gesägt w4rd, 
Freiwerden dessen in der Verwesung, was im gesunden Zustand 
gebundenes Element war. Wie ; • obgleich Ehe und VäterpflMit 
kein. Vertrag war, der BiebrucÜ und die Verleugnunjg der Vaters 
pflicht als ein Contractbnich angesehn werden dnrfte, eben so die 
verletzte Pietit gegen den Staat. Uebrigens 'ist es schon hier be^ 
greiflicfa, warum überall wo das Staatsleben krankt^ der - rein ge*^ 
setzliche Aeehtsstahdpunkt hervortreten oder aber ganz gelengpet 
werden wird. Daher das rein jnristische Queruliren mit dein 
Gesehrei- nach GewissenjBfineiheit immer gleichzeitig auftritt. Der 
aufgestellte Satz also bebt den Staat über das rechtliche wie über 
das moralische Gebiet binans, indem er ihn zur Erscheinung «der 
Sittlichkeit macht, in welcher Moralit&t und LegaKtit Eüril war. 
Diese Einheit kann nun dein Gharacter der Unmittetbaiieit haben, 
so dass das Moralische und Legale nodk gar nicht geschieden 
ist, und da winl sie -den Gharacter des Naiven «nd KindUebett 
annehmen* So ist es im Atterthu«, das weder v#a allgeiheinen 
Men:»ch«nreehten noch aber auch von einem Geinssen weiss, das 
anders lehrte, als die vaterifindisfeben Gesetze^ und bei dem persOd^ 
lidie Ehre und politischer Ruhm Synonyma sind, bei <lem'man 
es natüriicb findet, dass den Orest die Furien (GeWisscmsbisse)' 
verlassen, wdi der Areepagas ihnfrelgtsprochen hat, ^s wie 
das Kind' Gewiaeensruhe erst dadurch' erkingly dass die Mutter es 



— 27 — 

absdhirte« Aaders veriitft mV$ ml 4er modernen .SitÜieUwi 
Sie trägt den Cbaracter des Wiedergewonnenen und mb der Re- 
flexion Hervorgegangenen , nnd verhält sich zu der unbefangenen 
SiCtIicbkeit; des Altertbums wie die Wiedergebernen zu dc^ Neu* 
gebornen, wie die Heiligung zur Unschuld. Hat sie damit den 
reizenden Character der Naivität verloren und gründet lidi auf 
Refiesion« so branebt sie darum nicht inteiigiv schwächer zu seyn» 
Eben weil aber im Alterttam die Sittlicbbeit der primitive Zu* 
stand war , au^ dem erst nachher Recht und Voralität liervorr 
gingiSD^ während »icii's in der Neuzeit gerade umgekehrt verhält, 
eben deftwegen» wird dort das groi .der Menschen mehr Sittlich^ 
k^t ^-* Patridismiui -^ zeigen , nur die Ausgezeichnetsten die 
Stimme, der Moralität geltend m^en» während in der Neuzeit 
die Biocb' nifiit geni^ Fortgeschrittenen gerade den Standpunkt der 
Sittlichkeit nicht erreichen, obgleich $ie reditlich und morali^di 
genommen gute Menschen seyn mOgen, 

Der von mir aufgestellte Satz bestimmt drittens den Staat 
als den häehslen unter allen sittlichen Organismen, und. weiat 
alao auf eine Mehrheit derselben. Wober diese, tmd wie gross? 
Der von uns aufgestellte Begriff der Sittlichkeit: enthält die Ant^ 
wort. Da in d^ Sittlichkeit das Recht und die Moralität sich 
nicht nur verbanden sondern neutralisirend iiufboben, im. Morali-^ 
sehen aber da«, natürliche,.. im Rechtlidten das negative gegen die 
Natur gerichtete (künstliche) Moment eriiannt worden ist, &o wird 
Jede ättUche Gemeinschaft- als solche eine natürliche Basis tntr 
halten, welche ab^er zum Geistigen verarbeitet, verklärt ist, so dasa 
sie also daa Naturliche (voi'atts)setzt und negirt zugleich* Vern 
gleichen wir die Sittlichkeit mit der chemischen Verbindung von 
Radical und säuerndem Princip, so werden wir es begreiflieh finr 
den, da»s — wie diese uns in> der dof^elten Form dtf Säure 
und der Basis erscheint, in deren «rster die Verbinidang beider 
den Character des säuernden Princips, während in der zweiten 
den des Radicals, hat, — dass eben so die Sittlichkeit uns 
eine doppelte Form zeigt Die erste Gestalt ist die Fami-^ 
lie, diejenige Form der Sittlichkeit, in wißkher das N^urelemeol 
und die moralische Seite so in den Vordergrund tritt, dass si6 
als die verklärte Naturgememscbaft bezeichnet werden kann, We«* 
gen des Naturelements finden wir Analoga von ehelii^ekn und 
Familienleben m, der Natur, wegen des moralischeni Klement« 



— Q» — 

kfmmt ^g, dass es kehi sichreres Mittel tir die mmlisehe Aus- 
bildung gftrt als das Leben in der Familie. Gans edtgegengesets^ 
ten Cbaracter hat die zweite Form' der Sittlichkeit, die wir bilr^ 
geriicbe Gelsellsohaft nennen; was uns bei dem MiÜessen d«r 
Ehe anwidert, die verstflndige Berechnung, das^ ist hier am Mats, 
wir finden es in disr Ordnung, wenn der Mensch sich die Com^ 
Hiune wählt, in welcher am Meisten zu machen $st , weil wir alle 
es fohlen , dass der CommutialTferband ein nicht durch die Natur 
gesetzter, ein känstlicher ist, in welchem nicht die natüitiehe, 
gesehlechtliche und elterliche Liebe , sondern Tielmehr die dardi 
Gesetze gesicherten Interessen das Band bilden. Die ComiAune ist ein 
Recbtsterhftltniss, welches zwar zum Sittlichen veredelt isi dadurdi, 
dass sie das allgemeine Wdhl bezweckt und durdi Glauben (Vertrauen) 
termitt^lt ist, in welcher aber das Vertrauen nur auf Recbtsehject« 
gehl und' darum Credit ist. Es liegt übrigens auf der Hand, da 
alle Rechtsobjecte ihr Aequhalent in dem Oelde haben, dass in 
der börgerhchen Gesellschalt dieses zum Tbeil dte'Adittrn^ be- 
dingt, in der einer steht. Die Sdi&tzung des Menschen ist hier 
X)m$u$. Daher kommt es , dass von bürgerlicber Gc^sethiobMl wir 
keine Analoga in der Natur finden; sie ist «die Sittlichkeit unter 
der Form der Künstlichkeit, ist eine GemMnschaft die gemacht 
ist, in weicher der Factor der-KünstHchkeit, des Rechtes, eben so 
vorwiegt, wie in. der Familie das natürliche und mofaNsche Ete^ 
ment ; wenn in der letztem skh die Gesinnung besonders als Ge- 
Mhl leigt, so spielt dagegen der berechnende Verstand in der 
böngerlicben Gesellscbaft die Hauptrolle. Wie aber in dem von 
uns gebrauchten Bilde Säure und Basis sich zum Sah vereinigen, 
in weldiem von dem einseitigen Vorwiegen nicht mehr die Hede 
ist, eben so geht über ^e Familie und bürgerliche G^^eUs^häii 
hinaus der Staat, welcher, weil hier alle Seiten der Sittli^ifek zu 
ihrem Renfat kommen, die Sittlichkeit par ewcelhnce, die höchste 
sittliche Gestaltung zeigt. , Dieses sein Hinausreichen über' jenie 
beiden sittlichen Gemeinschaften zeigt er- erstKch darin, dstss' er 
sie, positiv, entbllt, indem ein wirklicher Staat aus vieleft Fanii-^ 
Ken und vielen bfirfjfwlidien Gesellschaften besteht, zweitena darin, 
dass er als ihre Negation erscheint, indem er di^ Zwecke derselben 
nicht als das flMiste respectirt, so dass sie zurücktreten müssen 
Ipagen die seinigen, drittens aber am e8ermeisten darin, dass er steh 
p4iMv und negaiiv zugleich gegen sie verhält > indem et an ihrer 



— ae — 

Natur so läurtieq^^ Säfte« uriul das «üz^W^stttjen^rbeidMi. aiMn 
machte I an ibm nar als Seiten MkiM Weiseiis erscheint. Wlui 
▼OS ibm sitlbstgiUf da^ gilt midi ^Ori (le^G«aiftnaIl^, «bte ihii er* 
baltr '4ie darum gleieb sehr aait ^tm FaMieHainn wie mit dots 
Bäi^eraito eine Analogie darbieten wird. Wird Aea nun festge«f 
btften» so iDt 'danit sogiaich die M6glicbkeit eimciligei- Auaiditeti 
Tem Staat begrifien, denea eine reiaiive Wabrhät mdit abge^ 
sproicheii werAaa kana, 4ie aber unwrinr sind wegen ihrer mot 
ratatiToA Wahrheit, fiebt man an de» Staats dies faenror, d&afl 
er eine Analogie hbt init der Familie, tefgiaat aber, daas . er vcr^ 
mOge den g^geoulMartttohenden Momenten über die Familie hüana^ 
gehl, ao gibt dies die Ansiclrt vom Staädt, die idi die des Patriar" 
chalstaateaineiuie, weiche die Süate^alt, mit dei< täterhcbeil 
idenlificirt. und ediwequBilt darebgelührt, im ürmm obkicaiachieiE 
BeirbnBattdduiigisjHteBi brängea railssi iiacfa dem alte als cirziehüligaH 
bediipftigei Kinder angesebn werden. Da diä Erhaltung der ¥ä4 
miUd joiit deüi Begriffe dlesErbens zusaanBeHfaHt *^ Erbrecht isl 
Reohl^der Faariü« fwtawfidatirenf Absdiaffung oder anach BeäcfarikH 
ktmg .d^s Erbk-eöhts ist Anfiuig aur Zersftötudg dm* Famiffie ^^ s^ 
hfilgl es in der'Pbtqr der Sache, daas dte Anhänger des PaftiM>4 
chalataata wo ntfiglich Alles erbHdi haben woHe». Da endiieb» wib 
adboii benamht, das Wesen der bürgerlicben Gesellschaft iA Aet 
y^itäysmS!göä Berechnung, dem verBtäniigenr CaUni, der Industrie 
u. s» w. inestebt, so ist es begreUKeh^ dass der oonsequent dnrdh*< 
gflfflbne Pflitriardiaistaat die Mrgertiobe Freihest, und die BnitH 
wiakhmg der airf das Pralitiscbe gerichteten intdügei)^ nicht £5a^ 
dcvt^ BeidGi finden ihre R^cbmng viel mehr, in d^ enlg^giuiga* 
setslen Ansieht, wehdie an die Steile des Stents die buiigerlicbe 
CS^sellsiriiaft s^tet, welche, weil m der bui^erlijcben Ghesdllsdiaft 
anf dem Begriff des Ve^dienens, der Indwitrie und de&VenaaÖgend 
AUca benrill, von dier Gefifiblsmystik mit ihrer Ratum^chsigioBia 
nidbtft wissen witi, voll Haas gegen den B^griff^ dte firbis mit der 
BüdiCachtung der Epbi- Aristokratie beginnt, 2ur Verfolgung A&r 
Fidei^mmiase 'Überlebt, und conse^enter Weise daan hoBMeif 
hrass, (Üb» .«(Hgaflieinen Wohl* alle Pamilien^lnteressra, den soda«< 
Im Intevessen elki ^lAstansiellb SitUfddieit tum Opfer kn brin»* 
geiu ka der Staat eineMbnerdiie, so * siebt dev Aofettngerdea 
PaitriaarebalstlsÄti^ im Sdnig eine«i Vater im 'Crossen, der Anhinge]^ 
dietar aweitm Atmiobt^ einen Beanvicm d; hs «i»iu UtBMMmüi^ 



— 80 — 

im GrMsen« Da :d«r Staat hkr nur bflrgerlidie Geßellsdiaft ist^ so 
wird er keine andere Fuaetton haben kennen als sie, da ferner 
die Mcbste Function der bürgeriiefaen Cresellgcbaft die für die 
Sieherheit sorgende poKzeilidie ist — historisch ist die Polizei 
eine Communaleinriditung — so nenne ich diese Ansicht vom 
Staat die Theorie des Polizeistaates, und Terstehe daranter die 
Theorie, welche, im Gegensatz gegen das Gewährenlassen der blossen 
Naturwüehsigkeit, su einem polizeilichen Reglementiren und Gen- 
traltsiren föfart Darum aber ist mir ein Staat, wie L(m$ Bkme 
ihn zu realtsiren yersuefite, eben so sehr ein Polizeistaat, als wo 
▼on Bureaus aus Alles durch Reglements, Nichts durch eigentlidie 
Selbstregierung der besondern Kreise geschieht. Die Ansi<^t Tom 
Polizeistaat kann die revolationaire genannt werden, indem erst 
seit den grossen Revolutionen des 18. Jahrhunderts dieses System 
der Cehtralisation und des Despotismus im Namen des allgeneinen 
Wohls begonnen hat , mit welchem das bOrgerliche Wohl gesüe« 
gen, dagegen die natürliche Freibrit und substanzielle Sittlichkeit 
sehr abgenommen hat. Dies ist kein Zuiall, sondern nothw^ndig, 
da jede Revolution ohne Ausnahme die substanziell bis dahin gel« 
tendm Mächte erschüttert, und darum nach jeder an die Steile 
der natürlichen Bande, künstliehe Fesseln treten. Indem der 8ata; 
der Staat ist der höchste sittliche Organismus, denselben über die 
beiden andern Mellt, eriüart er sidi also gegen den Patriarchat« 
und gegen den Polizei -Staat, und verlangt, dass der Staat nicht 
nach einem, oder dem^ andern Mojjdente seines Begriffs, sondern 
diesem vollständig adäquat gefasst werde. Dass wir nun die 
Ansicht vom Staate, welche ihn nidit als bkss erweiterte Fami* 
)ie, nicfat als bürgeriidie GeseUsdiaft im grossen Maassst8d)ev son- 
dem als Staat nimmt, dass wir diese als die wahriiafi politisehe 
bezeichnen, (jene' beiden wären die familiäre und communale 'ZU 
Ifeennen) dazu, deidke ich, sind wir bemchttgt». Auf dieisen Stand*- 
pimkt mich zu stellen, und von ihm aus zu entwickeln , ^ was der 
wahren Idee des Staates entspridit, das ist die Absicht dieser 
Voriesungen. Sie werden beatehn nur in Folgerungen aus dem 
Satz, den ich am Anfonge dieser Vorlesung ausgesprochen mud 
dessen Analyse, ich jetzt geendigt habe. Jetzt habe ich mich also 
darüber ausgesprochen, was d«rin liegt, wenn idi den StanI einen 
Organismus nenne, was behauptet und geleugnet ist, wenn ich 
diesen Organismus: alsJitUichenbezeichiier endlich, was zugegeben 



— ai ~ 

wirdy.weim uM logatlekt« dlis» €r iMer tei mMiäban Genieia-^^ 
s€bidEkeii die hödista: SieUe einnimmt. Nachdem alse fbet deii 
Sion ded SAtieft> 4len ich an die Spilze meiner Untenodiimg 
stelle, kein Zweifel mehr Statt fudea kann, gehe ich zu der Ld* 
sang selbst über» Sie wird nur eine Entwicklung dessen seyn, 
was aus jenem Salze folg^. Sofern ich nun richltg folgere, wird 
Jeder unler Ihnen, der mir den Grundsatz zugegeben hat, mir 
Recht g^en mäss<A in dem was. ich behaupte, aber auch Jed^^. 
der den Satz nicht* bqahen will, wird, immer vorausgeseiai das», 
ich nicht Fehlsdiliisse maehe, wenigstens dies zugeben laitesen^ 
Alles die$ ist richtig,, wenn der Slaat der höchste tttiUche OrgiH 
nismuS'ist« 



Dritte Wotl^mtmg. 

Wi6 jede sittliche Gemeinschaft wird also der Staat zunächst 
eine Ton Najtur gesetzte Einheit seyn. Für die Familie ward diese, 
natürliche B^sis: g^ild^t durch den natürlichen Zug der Geschlecht 
ter zu einander und W4)iter durch die Biinde des Bluts, welche, 
di^ Kinder an die Eltern fesselt und amgd^ebrt. Für den Staat 
ist sie dadurch.fiegehen, dass ein durch natürliche Grenzen von den 
übrigen abgetrennter Tl^ll der Erde eine: Masse Menschen zusam-* 
menhilli Wir ntonjen. einen solchen TbeU des Erdbodens ein 
Land; die Bewohner eines Landes sind von Natui: zn einer Gen 
meinsehaft bestifnmt. Mag sich nim religiöses qd^ tstbf^tiscbesi 
oder wissensdkaftiidie& Gefühl gegen die eigentlich^ primitive 
Autochthonie erkUreny sn wird man bei den j^tzt in einem Limde» 
Gebomen ein mittelbares sich Bilden aus den Bestandtheilen di^af^ 
Landes (Boden, Wasser, Luft, Eredugoisse u< s. w*) nicht leugnen; 
können. Das Weitere aber iüil, dass je länger die Yor^JUern d^r; 
gegenwärtigen Generationen in diesem Lande sesshaft waren, uok 
so mehr iie .^»ch iniMrUdi die ^sehaffenheit des Landes anneh- 
men, und iht« Denk- und.Empfinduagsweise dem B(^n anal^^g; 
wird, an dem aie haften. Dieae gemeinschaftliche Beschaffenheit! 
der Bewohner eines Landes nennen wir Nationalität, und ein»; 
Nation, ist JmtGegenai^ gegen, eine. JU#fH»ei Horde eine in ein^m 



~ SB — 

Lande gfeboriie und bfcibeM einem Lande ingeMiige, 'm ütna M** 
aissige Masaei Des» man {^nide 4ie Spracht^ als daa ei^fanliiehe 
Kralermi d^ Naäonalitft ansieht, ist nichl ohne Cimtid, da dad 
Spüechto daa dem HenadieB nalfirliche Gcmeinmadien der Em* 
pindunigeB und Gedanken i8t> Naiionalitdt aber die von Natnr g^ 
ieMe fiemeinschaft des Denkens und Empfindens^ Daher wird 
därch. Nichts das Nationalgeffihl so terietat, wie durch Angriffe 
anf dte Sprache, und die eigentliche Nationalhymne der Deiitsohen 
sagt mit Recht : 80 weit die deutsche Zunge klingt. Ihre Gren* 
zen «hd die der dentscben Natien. Eben darum ist es dh/er auch 
efUMich^ Warum die natär lichte Crrenzen der Länder^ die Gebirge» zu- 
gleich Sprachscheiden sind, während diezurCommunicatiooleiidadeo*' 
den Ströme und schmalen Meeresarme sich selten als solche erweisen. 
Je mehr darum ein Land iseikt ist, »m so eher kann sich eine 
bis zur Einseitigkeit gehende Nationalitat ausbilden, je mehr dann 
der Gebranch herrschend ist zu Hause zu bleiben, oder wenn man 
reist, nicht fremde Sprache 2U l^nen^ um so mehr wird sie' sich 
behaupten. Darum zeigt sich im naiven Zustande des blossen 
Natfonalgeföhb das Yorartlieil gegen das Reisen.*-^ „bleibe im Lande 
und nähre dich redlidi'' — so wie gegen das Erlerne der frem-^ 
den Sprache «^ zweizüngig heisst eigenHiib wer in zwei Zungen 
redet. Wer jenes unternimmt und dieses kann, ist in zwei Län- 
dern ^tt Hsüse. In der NatioftaHtät ernobeint uns das Meiki^t 
des Staates, weiches das Wesen der Familie auamaeht; darum bei 
so ansgepfigter Natienalitfii wie die jüdisdieist, das Vef langen 
aldi als Erweiterung einer Familie zu imssen, darum äbei^tl ge- 
rade bie^ rieh Ausdifflcke ^den^ die den Fämiüen^a^ltnisae» 
entnommen sind, Yaterland, Landeskind, Mutterspra^e^ deutadM^ 
firöder, Sprachverwandte, zu Hause u. s. w. Eine Natten ist also 
ein natfiriidbes, an geffleinachaMichcnn Bedai haftendes, in ge« 
meinsamer Sprache sich odfenbarendes Oanast sie aüete^ aber ^ht 
neeh lahge k^ineii Staat, wie denn die Letten, Estfaen und tiele 
ätt^re Irinnen nichts weiter sind ata Nationeii, nie Staaten 
wa<i^en oder seyn werden. 

Der Staat ist nfimlich zweitens, ihdem was das Wesen der 
Mrgeiiioiiett Ges^schalt ausmachte eine Seile an ihm ist, ein 
hflnstlich* Gemachtes. tVie nimlick die ein^hien FamiUen um m 
jiubsi^iMn in Verhflttnss mit andans FamMkni Iretch^ eich ans ih** 
Atü dufdi Beiratben^ reeratfa^eu , 'Uiid a« neve Y^rbiaMluilgenv Pa^ 



^ m — 

miUkttverMfe i^fttotdi», ganz so z^igf sieb Analoges auch hier. 
Zweierlei »t es besonders, Was die Nationen dahin zu bringen 
]»flegt, in ein Veriiäitniss zu andern Nationen zu treten. Einmal wo das 
Nationalgefühl rege geworden ist, der Stolz den andern gegenüber 
oder ancb der Hass gegen sie, der es wünschenswerth macht, yon 
ihnen als Herr anerkannt zu werden, zweitens die Reflexion, dass 
bei anderen Grenzen als den gegebenen die Zwecke der bürger- 
Kehen Gesrfhchaft, das allgemeine Wohl, besser realishrt werden 
können« als jetzt. Hier ist nun zn solchem Arrondiren besonders 
wMiCig der Besitz freier Communikations-Wege, also das Meer 
(darnna mnts Peter der Grosse Ingermanland, muss unser grosser 
ChurfÜrst Pommern haben). Dieses gefablte und erkannte Be- 
dQrftiiAs ffihrl m änem zuerst feindlichen Zusammentreffen, dem 
Kriege, der nur ein Uebergang u^ za einem Tertragsroässig ge- 
ordneten Verhiitniss« V^armöge der Kriege und der durdi sie er^ 
langten PriedensscfaMsse entstehen nun künstliche Grenzen, welche 
Ländercomplexe baden oder Theile von einem Lande scheiden, und die 
wir geschichtliche nennen können, 'indem Kriege und FriedenSf- 
sdiHtsse den grössten Raum in dem einnehmen, was Geschichte 
genannt wird» Eän durch künstliche, Tertragsmässige, Grenzen um- 
schlossenes Ganze wollen wir im Gegensatz gegen das Land ipays) 
ein Reidi (m^e) nennen, so wie dies Wort genommen wird, 
wenn man Ton Frankreich,* von bester reich, vom russischen 
Reich spricht. Wie aber sieh zu dem Lande die Nation verhielt, 
so verhält sich zum Reich das nicht durch Natur, sondern durch 
Geschickte gewt^rdene Ganze, das wir Volk nennen wollen. Das 
Volk tmterscheidet sich also von der Nation durch sein verträgst 
mSssige» Anerkanntseyn, das Bewnsstseyn desselben, so wie des 
jene Anerkennnng firkimpfthabens gibt ihm, was wir Volksbe- 
woistseyn und Volksthümlichkeit nennen. Oben wurden die Letten 
imd Estfaen als Nationen angefülu^t; sie sind keine Völker, weil 
ihnen die geschichtlichen Erinnerungen fehlen, dagegen sind die 
Sfivweden üucl Polen nicht nur Nationen, sondern auch Völker, 
weil rie in die Geschichte hineingegriffen und darum ein Bewnsst- 
seyn ihrer gesduchtlichen Einheit erlangt haben. Fixiren wir nun 
den Moment, wo eine Nation um sich zu arrondiren einen Krieg 
siegreich durdtgeffilhrt hat, so ynrd zunädist das Verfadltniss dies 
seyn, dass in dem einen Volke mehrere Nationen sich finden, so 
also iir Frankr^h GatEer und Fnuriben , in England Normänner 

3 



— 34 — 

und Sacbsen, in Prenssen Deutsche, Wenden, Polen u« s. w, Schon 
deswegen, mehr aber noch weil ein. Tteil, der unterworfene, nur. 
mit Schaam an das Verbundenseya denkt, wird das Bewusstseyn 
der Einheit, der Volkstbümlichkeit schwach seyn. Da die folgen- 
den Generationen von Geburt an mit diesem Reiche, vejdi»undea 
sind, so wird in diesen natürlicher Weise das Bewusstseyn ,r mit 
den andern ein Volk zu bilden, viel mächtiger seyn als in den 
Vätern. Noch mehr, da die folgenden Generationen von Natur an 
dieses Reich gebunden sind, so ist es begreiOich, dass allmählig 
die Verschied^eit der Nationalitäten wegfällt, und sich entweder 
eine neue bildet, hervorgegangen aus der Mischung jener beiden 
und in einer neuen (Hisi^h-) Sprache sich offenbarend — Fran- 
zosen, Engländer — , oder aber die eine Nationalität die andere 
absorbirt, in^ welcher Absorption zwar die absorbirende sich än- 
dert, nidit aber so, dass eine neue Sprache ßich bildet. Dies 
Letztere ist bei uns geschehn. Die Absorption des davischen, 
wendischen Elements hat das preuasische Volk nicht aufhören 
lassen deutsch zu seyn, obgleich die Schwaben Recht haben, wenn 
sie im Gegensatz gegen uns sich das reine Deutschland neniien. 
Solche Verschmelzung und Absorption, geht ab^r sehr langsam, 
und es kann das Bewusstseyn ein Volk zu seyn schon sehr stark 
seyn, und die es hegen dennoch verschiedene Muttersprache d. h. 
verschiedene Nationalitaten haben. So haben die Polen im Regie- 
rungsbezirk Posen das Recht sich zum preuasischen Volk zu rech- 
nen, und ein grosser Theil von ihnen besteht aus sehr guten 
Preussen ; es war aber eine verhöhnende Tyrannei gegen sie, dass 
man sie. zwang, das Erfurter (nicht Volks- sondern National-) 
Parlament zu beschicken. Wäre der Begriff der Nation und des 
Volkes scharf gefasst, so hätte es nicht vorkommen können, dass 
in Frankfurt von achtunddreissig Nationen gesprochen wurde, aus 
den^n das deut&che Volk best^e. Der entgeg^igesetzte Ausdruck 
war der allein zulässige. 

Die Nationalität ist die gesteigerte Familiarität, die Volkstfatei- 
lidikeit die gesteigerte Communalität , sie beide bilden Seiten an 
dem Staat, erschöpfen aber eben darum sein Wesen nicht. Dazu 
gehört noch mehr, nämlich dass der Staat wie wir das in seine 
Definition hineingelegt haben, das Prädicat höchster verdiene. Die- 
ses besagt negativ, dass keine Macht fiber ihm. stehe, positiv, dass 
er niedrigere unter sich befiu»ae. Dieses Höcfastseyn des Staates 



— 85 — 

werden wir Soüverainetfit nennen, indem wir dabei nur an seine 
Verwandtschaft mit dem Worte tuprime denken, dabei aber die 
feadalisüscben Unterschiede von souverain und siizerain u. s. w. 
ignoriren, S<Hiverainetat ist im Sittlichen, was Absolutheit im All- 
gemeinen ist, so dass dem Staate Souverainetit «zuschreiben nur 
hei86t,'ibn für die absolute sittliche Gemeinschaft erklären, aber 
der es keine gibt, die eben darum völlig autonom ist. Wo darum' 
ein Volk die Autonomie, Souverainetät , verliert, da hört es auf 
Staat zu seyn, und umgekehrt, wo eine Provinz zum Staat wird, 
geschieht dies dadurch, dass sie aufhört abhängig zu seyn, dass 
sie Autonomie, Souverainetät, erhält. Darum hat für mich die 
Frage, ob die Souverainetät dem Volke (überhaupt) zukomme, 
eben so wenig Sinn als die Frage, ob der Mensch (überhaupt) geist- 
reich oder schön sey, sie erhält einen Sinn dadurch, dass sie sich 
auf ein Volk beschränkt. Thut sie dies, so werde ich das hin- 
sichtlich des polnischen Volks verneinen, weil es unter einem an- 
dern Volke steht, eia Souverain aber, der unter einem andern 
steht, trotz dem dass sich das Frankfurter Parlament dafür be- 
geistern konnte, für mich nie einen Augenblick aufgehört hat, ein 
hölzernes Eisen zu seyn, dagegen werde ich von dem russischen 
Volke sagen es sey souverain d. h. es bilde einen Staat. Ein Volk 
also kann souverain seyn oder nicht, dagegen wäre ein nicht sou- 
verainer Staat ein Unding, Weil die Souverainetät die absolute 
Autonomie ist> daher kommt es, dass dem (unabhängigen) Volke 
und dem Staate Prädicate beigelegt werden, welche sonst nur 
Gott zukommen, die Majestät, die absolute Freiheit, das 
AUerhöchstseyn u. s. w,, ja dass in dem bekannten mx popult vox 
Bei dem Volke AUmacht zugeschrieben wii*d, wekhes natürlich von 
einem unterworfenen, gehorchenden, Volke nicht ^t. Blicken wir nun 
auf die entwickdten Begriffe zurück, so bildeten also Land und 
Nation eben solche Correlata wie Reich und Volk; dass nun hier 
metonymisch anstatt Nation Land gesagt wird und anstatt des 
österreichischen und französischen Volks Oesterreich und Frank- 
reich, hat sein Analogon darin, dass man ja auch anstatt aus guter 
Familie zu sagen pflegt aus einem guten Hause, und gegen diese 
Metonymie ist wenig zu sagen, da Niemanden einfallen wird, den 
Boden mit den an ihm haftenden Menschen zu verwechseln. Ge- 
fahrhcher dagegen wird eine andere Vei^echslung, wenn man nämlich 
Nation (Land), Volk (Reich) und Staat ohne Weiteres als Synonyma 

3* 



— 36 — 

braucht. J)adurch entstehn leicht »eltsr irrige Ansichten* Um 
nor auf eine aufmerksam zu madien, lo war nach dem, was idi 
gesagt habe, die Souverainetät vom Staate so wenig su trennen 
wie die runde Gestalt von der KugeL Nimmt man nun Staat und - 
Volk ab Synonyma, so hat das so lange Nichts zu sagen, als man 
bloss von einem Volke spricht, das selbst einen Staat bildet, also 
dem schwedischen, spänischen u. s. w., ohne diese Bescbräpkung 
aber ist es ganz falsch dem Volke Sonverainetit zuzuschreiben, und 
das Beispiel der Polen und Böhmen reicht aus zu zeigen, dass es 
Völker ohne Souverainetät gibt; wenn man dann aber weiter sogar 
dazu gekommen ist, was später seine Erklärung finden wird, nur 
einen Theil eines Volks mit dem Worte Volk zu bezeichnen, dann 
wird die Lehre von der Souverainetät des Volks theoretisch zum 
Unsinn, praktisch verderbhch. Ganz eben so ist nicht ohne Weite- 
res von Souverainetät einer Nation zu i^rechen. Nationen, die 
nicht einmal sich zu Völkern erhoben, bilden keine Staaten oder 
haben keine Souverainetät. Um Missverständnisse zu vermeiden, 
werde ich, selbst auf die Gefahr hin pedantisch zu erscheinen, diese 
Begriffe streng von einander sondern und nur dem Staate Souve- 
rainetät zuschreiben, diesem aber um so mehr, als meine ganze 
Vorlesung darüber, was der Staat ist nur die Frage beantworten wird, wie 
bethätigt er seine Souverainetät, was Sie nach dem vorhin Gesag- 
ten' nicht in Verwunderung setzen £ann, da auch die Eigenschaf- 
ten der Kugel keine andern seyn werden als die aus ihrem Rund- 
seyn folgen. 

Halten wir nun dies fest, dass ohne eine Naturbasis, welche 
sich in dem Haften an einem bestimmten Boden zeigt, aus d^n 
die «Nationalität hervorgeht, eben so wenig ein Staat denkbar ist 
als ohne vertragsmässige, gesohicbtliche Gettuag, so mftssen wir 
jede Theorie vom Staate und jede darauf gegründete l^raxis, weldie 
diese Momente nicht anerkennt, als unwah* ansehn, mag nun diese 
Unwahrheit darin bestehn, dass keine derselben, mag sie darin be- 
stehn, dass inseitig nur eine derselben zu ihrem Recht kommt. 
Da diese verschiedenen schiefen Ansichten vom Staate nidit nur 
ausgesprochen, sondern auch, freiUcA in sehr versdiiedenem Grade, 
in die Praxis übergeführt worden sind, so sind sie hier ausfOhr- 
licher zu betrachten. Zu ihrer Beurtheilung gibt uns der von 
uns entwickelte Begriff die Di^en. 

Würde von der Nationalität sowol als von def Vo&sthflmlidl- 



— 37 — 

keit abstrahirt, so gfibe diM aine Politik, die eben deshalb am 
fiesten die abstracte genannt wird. Sie selbst hat sich in 
ihr^ti consequentesten yerth«idigern als die humanistische bezeich» 
net, und hat in sofern Hecht, als wenn die volksthümlidien und 
nationalen Unterschiede weggedadit werden, das bloss Menschliche, 
wdoiies freilich ein abstiraeium ist, übrig bleibt. Eben darum ist 
dieser- Ansicht nidits so wichtig als die allgemeinen Menschen- 
rechte, alles aber was geschichtlich geworden ist, das ist ihr ein 
Grand, alles was nationale Bedeutung hat, ein Spott« In Frank- 
reich, wo das NationalgefiUd sehr rege ist, sind die Angriffe be- 
sonders gegen alles Geschicbtlidbe gerichtet gewesen und so weit 
gegangen, dass Jahreszahl und Monatsnamen, Maass und Gewicht 
weggeworfen und rationell eingmchtet wurden ; in Deutschland hat 
diese Richtung, wo sie sich consequent zeigte, auch das National- 
gefäbl als eine hündisdie Beschränktheit verspottet, und die na- 
tionale Bezdcbfiung germanisch, eben so wie die historische 
christfich , zu einem ' Scheltwort gestempelt. Dass das gesuchte 
Land dieser Richtung ein nie zu findendes Utopien ist, liegt übri- 
gens in der Natur 4ef Sache, da jedes bestimmte Lafid äugen- 
blidLÜch national bestimmte Individuen geben wurde, die diese 
Ansicht ja gerade nicht haben will. Nur minder consequent als 
die eben Erwähnten, aber eigentlidi ihnen nahe verwandt sind von 
jeher diejenigen gewesen, welche meinen, dass Fundamental ^ Ein- 
richtungen anderer Völker auf solche übertragen werden können, 
dk von Natur und durch Geschichte ganz anders sind, und die 
nach eindr abstracten Schablone den Völkern Verfassungen zu- 
schndden. So in Frankreich die Nachahmer Englands und Ame- 
rika's, so bei uns die Nachahmer jener Nachahmer. Merkwürdig 
ist, dass gerade sie sich den Ehrennamen der Liberalen so gern 
zuschreiben, während stB despotisch ein Land, in dem alle Be- 
dingungen eigentbümlichTsind» auf das Prokrustesbette ihrer ab- 
sb>acten Doctrin bringen. Wiä sie unsere schöne deutsche Sprache 
veriiunzt haben, dass bald vor Alinea's, und IndemnUy-hilh, vor 
Actnehmen und constatiren, vor auf dem Laufenden erhalten und 
über den Andern es davon tragen, kein Mensch mehr wissen 
wird wo er sich befindet, ganz eben so würde, ging es nach ih- 
nen, ein französisch - englisch - amerikanisch - belgisch - norwegisch- 
ungarisch -türkisches Gemeinwesen uns alle beglücken. Sie ver- 



— 38 — 

gessen, dass, wie die GaUieisme» asd Anglictsmen dem Genios 
der deutschen Sprache widersj^reehen, 90 jede wirkliche Pundamen- 
taleinrichtung, die für Frankreidi oder England vortreiBich passt, 
eben deshalb Tür uns schwerlich passen wird. . « 

Wichtiger als diese abstracte Politik sind in praxi ^e bdden 
Einseitigkeiten geworden, welche oben als mögliche Verirrungen 
erwähnt wurden. Wir betrachten, indem wir die Folge lOpkehfen, 
zuerst die, welche das zuerst von uns hervorgehobne Moment 
ignorirt. Man hat die Politik', welche die deutschen Staaten bis 
zum Jahre 1848 lenkte, sehr oft nach dem Manne, welcher den 
grössten Einfluss hatte, die MeHemicKsdie genannt. Bei den Vor- 
würfen, mit welchen man ihn heut zu Tage überhäuft, yergisst 
man zweierlei, erstlich dass wenn man den als klein, blind, thö- 
richt bezeichnet, von dem man emgeständig sich selbst bat leiten 
lassen, dass man da sich selbst ins Gesicht sehlägt Zweitens, 
dass der Fürst Oesterreichischer Minister war, d« h. ein Reich 
lenkte, welches die allerverschiedensten Nationalitäten befasst, 
welche durch Erb vertrage, Friedensschlüsse, Tausch u.s.w. kfinst*- 
lieh zusammengebracht worden sind, nicht durch natürliche Bande, 
sondern durch die Gewalt der Geschichte zusammengehalten wer- 
den. Bei ihm wäre es also* erklärlich, wenn anders der oft citirte 
Ausspruch wirklich von ihm herrühren sollte, wenn er die Staa- 
ten nur für künstliche Ganze („geographische Begriffe'') d» h. nach 
dem von uns gebrauchten Ausdruck, für Reiche und gar nichts 
Andres erklärt hätte. Das Unglück war nun, dass was von Oe- 
sterreich richtig ist, auf alle Staaten angewandt ward,* und dass 
demgemäss eine Ansicht in praxi geltend gemacht ward, welche 
davon ausging, dass in der Politik nur das'Vertragsmässige be^ 
rechtigt sey. Di^s ist das berühmte Princip der Legitimität, wei- 
ches Wort schon andeutet, dass die rechtlichen Stipulationen das 
allein Entscheidende seyen. Es führte dies natürlich zu einer 
yerhöhnung des nationalen Elements, wie sie sich in den Thei- 
lupgen, Ausgleichungen des , Wiener Congresses zeigten, die zum 
wirklichen Seelenschacher wurden ^- man denke an das witzige 
Wort jenes Königs, der auf das Compliment, er habe alle Herzen 
gewonnen, die Antwort gab: ja aber nicht eine einzige Seele. Es 
ist daher kein Wunder, dass in der Zeit, wo diese Politik der 
blossen Legitimiät herrschte, alles als staatsgeiahrlich erschien, 
was das Nationalgefühl hervorhob. So ward Jahns deutsches 



— 89 ~ 

Vbiksthum ein gefährficHes Budi, 90 der Diditer der dentscben 
Nationalbyniiie Tcrfoigt, so di« deutsche Burschenschaft, die fast 
dnrch nichts sich so auszeichnet« wie durch ihren Franzosenhass 
n.s.w. Nach der Nationalität wurde gar nicht gefragt, die kunst- 
lichen Allianoen waren Alles und diese selbst wurden nach klugen 
Berechnungen, die bei allem Künstlichen die Hauptsache sind,' ge- 
schlossen; Verstand und PfifBgkeit waren daher die ersten Re- 
quisite des Staatsmanns, sein höchstes Ziel die extensive Vergrösse- 
rung seines Staats, d. h. die Erweiterung der allein von ihm re- 
spectirten, künstlichen, Grenzen. Dass man diese Politik der 
blossen Legitimität mit dem Polizeistaat zusammengestellt, den 
Heros jener auch als den Repräsentanten dieses bezeichnet hat, 
ist sehr erklärlich. In der That ist diese Politik nur eine Po- 
tenzirung derjenigen, welche den Staat bloss als •bürgeriiche Ge- 
sellschaft fasst und welche wir die Theorie des Polizeistaats ge- 
nannt hatten, oder ganz mathematisch ausgedrückt: wie sich die 
bürgerliche Gesellschaft zum Reich verhält, so verhält sich die 
Politik des Polizeistaates zu der Politik der Legitimität. Damm 
hat auch diese letztere alle die Vortheile und Naditheile gehabt; 
welche das Reglementiren von oben überall gehabt hat: ein Zer- 
stören alles eigentlichen Sichselbstregierens in den kleinem Krei- 
sen, des Cbmmunallebens z.B., und einen fkbelhaften Aufschwung 
des materiellen Wohls, von dem z. B. die Lombarden selbst zu- 
gestehn, sie verdankten ihn der ö^rreichischen Regiemng. Diese 
Politik wird überall das Ideal derer seyn, welchen die Bureaukra- 
tie — (ich werde später diesen Begriff näher bestimmen) — das 
alleinige Mittel ist, den Staat weiter zu führen. 

Dass mit dem Sturze des MeUemich'^chen Systems sich eine 
entgegengesetzte Politik geltend machen werde, war nach der Ana- 
logie aller Revolutionen, welche immer zuerst die bisherige Oppo- 
sition auf den Thron heben, vorauszusehn. Dass aber diese Ent- 
gegensetzung so grell seyn, und dass gerade derselbe Ort in Zeit 
von einigen Monaten die Herrschaft dieser Extreme zeigen werde, 
hatte man vielleicht nicht gedacht. Das Frühjahr 1848 sah den 
alten Jahn^ sähe E. M. Arndt und die Haupt-Männer der Bursdien- 
schaft von Prankfurt aus Deutschland regieren. Im Gegensatz ge- 
gen die Politik der Legitimität und der Verträge trat jetzt die Poli- 
tik der blossen Nationalität, deren Souverainetät öffentlich pro- 
klamirt ward, die Stelle d(ir Wiener Schlussacte vertrat — Amdt's 
berühmtes Lied. Mächte bisher die verständige Berechnung den 



— 40 — 

Staatemann, so jetzt die Begmtening und im Herz, die Zeil der 
,,Scbiauen'^^ war vorüber, die der ,» Edlen'' war angdirocben, an 
die SteUe der „vergilbten Pergam^te'^ traten die begeisterten Re* 
den mit ihrem ,,belebenden Hauche/* Man schauderte anirück vor 
der Zeit» 'WO. die Diplomaten mit Zirkel und Lineal auf der hmA- 
karte Stiften arrondirien, jetzt wurden die Staaten geordnet luMk 
dem Lexicon: so weit die deutsche Zunge klingt» so ^eit r^drt 
das deutsche Reich. Die Nationalitat und nur sie soll gelte«. Wo 
noch andere Band^, wo geschichtliche Erinnerungen die Deutsdien 
zu verschiedenen Völkern verbinden > da ist es „Sondergelfl^/' 
Preussen soU, nach dem ursprünglichen Plan, verschwinden in dem 
Reich; es ist eine Thorheit, „dass die eine Hälfte des Reichsvolks 
nodi seine eignen Kammern" habe, ein unerlaubter Particularis- 
mus, wenn ein JPreussisdies Regiment noch Anderes seyn will« als 
Nr. so und so viel in der deutschen Armee* Hatte die Legitimi* 
tätspolitik der Nationalitat nicht geachtelt, so ist dagegen nie der 
Geschichte ärgerer Hohn gesprochen als damals, w,o Professoren 
der Geschichte sich einbildeten, sie könnten Gescbilohte machen. 
Dia Politik der Paulskirche bildet das entgegengesetzte Extrem zu 
der der blossen Legitimität. Wenn wir darum in der letztem eine 
Verwandtschaft* mit dem herzlosen Poli^eistaat sehen mussten , so 
wiederholt sich in der Politik der blossen Nationalität der gemüth* 
liehe Patriarcbalstaat mit seiner romantischen Herzseligkeit. Daher 
nidit nur diese familiäre WeiiSe des Politiktreibens beim Reben- 
und beim Gerstensaft, der es ganz aus der Seelß gesprochen ist, 
wenn das deutsche Reidi mii Versen aus einem Idyll (Iferrmann 
und Dorothea) eingeläutet wird, sondern diese Väterlichkeit in dem 
was sie verordnen. Wenn die pfiffige Staatskunst Alles» sog«r die 
Niederträchtigkeit, wo sie sich findet, benutjst (wie die Sicherheits-* 
polizei die Deniinciationen) , so wird dagegei» von der väterlichen 
Staatskunst jetatt darauf hingearbeitet, zu erziehen, und weil der 
Deutsche eine Schwäche für Titel hat, deswegen werden, um ihn 
von dieser Schwäche zu heilen, in den deutschen Grundrechte^ 
die Titel abgeschafft, ja während jeder §,, selbst der welcher die 
monArchiscbe Verfassung garantirt, mit Mig^orität von V« ^^i* Stim- 
men geändert werden kann, sollen nun die Titel nie eingeführt 
werden dürfen. Wer wird jetzt wohl noch zweifeh, dass Dentscb* 
land grosse Pädagogen bat, da selbst Reicbsverfassungep dea 
didwlmeisterl^aften Gesichtspunkt nicht verlassen können! 



— 41 — 

Wegen diesea diametr^kn Gegensalates, in. dem die beiden 
cbaracterisüten Eingeitigkeiteii stehn, zeigt sicfa an ihnen, was sich 
b^ allen einseitigen Extmaen \2eigt, einmal dass sie sich unter 
einaBder nicht zn würdigen wissen, dann dass jedes sich selber 
widerspricht und in die Fusstapfen des andern tritt. Wegen die- 
ses sich nicht Wärdigens sehn wir, dass die Legitimitatspolitiker, 
ihrer kalt verständigen Weise gemäss, die Männer der Paulskircbe' 
bloss verlachen und verachten, und dem, w»s jene Männer thaten^alle 
nachhaltige Wirkung absprechen; dagegen aber wissen die Poli*- 
tiker der blossen Nationalität gar keine Bereditigung in der Politik 
MeUenuchs und s<einer Anhänger zu finden, verhalten sich also eben so 
negativ, nur dass sich das hier, der Hitze des GemAths entsprechend, 
als heftiges Schelten, als Verfluchen und Hassen zeigt. Weder das 
aber was i^an verachtet noch das was mm hasst, vermag man zu 
begreifen. Eben so aber zeigen beide ein Siebuntreuwerden, 
namentlich in der Praxis. Da sind während der Herrschaft des 
Fürsten MeUernich in Oesterreich die nationalen Interessen sehr 
oft als Hebel gebraucht» und der Vorwurf, dass die Oesterretchi- 
sidbe JRegiemng sich an das dmäe et iti^era gehalten babe, ist 
nicht ohne Grund: um die eine Nationalität im Schach zu hal^ 
ten> ist oft die andere künstlich aufgereizt worden^ und die Mächte 
die im J* 1848 hervorbrachen, sind zum Tbeil vm der Regierung 
sdbst gross gezogen wordai. Eine ganz gleiche Inconsequenz 
haben in der Praxis die Männer der Paubkirche gezeigt. Nur die 
deutsche Zunge soll entscheiden« In Elsass aber wird deutsch 
gesprochen, und doch nahm man* dies Land nicht in Anspruch, 
weil es an Frankreich abgetreten; fort mit den vergilbten Perga^ 
raenten, hiess es, aber in der Sdileswig-Holsteinschen Sache soU«- 
ten die alten Verträge entscheiden auch über die bei denen nicht die 
deutsche Zunge klingt. Auch wer Rüge 8 „Weltanschauwig'^ nicht 
tbeilt, wird dies zugestehn, dass er mit Recht es eine Inconse-- 
quenz nannte, wenn man das Recht der Nationelität Ober Alles 
stellte und dann zugleidi sich über die Siege freute, welche die 
Oesterreicher Ober die Lombarden erfochten« Man braucht aber 
nic^t in einen Widerspruch zwischen Theorie und Praxis zn ge* 
rathen, man braucht eben so wenig auf das Verständnis» jener 
Einseitigkeiten zu verzichten oder sich gegen die relatire Bereeb^ 
tigung beider zu. verblenden» sondern es ist eine Ansicht vom 
Staate und eine darauf gegründete Lenkung desselben m$glicbi 



— 42 — 

welche , ohne dass sie darum zur abstracten utopistiseben würde, 
die Einseitigkeit der blossen Legitimitäts- so wie der blossen Natio- 
nalitdts-PoHtik vermeidet. Es wird diejenige seyn, in der sich nicht die 
Theorie des Polizeistaats und nicht die des Patriarchalstaats, i^ondem 
diebetbäljgt, welche wir am Schluss der zweiten Vorlesung di€Fwahi%aft 
politiadie nannten. Es wird die seyn, welche jeden St^t ninmA 
als das wozu Natur* und Geschichte ihn und gerade nur ihn mach^ 
ten. Sie wird erkennen, dass weil die Natur jedes Landes, ^ 
Geschichte jedes Reiches eine andere ist, die Idee des Staates in 
jedem Staate in anderer Weise Wirklichkeit (Form) gewinnt und 
dass eben deswegen gleiche Formen verschiedener Staaten ver- 
langen — wie das die abstracten Politiker thun — eine unver- 
nünftige Forderung ist, weil sie gegen das Gesetz des Isomor- 
phismus gerichtet ist, das nicht nur im chemischen Gebiet, son- 
dern überall herrscht. Sie wird dem Politiker, welcher glaubt, 
dass durch Veru*age und Congresse Alles gemacht werde, die un- 
geheure Gewalt des Naturwüchsigen, die Zähigkeit der Nationali- 
täten entgegen halten, denen aber, welche meinen im Namen der 
Nationalität verbriefte Rechte kränken zu dürfen, stets das vor- 
halten was sich geschichtlich gemacht hat. Dies wird sie ohne 
ein Schwanken und ohne Verleugnen des so eben erst von ihr 
Behaupteten nur dann thun können, wenn sie als' Regulativ stets 
beides zugldch festhält: die natürliche Beschaffenheit des Landes 
und daraus hervorgehende Nationalität und eben so die geschicht- 
liche Entwicklung des Reichs und seines Volkes. Man kann, da 
ja sowol der Complex des Natörlichen als der des Geschichtlicheii 
mit dem Worte Welt bezeichnet wird, dies die Wel t Stellung der 
verschiedenen Staaten nennen. Wird dazu die religiöse Vorstel- 
lung gebracht, nach welcher Gott Schöpfer des Natürlichen, Len- 
ker der menschlichen Dinge ist, so wird die Weltstellung eines 
Volks seine von Gott erhaltene Mission seyn. Will; man einen der 
Kunst entlehnten Ausdruck hier anwenden, so wird gesägt werden 
können, dass jedem Volke in dem Drama, das die Menschheit auf- 
führt^ seine Rolle zugewiesen ist. Endlich wird Mancher viel- 
leicht den einfachsten Ausdruck, dass jeder Staat seine eigne Be- 
stimmung habe, allen andern vorziehn. Wird bei der Lenkung 
eines Staates dies allein als Ziel festgehalten, dass er seine Be- 
irtf'mmung erfülle, so hört auch die Frage, ob der egoistische oder 
jiO»aM»politische Gesichtspunkt festgehalten werden solle, sie hört 



— 43 — 

auf, ein Dilemma zu enthalten. Wie wenn im lebendigen Orga- 
nismus die Lunge nur Lunge V die Haut nur Haut seyn will, das 
Organ selbst sich am besten befindet und zugleich dies den übri« 
gen Arganen am zuträglichsten ist, während die metastatische 
Yertretäng der einen durch die andere ein Krankheilssymptom 
ist, ganz eben so schadet der Kosmopolitismus in der Politik ge- 
w5hnItoli der ganzen Menschheit, während diese sich am allere 
beslen befindet , wenn jeder Staat /lur sein eignes Wohl im Auge 
hat Wenn England sein eignes Wohl im Auge hat, so 
ist seine Poltitik auch dem Ganzen zuträglidi ~ freilich 
ist es sehr die Frage, ob es sein eignes Wohl befördert, wenn 
es sich in den Credit bringt, brutaler Unterdrücker des Schwä- 
chern, oder Beförderer aller fremden Revolutionen zu seyn — 
dagegen ist das Vergessen der eignen Bestimmung zugleich ein 
Yerfehten des allgemeinen Zwecks. Jenes Drama der Menschheit 
wird gut gespielt, wenn Jeder nur daran denkt, seine Rolle mög- 
lichst gut zu spieleri. Guizot hat mit Recht bemerkt, dass einer 
der Gründe, warum Frankreich aus seiner Revolution von 1789 
nicht gleiche Vortheile gezogen habe, wie England aus der seinigen, 
darin liege, dass das jjetztere nur seine eignen, nicht allgemeine 
Menschen -Rechte vesäieidigt habe. Unsere Anglomanen^ und 
Gallomanen,*die in iki*er Politik stets an die andern Völker den- 
ken, sollten bedenken, dass diese wie jede Manie eine Krankheit 
ist, die am Ende dem Maniacus selbst eben so wie seiner Um- 
gebung Gefahr bringt. 



Vierte Vorlesangr* 

Der Untersuchung, welche die heutige Vorlesung ausfuOeh 
wird, sind einige Bemericungen vorauszuschicken , welche theils 
ihren Gegenstand betreffen, theils persönlicher Art sind. Hin- 
sichtlich des ersteren muss ich nämlich bemerken, dass ich einen 
Excurs machen werde in das Gebiet factischer Zustände. Dies 
streitet zwar nicht mit der Aufgabe die ich mir gesetzt, da ich 
ja erklärt habe, ich wolle Sie anldten, sidi über die wichtigsten 
uns interessirenden Fragen ein begründetes und sicheres Urthell 
zu bilden, und ein vor Ihnen sie BeurtheiUn gewiss mit ftu «inet' 



— 44 — 

solchen Anleiiiing gehfirt. Aber auf der anderen Seite reicht hier 
das bisher Eutwickelte aUein für eine richtige Beurtheilung nidit 
aus, es gibt uns bloss den Codex < nach welchem geurlheiit wird, 
zur ^Wendung desselben ist aber audi noch nöthig , diiss .üer 
Tbatbestadid constatirt werde: da dies aber die Au%abo einer M- 
sk»ris<Aen Darstellung ist, -welche von subjectiver ibiffiissung ab- 
hälft, so wird hier das Urtheil nur eine problematische Gültig 
keil haben. Ist die spedes facti, die ich gebe, richtig, s» viird 
auch Yon dem Unheil, das ich fälle, keine Appellation mehr mög- 
lieh, ich bescfaeide mich aber gern» da Staatenkunde nicht meine 
Sache ist, dass ich die Naturbestimmtheit und den gesehichtUehen 
Zustand der Länder, von denen ich hier sprechen werde, nicht 
richtig geEaseJb habe. Die zweite Bemerkung habe ich ' als eine 
persönliche angekflndigt Ich werde heute Manches aussprechen« was 
im Jahre 1848 für eine Ketzerei galt, während es heut zu Tage 
vieirix eansa ist. Ich will mi^h nicht dem C04O gleichstellen, bin 
es aber mir selbst schuldig, hier zu erklären, dass ich mich schä- 
men würde es jetzt zu sagen, wenn ich nicht bereits im Juni 
1848 dasselbe nicht etwa nur gedacht {denn dja könnte manche 
Selbsttäuschung mit einlaufet), sondern ao der Stelle, sn welcher 
4q^ mich jetzt befinde, offen ausgesprochßn , wenn ich es nidht 
im Anfange des Jahres 1849 abermals an ^eser. Stelle laut Ter^ 
kündigt hätte. Nun also zur Sache. 

Da, was ich die Weltstdiung nenne, zu seinen Momenten dib 
natürliche Beschaffenheit des Landes und die geschichtlichen An- 
tecedentien eines Reichs hat, so versteht sichs ganz Ton selbst, 
dass wo beide Momente verschieden sind, von einer Gleichheit 
der Principien in der StaatsregieruDg gar nicht die Rede seyn 
kann. Wie soll England, das von Natur ein« Insel und also zum 
bereichernden Handel bestimmt ist, dessen unerschöpfliche Stein- 
kohlengruben es auf Industrie hinweisen, das wiegen seiner insula- 
ren Lage seit' Jahrhunderten *das (refuhl der Unangreifbarkeit hat 
und darum für sich keines stehenden Heeres bedarf, wo weiter 
die Besitzer des ganzen Landes ursprünglich £rob^er, dann ge- 
achtete die Freiheit stutzende Barone waren , wie soll es nicht 
einzig dastehn mit seiner aristokratisdien Grösse* und seinem oft 
40 schmutzigen Krämergeist? Aber ganz abgesebb von der 
Qualilftt der beiden Momente, welche die Stellung eines Staates 
1, consUftttirt noch etwas Anderes die Verschiedenheit der 



— 45 — 

Itaatem« Es hi das quantiCatiTe Verhältniss zwischen NationiMftt und 
VblkstUmlichkeit, welclies Terscbieden ist je nachdem Vdk und 
Nation zusamnieBMIen (steh ' decken) oder nicht. Beides dedit 
sich in Schweden, in Spanien, in 6rossbritannien\ wo alles was 
selrrtrediiMl v. s. w. ^rieht, zu Schweden n. s. w. gdbört und um- 
^k^rt. B» wt aber zweitens auch der Fall möglich, dass das 
Volk metiiwe Nationen befasst, wie das der Fall ist in den Kai- 
seireidil^n — anch das englische Parlament nennt sich, wegen 
seiner Vereinigung mehrerer zu* einem , ^ mperial parliamevH -^ ; 
das österreichische, das russische Volk befasst mehrere Nationen. 
(Im Kleinen tritt dasselbe Verhältniss uns bei dem Schweizervolhe 
entgegen«) Während es sieh mit Frankreich mit wenigen Aus- 
nahmen (£Isass und franzörische Schweiz) so terhält wie mit 
Schweden, während dessen' findet ein ganz eigenthümliches Ver* 
hältniss Statt hinsichtlich der Deutschen: Erstlich zerfällt die 
deutsche Nation in fiele Völker und Thetle von 4hm sind Bestand** 
theile anderer Völker geworden, zweitens haben sich deutsche 
Völker andere Nationalitäten als Pro?inzen einverleibt Es i$t seit 
geraumer Zeit Mode geworden. Jeden als einen schlechten Patrio'» 
ten anzttsebn, d^ dies nicht beklagt, und des Spimxa Regel ver- 
gessend, dass man anstatt zu klagen lieber zu begreifen suche, 
hat^ man sich nur selten die Frage vorgdegt, ob nfcht ^rade durch 
diese so viel beklagten Umstände Deutschland am Meisten ge*^ 
schidit ist, seine welthistorisdie Mission zu erfüllen? 

Was die natürliche Bestiminung Deutschlands ist, lehrt schon 
ein Blick auf die Karte Europa's; ein Land, welches so in der 
Mitte Ecropa's Hegt, dass die Wege von MaArid nach Petersburg, 
von Paris nach Moskau, von London nach Constantinopel , von 
Stockhohn nach Nciapel sich in ihm schneiden und das dabei von 
allen Seiten offen ist, ist .von Natur der Schauplatz des Zusam- 
mentreffens aller Mirigen Nationen. Ist dieses feindlich, so leidet 
kein Land so sehr als Deutschland, in dessen Bei^icb die 
SchldclUfelder aller europäischen Kriege feilen, ist es freundlich 
im Handel und Verkehr, so ist es Deutschland, in dem idle .Rei- 
senden sich begegnen, und welches durch «sie bereichert, aufge- 
klärt, gesegnet wird. Es ist darum sein Interesse wie das. der 
ganzen Menschheil, dass es den feindlichen Znsammenstoss ver- 
hindere, den friedOichen Verkehr befördere, wo es dies thut, spielt 
es seine Rolle im Drama der Weltgesehiehie, und ist wie Ifder, 



— 46 — 

der seine Rolle durchfahrt, gross. Wo DeuUcbland den Krieg 
verbindert, verdient es den Namen, den ein grosser, nichldeulscher, 
Staatsmann ihm gab : Deichsel an dem Wagen der europäischeo 
Politik» ttttd darum gehören die Jahre 1830 und 1840, die in die 
s. g» schmadivolle Zeit Peutscblands fallen , zu seinen glorreidh- 
sten,- wM die Mächte, die nach dem J. 1848 kaum mehr Notia 
von uns nehmen, sich dem unterwerfen mussten, dass Oesterreich 
und Preussen keinen Krieg wollten. Diese seine Rolle d^s Ver- 
mittlers erfüllt Deutschland am Sichersten dadurch, dasg andere 
Reiche deutsche Elemente, es selbst wieder solche sich, einver- 
leibt, die andern Nationalitaten angehören. Es wird dadurch der 
FeindseUgkeit der Nationalitäien entgegengearbeitet, die ungehin- 
dert zum furchtbarsten der Kriege führte, zum Krieg der Ra^en, 
in dem die Kämpfenden sich gar nicht verstehn, und der wie 
jeder andre nur in Deutschland ausgefochten würde. Durch das 
gegenwärtige Verhältniss wird Deutschland wirklich, als was es so 
oft bezeichnet wird, das Herz Europa's, welches das arterielle 
Rlut seiner Ideen in alle Organe des grossen Körpers hineinleitet. 
Was schon vor vielen Jahren Gans bemerkt hat, dass es nidit 
bloss als Unglück zu betrachten, dass der Elsass französisch sey, 
yf&k dieser Umstand den deutschen Ideen Herrschaft in Frankreich 
verschaffe, ist ganz richtig. Die Deutsch-Franzosen Villers,. Cw)$er 
u. a. haben dem deutschen Geiste mehr Aditung verscbaflt 
als manche gewonnene Schlacht. Was der Elsass dem romani- 
schen, das ist Holstdn dem skandinavischen Geiste geworden, ein 
Caoal durch welchen die innerliche Germanisirnng Dänemarks bis 
auf Slruensee langsam vor sich ging, bis sie durch erwachten 
Nationalhass wieder verdrängt ward. . Gleiches gilt von den russi- 
schen Ostseeprovinzen, die zwar in dem Sinne nicht deutsch sind, 
wie Viele meinen, in denen aber allerdings alle Städter und Rit* 
tergutsbesitzer Deutsche sind. Auch sie dienen dem grossen 
Zweck der innerlichen Germanisirnng und Humanisirung des grossen 
Sla?enreiches. Meint man, dass Alles dies auch durch Auswan- 
derung zu erreichen wäre, so vei^isst man, dass Auswanderung 
immer ihren Grund in UnsUtlichkeit (auf einer oder der andern 
Seite) hat, und dass eben deshalb der Eingewanderte nie das 
VMiauen und den Einfluss erwirbt, wie d,er Eingeborne, man 
vergisjit zugleich, dass es des Deutschen Eigenthümlicbkeit ist, dass 
er dem Antäus gleich, mit deutschem Boden zusammenhingen muss, 



— 47 — 

um. seine Nationalität lu behaupten; die. dann alle andern absoff, 
birt, mbrend aie Yom deutschen Boden getrennt. sich schneller 
asaimiiiren l&$st als jede andre. Es ist aber düe Bestimmung des. 
Herzens Europa*8 (wie des physischen Herzens) dass es nUM nur 
sete JRut bis in die Artefien-Enden ausspritzt^ sondern auch dass 
es^ das T^nCse Blut der andern Nationalitäten in sich auAiehme, 
u«d in dieser Assimilation, deren der deutsche Geist bedarf wie 
der Oiyanismus der Nahrung, sieh stets erfrische und belebe. Wie 
die Griechen ihr« Sprache, ihre religiösen und ästhetischen Ideen 
durch Gräcisiren fremder Elemente bereicherten, so wir» die Grie-. 
eben der Neuzeit, und selbst in der Ausartung, der Neigung zum 
Nacbaffen. des Fremden, darf das Berechtigte, ja Grosse, nicht 
verkannt werden, das dem zu Grunde liegt. Das was dem 
deutschen Geiste nothwendig ist, geschieht nun auf eine constante 
Weise« indem er Slayisches, Bomanisches u. s. w. nicht nur von 
durdureisenden Fremden aufnimmt, sondern sich dadurch assimi- 
lirt , dass Romanen , Slaven u. s. w« unter Deutschen als Bürger 
deutscher Staaten leben«. Der Versuch darum, die deutschen Pro«, 
vinzen nicbtdeutscher Staaten von diesen loszureissen und die 
niclUdeulsdien Provinzen, deutscher Staaten von Deutschland aus» 
zusdieiden, wäre, um in dem gebrauchten Bilde zu sprechen, dum. 
Veraucbe gleich, durch Unterbindung der Arterien dem Herzen 
erst aU sein Blut, und dann durch Unterbindung der Venen es 
hellroth zu erhalten. Ein solcher Versuch ward nun im Jahre 
1848 und 1849 wiitlich gemacht, Deutschland lag bereits auf 
dem Operatioiistiscbt das Tourniket war angelegt und Operateure, 
denen es zwar nicht an Kähnheit, wohl aber an der Kenntniss 
des Kreislaufs fehlte, standen bereit. Die deutschen Provinzen 
sollten keinen integrirenden Bestandtheil nicht- deutscher Staaten, 
mehr bilden. Was musste erfolgen, was erfolgte? Das Deutsche 
ward nicht mehr freudig wie bisher und ohne dass sie es merk- 
ten von den andern Völkern aufgenommen , Skandinavien ward 
uns mehr feind und die für uns so geßhrliche Idee eines grossen 
skandinavischen Reichs ward lauter als je, ganz dasselbe gilt von, 
den Slaven, die sich in diesen drei Jahren so von uns zurückge- 
zogen und innerlich uns entfremdet, dagegen sich unter sich so 
angenähert haben wie nie, so. dass während vor dem J. 1648 
nie em Zweifel daran Statt fand, dass Oesterreich ein deii^cher 
Staat aey» jetzt die Slaven auf ihse Mehrzahl pochend i^ einen 



— 48 — 

riamchenf Benimi; mir ein ineensequentM Goqaettiren mit der 
fraoKteiscbeD Rqmblik, wdicfces yerhinderte, dass imh nieht E^ 
sass eben so reclamirte wie Schleswig, hat e» verhindert, das« 
wir den Franzosen uns eben so zum Feinde madite» wie den 
Skandinavier. Wir haben ans verbatst gemacht, nnd das Sefalimntf^ 
ste ist, dass man uns^ntdit um so mehr fürchtet, sondern die- 
selben die uns hassen, verachten uns ,denn das negative Verhalten der 
Nationen, eben ihr Hassen und ihr Verachten, das wir zu verhin* 
dem hatten und wirklich verhinderten, so lange durch «ms in al- 
len Nationen verwandte (ursprünglich deutsche) Ideen geltend 
gemacht worden, die dem einen Staat durch deutsdie Provinzen, 
dem andern durch deutsche Gemahle der Herrscher anfloseen, 
dies haben wir durch unsre thörichte NationaliUHspolitik , indem 
wir ganz allein das Privilegium des Deutschs^s haben woiiten, 
hervorgerufen. Dabei aber blieben die genialen Chirurgen Deutsch- 
landa nidit stehn« Hinfort sollte kein schwarzes Bhit mehr im 
dentschen Körper fliessen« So ward durch die Demarcationslioie 
Polen vom übrigeni Preussen getrennt, so ward Oesterrfeich aun 
Deutschland ausgeschlossen -^ (die jetzt immer schreien : Oester- 
smch habe sich selber ausgeschlossen, vergessen, dass die Ver^ 
^sungs-Urktinde vom 4. März nach der Redactipo von §« 2 
und 3 der deutsdito Reichsverfassung und nach dem Qagetn'Mh^ 
Programm erfolgt ist) — man wollte rein deutsch werdem and 
ward dadurch klein -deutsch, ein Wort, was sogar au einem kn 
benden Epitheton einer ganzem Partei ward, die offenbar den be- 
bannten Refrain des imdi'schen Liedes jetzt umiBdeni muan. 
Wurden alle jene Besdilässe wirklich aiisgefOkrt, so wiren wir 
ein Rein- und' V^bluts- Volk geworden vrie die Spanier, als sie 
das Maurische Element von sich ausgeschlossen hatten. H nodi 
mehr wären wir henmterg'ekommen als sie, denn der dentscbe 
Geist bedarf, um sich zu beleben, der steten Asrimifatie« den 
Fremden, er ist omnivorer Natur, und die es beut zn Tage ausr 
sprechen, dass Preussen geistig höher siehe als die ftbrigem 
deutschen Völker, sollten doch genauer zusehn, oljf dies nicht auch 
unter Anderm seinen Grund darin hat, dass das preossiscfae Vdk 
wendisdie, polnische u.s.w. Elemente sich assimilirt hat und noch 
fürt^Sfcrend sidb assimilirt« Sey dem wie dem sey, so viel ist 
gewiss, dass durch dieses Bestreben, das Nichtdentsche mehr ve« 
uns zu trennen als bisber, wir den, der den Schlüasel zur Ostsee 



— I« — 

fUirt, OB» nm Feinde geoMcht, und tom Ifittebneer uiiAgdktiSar'-- 
wa Hker, «it weMies w iarth Oesterreidi. direet und kidirecf' 
aortosMnt un» g^ennt baben. Es erMfaien wie ekie Ironie, dasg 
wir gerade daoMls Ar eine deutsche Flotte aananielta[i.'^^-w.«Kiira 
kIi» M uns danuds gethan wiu-de, spottete dessen, wozu Deiiisdi«* 
Itfnd ymt Natur bestimmt ist/ 

flat die Natur die Deutschen dasu bestimmt, die NetzgefSese 
abngebeo für die Cironlation des Lebens der übrigen Nationen, 
so» ist es wieder eine Vetkennung seiner Geschichte, wenn 
man das Zerfallen 'derselboi in eine Mehrheit von V6lkem igno- 
rirt^ S» weit wir in der Geschidite Deutschlands aurückgehn, 
flttden wk ZerspütHernng, flndien wir Vieifaeit von Stflmmen imd 
Gemeiiideo und ein Festhalten der individuellen VersehiedenheM. 
Dteaer ilmsiand allein müsste schon den Gedanken nahe legen, 
dass den gennaMsehen Wesen alle Centralisation widerstete, welche 
di^iegen so nfeit dem roaMnisdien Wesen verbunden ist, dass die- 
ses ühendl Msbe Staaten hervorbrachte, die man Hauptstadt^ 
Staaten genannt hat So ist es z. B. in Frankreich, wo Jeder es 
naIArBeh fiftdet, tos Par» AHes, und dass Prov^zbewohner rin 
Sdidturntt ist. Ganz anders verhält sich das schon in England, 
da ist codkn^ ein Spottname, mit dem man den Londoner be« 
mdinet Des gennamsche Prmcip der Gemeinden hat sich hier 
so^ behauptet, dass sich n. k. das Unterhaus das Haus der Ge-* 
melflden neaot^ Viel mehr noch als dem Engländer widersteht 
eine firanzOsisohe Gealraiisation dem deutschen Geiste; wenn dHie 
FnaiziMeü cyü Bienenvolk sind, und danoa auch immer Ehi — 
lebendiges oder tedtes — Individuum vergöttert haben, so sind 
wir indnridiialiitkMih wie die Ammen. Was man die Oentü(hlich«< 
keit der fieutacben genannt hat, das früher so gerühmte Wort- 
baÜeB derselben^ die Eigenthümliehkeit, dass Jeder seinen Stj! 
sdireiH ^^^ Hervortreten der sidijeetiven Liebe in der Ehe u. s. w«. 
Alles dies ilr§mt aus dieser einen Quelle, die es unmöglich macht, 
disa vrir Franzeean wenden. Danun ktonen wir nicht eine Haupt- 
fllndt ertragen, sondern hriien Haiq>tstifte, me die Amerikaner, 
dämm ist es gegea die Veftathümlichkcit der Deutechen, ganz zu 
visrgeaaen, dass er ein Sachse, ein Holatmur ist; oi^leich dies 
gesdhwMit ward«i kann dureh häufigen Wechsel des Wohntflrtefl^ 
m veradmindnt nie ganz. Auch IM dies alles sich, namentlich 
den (ieadiichlriattdigflai nie veriMv^n unA «n^ derselben^ weleher 

4 



in Frankfurt faod^eachtet war« soll daselbst ausgetproclMn. ha-: 
ben« es sey einmal deutsch, dass man nicht unter einen Hut ge- 
bracht werden könne« Wenn dies deutsch ist, so bitte man vwr- 
mutben sollen, dass deutsche Staatsmänner zusehen wurden, wie 
also ^twas YepnunfUges zu Stande eu bringen, wenn Jeder seinen 
Hut trägt. Aber nein, dies geschah nicht. ^Da die Deutschen 
sich nicht unter einen Hut fugen wollen, so muss man sie dahin 
bringen'V, d. h/ abermals ateigte sich anstatt des Politikers der 
Schubneister, anstatt dessen, der das Daseyende benutzt, der Err 
zieber, und so erlebt man es, dass uns gesagt 'wird, es.sey zwar, 
nicht deutsch, was sie uns zumuthen, es sey aber nothwendtf, 
damit wir Deutsche seyen. Abgesehen aber davon entsieht «hier 
noch eine andere Fragis , nämlich ob durch diese Zeri^tterwig 
Deutschland gehindert worden ist, seine Mission zu' erÜlleB , oder 
ob sie dadurch gefördert ward. Als diese Mission haben wir efkannt : 
den >Krieg, die Unvernunft, zu bindern und den Frieden^ die Ver-« 
nunft, herrschen zu lassen, da es nicht SchiachtfcMr seyn wollte, 
Messplatz zu seyn für Waaren und Ideen. 'Dies wii^d nur erreidit 
dadurch, dass die Intdiigenz gleiohm&ssig» verbreitet ist, dass. die. 
Kunst und Wissenschaft an den verschiedensten Punkten iäreJMu** 
Seen und Akademien gefunden hat, dass endlich, was die uner^- 
läs$liche Bedingung zu jenem, nicht inui* an einem Pinkito aiäi 
Reiobthum .findet, sondern die Wohlhabenheit überall verbreitet 
ist Zu diesem Allen aber hat gerade jene «bteklagte Zersplitter 
rung gefuhrt. Göihe, der durch seine Existeiiz onehr zur Einheit 
Deutschlands beigetragen hat, als alle die, welche ifep einen m^ 
dmitsdien Mann nennen, hat mit Recht darttuf. anftnerksam g6^' 
macht, dass die yiöien Regierungen und Höfe in. Deutschland dazu 
beigetragen haben, überall Wissenschaften ond Ktaste zur BlüAe. 
zu. bringen, und dass die Landkarte der Bildung. in Deuischhind 
eine. Menge- von Lichtpunkten darbiete, wahrend in Frankreidi 
Alles schwarz sey bis auf das «inztge Paris. Er bemerkt ,mit 
Recht, dass f Ar die ideellen, geistigen, Interesaen der Umstand,.' 
dass Mönchen, dass Weimar Residenzen sind, vom.iftrderiiehstia: 
Einfluss gewesen und nodi sey. Denkt /^man aber an; das Mate^* 
rielle, so gilt von diesem dasselbe. Jener vieibeUagte Umstand/ 
hat den fHedlichen Verkehr. in einer Weise . beii uns ^gesteigert/ 
wovon andere Länder, keine Atialogil darbieten.' Betraekftet man« 
nur die Eisenbahnen, diesen Maasssl^ des (jiicjiiWsäiren*^ sondern » 



— w - 

Peräoaen-) Verkehrs^ bo '^ind^it keineiB iMi^' in so kurzer Zeit 
so yiele, soelegmi eingerichtete und dennoch so gut rentirende 
entgtanden wie bei uns, und wenn man in dem, seiner Einheit 
wegcA beminderteii Frankffeieb, selbst uater der Regierung, in der 
d«r Wohbtand «m meisten stieg, darnach fragte, ! war n^aji er* 
sfbro^kmi. Dies ist begreiflich. In Frankreich reist man gar 
nidtf aaders als im Geschäft, oder um einen bestimmten Ort, ein 
Bad, ein Landgut lU erreichen. Lustreisen macht man ausser- 
halb Lande«« und Fremde, sdbst Engländer, besiidien tou Frank- 
rddi iB der Riegel nur Paris; -— nicht viel anders ists eigentlich 
in Efi^and; wem man die schottischen Hochlaqde ausnimmt, so 
gibt's nur Gea^bäfUreisende oder solche, die Freunde auf dem 
Labde beludien; wollen sie.niachen was wir eine Reise nennen, 
Sdianswärdigfceiten ina Auge fassen, Menschen kennen Jemen, s.o 
gehn sie nach baltoa, der Scbwei;s, Deutschland. Was ist es, was 
sie au uns sieht und was. überall — wenigstens wo es Eisen- 
bahnen gibt — Engländer finden läsM? Dass München, dass 
Dresden, dasa Beriten dass Cassel u. s. w; ihre Merk- und Sehens- 
wöndigkeiten haben, die sie nicht hätten, wenn es nicht verschie'- 
dene Ittfe gäbe, dass Begennburg ^eine Walhalla hat, die es ge- 
wiss mdbti ktW^ wenn es eine KönigUcb-Preussische oder Kaiser- 
licb-Deiltsche. Stadt wUre. Jetzt, bedenken Sie, dass jeder Reisende 
überali w# er.durehkommt, neue G^nken nachlässt und — was 
Vielen ala wichtiger gilt — Geld, sa werden Sie bestätigen, was 
ich. sagte. ' Nun pflegtt.man freilich immer dies anzuführen, das 
sey au, tbeuer ec^aoft, weil die Erhidtung der Fürsten dem Landei 
so iiel:koate. Wenn man di^ Meisten sprechen hört, so ioUte 
man glauben, diias in )>««itscbland, wo mehr als in irgend einem 
Lande der W^^It die Wohlhabenheit gleichmässig -verbreitet ist, 
ohne seine '„Tyrlnneü und Blutsauger*' Alles in Gold schwimmen 
wOfde*. Weit ^atfemt! deqn da der Reichtbum nicht in dem 
GcMe-9 : sondern in der oft wiederholten Girculation besteht, so 
bfonrnt nur der des/fteicbwerden des Landes, welcher das Geld 
aus der Ciroüatipn hei^usbringt Das aber thun gerade die Für- 
sti^n.am wenig^Aon, sie sind— so lange sie nicht durch Feilschen 
der Sttade geizig, ader durch Reyol^onen ängstlich werden 
mfiaaen — ' sie sind diß einzigen reichen LeiUe, die nicht beizu- 
hyen haben» aondern diOj was si^ jfihrlieb haben, jährlich, aus- 
ffiht»^ Wlrc^ es jdiirmn .wabr> wiis ao. M^ amgeruf/ßn wvd, d^s. 

4* 



— S2 — 

die Füfsfeii dem Lande so viel kosten -^ (nian Tergisii^ 
Frankreich an Besoldung seiner Deputirten jftbrtich ungeflhr 80 
fiel ausgibt als der ganze Preusii6cbo Hof kostet, tmd dast^ irie- 
mir gesagt worden, die Cirilliate des Königs rm Sadist» fange 
nicht «e Tiel beträgt als was uns nnsere Kammern an baaram 
GeMe kosten) — ich sage, wäre dies wahr, so wdrden sie, gleidi 
den Lymphherzen mancher Amphibien, nur zur CirciihilS«ii di»* 
nen, und darum mus» gesagt werden, gerade durch sie ist ift 
Deutschland die Wohlhabenheit überall gestiegen, wfthr«iid Frank* 
reich rerarmt ist um Paris zu bereichern. Wflre dämm die Katte 
Deutschlands nicht so bunt, so wäre es nicht gewofdea, wo» et 
bestimmt ist, der neutrale Boden, auf dem sich die Tersckieden^ 
sten Nationen begegnen, der Markt des Ideenaastnasches und dar 
Termittier und Regulator desseften» Eben deswegen war e» audk 
nur das Gefühl ihrer eigentlichen Bestimmung, welches die dculMdite 
Stämme dahin gebracht hat, sich m souverafaieii Staaten xu erfae^ 
ben. Ais ehte Yielfaeit ron Staaten reaüsitt Deutecfaland 
Bestimmung am Besten, darum ist es nach seMM* gaaMn 
eine Conföderalion von Staaten, wie Nordamerika, Es seit nan 
gar ni^bt bdiauptet werden , dass , da emmal dies feleislet iaty 
nicht auch eine geringere Zahl ron deulsrchen Staaten anar^idUs, 
wie ich dehn weit ^tfemt dav^^n bin ra bekkigiett, diae der Ai»** 
genblick herannaht, wo die Anhaltisehe» Lfindehen eia Anhalt bil*" 
den werden. Der Gewinn aber, den es brächte, wen» einige 
Fürsten mediatisirt würden, an#talt dftsii man es der Vomekuttf 
flbertässt, auf dem sittfichen Wege derfirb^dkaft M tetndmeizw, 
dieser wäre zu theuer erkauft, wenn heilige Redbte teri«tzt wQf« 
den» Wer will, wünsche* also eine IMteetion, Aburlawe' m $bmp 
Gott sie zu reaüsireh. Damit aber, eine Rednction *det ZaU &&p 
Stuten zu wünschen, begnügte man eitih ktk labro 1849 nfadM? 
die Tendenz ging auf tia MeftatiGriren ftHer Fftnaien, and dit Er*- 
sdiaffUng eines einheitlichen Staates an Stelle dfes StaiAenbumtos» 
der bis dahin existirt hatte. Die klarer Sehenden «nd entsiAM«- 
ner Wollenden sprachen dies offen afus. 80 die^ wetehe ^erlang^ 
tea, alle Fürsten soften von ihren Thronen «teigen und de P11&9 
um den Kaiser sich stellen. So andrerseits die repoblikanisdi 
Gesinnten auf der Liidten in Frankfi»t, die immü der ekngmi 
und dreissig MotfarchiM dne etezigo dieutsebe Repubtt wQiiiMii«^ 
ten.' Semes Von Beidettt war ita PeItfgd0Mn*ei der Majorilll ta 



_ M — 

Fhmkfltfi; mt y^dtär du Soaverainettt der «wztkieii Staaten nkkt 
WeiltrMi avfhibeo, aber durob eiae Subordination unter 
Obersüttferain beaehr&nken, wobei die tiefer Blickenden su^ 
(^en, iass dies allniihlig> Aun MediaÜMren der eimfüf^m Sou^ 
?araiae und alao m einer deutsdien Geaammtmonarchic. fübre. 
9orHkr nun diese Anaiebten ¥on ^nander veracbiedeti eind, und 
an Mtkr naaenUkh die beiAen ersten Parteien die dritte als In^ 
conaequente und Halbe veraabtoten, so alimniten alle drei docb in 
dem Einen überein, dass sie die Staatsform als unhaltbar verwar- 
fen, welcbe die einzige ist, ai|f welche die Geschichte Deutsddand. 
hingewiesen hat, die der Conföderation oder des Bundes von 
Staaten. „Jede, auch die geringste Annäherung an diese Form» 
so ward es pathetisd), 4er Welt »^erulefit wjrd das deutsche Volk 
von sich weisen/' Man bedachte nicht, dass schon Griechenland 
nnr groas fpeweaen irar ab GonCMecation^ und dass es schwach 
ward, als «Ae^herrlkhe Geltete «ms Staats den unvermeidlichen 
DnaManuia seiner Hanptibftchte hervorriefen. Verblendet vonfiasa 
bagnögte mnn sich ^ nicht damit, den deutschon Bund und sein 
Organ, den Bnndeatag, was daaiak kicbt gewesen wäre, zu refor*- 
oiren, sondern indeai man vergase, dass unter ihm der Zollver- 
ein und Was damit zusammenhängt m6glich gewesen war, dass zi 
keinar Zeit die Stamm «Eiferendit so geschwiegen hatte als in 
dhaan „Tagen ^r Schmach ^S dass damals kein Deutscher für 
Prewsstt sin AnsUMer wo-, der sieh aus allen deutschen Landen 
raemtiite, dass salbst im e&dusiven WQrtemberg l^llserf bekannten 
Briefe ersebeinen kwnten n«s*w., indem man, sage ich, dies Alles 
vergase» sckilderte nun ditf Zeit aeiner Herrsehafk, als habe es nur 
fcanaibaibehe Bniderkri^ gegebm. Ein Neues sollte geschaffen 
werden, wm vieUeidrt sehr achön war, aber nicht deotsch, und 
das darum a)f ein Undeutscbes in Dentsdiland nicht Boden fassen 
ka«Dta. So ward die Zeit des,* bei Vielen gewiss scMnen, En*- 
dmsiaamus vierpaast «nd das Resultat iat, dass wir auf den kläg- 
lichen langen Umweg von Reich und Kaiser, Reich und Vorstand, 
IlMOtt U.S.W* beim Bundestag anlangen und natürlich eins unvor«- 
ikeilhafteire P^ition imbsn werdem als vor dem März 1848, denn 
diese Goreebttgkeit waltet Oberall, dass drei vergeudete Jahre nicht 
nur nicht wtf ter, sondern zurtckbringen. Lenke man Deutschland 
dabin, weau die Natxur es prädeatinirte und wozii dio GesoUebte 
es gemacht bat, und man wird es richtiger lenken, als wen» man 



— 64 ~ 

410 Kyflbättserftage ram Cod«x der Politik madbt. Im sökdl iMi- 
tiget* Lenkung reicht ftteilioh das deutsche Hen unserer Empin- 
duDgspolitiker nidit aus, daxu gehört auch die verslftodige Berecb* 
nung eif9ihmer Diplomaten, es gehOrt endlieh dazu, was üher Bat* 
des hinausgeht und sidi dazu terbält wie zum Gefühl und Ver- 
stand die Vernunft: staatsmftnntgehe Ideen^ Unter dsestiti ver* 
stehe ich aber nicht — man muss ^s heut zu Tage besMiden 
hervorheben -^ bombastieche Phrasen. 



Fflnfle Torleisnngr. 

Nach meinem Eicurs in das Gebiet der foclladien Zustände 
kehre ich wieder liurück zu m^rer eigentlieben Angabe, zur Ent^ 
Wicklung der Principien. Wenn in den beideü Momenten, weldie 
das Wesen des Staates consUtiiiren, sich die Fitoilie> im»! die bür^- 
gerliche Gesellscbaft wiederholt hatten, so wird in der Art, wie 
der Einzelne dem Staate angehört und aicb hingibt, sich etwas 
ganz Analoges zeigen. Diese Hingabe an sein Volk, und wo die* 
ses autonom ist an den Staat, wird eben so BerfibmogspuiikU 
darbieten mit der Famiiienpietät , welche' als natürliches Gefähl 
existirt, als mit dem Interesse, weldies der Bürger an CoorauuaK 
angelegenheiten nimmt, in welchem <lie Verständigkeit . vorwiegt 
(Ein liebender Gatte, ein verständiger < Bürger.) Beides ist als 
Hom^t in dem enthalten, was wir Patriotismus #der politi* 
seh es Leben nennen, und in dem bewussten Sichdurehdringen 
lassen vom Geiste des Staates, vom Willen des Volkes Jiesteht. 
Schon der praktische Menschenverstand, weicher zugibt, dnas dw 
sich Trennen vom Staat, die Auswanderung, und ginge, es aiHsh 
nur von Halle nach Leipzig, doch üäe gttiz' imdfine .fiedeuUuig 
hat als ein Wechseln der. Commune (z. B« Cßlns uAd Kö* 
nigsbergs) und der jenes erste als moralisch: bedenklich, mwde^ 
stens ate ein Unglüdi ansieht, gesteht damit zu.,.dass das Baad, 
weldies an den Staat bindet, sich dein annUi^t, weldics an die 
Familie knüpft und das zu lockern ein Unredii ist Wegen dieser 
V^wandtschaft bat der -Patriotismus, d. h. die Gesinnung, welche 
^n T^gen der Gefahr zur Selbstaufopfeniog fiuhrt, im gevtrjttmliiiihen 



~ 65 — 

Lauf d^ Diikge aber dato, wa» sehwerer i«t ab jenes, das 
Grosse im Yaterlafide riditig zu würdigen , er hat einen 
religiösen Cbaracter wie die Fainilienliebe ond verbindet -sidi 
wie diese gern mit der ReHgion. Die bArgerliehe Gesellscbaft 
ist yiel indifferenter gegen das religiöse Bekenntniss , u«d kann 
es TteSmeSir sejti als der Staat. Dafum ist es^ begreiflioh, dass 
£ng)and nieht ein sehr grossiis Interesse daran hat, dass Baron 
Itothsehild iifs Parlamebt tritt, wohl aber dte City von London. 
Indem aber in dem Staate niefat nur die gesteigerte Familiensitt- 
lidikeit, sondei^n eben so der gesteigerte Communalsinn sieh zeigt, 
ist es begreiffieh, dass je nach ihrer verschiedenen Lage der Pa* 
triotismns in einem Individuum mehr jener gleidien wird oder 
mehr den Typus von diesem annehmen. Bei wem das Angehören 
an den' Staat dadnreh, dass Ahnen und Urahnen ihm angehörten, 
den Charaeter der Natarwüdistgkeit bekommen hat, wie bei dem Be- 
wohner der alten Provinzen, wer dabei durch seinen Beruf hingew^ 
sen ist auf das* Vertrauen auf eine höhere Madit, wie der Land^ 
mann, in wem endfich die Reflexion oder das, was man Bildung 
nennte nicht sehr tief eingedrungen ist/ dessen Patriotismus wird 
sehr der Familienpietät ähneln. Anders bei dem, der etwa 'seines 
Nutzens halber einwanderte oder auch* bei dem , der es noch er- 
lebt hat, dass sein Land einem andern Staat angehörte d. h. dem 
Bewohner neu occuptrter Provinzen, oder endlich der" durch sei- 
nen Beruf darauf hingewiesen ist, zu speculhnen und. zu calctiliren'. 
Sein Verhältniss zum Staat gründet sich mehr auf Berechnung; er 
kritisirt und läehelt über den,. der es nicht thüt. Man vergleidhe 
die Art, wie der Märkische und Pommerische Bauer, und wie der 
räsonnirende Kleinbürger von Düsseldorf über Staatsangelegen- 
heiten spri^^it* Wer sich In Allem zum -Standpunkt der Vernunft 
erhoben hat oder* was dasselbe ist, in wem Ideen mäehtig sind^ 
in dem wird iiuch der Patriotismus oder das politische Leb^ 
diesen idealen Charaeter haben, oder er wird der eigentlich gebi^ 
dcte Patriot seyn, der zu diem Staat, in welchem- er lebt, tinge- 
fähr so steht, wie zu seinem W^eibe der Mann, der es aus eigner 
Wahl nahm, über stin Wesen nachgedacht und erkannt hat, was erat! 
ihm hat und nun mit unerschütterKcher Lic^e an ihth hängt, während 
ich den unbefangnen Patrioten mit dem vergleichen möchte, dem der 
Vater sein Weib zuführte, und der ihr die Treue ehrfich hält, die 
er ihr (j^lobte. Der Zweite der eben Angeführten wäre dann mit d^m* m 



-• 66 — 

v€rg]eMih6fi, der eiae s. g« VeritandeshcmA maebte, iM eüi anttiii^ 
digos HauB nadit, der auch weiin seiner Frau 9U nabe gelretea 
«rird, sie vertheidigt, der ee aber nkht ab Sehwärmerei aiuüeht, 
wenn mao in der Ehe mebr sidit aU eia Mittel , akb das Leben 
beqaem zu machen. 

Vei^st man» dass die eben diaraeteriairte Verscbiedei^it 
Statt finden muss» so läuft mm Gefahr, forkonunende Erscbei* 
Buugen ungerecht au beurtheilen, Msmgel an PAtriatismus oder, 
was dasaelbe heisst, Mangel an politischem L^ben dort m sßloh 
wo es nur eine andere Form hat. Whr verdenken es dem pom^ 
•maischen Bauern durchaus nicht, wenn sidi sein patriotischem 
Hers verletzt f&hlt bei dem Politisiren der Rheinischen Kleinbür- 
ger. Wir finden es andrerseits begreiflicii, dass Einer , der all^ 
abendlich beim Schoppen Wein sich durch Bekritteln der Regie- 
rung den gelinde Gallenerguss macht, der zu einer guten Ver- 
dauung bei ihm nothwendig scheint, sich nicht recht, finden kann 
in die Art, wie jener den König immer Landesvater nennt und 
selbst nicht Staatsburger seyn will, sondern La^skind. Von 
d^en aber, welche Anspruch darauf machen, intelligente Patrio- 
ten zu seyn, muss man fordern, dass sie bei allen Sympathien 
ffir die eine oder andere Seite gerecht bleiben gegen die gegen- 
überstehende. Dies ist nun leider heut zu Tage nicht der 
Fall. Auf der einen Seite gibt es SoMi^« die in jedem räaonni* 
renden Schoppenstecber einen CaUlina sdin, und es vergessen, 
dass derselbe, sobald es Ernst wird, immer sich conserv^Uv zeigt» 
und dass man dem Kleinbui^er seine Art lassen muss. Praktisch 
verderblieber ist die andere Ungerechtigkeit geworden. £6 ist 
einmal hergebracht, die Zeitungen als Autoritäten in Staatsangele- 
genheiten, ihre Redacteure und Mitarbeiter als intelligente C^oliti-^ 
tiker anzusehn. Zeitungen liest der Landmann so gut wie gar 
ni^t, wenigstens die bei weitem meisten Le$er finden sie unter 
ctom Büi^rstaade und werden sich darum auf dessen Standpunkt 
stellen müssen. Darum ist von ihnen ausgegangen , was al)m£h- 
1^ sieh Eingang verschafll hat bei denen, welche es Sk eine A»« 
l^digung halten, wenn man sie zu den Spiessburgern rechnete, 
dass je lauter das Räsoqniren um so mehr dies ein Beweis scgr 
vom pelitiscben Leben, dass wo jeder in seinem Beruf arbeit^ 
und im Vertrauen zur Regierung ihre Maassregeln steh .rubig ge^ 
Stiim lisit, 4ans dort kein poUtischsp Leben Statt finde. Ist ip^ 



~ Ö7 ^ 

d«cb «ogar se w«it geg«ii§«8, Btv^lutitMii.«!» B^iwtf sdir io- 
tenaiviBr Lebanskiwft aniusttlui «nd hat «o ib 4ir Politik dm 
BpowwmiBow f eltmd gevaacht, 4ar in 4er IMicia titegit wjd^r- 
Iffgt ist» Audi im Leben d«r Völker .gibt t% Kräiapfd avs 
ScbwScbA^ 

Wie das etgenüich politische Leben oder der Patnotj^nitig 
wcigea der bcäden ttomeiite., die er in aidi Yorbindott i» eiiier 
doppeboD Form auftreten konnte, ganz eben »9 ^eigt akh sein 
dieamn parallel gebender Gegeoeatz bineidiUieh aeinea Inbakoi. 
Er war bewvmdtes aieh Hingeben an den Staat, benwcite Liebe m 
unaeirein Yolk^ Nun ist dodi aber daa Yalk im YerkUtniaa «im * 
Einzelnen daa Dauernde und ihn Ueberdauemde, wie unaer Leib 
im Verbältniaa zu dei: Molecule, die ihn bilden biUt Noch mehr, 
wie unser Leib nicht nur j^de deradbf n, Bondern alle, aua daaen 
or beatebt, aberdauart, eben so ist niebt nur jeder Einzelne ittHe 
Eintagafliege, sondern dp« ganze gegen wArtq^e Generation ist nur 
4er Flieg^iscbwarm einea Jahres» wtbrend das Volk der petenni- 
^endc;n Fliegcngattung glei<^t Iteser Volk ist iltisr als die Gena*- 
j^ttout iu de^r wjr Jeben und wird Ungar dauern als sio und lüb 
wir« In dem PatriolÜEtmus liegt daruff» ^mnal da« sidi ifingebeB 
an — das Zurücktreten gegeto — das Volk, das jUto ist als wir. 
Dieaer der Vergangenheit ^ugev^ndte Pairiiotiwuis iat die treue 
Panfcbarkeit f&r 4as was ws geg^>en mtj iM dnä BMc^nntniai 
umerer Scb^Unecaebaft gegen die Va^gangiuMiait, vermfige dar wir 
vni|>flicbtet sind das Grbtb^ festaubstten, welche! man daa Uehar- 
liaferle oder Hergebrachte newL Dias ist wie das EiogriMabta, 
das 4er gewissenhafte Manu uieht angraiffin darf. Ohne Achtnaf 
▼or dem Hergebrachte^ gibtoa keinen Patriotiamus. UlMere 
Lihartiniatan {Liberale ist ein Eihrennavien, den sie aichl vaidiMon) 
wdcba so oft Mm^$iuipi$ ^tkm v^esaen daas forade er 880 : die 
besten Reformen aeyen imn^ek* geweaen, die iu dar BAofckabr zum 
Alten bestanden* In demaalbau Maasae als der Begriff daa feat zn 
haltenden Erbes» dei /IM eommi$mm, in der Achtung ßik, in 
demaelbeu Maaaae dieae Seite des PatmtiaQiua. iSoU ea gir kein 
fidei ernnmisrnm mehr gaben, so dürfen wir. a«oh den fltahm ^oii 
Fehrbellin» Molwita, L^W'iS whi mehr als uuaam, uad was «na 
Jana JS^lacbten gabeut nehnebr ala eui UuTerHusaerliebea, Fa^uhel- 
tmdesanaebn. Pieae Achtung vor dem Hwgebüaobton iat niebt nur der 
Hanptreiz aoodaru auch die Hauptotiirkn iu d«m «ngliadm Mrie^ 



— 1J8 — 

ttemiig, rstii'lfae Jtuhy hat Recht, wenn er die englisäie Reveltt- 
iiim de^hsdb preist, dass sie kein neues, sondd^ nur alte Rechte 
erobert habe. Dass nint diese Seite des Patriotismos nar- 
mentiiob bei soleben sieb finden wird, aus deren Fami- 
lien die waren, welche jenen Ruhm erwarben, das liegt ifi der 
Natur der Sache. I^chon die Familienpietät macht ihn zum Pa- 
trioten in diesem Sinne. Es sind dämm nicht „mystisdie Voll- 
blutS"Ideen'*S sondern es ist die Natur der Sache, die uns dahin 
bringt, bei Ministem aus alten Familien mehr Respect vor alt herge- 
brachten Rechten vorauszusetzen, als be« Parveflü's. Wo es daher sich 
darum handelt, durch eine kühne That zu zeigen, dass das alte Preussen 
nodi lebt, da treten begreiflicher Weise alte Namen hervor. — Ist aber 
das Volk zweitens bestimmt, uns und unsere ganze Generation zu 
-überdaiuern, so wird der Patriotismus eben so enthalte» müssen 
dieRficksicht auf'die kommenden Geschlechter, und da 
der Mensch eine andere Weise in die Zukunft zu blicken nicht kennt 
als die der verständigen Berechnung, so wird nur diese ihn in 
Stand setzen , hier seiner Aufgabe zu genügen. Diese ist darauf 
hinzuarbeiten, dass 'die kommenden Geschlechter uts nicht weni- 
ger sondern mehr zu danken haben als wir unsern Vorfahren. 
Es handlet 'sich also um Einrichtungen fih* die Zukunft, um 
N«oerungen. Dass hinsichtlich dieser die Pietät gegen die Ver- 
gangenheit nicht die Hauptsache ist, ja tlass wo sie sehr intensiv 
ist, dies sogar hinderli^ seyn kann. Hegt in der Natur der Sache. 
Daher werden hier immer Solche hervortreten/ die dem Stande 
angehören, der auf dio Berechnung hingewiesen ist, dem Bürger- 
stande. Oder auch die Neuerungen werden durch solche gemacht 
werden, deren Fomilientradition sie nicht ah diesen Staat bindet, 
durch Ausländer, Am meisten tritt diese auf dte Znkunft gerich- 
tete: Seite der Staatsleiiknng bei finanziellen Maassregein und bei 
der Revision der Gesetze hervor. Hier haben sich sehr häufig 
Ausländer (Law, If^cker, CancHn, Carm^r) und Bürgerliche und homines 
noviiCocce^\ Peely Maassen, Kühne) verdient gemadit. Auch bei 
sehi^ durchgreifenden Neuerungen andei^r Art ist es kein Wun- 
d«',« wenn -die Organe dazu aus andern Staaten herbeigerufen 
wurden. (Man denke an die Ausländer, die 'Peter der Grosse, an 
SiMn und Sardenher^^ die unser seliger Rötiig in seine Dienste 
nahm^) Keiner der beiden Anforderungen, die wir an den Pa- 
triolea stelleil 9 entspricht der atomtsirende Egoismus und darum 



— W — 

ist diiMes.^ e%milU«h «iii»tmlilcbe GaiiwNiog. Gr ab^r itli 
leider^ der un»tre Zeit tebemcht, der ftioh seioos Huise« gf^w 
jedes ßid emmmum rCkbmt, und mm coiMeqa«ii ebne .alle /Mm^ 
was unsere Vocfahrea erwortien babM verschleudern, (aMa# 
fOMm machen und dann einen Pleuhnu .unteroisbiaen will^ ganz 
als wenn unser Volk nicht schon • wäre , sondern erst gemajcht 
werden seJl und der auf der andern Seite in leiebtsiiiniger FisiYiO* 
litM me dann deiAt, dass unsere Naebkommen unsere SebwMeji 
in aablen haben, weil et zu seiner Devise geniacbt bat: qprU 
tum$ le d^«. Wenn dieaer Egoismus aU9n PatrioMsoius uiuoAgt 
lieh raäeht, so kann wieder nicht ^leugnet fverti^, da$s das VoPr 
wiegen: de» einen oder des andern jener bfsden Momente sur Slugnar 
tion odisrxiir tbereUten Neuerung fahren kann* Was gib4 die^Gsnuir 
tie, dass dies nidit geschiehe, u«d dass zugleich kein sqgenann* 
tes jutie müku, was in der.Regel ein prtndplos/^s Schwanken. v#n 
einend Extrem zum .andern zu seyn pflegt , herrschend werde? 
NuttEins:- das Festhalten der Idee, oder ites VernOnftigen. Es 
gibt Etwas, was. alter, ist als die VergangeQbait und mebr Ziel als 
die. Zukunft, das ist das Ewige d. h* das Wahr^, Rechte, Verr 
ninffige. Dies halte man fest und vergesse in; keinem Augeur 
blick, das». was Umrecbt und Unvernänftig ist, nidit vf^eidigt 
werden darf und bestände es seit Jahrtausenden», und Unrecht tm 
gethan werden darf, auch wenn es d^s allgemeine Wohl zu her 
l&nfean scheint Diese Norm ist leicht zu befolgen nur in den seltenen 
FiUen, dass Vernjtoft%es eingeführt. Unvernünftiges abgeschaflt 
werden kann, ahne dass Rechte gekränkt werden. Solide ein- 
fache Verbftttniase sind eher selten. In den meisten Fällen 
ist die Sache so verwiokeil, dass ein unmittelbares Aboliren lier«- 
jfthrten kKssbrancbs selbst R^chtsverletzusg ist« da bleibt nur 
übrig, dies auf mittelbarem Wege m tbun. Also,, wenn 'inan d^ 
Armen Schübe schaflen will, und kein Leder hat und keioM Cheld, 
so verdiene man dieses und kaufe ihm jenes« Segt.n^n, duba 
werde Zeit verloren, und zidit es vor, y/ie^Crispims^ das Leder 
zu stehlen» so wird dadurch mehr verioren als die. Zeit, das. Reehf 
und dieses ist ewig» Ein glänzendes Beispiel. iy»farec^ weil: veih- 
nOnfUgsr, Politik bat in dieaer Hinsicht einmal England. «egeb^. 
Dass der Besitz von Skl^v^n unvernünftig ist»* ist gewiss; wenn 
mir aber„: was ich erlaubter Weise mir erkauft tasbe, genommen 
wird, 40i ist das eben so unvernünftig, weil unrecht« ' Sie ß^m^ 



— 60 — 

««, «b wftr^ ditt Sache uiMribar. Dcm Sklffrmibtstttar Mn lU 
fi;eathina lassen tot unvonünftig, es ihm nehmen eben so* Es 
«ibt aber eia Mittelglied, iredwrch ieh, indem ieh Eigemhiim 
nehme^ es lasse, das iel der Kauf oder die Bntsdiidigiiiig, and f«r* 
mOge dieser beben die EngHbider so gross gebaaideh. Die umn* 
feig Mitlioiien, mit welchen sie die Scbidd ihrer Voreltern acridten, 
sind ihnen reiehlidi eingetragen, weil sie selbst «kI ihre Nacb^ 
kommen Sdgen ktonen, bei uns wird nie der Diebstahl sanotio*' 
ttirt. Wir kknnen uns leider nicht rfthmen. Unser Jagdgeaets^ 
faervorgegangen aus dem atomiairenden Bgoiamus, der da sagt» 
warum sollen wir besahlen, was die Vergangenheit yersohnldete, 
hat das Vertrauen, auf Jahrzehnde mindestens, enehikitert; nrnn 
weiss bei uns nicht mehr, ob man nicht auf dem Wege der Ge* 
setsgebung beraubt w^den kann, — dahw der niedrige Cours 
Mserer nach dem 1. 1848 efmittirten SdmMversdireftwgen, Was 
vernünftig ist, das gilt für Vergangenheit und Zukunft, dsrnm 
realisirt, wer das feniünftige thiit, den Willen des uns übei-Aau-r 
ernden Volks oder den allgemeinen Willen, der, wie iüM sehr 
lichtig sagt, nicht das ist, was Alle wollen, sondern was alle Vor«' 
«ftnftfgen wollen sollen. Eben darum ist Rechttbun die beste, 
ist Reehtschaffenhoit die klügste Politik und es war nichts Erfreu« 
Sehes, als die Ton den „edelsten Münnem Dentsdilande^ inspirif^ 
ten Organe, um ,,stdatsmännisch'* eu ersoheinen anfingen, über die 
„Prirat-Ehrlidikeit*' unserer Politik au spotten. Damm nahm aaek 
dies Staatsmann-Spielen ein ziemlidi klagüebes Ende. Ich muss 
hier übrigens einem HissTerstindniss begegnen: Ich wW mit dem 
was ich sagte, durchaus nicht die wahre Staatskunst als etwas 
Leichtes beseiehnet haben. Was Recht ist zu finden, ist sehr 
sehwer, deswegen gibt es auch so wenig Tugendttiafts. Nameotlidi 
kl nnsem Tagen. Wahrend früher der sititiche und religiäse Ernst 
in der bauslidien Erziehung, die Gewalt, mit welcher Stand und 
Berwf den Einzelnen beberrsehte, ihn an das Rechtthun gewühnte, 
und darmn ein Rechtsgefühl ihn ziemlieh sicher leiten konnte, 
wahrend dessen ist dies Alles theils durch die Reflexion weMigsr 
michlig geworden, theils durdi sophistisches Raaonnemeiit geradetu 
untergraben. Damm wird ein staatsmanniseber Tact kaum aus« 
reidien und es wird, was sidt leider se äusserst selten mtt Ener*^ 
gie des Handys paart, bewnsster Principien beüürten* Sie 
fliüeseft ^n Leitalsi^n abgeben, sie davor sichern, dass tnan Etwas 



^ ei ^ 

md ,^ddii UnsUiiidtfn RftctettBg'' itt Untßn. BU jeUt bat jedH 
SdlticiMni und Ha«ieln die Sadien TerdwfreD« jß4w küba^ Nifl^ 
midsl NiMDHU! NteMatol sie fabassert 

Da dtr Stiwt wr. eto OrgtouDiiifl Wf , iadim ein Ge«it aUe 
fiikder diurdidraiig'y im DurchdmageiiMqrtt «b«r dwr^b dkaen 
titiBt« mag e» nun melir ittbewnMt, mag f» mit Uiyrar Eie«cbt 
mbtmdtti sqrn« Patri^tianitta war, so bastebt dAr Sl«it aigendMfai 
wr dordi ihn. Niobt nur 4it Maii^ni, aagi Mhoa Jür#r#Wüt, mißr 
cksB die SüHlt, wandern die Liebe der Bibrger amn Gaaelk. Die^ 
»r Sate^ «eidt«*, wenn man aaatall Patrialismn» p^lilisfsh« Ler 
beiL«8agl, sagar an eintfr Tautologie wird, aksbart Jeden iia^b deai 
Maaaae aeinei Patrkdiamus EinfluBa auf daa StaxUJf bau« b weA 
wahrer Gemein^iflt lebt« d, b« wer daa Vernünftige in n«li9iia}i- 
birtariadur Weise »i verwirUscbea traebtet, der filUli eiaea we-^ 
senlliGben Platt im Siaate aus^ wd da leider «n hobar Crad van 
FatriotiflBua an den Sdfcaiibeitett gebfet» wird ibm dar aupg^ 
aeidinale Blatt niobt fehlen« Wie dar wahre DicbAcff sein Puhli-* 
CMi findet^ 8« tiragan die patriatiacheaBiestrfbitigaii ^ndlieb Früditef 
eilebt's der Strebende, aa wfi dies durch AneriieiUMint ihm gfl*. 
kifaat, eiMit er es nidir, hianmt'a iMk dem Slante zu, <i^ti» 
IfaigciDdirt, je mtlkt dar PatriatittiU»« jene des Egaiamua Ober* 
windende Hingabe, Terscfawindat, um ao mebr.keiiifct der Stmk 
vwd aalhal ein bUliendea Aeusaere isi oft fiur niM3k beetiaeba 
RddWt ein Windeshaudi und er zerfillt. (Dar acbwiderfaafte fa* 
geBwMiga Instand in Frankraieh hat sMnan Grand in dem ajK«^ 
mlhligoa V«raikwiadan ailet anbatanaiallan SilUicbbait,: darin daa9 
Mar jidL nur ab ein Atosni anainht, ah*e Familiear Und andaiNi 
fcnda' m reapaeiifmi, und mm oanaeqnenter Weiae die abaUaat« 
Gleicbfaeit fiordart, ^ in jedem organisdien KtefMr nur dnrek 
¥erwaa«ng mSgfich ist) 

Der Gameingeict edar dar aUgüneind Wille iai daa Ktehina^ 
prin«^ dea Staata« Win. sidi nun das Ld)aiapriil€ip dM einad« 
nan llanadieB in cMcehMn Ldbeasteiaerangeti aeigt, ans: wishdiaar 
habitualbi Lafrensznstlnde werden ^ so aeigl sidi hinaidiilidi den 
StsaHea gaaa Aiiali^gea;. M mehr Alle dnvch daa eine* Geisi äH 
na Tolkflssidi laiMi laasen, um, so mdur üäli eide Gemeiniebaft^ 
Udteit; dm Wottsns ksraai^, die habituell wird und die» nnbwMsat 
airiiM*ildantkB».8i4l«gib(t. WtidmaeaddiallsnMhillgawanmHi 



— 6ß ^ 

)kii'i d&d» die klafrer Bltekiftndeii skÜ iforscilbeii hevfimid w^fleiit 
wird sie als allgemeingültige Ndrm ausgesproehen , ei» Act , der 
die' gröflste Analogie hat mit dem Bilden «Merer Grandsitte, 
welche auch nur von unserer Handlong^eiM abstridiirte ErOh«* 
rangen sind. Wir nennen die zu Satzungen g«woniehe Sitte! eines 
Volkes (StaMes) seine Eiarichtungen oder Institutionen« Es liegt 
in der Natur der Sache, dass hier Fehlgriffe mft^ch sind. Tbeikr 
kann Unsittliches Gewohnheit geworden seyn, wä6 ntcbt zwt Noim 
gemacht werden darf, theils kann der GesetagebersioböbereHoi 
und alsüaxime aussprechen, was ganz gegen die Sitte ist. Daram 
in jedem Momente das Beddrfniss an dem. EingericMetea-, den 
Institutionen', zu ändern, ganz wie auch dem gesunden Qftganis«« 
Uras von Zeit zu Zeit Etwas abgew5bnt oder atidi an ihm Etwas ca* 
rirt werden muss. Wie aber bei dem Eiozel^Organismu» in allen 
wechselnden Zuständen, ja bei todesgefäfas^Uchen Krankheilta, ucht 
nur die wesentlichen pbysiologisdien Functionen bleiben, sondern 
audi jenes bestimmte Yerbfiitniss derselben, welches wir > seine 
Constitution nennen, so wird treffend mit demselben Worte der 
Complex der Gruttd4nstitütionen bezeichnet, welcher- den Grund 
bildet, auf welchem die übrigen Ins^tutionen ruhen, den uüTer*» 
änderlieben Stock, an dem sie wechseln. CiOnstitution oderVer- 
fassungHeines Staates bezeidinet also die bleibende Grundlage 
aller Institutionen, so dass es keinen Staat gibt ^ dsr^niclit seise 
Constitution oder Verfassung hätte, den ^azigen » HsmeBt des 
Aafstandes ervra aiifgunommen, wo er „ausser aller Verfassuac '' 
gerathen ist. Wenti darum die Frage auf gewrorfen wird /wier die 
Verfassung geben solf,^ so hat sie eben so wieni^ einea Sinn, wie 
die, wer eineia Volk seinen. Geist uad seine Missio» gdilentsoll» 
Diese hat es- von Gott, von Natur and Gesckicüte, genug es IM 
sie, lind der Versuch einem Volke eiüe Verfassang .zugeben, d. h. 
seine Grund -Institutionen ohne sein Zuthsn zu äiidem, ist «ine 
Sünde gegen seilen Geist, die darum noibwendig .empdrt. Darum 
haben,' mit* Recht, die Spanier mit Heldenmi/th gegen eine soldie 
Verfinderimg gekämpft, welche — afastroct, «der wie man es zu 
nennen pflegt, -unbefangen,' genommen — eiae Verbesserung ge«> 
n»int werd^ kann; indem sie dem ai^eklarten Firanaosen oder 
Doatsidien so ( scheinen mussle. Nar wer -ein .Volk zu einem Staat 
zu mac^n im*» Stande wäre, wäiie im StauU eine V^rfaDsiiagzU 
gtsbeii, dßftn mitidem Angeiibfiehe; woiiesvdls S^t.exislirt, hut 



— 63. — 

es ftuch'eiiie VcMusuhg oder es hut Eidriehtuagcli, die coDfttt>* 
tutionell. shmL (INte Wort iwird ganz so genonittien, im wirres 
nehmen, wenn wir von constttutionellen Anlagen,' FeUeni u. s.w. 
sprechen. Auf eine andre Bedeutung werden wir sehr bald kom- 
inen.) Gans ihnlidi wie wir die Frage beantwortet haben: wer 
dem Volk 8<»ne Ver&ssung geben Solle , werden wir auf efaio' 
zweite antworten müssen, auf die nämlich nadi der Garantie der 
Verfassung. Dass eine Verfassung nicht umgeworfen wird, dies 
wird garantirt nur durch ihre Starke d. h. dadurch, dass jene 
Einrichtungen wirklich .Wille des Volks sind und.ihih theuer. Der 
Umstand, dass in keinem europäischea Lande bei allem Wechsel 
der Instittttionen die f4indtitution so lange und so. f^st i sich er- 
halten bat als in England, und dies England zugleieh geschriebne 
Urkunden besiizi, in welobea die Grund^^' seiner Ver&ssang: 
feierlich yerlHieft sind«, dieser hat nun die AuMcht bervorg^mfen,' 
dass dergleichen Urkunden die Sieherheü der Veriassung garanti»' 
ren. I>iese Ansicht ist mm eben so oaa?, als wenn, ich glaubte, 
hinsichtlich des Geldes, das. ich eiaeKi Zahlungsunf&bigen geliehen, 
habe, volikomnian sicher .zu sejnn, wenn er mir einen Wechsel* 
ausstellt Eine solche Urkunde für «ich ifarantirt Nichts, sondern- 
ob sie einen Werth hat, hängt bloss davon ab, ob. wasi sie Mit- 
hält auch wirklieh in Volke ieststdit, ganz wie der Wechsel durch 
cKeZahlußgftflUiigkeit gut, nicht aber diese durch: jenen giu-antiri 
wird. Dies in der Natur der Sache liegende Verhähniss ist nuni 
attcb überall duvdi die Erfahrung bestätigt, welche gezeigt hat, 
dasswlM in dem Volke nicht ohikedies. lebt, durch eine Verbriet-- 
fimg nicbt gültig wird. Die» französische Charte, von lfil5 z. B*< 
schiebt die VemntwortUehkeit für! jeden Aegierinigsaot nur den. 
conii^aaigBireHiden Jlinistern zu, und erklärt den Jüinig* für nicht' 
yermtwef lUdi. . Eft enchaineB die luli- Ordonnanzen de^ Jahres 
IdBO und maa jagt den König fort> weil er die CfaMe VM-letzt^ 
habe. Louis Philipp ist nnf erantwoitlich . nach der -Charte ireni 
1839 und hdlt. sieh ganz stricte an die Charte. udd-^ wird gleich«; 
falle fmrtgejagt. :Der König von Würtemiierg* hat nach demiStaals-> 
gmndgeselz das Hetht, Nein au sagen, ab er es einmal, wifl, ^da: 
wttl man ihn far(|agen. Dem Reichsverweser ist .das.Hedit ge*«i 
geben, sei^- Minister zu ernennen, und als er:eie eroeniitv de^* 
crettrt man, dies sey .ttii EMm gegen* die» Versammlung iU^si^w. 
Alle» dies jeigt^ dass diese Urkunden ^ selbst einer Garantie M^ 



— «4 — 

dirfen^ und «bss die Gafattie derselben in nidite ioida« be«* 
stehen kann, dt dasa die Urkunde nur Seiehes eafhält, was. 
wirklich in dem Volke Wunel geschlagen hat» und was eben des* 
halb ihm lu entreissen nnmögliefa. Ob dann dergldehen Uriam- 
den einen Nutzen biJieB^ und welchen, dies ist eine psaktisch sa 
wichtige Frage, dass ihrer Beantwortung eine eigne fietracfafanf^ 
gewidniet seyn soll. 



Sechste Torlefifuns. 

Es ist darauf anfmerteam gemacht worden, weiche grosse 
Wichtigkeit man den geschriebnen Verfassungsurkilndett 
heiailegtn pflegt. Durch sie ist es gekenunen, dass man sieb gewMint 
bM, die Worte Vcrfessung oder Constitution und Vcrtosnngs* oder 
Constitntions* Urkunde sds gleichbedeutend zu nehmen* Diese 
MeAeoiymie, die ihr Analegen daran findet, dass man miler dem 
,,Ghuiben*' auch oft das Gbwdienssymbol ^ersteiit, bat nnn die 
Gefahr, dass auf die Urkunde ein zu grosses uimI auf das. wovon 
sie der Ausdrttck ist, dn zu geringes Gewicht gdegt wird» ee 
dans es in manchem Rflsonneihent fast arscheint, als sey ein 
Staat ehe er eine gesebridHie Verfassungsurknnde entbAlt, wearig 
mAr. als eine blosse Heerde, Abgesehn Ten dieser G^dir aber 
bringt diese Terwechselui^, wie jede, Hisvrerstftndnisse bemor. 
Um diese zo ▼crmciden, werde ich unter Verfassung die Grund- 
Institutionen seibat verstahn, die Urkunde aber, in weldior sie ?er*- 
zeichnet sind, nie Verfassung, sondcMi Verfassungsurkonde, 
Staatsgrundgesetz oder so Umlich nennen» Um aber nicht inieh 
TOn den (ob mit Recht oder Umrecbt, fsage ich niobt^ eiogdMIr« 
gerten Spncbgebrandi ganz su entfernen, will idi das Wert Gen*- 
stitotion nicht nnr in der eigentlichen Bedeutung nehmen ^ ttm<r 
dem damit auiA die Urkunde bezeiehnen, so dass ich aieo, wie 
M» Welt» sagen kann: seit dem 31. lanuar 185A haben wir eine 
GensUtution oder istPnnissen eine censtittttionelle Mo- 
nier Chi e. Auch hier kann ich midi auf dieselbeAnalogie berufen wie 
kurz TOrfaer: mit dem Wcorte Glanben bezeiduint man gewAhnlich. 
die glinbsgei Gesinnung^ dagegen unter Aim Osda fUEstsht man fie 
GlaubensformeL Wie es lange sciea Gianbmi in der Gemeiiide 
gab, ehe dn Greda fm^testdlt wurde, so kitteil wir wt dem 



— «5 — 

J. 1848 eiat mMiroiMicbe Verfasiunf , vraren aber keine consti- 
tttlionieUe Monardde, Den letatmi Namen soll also hinfort bloss 
eise «solche ffthren, die ein gesohriebnes Staatsgrundge- 
setz besitaL Ntm, nach dtesea Bemerkungen Aber den Ausdruck, 
itt uns«^er eigentlichen Aufgäbe. 

Ich habe mit Absicht ein solches Staatisgrundgesetz mit der 
Glaubensformel oder dem Symbol verglichen, weil die Nothwen-- 
dig^eit und Mttlicbkeit beider ganz dieselbe ist, und weil ich keine 
VorsteUung davon habe, wie es in einem Kopf aussidit, der ein 
geechriebnes Glanbenssymbol will und sich vor einem geschrieb- 
nen Staatsgrundgesetz fürchtet oder umgekehrt, ein Staatsgrund- 
gcaela fordert und die Symbole abschaifen will. Beide sind gleich ^ 
wilnseheiiswertb. Zwar nicht, um den Zweck zu erreichen, der 
in d^ letzten Yoriesung erwähnt ward, denn schwerlidi wird 
Jemand Rauben, dass dem Verschwinden des filaubens, über das 
überall geUa{^ wird, dadurch gesteuert werden könne, dass man 
scbneU ein neues Glaubenssymbol verfasste« Ihr Werth liegt ib 
etwas Anderem, in dem worin aoeh der Werth der GrundsAtze 
Uegt, die den itenscben nicht ändern , ^ohl aber in seiner Weise 
zu «eyu bestirkea, indem was bis dahin unbewusstes Prindp sei- 
nes Hindalns war, jetzt bewusste. Norm wird, und darum da* 
Character seine UnTerindeiüchkeit bekommt. Erben sich nun von 
Goi^chlecht au Gesdüecht gewisse: Normen des Staatslebens in 
Worte gefasat und durch feiwliche Verpachtung sanctionirt fort, 
so gibt dies emem Volk ein Bewusstseyn von der Gewalt des 
Gesetzes und des Rechts, um. welches dasselbe zu beneiden ist. 
Was liegt dem Englinder nicht in der seit Jahrhunderten gehei- 
ligten Fonnel: Kfioig, Lords und Gemeinden; was gibt ihm das 
nidit für ein Gefühl, wenn er sich auf die Habeas-Corpusacte 
berufen kann und auf atte andern Gesetze von Alt- England. (In 
jenem bekanüten. Ausspruch des Mftrkisdien Bauern: „Da müsste 
es ja kein ILammergeriehi geben '^ ! spricht sich etwas Aehnliches 
aus» War es vielleicht Schaam, was im J. 1848 dahin brachte, 
den ehrwürdigen Namen wegzuwünschoi?) Je älter eine solche 
Urkunde, um so weiter liegt die Zeit, und erscheint die MiVglich- 
keit, dass diese Gesetze nicht gelten, und wenn wir es darum 
als Glück eines Volks preisen, solche Urkunden zu haben, so 
preisen wdr es doppelt glüddich, wo sie die Sanctipn von Jahr- 
hunderte langer Dauer erhallen hahfSk* 

5 



— 6i — 

So wellig 6t em WMeraprach ist, tkreM mM den gMdUidi 
prebt, d€r 4ie Poeken gehabt hat und den bedevert, der sie be«*- 
kommt, eben so wemg widerspridit sidi, wenn iob es eitt G¥kA 
genannt habe, dass yerhriefte Staatsgrundgeselse exisUren, tnd 
wenn ich hinzufüge, dass die Zeit, in welcher sie entstieheii, iniJ» 
mer eine ungUcklicfae ist, und in sofern ein Volk unglAckidi ge- 
nannt werdto mads, welches eine Conetitution (erst) bekoflioit. 
Dies liegt in der Natur der. Sache. Eäne solche Urkunde spricht 
als Gesetz aus, was im Volke gilt; dazu ist, so lange er Hiebt 
angetastet wird, nicht die allergeringste Veranlassung, dettin was 
si<^ Yon selbst versteht, das bat man nidit erst xu sagen. (Es 
'erregt kein gutes Vorurtheii für den franzteischen Patrt^tiMms, 
wenn die Constitution der Republik dekiBttargem vorschreibt, da« 
Vaterland su lieben.) Darum entstehen derghiidien hkstnmiente 
nur wo Gewaltstreiche oder Misstrauen die innere Cintraiiil ge^^ 
st6rt haben , d. h. in Zeiten der Rev^tion^ S« entst^ die 
Habeas-Corpusacte in Engbnd dadurch, dasS was seil iahrbvn* 
derten bestand — ^e Einrichtung der aibeas^orpas«>lllaodate -^ 
durch tyrannische Könige älusoriSch gemacht war und nun wieder-« 
erobert und festgemacht wird^ so sind es die Attehlate lakei>s If» 
gcjgen die protestantische Kirche und die bestehenden ReeUe des 
Pariainente, welche zur Bedanaion of ri§Ku ifdSbtt habett^ nid 
so überall. Nie liegt Hiuidel und Gewei^be, nie Künste und Wi»^ 
seoschaAen so darnieder, nie schwankt alles Vertrauen und 9ik 
Sittlichkeit so ^ie in Zmten, Wo Verfiissungsuitundeii redigifl 
werden^ und ein Land, 'weksbes, wie Frankreidi «^it seshsig Mh 
ren, gar nicht ans dieser AAeit herauskunnt, ist tu beklaget. 
Auch in Nord ^Amerika war die Seit^ iu wckher Am herdtmite 
Acte viHi'1787 sn Stande kam, eine der unglacklidbten, eine 
Zeit, wo die vier Jahre vorbei* anerkannte Unabhingi^it dnrdi 
das Hervcn^treten der Cl«d>s und der durch sie genfibrlen Partei*« 
ungen, ernstlich gefthrdei war. Eben deswegen abei^ sollte d«a 
Generation^ der das sehUmme Loos gewordien ist, die EntstehiMg 
eines fitaategrundgesetzes. zu erieben^ Sorge tragto, dass den kom^ 
menden Geschlechtern dies erspart werde ; es «geschieht diee diduith« 
dass die entstehende Urkunde die MÖglichkeii der Dauer ki sttch 
trägt und einmal au emem Ulen verbrieften liethte werden hamw 
Dies wird nun am Leichtesten erreicht, wo wi^ in BnglaMi die 
verbrieften Grund-EinrichtungeH uidU id einer , ^somdenk in 



— 87 — 

tfMMM iM nm UitomlMi, wddie ni TehscbtedeniAi Zeiten uA* 
standen, formulirt sind, so dass die mi^iia ckaria HUrMum tob 
Steig MiAnn Init eintm Testament» iDe dbrigen, die Gruhdein- 
richiimgen betreffenden« Aete mit €odicdten daau Verglichen iwt^ 
dMi k5Mle« (Beiläitf g will ich heflMrken« dass es eigeirtlidi he^ 
littbig ist, int nele dieser Acte man als wesentliche B^standtb^le 
der enfttlsobin CenstüntiMi ahsiehl, ob mdn mit Sehulber$ Siebzeh» 
Heu, oder mit Anderen mehreren diese Wichtigkeit beilegt.) Diese 
Efarithtnngtet nun den itoubenien Vortheil« dass wie durch Codiciit^ 
Vieles jtt TesleeMnte angehoben werden kann, ohne dass dadurdi das 
geii<e Testament in Frage gestellt wirdy in England VeHlnde** 
f «Hgon ▼drgenommed werden, ktonen, ohne dass man doK je hat, 
wee man in Fi*aakreich * Revition der Constitution nennen würde. 
Wtan damtt in der Jhdarätwn «f ri^hU dem König das Recht 
genemmea ist, in Friedensieiten in England eine stehende Armee 
m kabeo, so hat ttian» als (lieh dies als unkweekmässig erwies, den 
Aneweg ergriffen^ dass nun immer als eiAe temporSre Madssr^d 
bewiSgt Wird^ was eb bestilndtges Hecht dort versagt wurde« 
Dies bat 4en doppelten Vorthea, 4ass einmal jeder EngUnder die 
Dtelemitiui #f righu als unersohütlerlicheB Reohtsboden ansieht, 
iweitena dass durdi eine Verwerfnng der jährlichen mutinff-^äl 
■a Seiten äes Misstrtuens das Pariament seinen Zwtdk erreichen 
kanüy ohne dass dadordi die Constitution Englands in Gefdir 
kdikwoM. (In dieser Qinsicht folgen die Engländer, dieses Juristto-* 
tidk 4er Nenzeit, dem 4es Alterthuins, den Römern, die es ror«' 
aogen, die €eftetae der zwölf Tafein durch prätorisdie Edicte, 
jn durah Reehts«Fictionen zu eleganten, als dasr sie sie abscbaff-« 
ten und das Reditsbewusstseyn erschütterten. Diese Fietionen 
sind ebeft so -irtaig nnredit, wie wenn d(ir Mathematik^ zurVer^ 
eiflftchung der Methode den Kreis als Polygon betrachtet) Wo 
dai Constituttes *o durch Juiti^nraition verändert wei^den kann, 
hat jedA Generation, anch die neuernde, die z. B. die Habeas* 
Golfusa€te auAebt oder die Helermbill beschlissst, eine Menge 
teil ttliabtedtelildi feHeo i^erbrieften ReditiSn. Efai ähnliehes Ver- 
Uitnisfe^ n^ in Enf^and indet ia Nord-Amerika Statt. Ais man 
ins lahre 1701 land, dass did ConMerationa«' Artikel des Jahres 
1707 niAt ailte Fordetungen ents|Mchen, eetste man nicht etwa 
neue an ihce fiteUfe, aondbm man fegte Imter dem Namen von 
AtaeaddmeAli tfide Aeue Acte birini^ utid kann dies auch m Zu* 

6* 



— 68 -^ 

kunft thun, ohne dass darum jenes ehrwflrdige Instramttit braoekt 
znrüekgenommen zu werden. 

Dass die Staatsgrundgesetze Englands und der Vereinigten 
Staaten den oben beschriebenen Cbaracter haben, bat seinen 
Grund darin, dass sie entstanden, um einzelne angetastete Rechte 
sicherzustellen, oder eine Seite des Staatriebens gesetdich zuord- 
nen. Was Mäc A^Uay Ton der Revolution sagt, <Ue znni Pretecto- 
rate CromwelU führte, dass während derselben der grösstei Theil 
dessen, was Grund-Institution Englands ist, unersdMHtert bli#b, 
das gilt von allen politischen Erschütterungen Engbinds« Es han« 
delt sich immer um einen oder einige Hauptpunkte, um das Ter- 
hältniss des Königs zu den Baronen des Reichs, ein anderes Ma) 
um Sicherstellung der persönlichen Freiheit, wieder ein anda<«s 
Hai um die Rechte des Unterhauses hinsichüidi der Stenem, wie*^ 
der einmal um die Stellung der protestantischen Kirche n. s. w« 
Nie aber hat England sich in einem Zustande befunden, wo alle 
Institutionen in Frage g*estellt wurden. Eben so handelt sidi's 
bei der Redaction der ersten Grundgesetze der Nordameiikani- 
sehen Freistaaten nicht etwa um Bestimmungen über alle Seiten 
des Staatslebens, sondern nur um eine Regelung der Nacht, die an 
die Stelle Englands getreten war, des Congresses, alles was das 
Leben der Einzelstaaten betraf, war nicht in Frage gestellt, daruBi 
wurde auch nichts darüber bestimmt. Wenn aber eine Revolutioa 
nicht sich darauf beschränkt, ein oder einige angetastete Redile 
zu wahren, sondern wenn «ie aus allgemeinem Misstrauen und- 
einem allgemeinen Widerwillen gegen alles Bestehende hervor- 
geht, wie die französische Revolution vom J. 1789^ da entsteht 
das Verlangen, das ganze Staatsteben neu zu gestalten; ver- 
bindet sich nun damit das Verlangen nadi verbrieften Grundge- 
setzen, so entsteht anstatt einer Vielheit von soldien Documenten 
eine s. g. Charte, wie z. B., um die erste von aHen zu niäinen, cUe 
französische vom J« 1791, welche, die allgemdnen Rechte der 
Menschen und Bürger an die Spitze stellend, die Grundzöge aller 
Institutionen in feierlich beschwornen Formeln enthalten will. Ist 
eine Zeit, . wo Verbriefungen nöthig werden, eine unglückliche, so- 
ist natürlich eine, wo eine solche Charte entsteht, eine um Vieles 
unglücklichere, weil in ihr Alles wankoMi geworden is(. Eben 
darum ist bei einer Charte noch mehr als bei einem solchen 
Document, vde etwa die Reformbill, es von Widitigkeit^ dass sie 



nnr SiAdsm enthalte, im^s wMdiefa dauern wird, weil jede Aende- 
Hing bi^ ein momentanes in Fragefilellen aller Gmnd-Institationen 
ist« ^ie Zeit, wo ein Staatagruildgesetz revidirt wird, ist dn 
jusikkm, eine, wenn aucli nicht sehr lärmende, Rerolntion«) 

Da nun zu dem, worin man in Deutschland sich gerade 
Frankreieh zürn Muster genommen hat, auch dies gehört, das$ die 
Grundzflge des gesammten Staatslebens in einem öffentlichen 
Document, in einer s. g. (Iharte zusammengestellt seyn sollen, so 
ist hicfr auf die Art ^ wie eine soldie entstehn kann, femer auf 
das, was von ihr gefordert werdM muss, ein Blick zu werfen, 
Hinstchtlidi des Ersten, so habe ich mit Bedacht gesagt^ wie sie 
entstehn kann, denn da ich gesagt habe, dass sie in dem krank- 
haften Zustande der Revolution d. h. der Ohnmadit der Gesetze 
entstehe, so wfire es ein Widerspruch, wenn ich tersuchen wollte 
die Gesetze anziageben, welche beobachtet werden sollen, wo keine 
Gesetze gelten. Drei Weisen sind denkbar, auf welchen eine 
solche Terfassungsurknndb zu Stande kommt: G^t die Revolution 
sehr tief und ist sie gegen die bisherige Regierung gerichtet (das 
ist nicht nötbig für eme Revolution; ein „Staatsstreich"' wie man 
ihn ßlschlich nennt, anstatt zu sagen : Gewaltthat der Regierung, ist 
auch Revolution), so liegt es in der Natur der Sache, dass wenn 
die Revolution siegreich wird, der Regierung kein, oder nur ein 
geringer, Antheil an der Feststellung des Staatsgrundgesetzes ge- 
lassen wird, und dieses also von einer constituirendeu Ver- 
sammlung gemacht wird. So in Frankreich im Jahre 1791. Geht 
die Revolution nicht so tief, oder aber, wird es den Regierenden 
sielbst klar, dass die Grenzen ihrer Macht und ihrer Rechte genau 
bestimmt werden, so werden sie eine Charte geben oder o c t r o y i r e n. 
Offenbar ist in diesem Falle die sittliche Ordnung am wenigsten 
alterirt, und dieser Weg hat noch den VortheiU dass, die unbe-- 
dingtes Vertrauen ' zur Regierung haben , Vertrauen zur Charte 
fassen werden, weil sie auf diesem Wege entstand. Auf der an- 
dern Seite ist es psychologisch zu erklären, dass dieser Weg kaum 
in einem- andern Fall ohne krampfhafte Zuckungen abgehn wird, 
als wenn eine neue Dynastie oder wenigstens ein neuer Regent 
auf den Thron kommt. Geber und Empfänger stebn nämlich in 
einem gewissen genirten Verhältniss einander gegenüber, und es 
ist wohl kein Zweifel, dasd wenn anstatt der hundert Tage Na- 
poleon viele Aihre constitutioneller Monarch gewesen wäre, er 



— TO ^ 

siob adiiviirliob a diise Mk^ 90 gut gofmdm Mm^ ih4 i4idipRg 
der 18te» ^ ab sdlclter m berrvot^n aofiioi^ Wem «W aitf 
der aiule^» Seite eioe Cm^i^mmi^ eheofeU» am pvckolapechjQa 
Gründen gewie» au einer weilcebeibda« ftewbfäpkunn 4er Regier 
rwg gen^l aey«i wird, sa ist, ee aui k^gK^Uw, warum Niiiiche 
de» HtttUem Weg »msqIkqii dea betdiW geoafmtw y^^riieta» vämr 
\kh dm Weg der Veroiabarung' odßr im Pacti^ Diee^r Yf^t 
aber iet, yiie die meieteA Miitalw^gei, gera^ie der «chlfi^M^Meh 
Ereilich weil m dei: Regel nur Zeit üerlortv^ wH*d, .m4 dasi^da 
von Liede^ ioimeor js^t , cUfi^i eine siolobe vereinbAr^i^ Veirfsunw* 
lung darauf ausgebt» lu ^ini^i? cofk^tituire^deA zu w^rdeü^W^» 
wenn ihr dies niebt getingi,, sieb mu^ gefallen la§i»eq ,^ diiM dia 
Verieesung oclreiybrti wird). Zweite«» weil die^9 Yerfabren it^t 
alten Begriff vom Staat aufbebenden, Waba päbrij» 9^ sfiy d«r 
Staat ub^rbaupt eJA Vej^rag,, ein gans i|ifiUkäbrlich^ V^\. Qri^* 
tene aber we^ jjBdes Vereinbaren mebr pd^r n^iider ein Feibchei^ 
und Handeln wkir W)d nun i»& Miastcauei^ der b^en Paijj^i- 
renden tbeUs eine Menget beengender Klaua^ binwbringen lä^ 
tbeils aber Altes so abg^schwäcbi wirdi.dass bei den 9^ Verein*- 
barung hervorgegangenen Cbarten in 4er Regel lieiner der pa^sf^r 
renden Tbeile ganz mit ihr zi^ri^den ist. Wenn ^er ii^m di^ei 
Wege nicbi aebr»gut sind, welcher dann? wird ni3i^ fragen. h;h 
habe sebnn gesagt, * dsisß ob^e St&rui^ de^ sitüicbe^ l..ebe^>üne 
Cbart/e piobA entstebt« und 4a^4 darum die We^e ^\chtf gut aber 
dneb diet bes4e iet, w<^ die ^acbe am sobnelli^ten (^tig wir^i d^- 
mit der i^mt^ni der Recbtlnsigkeit die möt^qb burzifi^V^ ZeH 
daure. Uebrigens i^t, wie eine Charte, ^u Sl^ude k,QnHnt^ ^s ^n- 
we«Bntbebste beü der Saebe^ ]>ie Oaupt^a^ i^u ^ aie bewb9(- 
(en sei^n muss, uw einen Werth zu bi^beuj, uiq nicbt ein l^g(uf9|f; % 
ein iand zu werden» üsi gebort^ zu den Yeri^ebnb^tfq^» ^^en 
man vielet im Jabre 1048 %u b^i'eh bebain, dafs s^be( e}ner b^-r 
Sern Reicheverfi^i^ngt die vqn den Füre^eu oo^roy ir^^ ^ür4e». W^ 
adiileehtere vw der Natiuna)v(irsaipmlm)g leemevh^ i^o^inzlfd^^ jiejv. 
Qei den Federungen, dii^ wr an eine Cbar^ie ^teU«^^ YeTbätt 
eieb's nnu nicht pidir so ¥fie bei der ver^bie^^tten Weü^e ib^c^i 
£ntateboa« Pott waren versqbiedne Wege g^m glfieb n^ifb^ 
bißr dagegen bann mit apndiktliM^er Gewissbei; gespruph^iii wQr4iW^ 
Ist eio^ Ver&ssupgaurkunde eben 9ff der Aij^drucib deeaen». 
WS in einem Velke lebt, wie das (;re4e dessen wüsi die (|ein^|o4ft 



-. 71 — 

gliiAt» 80 darf eine «i4ohe Urkunde nur Soldies enüialten, was 
wirklich gilt Wie dieGramnntik nieht ein neues Sprechen lehrt, 
seadern nur die GeseUie 2um Bewnsstseyn bringt, nach welchen, 
ehe sie anligestellt werd, gesprochen wurde, so ist es ein Wider- 
sibn, wenn man m ein Staatsgrundgeseta Solches aufnimmt, was 
nicht ktt Yolke lebt. Dergleichen Widersinn ist nur zu oft und 
wird, noch heutiges Tages begangen;, die Franzosen haben in ihre 
erste Constitution eine Menge ganz abstracter Bestimmungen, andrer- 
seits solche an%enommen, die auf englischem und amerikanisohrai 
Boden erwadisen waren. Da nun ehi Volk alles was ihm wiric- 
Hefa ftemd ist (mit Recht) ausstösst , so haben diese Bestimmun- 
gen nicht dauern ktonen. Mit Redit sieht Mae Äula^ darin etwas 
Grosses, dass die englische Revolution von 1688 kein neues Recht er- 
obert, sondern nar^die-aken behauptet habe; diese Grösse theilt 
aneh das Actenstikck, welches die Revolution abscfaHesst und darum 
dauert es« Jene fraqadsische Chafrle hat nicht ein Mal zwei Jahre 
auch nur nominell eiistirt, weil sie als Satzung aussprach, was 
nidit einmd Sitte war, und so Gesetze gab, die — wie der 
Bauerwitz sagt ^^ nur vom Nagel gehlen wurden. Jene Char- 
te haben sich die nachherigen französischen und audi die 
devtsehim zum Unster genommen , und damit denselben epheme- 
ren Cheracter bekommen, den diejenigen zu ahnden scheinen, 
weidie die Verftosungsorkunden nicht mehr wie die Franzosen nach 
Jahren, 1791, 1799, 1815, 1830 u. s. w., sondern gar nach Mo- 
natsdaten bezeichnen« (Constitution vom 5. December u. s. w.) 
Je mehr eme Charte solche nicht nationale, nidit aus dem eignen 
Volk gesdi^fte Bestimmungen enthalt, desto mehr wirkt säe de- 
prarirend, weU si^ dahin bringt, grundgesetzliche Bestimmungen 
zu verachten und zu umgehn. Was man den prosaischen, nüch- 
ternen Chiffacter der eni^ischen und amerikanischen Staatsgnind- 
gesetze genannt hat, dass sie Nidits von Rechten des Menschen 
und Borgers wissen, dies ist ihr Hauptvorzug, sie sind eben nur 
englisch, we$i sie bloss fftr Engländer gelten sollen. Eben des- 
wegen heisst auch im en^ischen Paiiament, dies oder jenes sey 
* nidit ebnstitution^, dass es gegen die englische Verfassung 
sey, während man bei uns unter dem vielgebrauchten Worte ver- 
steht, dass es nicht mit dem englischen, oder frühem franzüsi- 
sdien oder belachen Brauch übereinstimmt, als wenn dies für 
Preussen von irgend einer Wichtigkeit wäre. Constitutionell ist 



— 72 — 

in Preussen, was der PreusMsdieii VerCuwuiigsurkiiiide gcniM 
ist, was nicht, das ist unconstkutioaell« 

Der Nutzen einer Yerfassungsarkiinde lag darin, upd ihr giui* 
zer Zweck war, dass sie das Gefühl der UnersehütierUchkeit des 
Rechts gibt. Da nun dietfer Zweck um so mehr erreicbt ward» 
je länger sie unangetastet geblieben, je älter sie war, so muss sie 
so eingerichtet seyn, dass sie nicht verändert zu werden braucht» 
Auf der andern Seite aber sehreitet jedes Volk fort und seine In« 
stitutionen verändern sich. Es fragt sich nun, wie ist es einzuridh- 
ten, dass die Yerfassungiurkunde alt werden kann und dennoch 
die Entwicklung der Institutionen nicht hindert? Wie dies bei den 
Engländern und Amerikanern mit ihren vielen Urkunden mögHch 
ist, das ist gezeigt; hier aber handelt es sich darum zu zeigen, 
wie eine Charte unverändert bleiben und dennoch die Institutionen 
sich entvrickehi können. Es gibt nur ein Mittel : dies ist, dass die 
Charte nur dieallerallgemeinsten Grund-Einrichtungen 
flxire. Enthält sie n^ehr, enthält sie Detailbestimmungen, so muss sie 
entweder immer geändert werden, d. h« die Revolution wird perma- 
nent gemacht, oder aber man respectirt sie wirklich, und dann ist 
sie der Entwicklung hinderlich. An diesem Fehler nun, dass in 
das Staatsgrundgesetz eine Menge von Bestimmungen hineingenom* 
men wurden, die eigentlich nur dem Gesetzbuche angehtoen, la- 
bpriren begreiflich aJle die Charten, bei deren Abfassung ein Miss- 
trauen gegen die künftige Regierung herrsdite, am meisten, und 
dies ist der Fall gewesen bei allen seit 1789 entworfenen Consti- 
tutionen. Dass bei uns z. B. der* Wahlmodus oder dass die Be- 
stimmung, nach welcher die regelmässige Berufung der Kammern in 
den November fallt (die sogar hinsichtlich des Budgets jährlich zu 
Verlegenheiten fähren muss), dass femer das Besoldetseyn der Dq)u* 
tirten u. s. w., dass alles dies in das Staatsgrundgesetz au^nommen 
ward, hat zur Folge, dass Aenderungen in solchen, doch nur legislativen, 
Bestimmungen nicht ohne Revision der Verfassung, d. h. nicht ohne 
Revolution geändert werden können, oder dass man Rabulisten- 
künste anwenden muss, um es zu thun (wie die Franzosen bei 
der Aenderung ihres Wahlgesetzes). Sind so allgemeine Grund- 
sätze und besondere Institutionen in einer Charte gemischt, so 
wird Einem nur die Wahl bleiben, die letztern als eben so un- 
veränderlich zu behandeln wie die erstem, wodurch die Rechts- 
entwicklung gehemmt wird, oder aber umgekehrt die allgemeinen 



~ w — 

Grand«itM ak «ken lo kieht vertiideiÜGh aoiwtki, i^ irgMid 
eine legUlatire BestUBmong. ^eide Maxinea sind Ixtfolgl werden 
«ad haben ihre bte6n Folgen gehabt Die Franseaen und eben 
so die Fraokfiirter Veraammluiic haben die Aendtfung der §§. d^ 
Verfasaiuigaorkiuida^ durch Forderung der % Majorität erschwert, 
um ihr eine gröaaere Autorität beiadegen ala andern Geaetaen, 
Dadurch Aer haben sie audhi Bestinunuagea, die nur gewöhnliche 
(iesetze aind, verewigt, und die legislative Entwicklung' gdienunt« 
Umgekehrt bei una. Aenderungen der Verfaasungsurkunde amd 
bei ans (eine kleine Formalität abgerechnet) wie die Aendorung 
jedes Gesetzes durch einfache Majorität zu besdüieaaen. Die 
Reebtsentwicklung ist nicht gehemmt, allein nun ist nac^ recht 
zu begreifen, warum dieser Complei von Geseta^ eine andere 
Digoität hat» ak etwa ein Titel des Landrechts und warum König 
und Beamte ihn haben besdbwören müssen und nicht diesen. Al«> 
lea diesen Consequeozen entgeht man, wenn man in die Qiarle 
nur die allgemeinsten aber auch wirklidi unveränderlichen Grünan- 
lagen aufnimmt, alles Specielle aber der besondem Gesatagebung 
überläisst. Die Charte würde dann kurz, etwa vrie d^ Dekalog 
oder das Taufsymbol, dies wäre aber ein Glück. Jeder könnte 
sie (wie bei den Römern schoti die Kinder die Gesetze der zwölf 
Tafeln) auswendig lernen und allmählig als ein bewusstes Besitz* 
tbum innerlich haben, während jetzt eine Charte ein ganz<» Budi 
ist, das freilidi jährlich in veränderter Anlage erscheint Auch da«< 
durch dass sie kürzer ist als die meisten andern, gdiört diis belgisehe 
zu den bessern Charten und war die von der preussischen Re- 
gierung im J. 1848 der Nationdversammlung vorgelegte besser 
ala die» aus derselben hervorgegangene. 

Eben so wenig als Bestimmimgen der blossen Legialation 
oder Administration in das Staatsgrundgesetz geh<ta*en, welche bloaa 
die feststehende Grundlage aller Institationen formuliren soll, eben 
so wenig auf der andern Seite solche Bestimmungen/ wdcbe, weil 
ihre Geltung allen Staat erst möf^ich machte über alle Consti- 
tutionsurkunden hinausgeht Wenn z. B., wie ich schon an-^ 
geführt habe, die Constitution der französischen Republik den Sata 
enthält, die Bürger sollen ihr Vaterland lieben, so ist dies unsinnig, 
weil ohne Liebe zum Vateriande auch die Conatitution gar keinen 
Halt hat sie aber nicht enthalten kann, wovon sie selbst abhängt 
Wir haben in unsrer Yerfassungsurisunde etwas Aehnlichea* Der 



— M — 

g. • mnOMi den Bits: Mb fiigenOiüin iit inif«rfetzlJA. D« «rtm» 
wie in den DiBOnssionea der Natii|naker0M|i«lnng mit Redft ge- 
flsgl \i«rde, atte Anreebte auch zun Eigenthnm geMrdn, so sagt 
dk6er.§. eigentKcli narr das Redit soll nicht verietit werden, 
was sieh von selbst versteht imd allein dien Yetirf^i^n md audi 
attm VeifassungBurknnden Halt und Geltnng gibt. Wo dergleicbe» 
Sdtie in die Ver^sungsnrknnde au^enommen werden, verrfttb 
dicB erstlich den zervAtteten Zustand, ia welehem sie redtgirt 
iwde», denn was nieht wankt, svcbt man nicht zn stüteen, was 
nie angegriffen worden, durch Gesetze zu sidi^n. Jene Pliraee 
iw der frenzCsitdien Constitution zeigt, dass man sidi dort des 
PatriotSiflias dor Burger nicht mehr veraehn kann , denn sonst 
wöfde ma» äin nidit aur Pflidit machen. Der Satz aus unserer 
Verfassungsurkunde ist derselbe, den man in Paris, BerKn und 
Bifesden an alle Winde sdirieb, indem man Fenster ynsebmiss, 
Bttnser demolirte und simpel weg plQnderte, zum denthchen Be- 
weis, wie man das Eigenthnm heilig hielt; er wurde bineingenom-- 
men, als in der Nationalvereammlung offen ausgebrochen wwrde, 
man müsse Jagd- und Alrf6sungsgesetz beeilen, denn wenn die- 
Slip Satz he^hworen sey, so könne dies der neuen „Organisation'* 
hinderlioh seyn. (Wir haben es doch weit in Euphemismen go* 
bracht!) bt es schon das Zeichen eines traurigen Eustandes; 
Wenn deigleidien Bestimmungen sich in einer Verfassungsurkande 
finden, so hat es zweitens die aUerscblimmsten Folgen, weil es 
deren gewtiint, die Basis alles staatlichen, ja alles sittMehen Le- 
bens als ein unter Cbiständen meht mehr bindendos, Statut «nzu- 
sriin. JedMT $• der Charte in Frankreich kann, wenn Ton flmf* 
hundert Anwesenden drei Viertheile es drei Mri wollen, ahgeän« 
dert w^den. Von 375 Mensehen also hflngl es jetzt gesetzlich 
ab, oh hinfort die Bürger ihr Vatoriand zu Keben haben oder 
nicht. Bei uns reicht die etnikobe Majoritit in beiden Kammern, 
und ei» Hhiisteritttt, wetcbes glaubt) der Majoritllt nrilsse nech- 
gegeben weiKlen, dazu hin, um die Heiägkeit des Etgentitoms fQr 
ungültig zu erklären. Stslcbe AiMiket depratiren, denn sie vernich- 
ten die Achtoqg irer den nnerschlAtlerlichen Basen des Staates^ 
Solche BeslimmuDgea, die ä>er aße Acte hinausreiehen, diese le- 
ben deswegen im englfcdten Volk in Weise ^rütJiwdftUdref Re*- 
Awsertm, nicht aber als Parla»eiitsacte. Ihr nicht gesebridlrenes: 
IWs kimg om$ d^ nef itr^y verbfit sich zu taserem: die Person 



- » ^ 

4«!^ Kiiigs iftt mivcdHttalWi — <w4lcbar Säte web a«ni, nftiükb 
genoiDweii, den Köbjg gar nicht von Apdern uotencbeidttt, deneii 
ja aiftcb 4ie perftöüUcbe. Freiheit, 4« h. Uoverlet|d>9rkeit Aach mvr 
9fln& barkariMitea Deutsch „gewihrkUtet" ist) *^ wie £twae ivai» 
über allem Zweifel steht, zu einem Statute welche» durch Parbi^ 
mentsbeschluss geändert werden k*ann. Unser Unglück ist, dass 
mehr oder minder Alle, die die Charten redigiren halfen, an dem 
revolutionären Haüge zu reglementiren laborirten (p. 30), und 
nun meinten. Alles müsse durch ein Gesetz geregelt seyn, sonst 
stehe es nicht sicher '^ während gan% mpgeliehrt das Gesetz wie 
eine chirurgische Operation nur das kranke Glied hält, das gesunde 
d^egen yerwundei und verunfttiiltet Qier hätt^ man sich die 
SogUqdfX zum Mu$4ea: nehmen k^^noen i deren Pressfrciiheit «^ B» 
Hiebt durdi ein Gesetz ge^obutot Ut« sooderA seit dar AbsebaAvig 
der Uomiw^ ezisUrt, die aocb heut zu Tftge die» von selbst var^ 
scbwfmdene» Leibejgpn^<jh9ft nicht durch ein 6e9etz «t^geeebaA 
h^ea \i* |(» w«f dju9 i^^rsam sind mit Gesetzen, eben darim ab«r 
4\i^ lieber« dae^ ^ie i^Qßf^pciirt werden« Ehe unt^e Charta nMit 
%W^ P^ittbeiie ibrQf«§§. berausgabraohl bet» iet kaioe H<iftauiig« 
d448 fif Wahrheit ^ey«, md dasi^ ai^, wai^ihr eigeiitUcber Zweck wavi 
da^ P^wusataey» des ui^yertoderlicheA AAcbU gebe» und »^ — m it« 
Velbar -^ die Sicberhejt der Iq$ti|utieai9n gareoütea wird- Wir 
b^ben «piche Urbuodep obei^ mit Wecbaeln vergUdbep. Hinsicht-* 
}^ d^^ iCablupgaflibigeii «ipd diene, mii Ubena und Sierbewi 
^Ui^p, wichtin^ 

Fasiie. ich imn daa gim^e JAeaiidtM uQserer Untersuclwng ibe» 
gffc)H*iebQe Verfftssuoiisiif^undeii Jiv9am!»en, $« wivd ee so lan-i 
teq: YerbHefta Gru<M)eatze der Verfassung sind ein groasus Gluok» 
i^i^ so mabr, je länger sie bereite gegolten haben« Entstehen tm 
^n^ 1^ rnttMAQ »ie so beecb^fen seyn, daas aie all werden kter 
^^n- Diee wird emLeicbteeten erreiebt, wenn sie aieht ein» mb« 
4e^ m^^^ In^tFipieiitei bilde»« indem dan» auch j^endcmn-' 
gfn vQ4?genamnven werden keimen ohne die Eridänin«» daaa die 
Verfw^nng geäi^dcr^ werden mnaee. SoU es aber dnrdmiw eine 
^. g. Cb4Cte ^eyp, Mn wiird diese not eQ beaaer seyn, je viebr sia 
wb a«f ^ij^ge wenige Hauptgnmdaätze beschränkt, die ala eokhe 
i9i^\ #|( dem Wege der gewJibqlicheB GetAtegebung geäadert 
werden böimep» eltes Detail »her der gewftbnlicbeii Geeetigebwg 
fa ym 4f#) olwe^ ÜMiA dw $Metee ükbertiaupt nicbt ZseifrihaAe 



-^ 76 — 

dötn «Hgemeinen Bewnsstseyn nnd der Sitte Aberlassen. HSlt sieh 
die Charte nicht in diesen Grenzen, sa wird sie respectirt hem- 
men, umgangen depraviren, stets verändert die Revolution perma- 
nent machen, und anstatt (was sie sollte) Stütze, vielmehr Feindin 
alles gesetzlichen Sinnes werden.* 



Siebente Torlesmng« 

Mag nun eine geschriebne Verfassungsurkunde existiren oder 
nicht, so hat, wie jeder Leib 'seine Constitution hat, welche all« 
'seine Lebensfünctionen modifidrt, auch jeder Staat die seinige oder 
hat seine Verfassung und seine dieser gemSsse eigenthümlidie 
(constitutionelle) Beschaffenheit« Wie aber im lebendigen Leibe 
alle Lebensäusserungen sich auf gewisse Hauptftmctionen zurQdc-^ 
(Obren lassen (Sensibilität u. s. w.) , deren Terhältniss zu einan- 
der vorzugsweise die Constitution bedingt, so .tritt uns etwas ganz 
Analoges im Staat entgegen. Auch ist diese Analogie weder ein 
Zufall, noch auch das Product nur des ver^eicbenden Witzes, 
sondern sie ist nothwendig, weil ja beide unter den Begriff des 
Organismus fallen, ein solcher aber nur als System von Functio- 
nen denkbar isL Die Functionen des Leibes pflegt man mit dem 
Namen seiner verschiedenen Vermögen zu bezeichnen, um anzu- 
deuten, dass er das eigentliche Subjeet aller "Veränderungen ist, 
die an ihm sieh zeigen, ihr Urheber. Da aber der Leib, um sie 
zu zeigen, steter Anregung von aussen bedarf, ist er nicht ihr 
alleiniger Urheber. Anders verhält sich's mit dem Staat, dem 
wir Souverainetät d. h. wirkliche Autonomie zuschrieben, dessen 
Vermögen darum mit einem superiativen Ausdruck bezeichnet 
werden müssen. Da man nun einen Superlativ von Macht in dem 
Worte Gewalt zu finden pflegt, so werden wir, an den gewöfanli- 
dien Sprachgebrauch uns anschliessend, unter den verschiedenen 
Staatsgewalten nidits Anderes verstehn als die verschiedenen 
Weisen, in welchen er seine Souverainetät bethätigt oder sidi als 
^soluten Herrn zogt. Es ist begreiflich, dass das Veriiältniss 
dieser seiner Fftncüonen zu einander, eben so wie die Verschie- 
denheit der Organa, durch welebe er in dieKen versdiiedenen 



— 77 — 

I 

Weisen funfirt, iron der tafsersten Widitigkeit itt fir seine Ver* 
faesang (Censtitotion).' Dther ist es eridirlidi, dess man endlioh 
dabin glommen ist, diesen Punkt ak den allerwiditigsten in ei- 
ner Jeden Verfassungswkunde anzosehn, wie denn Viele die eng- 
lische Verfassung su koinen {^uben, weil sie wissen, dass dort 
ein Ober- und ein Unterbaus die legidatife Gewidt ausüben, und 
wie im J. 1848, als zuerst der Regieningsentwurf unserer Ver-r 
tesungsurkunde bekannt* wurde, die Meisten metst fragten: eine 
oiMr iwei Kanimem? absolutes oder snsfiensi«>es Veto?, FVagen, 
die, wie wir sehn werden, die Organisation und das VerUlltniss 
dieifer Functionen zu einander betreffen. Unter den terschiede-* 
nen Staatsgewalten verstehe ich die yersehiedeBen Functionen., in 
denen, der Staat seine Sourerainetät bethttigt, oder wenn mm 
will , die yerschiedenen Seiten seiner Sonverainetit. Von ihnen 
unterscheide ich aber die Torscbiedeiien Staatskörper (corpij ge- 
rade so wie ich d» Sensibilität von dem Nerven unterscheide, in. dem 
sie sidi verkörpert. Das heisst idi verstehe unter einem der ver- 
schiedenen Staatskörper das Organ der Staatsgewalt oder die 
Personen, welche Triger dieser Staatsgewalt sind* Es ist erklär- 
lich, dass man metonymisch Function und Organ als Synonyma 
nalun, ganz wie man anstatt sensibel auch nervös sagt, allein dies 
hat doeh anch die wkr sctdunme Folge gehabt, dass was von den 
Organen ganz richtig ki, nun ohne Weitares auf die ninctionaa 
angewandt wurde, was frische und praktisch gefiUirliche Tbßorieii 
zur FdlgO' gehubt hat. Auf einer solchen Verwechslung beruht 
Bftmlich die fabdke Theorie von der.Nothwendigkeit d^Trennung 
der Staatsgewalten, welche die Gonstitulion der frannösiscfaen 
Republik (die noch andere rein wissenschafflidie Sätze entfiäit) im 
§• IB« mit den Worten ausgesprochen hat: La tdparatum de$ ptm^^ 
vain ea la ftemüre eandilion d'vn goiwermmmi Ubre, wärend sie 
in Deutschland bei doien, welche sich mit Ausschluss der Uebri- 
gen liberal nennen, ein Dogma geworden ist 

Das Wahre an dieser Theorie ist> dass wie im lebendigen 
Organismus die metastatischen Erscheinungen, wo ein Oargan die 
Function eines andern übernimmt, krankbafte sind, dass eben sq 
im Leben des Staates es eine krankhafte Erscheinung wäre, wen» 
der Riditer, anstatt die Gesetze anzuwenden, sie ändern wollt«it 
Allein der Richter ist nicht Function,, sondern Organ der Staats- 
(onction. Der Unterschied ist leicht zu fixiren, wenn man mif di^ 



— 7« — 

imtlrliflben Organitmin lieM. In dcfll Kilstaiiie, wo sith 4tt 
OtiganuBOMM noch nicht gcbimt hat, im mfiteu Stedioii dk8 enbry»« 
nitdien Lebens, wo Mohte gegeben ist ab gleiolit&raliges St» 
weiss, da ist kein UnteiBchied swischen Mwskel«-, organisoiier niid 
snitnaiiMher Nerren^l^aMr« In dca Znatande der Verweanng, wo 
die Form (WitlElkhk^) des Orgaiusmiis der formlosen Masse 
Platä: machte tersch windet der UntersoMed, welcher iai gesimden 
Lettre als «ine strenge Sonderong dieser Organe üdk tmigL Bmum 
Aer besiklA die Gesnadheit niobt darin ^ dass Rspniductioii Md 
SensibilitAt jede ünren Weg fingen ^ sondern nnr ihr Hand in 
Hand gchn und ihn Idenittit rconstitairt die Gesmdheit* Gerade 
m ¥MrhAlt sich's mit dem Staat In seinera embrjonisdien B»« 
üMide/itt der orientdiichen Despotie ist der Einig Sahimo Ge^ 
Mt^btr, Richter» AnsAhrer in einer Person (wie in jendnr b»; 
rahmten Process der bcidSR Mftiter); Gleiches letgt sich noch jetit 
bei manchem tftrkischen Pascha» Kbai so im TerwesungsaMtarie 
des Staates, der Anarchie» die gteicfafalls DespotismiM (der Masse) 
ist. Gaitt wie der orientahsohe Despot, so spottet «Herr d'Alar 
der.politiscbien Dräfalt^keit, die absohit einOiUig sey und Terfamgt« 
dass die NationahrerBammluDg als ein Gonrent aUe Slaatsgewateen 
in sieh imrelnige. (JUt astrlmef ss fetickaiit Vor der Entwickhmg 
ttiid in 4er Verwesung g^t es keinen Leib, sondern Eiweiss). Wo 
aber 4ie Trennung der Ot^me «A6rt, da ist nicht etwa damit die 
Einheit der Functionen erreicht^ vielmeltf ist es ganc eiUMicht 
warum gsrade dann die Functionen unter aich einen Kring dar« 
bieten. Dieselbe Venammhmg^ wehte TemMht die AdminislnitiM 
in ihre iünde zu nAmen» bat je auch geAmden, dass die Mini'- 
Kler daau da sind, in Verlegenheit gebracht» nioht daraus gnfeoftn 
zu werden. Wenn also Ton einer Trenming (sifamäon) geapro^ 
eben wird, so kann dies^ sieh mir auf die Organe der FunetioiMn, 
die Slaatskörper, beuehn. Hier ist die Trenfmng notfaorendig, da- 
mit jedes Organ, indem es mir einer Fuiotion dient» die Zwecho 
dersetbMi mit Meisterschaft tdlfüfare^ So ist in allen etropiiscben 
Staaten die Geseticommissssn-Tom Obcrtribunai n, s. Ww gotrenni, 
nicht damit Gesetsgdiung, Justia und Administration |ede ümn 
Weg gehn (dies wire KrttüAeit des Staats)» sondern daiHt sie 
msammengrim, «hmit ein Geist in ihnen allen sadi »igen könne. 
Wetebes nnH die Hauptfunctionen des Staates nfaid nnd iA 
welchen VerhUtnisa sie eowol, als ihrs OcgaM en «inaMder Stefan^ 



«- W — 

SttiatM von d^r flosfiefst^fi \VtehHtkett. Dahitn Mitn ^r eiu^ 
UtiCelMiilnitlg 4l»Hlber sdiott bei Iraid^dfe», cK^etn «igeiittt<^ett 
Vlit^r (rttUfV Ph{k>d<»pbie des StMtes. PrAfbdl wichtiger Ut f&t* 
die Neu««il MmHen^Kiieu gewoiMen, <ier eigettCUch httt AfUMetei 
fttestv der aibe)^ get^nde in dem, wetiti er r&n dessen Betrachttmgi^«^ 
iK^etse abweiebt, titid Ihm weH tiaehstdit, «tu meisten AotoritSt und 
Mit iMkteti Quelle ven IrKhfltnem geworden ist. ,2war auf d^. 
Utiter«thidh das» AtUMtBlei den Stttat in iseioer Idee testfaflt, und; 
gMclMkn das Leben ^ses Organismus belausch^ttd, uns di« 
PM«lkllie* desfteiMki besdireibt. irfthrend Mani^quUu besonder!» 
auf a^ Veitt^rang dieser FnneUeneti, ftof die Organe derselbe 
blMkt, dürkt aliMn Hegt Icein yoneog des Einen Vt>r dem AndeHii 
Ätiäiottki Migt sjdi mehr dem Physiologen, fhnterqnten dem Ana-^ 
UMMien Minliol^. SeMimmer id»er ist, diiss ihnusqitu nidit iminer 
dted shdi betittftst ist, wie Function mid Organ sich unlersdveiden. 
Ba di^seriA JPehier aber> durch weichen er dem Athtoiehuf weit 
M«hsisht, k^ttimt ni»ch etwfts Änderest Mit einem geiMsMtt, üx 
seiner Seit bei ^em geistreichen Franzosen erlriärtichen, tfeid^ 
bfiokt i^M^ffn auf Etigland und auf die Art, wie 4ort 'Sieh die 
8tnltlft-*idee verwirkMit' bat;. Sadnrdi iaber terwechselt er tft ^hi 
itt fingland Zweckmfssige mit dem »dileobthm Y^rnfinnigen' nnd 
M Mft in Mm l%e«rfe von den Stdiat^e^Mt^n Manches sich ^in^ 
gisMilfdien, mm mir ton ihren Verkörperung riAtig ist, tmd 
iMAeint ihti KfenehM alä MgemeM gftitig lÄd im Wesen einer 
WMiirtn IfMinrt^ie gegrQndet^ wa» nur richtig isl hinsdc^ich einer 
Munttttbili *#ie die eA^sdi«« Wir werden Geic^nheit hibe», 
IM; bei ohsetf«r B«tMtAtnng der eintllnei^ SlAiitsgeWaltete isu be«« 
meinen* 

Um iit finden, weldtö Funeüonen nothweiidig sind ftir düd 
Brbälmiig ^s Staate «nd durch wie viele der Kf^s d^rseften 
gaUNtot wirdy haben wir MttQrtich uns nur »n dss^u htiRen, was 
wir bisher entwickakstt« Dies war, dass ekl V6)k mm Staat 
ivwiev in<Mi ea sur Wirididien Autonomie ISouVerinnetaf, giAaiigtet 
Alle seine Institutionen werden Bethttigungeli ^in^ (Smireraine^ 
tSt seyn, die Hauptfunctionen Seiten derselben. \^iter ist ge* 
sagt, dass der Complex derjenigen Institutionen, auf welchen alle 
übrigen als auf ihrer unveränderlichen £asis ruhn, seine Verfas- 
sung oder Constitution bilden. In gesunder Zeit wird an diesen 



- «> - 

nicht gerflttelt werd^^ und da wir doch nur den geswden Staat 
zu betrachten haben, so kommen hier begreiflicher Weiae nur 
diejenigen Lebenserscheinungen zur Sprache, weld^ innerhalb der 
Verfassung sich zeigen werden, oder wenn eine gesohriebne Ver* 
fassungsurkunde exisürt, ohne Verletzung derselben (auf conatih 
ttttionellem Wege) möglich sind. Bliebe ein Volk ganz stehn, ao 
bedärfte es keiner Verlnderong seiner Institutionen ; dies ist nicht 

^der Fall, tbeils erweitert sich die Einsicht, theüs bilden sich 
complicirtere, früher nicht dagewesene Verh^tniase aus, und s# 
werden Bestimmungen getroffen werden müssen, wie es hier ge- 

' halten werden soO. Wäre das Volk einem andern uirterwoifsn, 
so würde es Ton diesem Vorschriften darüber erhalten, jetzt da« 
gegen schöpft es diese Nonnen aus sich selbst. Was es sich 
allmählig gewöhnt hat als recht anzusehn, dies spricht es, ge- 
wöhnlich bei Gelegenheit eines Attentates dagegen, als etwa» aus, 
das Rechtens sey. Der Act, in welchem eui soareraiiM» Volk 
oder em Staat dieses sein «ic vo/o ne juk^ ausspricht , ist ein 
Act deqenigen Function, die ich die iegislatiye Function oder 
Gewalt nemaen werde. Ich ziehe diesen franzöMchen, auch von 
iTpiUfifuifu gebrauchten Ausdruck dem deutschen gesetzgebende 
Function vor, weil, wie wir apüter sehn werden, diese FuBction 
das Gesetz nidit gibt, sondern macht, was sehr varachiedene 
Dinge sind« (Die fnanzösieche Consulanreriassttng hatte diesen 
Untersiohied zwischen dem Machen der Gesetze und Geben der- 
selben aucb in de^ Bezeichnung h^rrörtreten laasmi«) Das Wort 
Machen andrerseits habe ich, abgesehn von dem Ungewlbnlidieni 
nicht in die Bezeichnung hineimiehmen wollen, weil kaum auf ir« 
gend einem Gebiete hii^iUitlich der Gesetze loM« rosa Statt 
findet, und darum das Machen der Gesetze factisch auf ein Aen« 
dsrn derselben sich beschr&nkt. Eben so richtig könnte diese 
Function auch als die Gesetze berathende bezeichnet werden, 
womit wir ganz uns an AmMtXn anschlössen, der dies« Function 
als das ßovlevofi^ov im Staate bezeichnet hat Genug aber 
über die Ausdrücke, Der, den wir gewiblt haben, hat das Ent- 
scheidendste für sich, den Gebraucfa« 



— ßl _ 



Aclite Xvtlit»nng. 

Der Statt Abt bHm Jegialatif e FnnotioD, indam er «msspricbl; 
was iiiiifbri Rcditenfl teyH soll. Hio^ioMiob die«6« bor M^ iH 
er unbesohräBkt y allmSohtig. (Er ist es wie Gott, danm nicht 
ndur Hs dieser. Wio Gelt trat» Mner Allmadit Vieles niicbl 
kantt y a< B» ilai» UnTemtefUge und Bdfte nicht, ehm so h«t Ar 
Staat durch seine Natnr üini gezegene Sdifankett m «espectffiSfi. 
Nicht Mir kann tr nicht iiefeUen, dase die Erde sich aii^t m^ 
lun die 8onne idrebe, sondnrn er djof auch (d* h- kmn. me^ 
raliacb) nicht stehlen* Tluit er es, m winl er die Ibcht der 
Nemesis efiihreo, welche ihm die Grenaett «einer Alhnaicht a^eigm 
wird.) Auf die Fsage danin^ wer das Gesett fealatellt, gibt es 
flssr die eine Asi*wert, das Velk, wenn «s nimUdi unaUiai^ ^^ 
d« b. der Staat, .«nd die iSItae^ daas Im wiimai ^Mfßie oder la 
«elMiU 'du fnafh das tieaelz hestinuBt^ sind (isMiar 4en F^ der 
AUiaogigkeit eiaes Volkes au8|p»nonunan) ToOkoninen ricfatig. 
Uaigikehri aber: sollte, dibr legisladve Körper, d» Ji. dicjjenigon^err 
sonen, denen jene .F.nnatioft das fiiaata. ubertni^n ist, 4Qlfim 
als Gesets featstelon, mlckas ant dem WUeii des Volb» 4ttreJÜ0(, 
so wftra das ii«r noaiineU eiaiGeaeiz, «s wdoe, wisii.es kenn (M- 
Umg bebsflSinU, eis Wmsah jenet Mfianer, in WiiUicbkeit ßt^^ 
«BBPe gaosBe Lige« Gdbt .mftn hob weiter nnd firagt, wekM& Mld 
•die {MMSendsten Organe« iaridi weldhe «der Staat.. aeäleia Yläißß 
ansapaiGlity iae diaben wir. auch hieaairf die Antwisltt in dem i^isjb^ 
fietraditsten: die, in welehen der ^iile des Vnlfcs aas denUip)^ 
tim und lASi^ligstea qirichl, und da dies diejemgen w«ran, yfßkhß 
wir die intidiigentsn Psttrioten ganannt hatten, indem umr difMen 
Namen nur detian beilegteb, die aoD.Aditungiftr dasHei^g^liülit^ 
dttrchdMingen, stets der Sh&unft gedealoettd, dsn«h die V/oi:a€Mf- 
leii des Aerius «nd der Vermaft aidh leiten Issftea, so j^^rden 
mr diese als Jäe |Nussandskn Legislatoren ansebn . nf nsaanp. So 
fiillitig mm diese Airtwost ist, so AiiUl sie naturiish^ Weile nicht 
ans, sMsl sie «ugenbikkUck die neue Frage :herforraft, b^i wem 
Anden wir diesep laadligeiiten Ai^iodsn^., so idUbs als» iawer 
die ffKage enttteht« Ww iM iwnanlliger WieiBe aur F^tsteUwg 
dor )GeMlKe üarnte;, d« k. idnrch wen bttUtigt natorgemlisser 
W«se der dtaat : seb» SegishitiTt Fnhdion ? 

6 



— . 82 ~ 

Dies hängt nun ganz von den verschiedenen Alters- und Bil- 
dungsstufen ab, auf welchen Völkv stebu> so wie von dem ver- 
schiednen Geist, der in ihnen herrscht, so dass hier Yon einer 
besten Weise abioluU genommen nicht diu Rede «ejn kann, son- 
dern bloss Yon einer fftr dieses Volk besten. Wo ein Staat erst 
gegründet wird, da ist der Gründer des Staats zu gleicher Zeit 
der, wel<Aer die Gesetze feststellt und gibt. So Mates, Romuhu, 
M^hemed, die mit zwei Kammern nicht weit gekommen wären, 
ireil der Schöpfergenius allein seyn muss, indem ihm Alles zum 
Hindernis» wird. Wenn auch nicht ganz dasselbe, so dodi ein 
älmlidies VerhUtntss findet dort Statt, wo durdi eine Revolution 
tdMa tato gemacht ist^ oder ein Reformator auf dem Throne die Ord'> 
nung der Dinge umgestaltet, und die Grundlagen des Staats reetaurirt 
oder reformirt. So wire in Frankreich der Code NapM<m nicht 
do bald fertig geworden, wenn die Macht des ersten Gonsuk (£w- 
tisch) beschränkt gewesen wäre; jetzt hat <ler damds Allmächüge 
blte Hindernisse beseitigt und selbst hkieingeredet mit derselben Hoch- 
aditung vordem Hergebrachten und demselben klaren Verstand^, wel- 
tiher die eigentlichen Redactoren beseelte. Eben so hat d^ Kö^ 
nig, den man den Stockpreussen nenoien kann, weil vod ihm her 
di€^ Wort datirt, jene grosse Incarnation seinesVolks^ einen genia- 
len' taristen aa%esiicbt und mit ihm dieGcsetz^eboag reorgani- 
!»irt. In diesen FAUen tritt die Genialität' hervor t die wie das 
Yt^^getiiM* andeutet, immer am Ursprui^fie ihre Stelle findet und 
daher auch im Staatsleben bd absohiten «der relativen AafilngeB 
das ftestC' ist« Anders ist es da, wo der Staat consolidirt ist, die 
Gesetze ihr bes^mmtes Gepräge haben, und es eben darum we- 
niger um eine neue Schöpfung als um- eine ruhige E^wickhmg 
sich handelt. Dieser FaU ist der: gewöhnliehe und ffir ihn allein sind 
eigeivtlich Regdn festzustden, da das Genie derselben zu spotten 
pfleigt, weil es ne«e erfindet« Aach in. diesem gewöhnlicben Fall 
wird bei verschiedenen Völkern Verschiedenes normftl aeya; was 
iii Edglaud vortrefflich ist, wäre in Russlaiul ^hEi Unsinn« . Sind 
nämlich in einem Lande die Verhältnisse der Art, daas die, Re- 
gierten maroder minder eine gleiohmäesige Masse bilden, ist 
dabei die Ueberzengung verbreitet, dass die Regierung alles dies 
am besten • zu beurUieilen wisse, %o ist das Natürlichste und Beste, 
dass Soldie, die durch Studium und Nachdenken sich am meisten 
klar gemacht haben, was recht ist» und durch ihr. Amt Gelegeii- 



^ 8* ^ 

heit iHkfaen^ finittsehii, Was dettiGaaadn am meisten frommt, dass 
diese dk Geslttie fest^elleo. Auf diesem Wege entstehen in den 
CoUegien <auC ,>büreattkratisohem Wege'' wie man es heut zu 
Ti^e. nennt) die Gesetze; dies ist der Gang in den s. g. absoluta 
MonandufiH. So gibt es. in Russlantf eiqe Gesetzcommission und 
einen Beiohsirath, in d»n die Gesetse beratben werden, so wur- 
den bei uns bis zum J. 1848 die Gesetze durch eine eigne Com- 
misiBiQn revidirty wurden im St^aternth discutirt u. s. w«, und wur- 
den, aacbdem sie festgestelU wafen, erst b^nnt gemacht, so 
dass 4er Meebaius0ms des Zustandekommens, die entsdieidenden 
Motifre , verbofgen blieben , und die sUitschweigende Einwiili^ng, 
wetcfae in der Befolgung enthalten ist, den Beweis liefertet dass 
ein Geoete nicht bloss Einfall einiger Beamten, sondern Wüte des 
Volks war. (Auf iKese stillschweigende Eünwilligung pflegt beut 
zu Tage wenig Gewkht gelegt zu werden» Die Demokraten sehen 
in dieser Hinaicbt khrer,, daher sie sich so ausserordentlich an- 
strengl^, im No?br. 1848 die Landwehr an der Einkleidung zu 
hindenii^) 

Das Feststellen der Gesetze .durch Bjüreaus und CoUegien 
hat gewisse Vortbeü^ die man nicht verkennen darf. Erotlidi geht 
es schneller mit der Gesetzgebung. Zweitens kostet es dem 
Lande viel weniger, nameotlicb wenn (wie. in Frankreich und bei 
uns) die Jiogislativen Ki5rper aus. besoldeten GUedern bestehn. 
Drittens, was die Hauptsache ist, ein Gesetz, über dessen Zustande- 
komtnen n^n nichts weiss » hat bei der Mj^hrzahl einen ganz w.^ 
dem Nimbus, s^ wenn siß in diesen Mechanismus tiefer fainein- 
gesebn haben. Trotz aller dieser nicht s^zuleugnenden Vortheile 
kommt bei wachsender Cultur bei allen Völkern ein Zeitpunkt, wo 
jene Weise, die Gesetze festzustellen, sich als unhaltbar erweist. 
Je pomplicirter die Verbiiltnisse werden, desto mehr gibt es sich 
krensende Interessen, — Kaufer und Agriculturtreibende wünschen 
Freihandel, grosse Fabrikanten dagegen Schutzzölle -^ es wird 
daher bei jedem neuen Gesetze Solche geben, welche dabei lei- 
den, Mancher wird geradezu ruinirt, und dergleichen Einzelheiten 
imponiiren, wenn sie bekannt werden, am meisten. Kurz, es kann 
nicht ausbleiben, an die Stelle des k|isherigen unbedingten Ver- 
traufns, i^ss ,Al)es gehörig berückMcbtigt sey, treten nothwendig 
Bedenlifin, ob vvohl, auph in der Hauptstadj^ gehörig Rücksicht ge« 
JOpma^iUl soy auf die ße^ünfnisße dös Landes. Ist dieser Pimkt 

6» 



-. M — 

«ifigetl*«!!»^ SO reicht die Vkf^ PronM^aliob d«r €eMlto nidit 
m^t ao», e)3 tnüssen aädi, um dem eMtem BedeMien zu btfgog^ 
iieii, diiß Motivb bekannt gemacht « nm dem «weiten, gezcigl ^er« 
deh , dass die das G^seta fefttötelKen , sich gefa&l-ig iiifeymiK tmd 
bei denen Erkundigungen eingeeogen hatten, die das Läfid ken- 
nen. Beides gescbidit nun dadurch ^ dass di« Summen ^r Re^ 
gierUsn mar der Promiilgation Vefttommin^ und üfUsu WünBche*, 
1^0 ^i^ flicht gehört Werden, Grütide eutgegehgeMellt Wüfdefii jDie« 
Stadium erreicht die le^dlative f\mctioh deslStaates dert> wo he- 
rathende s. gi SStände m Gntaditen a^fgcfMiMrt imd ihAen die 
MatiT^ tter Regierung entwickelt werdi^. 6«gireillf<A«r W^ise 
«tber föhtt dies weiten Die Motiine der R«|$;ierhug ftihd oft iiidit 
«tter!^ugeiid , auf der audem S^e hat jedisä Niditb^fölgeti ^iiies 
Raths rar de»^ der ihti gal^, etwiAs Vertet^iedtes ; ;hefo]|(t idier di^ 
Regierong ihn fiiib'er^ d6 wit*d dies zu)^zl "AYi ein Recht aUge^ 
B^hn« ^ kuns MM vereitiigt «idt, iäft ^ iiiiwnat M bemthtindctft 
Stäüd^ giekomifileil, «iii ciai^ Vei*}arti^n Itot wdrtfM zu lassen, däss 
zur Gültigkeit eines Gesetzes die conditio sine qwi tion die BfUWflli^ 
g:mg d^h Aö^erttttl i^y, d^isti Refprds^ntatfteti daher ^n 2tit zu 
ebit elnzüf^en i^yeii, dändt mit illil&ü gefmein»Ch6Mich die Aoth- 
weudijd;en Ge^etze^-lSirj^nzung«« UM VferSnderuiigen jftlstgisbteill 
i^t^rd^tt köhlie^. IV^äi dto Mti&t^ d^ Landto^ wu Ijo^t^kfliei 
Ve^jjonbliiyigeu der Ref^rdäeutanfeh tneHi festillshigiM« Regel :g^'- 
WdifÜlen i^«d, h^t mah ümi biei üne ^ihl6 s^iHre V^ÜgätnftofoJig >m 
#^ri«iMellt gehanmund \m f^krliimeiitiariiscii^f Vhsk^imkt^ 
id^ 6es»t2e ig^rocb^U; leb w^d<^* >«^il die« ibihmM g^hllB<^ 
^Wördeb V es auch tbun , abfer fiüM ohne %ifte BeteertMnJl Ver- 
atiszttsehiifÄf^. Nach dem «t^ctdU ei^gli9<^ehiSj)i«ebg^bHi^cb Mr4 
däjs P^lätiiient gl^ifet d«tfreh Mup, Loräi Md 'Cmn^s oder Ist, 
\am dib alte, noch ||etift ^ebrfiu^diKtbe^ iSi^etchMn^ l^teühkRe^: 
m e^seMtg ^ ihe kiiltg tM m tUfi^^ eülam 6f m ¥Min. l^tific 
We Regel: Wo kein König, ibt kein Parlament. ktS iler Älidek-Ä 
Seite ist^ eben so richtig, daiss üHtOi ettgWscfccin 8prkchg*bl"attck . 
iAtiä sa^eii kann: Die Königin hat ihr PaWämetet berMeti, uttd 
dAss iffle beüÄen H««i^r sich nrentfen: Ihrtt* Ma|e«itäft PÄHMWttl, 
ifd also — da «dJe KÄftSgJn öBfenbär siA nIAt Öölb« behift — 
die beiden HHuser aSciA auch ^arlaine^t geikamit werden. IH^s^ 
«ätigendue Red^eii^^ wdehe den fMgKhder "hi^ daliitt bWi^t^ ci"- 
hÄe^ ^es«AlttS8 tier btCMeti fihus^ isin^ iPftrtknkeutdHsl^clitttM ^ 



r- «i r- 

nemoi, fostt er ml iiWfh die £i9wjWgWN( i^ Königs ^1^4, 
diefe iia( »ieb nun ^x D^utset^amd eingfbfirgerU HMx wi^d ^nter 
dem PariameiU gewöbnlich aur verstanden: the Aor^i <iii<( Gt^- 
mens. Tfant fnan ^I^er dies und g^b demnach dem, waß den ^ngli- 
$cben htilim ^m^n (en.tspricbt» ^of England ^ich t)erufei^, d^ 
Attribute, welche ^oft dem (ganzen) parliatneiu zustehni so lasst 
sich Tpfimsseba» wp» d^bei h^uskommen ffii}s«te* P.a ieb i^ weip^r 
g9Qzei| D^diK^tjjon nie daraus, diiss Etwas ip England Statt find^^ 
folg^r^ w£r4^ d4\sa 03 übei*j|4l so seyq wmßei, so werd4 ich ohne 
Gefebr ßpUA^ß^ J^dir^lf^^ffAmm ^em bei uns einmal aingerisßnw 
Sprit^digelpr^^clf n)i(^ aoscblißs^ien ^^ und wenn ich al^o }m- 

forit Yom Pigrjt^peut pdar p^rl^inuc^ptariafher F^tateU^9g d^r Q/s- 
$et^e spreche, «ur die Aepr^sentänt^n de^ Landes, nic^t ab.er de^ 
sie einbejntfenden K^iyg Tefst^bp. £s wird also, pngtQ ie^, djf^ 
Beilürf|9i«s .ept^teibQ« 4»8ä dip .Gesetze dprc^ m Parian^j^t 4« k* 
4urcb Mandatjire 4«ß Lan^e^ festgesteUl, werden. iWird di^ejp 
nifbt zur «yctoen Zeit ßigw^ege^^, so wer.4«n ifatj(?f lidi d^e §1^?- 
i^ßf^, die es ^usaprec^» iQ^^^i^ lauter, dj^^rcb werdep auch j^ 
y^jg^iid^ten« djie wpnig seibft, »ondw^ ppr de^n Aftdei?^ WPJ;^ W 
de^ke;^ pflegen, zu gleichejw Ye^^i)ge^ ifnd gjijf^m Uufe y^f^-^ 
In^t, i^Bd sto bji^dj^t ^icb ^wablig eine Ansicht au^s« >v^lcl^r de^ 
p«r)(W®B^ris<^ Ui^afMrMng d^ ^e^et^ 9i9bt ^^hr f^ur d^ sj^p 
VftiUi «Ät, lfm ;b|i ye^niMJftigen Ge^e^eq ^u kpflu^en, ,§oivlew w^- 
cf^er dii;se ^ii;»:j^^iw|B; ^If def .;?weck, als #q ^gentlicbf ^m^^' 
^1^e giUp Di^s w-?r mn vor ^ep J. 184^ ffi Pre^se^ der F^^ 
wo mi^ Organe .der ,,Ä^i5ijtw*W?w<5ben An^ifht", wie m fi<* 
^^f mm^y fim^tfß^^Wp schlechte , aber dufoh VoHjjfVjEfjsr^r 
votirte G^etzf^ §ey^ft besser ^ 45i^,e, die auf bftriefyu^r?^t^s9bepti 
Weg» fntftfft^^, <W^S Mug^br ^Q geisjLDßiiib ist, wie die A^icj^ 
jei^ ^eidiea Beye^r^, 4f s§ es bi^ser ^y, honnett, d. h. jpi^ einem 
AiTSt, ^U ;^b^ alp ohne .eki^ spielten geiius^l zu Wj^rde^« Ware 
hier xecjbi^itig nachgegeben wprd^n, ^o wäre es ^u diesem kffn^- 
bfilf^if (w^ ^a^ Itfittel zufn ^^weck ipach^den) V^rl^ipgeu naqh 
eift^ Pajrlfme^4 ni»bt gf^MMUff^, ypn .4eift jet^J Nien^^4 «lehr 
zu l^id^li bat» als die K^uiinerp selbst, 4enn 4^ di^ ^UP da 
swd* »P ^^y M^l^^ ?(ew die von ihfi^ festgi^tell^en GeJiptÄse 
siA ^br ?u ihire^ VpJ^^il V9n den ^ubern ^^rscbiedep, die^. 
de^ ilaMff nipbt gepiig ueyp, d^r ^e l^g pp^ enieip Parl*- 
i*»t ,sm¥mf 4lM»n «ftUir wt ftwftluAiftP gw^rtit W» iWad j*5t 



— 86 — 

wo er die imvermmdHchen Prfichte jeder Rerolution, Terarmung, 
hfthek*e Steuern, strengere Polizei, geniesst, auf die Kammern blickt 
und seufzend spricht: tarU de bruü pour une (melette! — ' 

Ist nun das Verlangen nach einer parlamentarischen Feststel- 
lung der Gesetze in einem Lande so mächtig geworden, dass ihm 
nachgegeben werden muss — (ausser der Türkei und Russland 
scheinen alle europäischen Länder zu diesem Punkte gekommen 
zu seyn, auf dem übrigens auch der Kaiser Soulougue steht, was 
zur Dämpfung des Hochmutbs bemerkt werden muss) — so ent- 
steht die Frage, ob sich wohl gewisse Nonnen feststellen lassen 
über die Befugnisse, die nicht sowol dieses ober jenes Parlament 
hat, sondern die jedem Parlamente zugestanden werden müssen, 
wenn es seinem Begriff entsprechen soll. Bemerken Sie hier, ich 
bitte, dass ich die Frage nicht so stelle, wie es oft geschieht, was 
nach „ constitutionellem Brauch'^ dem Parlament zukommt. Ich 
brauche diese Phrase nie, weil -^ ich sie nicht verstehe und noch 
Niemand gefunden habe, der sie mir verständlich gemkcUt hätte. 
Weil nämlich En^and fein geschriebnes Staatsgrund^esetz hat und 
auch parlamentarischen Ursprung der Gesetze, und auch noch vieles 
Andere, so hat man dies Alles zusammengeworfen, ohne zu be- 
denken, dass es im Hittelalter Stände gab ohne geschriebnes 
Staatsgrundgesetz und in Dänemark ein geschriebnes Staatsgrand- 
(K5i|igs-) Gesetz ohne ' ein Parlament , und hat mit dem Worte 
,^onstitutioneIl'^ ein Sammelsurium von Begriffen getauft, das, wie 
gesagt, mir unentwirrbar M. Ich verstehe, was es heilst, dies 
oder jenes sey in Preussen anticonstitutionell, d. h. gegen die 
preussische Verfassungsurkunde, eben so dass es einen Siim hat, 
wenn in England anticonstitutiönell genannt wird, was gegen 
die deelaratiott of righu ist. Allein was „Constitutionen in hlaruso^* 
ist, das verstehe ich eben so wenig, als ich es verstehen würde, 
wenn auf meine Frage, was dieser Mensch für eine 'Constitution 
hat, man nicht antwortete eine robuste oder lymphatische, sondern — 
eine constitutionelle. Ich frage also nicht, was constHutionell 
ist, sondern was der Begriff des Parlaments fordert. Dieser war, 
dass das Parlament das Organ war, durch welches der Staat er- 
klärte, was gelten, was recht seyn soll. Wenn nun der Staat 
eine sittliche Gemeinschaft war, in dem Sitäichen aber das Recht- 
liche und Moralische als Moment enthalten war, von welchen jenes 
den negativen verbietenden Ghar&cter batte, während diesem der 



•^ 8? ~ 

podtm Anflfakeii sIeVeiide ywkm, bo wird 4er WiBe ides Staale« 
eben sowol Sofcbee^ eolhitlteii; wm die WjlUtühr dea» Enitelnen l^e-* 
sdirinkt, ab aildrers#itft splehe, welche dem £wel»ea saipulheii, 
zur VerwirklidHuig/dea Staaies beizutragen» Da niHi eVe Leiitiin-* 
geo, diB überbiii|il unter die dtir iuseerliohen und zu. oontrojii» 
renden Men^ ihr Aeqwtalent haben und darum ihren Wertb, bq 
faHco alfe LeietODtfm miler deniaUgemeinen Begriff der; Besteue- 
r&ng, der Beieleiiep Bum öffentHeben Wohl. BeMea wurd.aleo das 
Parianent^ m bestimmefll haben. Gretlicb welche Scbranfceo dem 
pacticulafen Witten: geaetisl werden eollen, aweite«» welche« Bein 
Steuer i^ou dem Sbiselnen gefordert werden tioU; Bje 6e$et«e zu 
votireji und die SteuerniubewilHf en, ist deswegen das im 
Begriff dea^Pariameuti liegende, ibm nieht au verwei^emde. BeeU« 
Zum erstern wird' es um so s^ehr barufen seyn,'je mehr es weiss; 
was sieb als Sitten als Gerichtsgebrauch, fls Altheiigebraehtea u<iS«w# 
Herrschaft veraehaflt: hat, ^um lelatem je m^r es die Leiitungg- 
fahigkeit des liittites fcenoit, und .Notia geuemmen . bat, wo ein 
Miseverständnise zwisobeii' Gemuss und Lsiatuqg StaU findet^ dasi 
^er die bßrgeidicbe Geseilschift niotib der SUait dulden darf. Da 
im Apte der Legiabtic^b der Staat seine ScMXYerainetätioder .ffbsor 
late iUitonomie aeigt/ se .wäre es ein Widersprueh, wenn denen, 
die jenen Act für ihn vollaiebn, von Aussen Sehranken geeela 
wireA, Die einzigen Sehranken , die ihnen gesetzt sind , sind die 
der logiscbea, physisehen und aittUefaen MügUchkeit* Was m eim^r 
dieser Beziefaupgen umni^glich iat, das können sie nicht beechiiess^. 
Innerhalb dieser drentfen aber sind sie absetut unbesehrinkt. 

Hier koaunt nun binsiobtlich des zweiten uuyecädssefticlien 
Reohts des Parlaments; der Steuerbewilligung, eine pmktiaeh wMi;f 
tige, im Jabr 1849 viel v^tilirte, Frage zur Spraebe^ Zueilt >muss 
ich b^nerken, dass, wozu m«i das Recbt der Be^iUjgjung bat, 
das$i man dies aueh muss absdüagen dürfen, und daas darum 
Beatuumuugen, wie sie in der Hessischen Vei^ssuugsurkunde 
stehn, naeb welclier die St&nde die Steuern zu bewilligen ha- 
b.en, (Oder bewilligen müssen, ein Wider^rucb ip sieh siad^ 
Eben deswegen aber, weil bewilligen ktonen und ab3oblBg?^.dvr*r 
fen daiselbe ist,. eben dafswegen wird umgekehrt gesagt werden 
mAsaen: was in keinem Falle abgeschlagen werden darf» dazu 
soll man audi Niemanden ein Bewilligungsrecht einräumen* 
Diejenigen Leietu»gen und Steuern nämlich, obne wel^be der 



m^m 5R5 *■*• 

SliM inibikt toi etiArett, diete Mtfen auf \^m Jhü vem^lgnt 
werddQ) «ton darum aber darf aiidi das Patfanaent nidit dos RMitt 
in AMprach nebtnefi aie 2^ bewilU^n, weil am Parhinaetit nicbi 
daa Reoht hkbm darf, den Staat «1 »«irden; Wem man antwor- 
tet, warum nksht, wenn das ?otk dordi seine Rff^tentant^n diet 
ftirdertt, so antwMt^ ich, weil aueh in dem Fall, läse die Reprt- 
setitanleii wMÜch gm» nor den Willen der Mandanten ansapredmn, 
diese Mandanten mir eine Generation sind, eine Generaiion abermelit 
das R^dbk hai, über da« Leben des VeMcs, dM ältsr ist als sie umi «ie 
überdauern sett, 2tt entscheiden. Sagt mim damnf mit Berm «m 
B^keM^: DieslAecbt branehen lv«re Areilich ÜMibtrenrath« aber -eis 
bÄen sey „i6onstitationell'^ so antworte ich, dass aHo Ligen niiOUs 
tmigen, ste magen sich nun constiMioneU nennen oder niAt. 
Ein Recht aber, deisaen Gebraach Ifochterrath wäre, ist, lis ein 
ReAt znm Unreeht, eine Lüge, mindestens ein Uiisinh. Also ge- 
wiaae Leiibtimgen müssen aussertialb aller j^amentariscben Ks- 
cnssiott siehn, das sfaid die, ohne welcflm )der Staat 'nidit exisliren 
kannv Welches sind nun diese? Der Staat als slttUehes Institut 
kann ohne die reKgi^e und intelieecuello Cuhur der Einzelnen, 
w«idie beide die sttMelie Gesinnnng stützen, nioht existiren. Er 
bedarf ferner einer stariren Reehtapflege, bedarf wegen derSolüa- 
rttät, Wimigstens der enropaischen Staaten, eines fortdauernden 
VertEehrs du^ch Gesaadle, bedarf endlich, wenn er ehie Monarcbie 
tat, eines ansserliob würdig geseilten llirones nebst eben 00 wür- 
diger SteBnng derer, die dem Thron em Nfiebsten scehn. Alles 
dies hat man nidht'^eGeld. Das Cleld darum, wodurch Kirdie' 
und -Schule, ^durcb die Instiz und der gesandtschalüiehe Ver- 
h^ehr erhallen wh4, das endlich, welelies dier Künig lar aioh und 
seiMn ffot bedarf, das darf, weil es ohne t^rage h^H^geocbidft 
wcATdon m«ss, nie in Frage gestellt werdei^. Den Parlamenten die 
Bewilligung dieser Summen tftertassen , dies iMre ein Unsinn. 

liier Ist nun abermals ein Punkt, wo ich einen Eitcu» Ins 'Ge- 
biet fafdisctier Enstande wagen mnss. Wenn man nümlieh so 
etwas ausspricht, yit ich eben jetst, so eAebt sich sogleich ein 
€borus, der auf llngland Itinwioist, wo das Parlament jAirllcb afte 
Steuern, das s. g. ftndgei bewillige. Wenn man manche Herren, 
die in England viel mehr zu Hanse za seyn ocheinen als in 
^HBttssen, da rie von jenem so oft sprechen, an dieses so wenig 
8enk0n^ «^ wenn man sie apredien hört, iSo sollte aian ghMAen^fin 



EiigInA luto dAi Pirbncnü ai jedem Jähre na« M btoddiasma« 
ob das Köaigthwti, A dis. Kirdie, ob die UnUeraitileii u. s. w* ilii€b 
fortdanim*a Bolb* Wäne das im England m, so w&rde ich et delmodi 
ÜMihAnemeD, iMbietfialbep engiiechea Uosiiiii. Es ist afcer.niohl 
seL Alles dies ist in England der parlaiiieDtariedien Debatte jest** 
heb«, nur mi vetsohidtone Weiae: Die Kirche und Unifersi^ 
tat, indem sie eigene liegende Grflnde, etgane Eitdiänfle (Zchoten 
«I. dgl«) habeb,. in wekfae sieh das Pariament eben ao wenig nischen 
darf, ala in daa Eigenthum irgend einer Person. Eben an wenig 
vitd über Abgdieni sur Erhaknng der Wege und Ganälei so weit 
sie jyngchgenbeit der einaehien Grafschaften sinä, im PiarianieDle 
terTägt, tnd w)hih das Partament aUe Steuern vemreigetfte, so lie^ 
fen fene doch eiji und. die Chausaeen worden in Stabd eihltltem 
Eben «o \mi bei der Thronbeateigiing ein fär alle Mal der 3e-< 
trag der cMi H$t beslininit, ui|d bei dieser kalin, wenn a. B. eilt 
Slreit des ParlaBients mit deii Mkuatern dasselbe dahin brii^fi 
die Steuern m vemei^em, dies keinen Unterschied macbenu Hin^ 
»icMicb der otta'J H$i aber macht man eich anA in .Deutschlaad 
eute Voiatelhuig, die nicht iganz richtig ist, oder nm gtnt «enaU 
an fi|>r0Kbeta, bis vqp nidht sehr langer Zeit (ich denke, bis aur 
TfanonheateigOog der Kfitiigin Victoria) nicht richtig «rar. Die 
iMt liM wurde ndndKh ao genannt im Gegenaala gegen die miiilary 
liH edter das Mibtattbudget, und befafeste das Geld für aUe DioMT 
des Kötiig^; ds aolche aber werden in England (wo nnn tiidit 
sich entehrt glaabt, wenn man sieb Unterthan oder auch König- 
üeben Diener nennt) alte Civilheamtea angesehn nnd von der Ci-* 
villiate wunden ^e Aichter besoldet und alle Koaten der erdent-* 
Jiohen: GeaamAschaäen bestritten, so dast auch das Geld, was 
daam a&lfaig war, nicht jlbrlioh, sondern (so wie früher alle Stea)^ 
(irn) für die gaaae RegierUngeceit dea Königs bewili^t iwar, lind 
nie cbr Fdä eintreten konnte, dasis das Parlaaientdas Geld w* 
weigerte, was mr Beaeldung der Riditer n. s« w. nOthig wen 
(Daas man diese Ginnalunefi dea Staats jetat von der in franaösi^ 
acban Sinne sogenannten litte civUe getrennt bat, ist in. gar l^ei^ 
ner tendanzMenn Absicht geschehn, sonderm bait nur darin seinen 
Girund,. daea lo die ^Reebnuogen übersicbdieh werden). In Eng- 
tend siebt also die Sache so, dasa iKas in jedem Falte nOtfaig ist, 
mag ndn Lend^S^tim^, mag Lord John i^ßsul Premierminister seyn, 
dassidieaebett deswegen nicb vnn derStimtniing des PaHamenIa 



_ ee -^ 

g«g«n.elii MiniBteriuni abhängig gemaohit '«piM.* Dagtgta' dlcftdui 
Oeld^ welches nöthig ist, um ir.geiid «ine admkittiratvreiNei^rong, 
irgend Une äenb diploinali6die;VerbiBdiiiig eu yeaUdirenv das wkd 
fom Parlament auf. kurze- Zeil bewilligt, uiü MiJte sehen zw kta-> 
ntei, ob diese neuen Wege nidit etwa dem Lande verderb- 
lieb werden. (So musstealso sdion früher Geld lu einer a«V 
s ero'rden Hiebt n Geeandtschafl bewilligt werden.) 

in den, was ich eben gesagt habe, liegt nun auäi'die Reöhl« 
fertigong Ar den $. 109 der Preussischen VerfaMungsüikunde, 
welcher bei Gelegenheit der Revision derselben von fiekn pärla-* 
mentarisehen Grössen heftig angefooUen wurde. Um die Diffe- 
renz, die Uer zwischen dem was in England gebriucMich ist und 
was bei uns gesetzlich, nicht grösser zu Anden, als sie wtrtdich 
ist, muss man bedenken, dass in Prenssen^ ganz elen so wie in 
Frankreich, Alles, das, was in Engend als. ein sich selbst regieren- 
des und sein Vermögen rerwaitendes Ganze erscheint, sein Gen^ 
trum und sein leitendes Prinoip in der SUalsregierung hat. Die 
Kirche hat kein Vermögen, der Staat besoldet ihre Beamten ( Sciiii- 
len und Universitäten erhalten sich nicht selbst , sondern; Werden 
Tom Staat isrfaalten. und beaufsichtigt, der zu diesem Ende einen 
Caltus^ und Unterrichtsminister hat Was in England den ein«- 
seinen Grafschaften überlassen bteifai, das thnt bei uns der Staat 
durch da» Ministerium des Innern und der itfenllichen • Arikeiten. 
Da vAUes dies mm bei uns nheu so wenig wie in England je 
st«ikai darf, so wird das Geld, was zu allem diesem nöthig ist 
gerade so Stefan wie der Theil der früheren €Ml '4iH , der fär 
die Justiz und das auswärtige Ministerluito verwandt wurde, d; b. 
es darf nie aulhören, in die Staatscasse zu laufen. EndHdi baimnt 
die hauptsächlichste Differenz: sie betrifft das MiUtairbudget. Bier 
hdten mm die Engländer besonders darauf, dass dieses jährlich 
bewilligt "wird , und es sind Stimmen laut geworden , weiche das*- 
selbe für Preussen verlangen. AUeüi wer dies verlangt, vergisst ganz, 
dass unsere MiUtair-Einrichtung dne ganz eigenthumKche Bedeu- 
tung bat. Man hat sich geärgert, dass Preussen ein Militairstäat 
genannt worden ist; in dier That ist er es, da er nur aus gewe- 
seneti, seyeoden oder werdenden S o 1 d a t e n <b e s t e b t (die &ränk->- 
Uchen ausgenommen). Die Mäitairjahre sind aber far den grösseren 
Theil wirkliche Erziehungsjahre, In welchen Intelligenz und Zucht 
gefördert wird , mehr, als in den meinten unserer Volksfachulen. (In 



— ftl — 

Preussen ist, so'parodox das klingen mag, das-kfiegMinisteriant 
eben sd «ehr UttteirichUministeriam , Wie da«, Wdch^s «o hcdsst.) 
Bei uns ist es eine Schande ,' Werni man gesutid ist, von 'dem 
Dienste ausgeschlossen zu seyn, wMirend' in England Aks ange- 
worbene, lAiier der PMsche stehende Mtttfair als eine'Arf' von 
PrStorianem angesehen wird. Hört unsere Hliit&treinrichtung ataf» 
so ist Preussen nicht mehr Preosseh, sie ist fftr unset« SCaat ne- 
ben Kirche, Schule u. s. w. eine der Säulen, auf wel^bdn eir «t^stat, 
niid darf eben deshalb nicht in jedem Jahre in Frage geslIeUt wer- 
d(SB. Da sie bleiben muss, so darf nicht erst ^v^eiter gefirargt 
werden, ob sie bleiben soll. Fragt man, wie diese Belraclitäilgeri 
mit dem f. 109 der Verf^issungsurkunde insMnmeiihftilgen; Welebep 
sagt, dass die bisherigen Steuern forterhoben werden , so enthal- 
ten sie die Grundzflge 2n dem, was von den^ledeutendsttin Ver- 
theidigem dieses $. gesagt worden ist: Dfese gingen ndmMch von 
der Ansidit ans, dass durch die Verfassungsurkunde nidrt erst 
ein Preussischer Staat iil's Lehen gerufen werden solle, 'sdndem 
dass die Charte dazu dienen solle, ihn weiter, nicht zurück, zu 
bringen. Soll er nun nicht zuräckgehn, so muss mindestens das 
Gute erhalten werden, wa& erreiclit iui, A^v^^mius 9110, zu dessen 
Erhaltung die bisherigen Steuern dienten. Auf diesem bisher 
Erreichten soll fortgebaut, zu dem Erlangten neu^s Giftes hinzu- 
gefilgt Werden, da aber nichts (Kutes — auch keine Kammern * — 
zu häb^n ist, oline dass es Geld kostet; so ist es ganz conseijueilt, 
dass die Kammern, 'je nachdem sie von den Lenkern des Staate^ 
erwarten oder nicht, dass das Neue, wafs sie schaffen werdto, ein 
Gutes ist, die Mittel dazu bewittigen oder nicht. Damm isfs 
vo^lkomm^n richtig, dass jedes neue Verlangen der negiehmg der 
Bewilligung des Parlaments unterliegt. Bewilligt ei4 Nidifts, so 
bleibt es bei den Ifitteln, mit welchen, wie sich gezeigt hat, der 
Staat bestehen kann, weil er bestanden hat, bewilligt (^s' neue 
Beisteuern, so kann das Neue versucht werden. Dass nun der 
S. 109 bestimmt: „die bisherigen Steuern werden fofterhob^n*', 
iiA freifi<;h eine sehr ungeschickte Redaction, von iier ganz riditig ist, 
was ich einmal in einem Pamphlet gelesen habe, däss dies eben 
so zweideutig sey, wie das alte bekannte „Gedruckt in diesem 
Jahr.*^ Nadi dem Buchstaben jenes §. ist jede neu bewilligte 
Steuer im nädisteti Jahre eine btshiirige, und wird forterhoben. 
Man hStte bestimmter sagen sollen: 80 und so idel, eder: Der 



- w - 

im «um Ji^hre 1849 eingehmfeiM Sieuerh«tr«g darf nifd|t vari^oi^ 
ivefdeQ, oder elw^s dcpi AeboUd^es. Ifgead eioa 4fl8£h|in)^iiiig 
49r Art inq9»te aber hioeiipkoaiiBeii, waii diese beiden P|id|kA» tait 
slffh«: Oas Parlaqient darf aicbt das Redit babm« Pr^waep su* 
rock «u bringen t und: Bn jeder Neuemog und jpAm Weiler- 
gibe» aoH die WirMaukeit deryRegienuig duri^b d^ t^fn^mmi 
sa cpiHroUirt «erden, dase es* von ihm abbingi, ibr ^ UittA 
dm« z« bewiHigen« I 

Niidi dieser bimugefägian BesdiPtekimg werdep wir also ^ 
weaentliobe A^tribttte eines Parbinents heiEc«dHI#p mtsiep: Mo 
FesMfilloQg derGesetae und dasAecl)t<i^ de« 9|igegebf|^a (üwi-* 
wn) Steuern ;m bewilligen oder zu verweigerA. Qiese Beelitz 
sttireibeii wir ibm nicbi jiu, weil 4w englische P«rlalpient fje M^ 
aueli nkjkip lyeil die Steuern ur^pr^ngUe)^ nur Subßidieni m^ßn^ 
liMidenfi weil ein anderes Verhiltoisa n|it dem Zmi^ stritte, w 
welcbew das Pi^ri^w^U da ist: da»s diir^ Nspdatwe 4m Volks 
d«ff Wille desseibw ausgesjprocben werde, 



IVeiiiite Tortesnng^. 

Wir Miren v^n der Beurtjbeiluii^ factiscb^ ^^^H(^ ^w4Pf 
zurück »]ur flntwiokluiiK aus der Natur der Sacbe, b^^ ^i^ 
um s^ bald «inen weiten lExciprs a^oMcber Ar( «s^u ip^^ftn/^Pt d^ 
es «icA d^Twüs um me s^ehr wichtig gewordene f<rj|gf lyiMtid^Jil* 
]^ Recbte des Parlam^qts wsu-en fixirt. Ss fir^ ^fh, A>b m4 
wid^l et»d^ Allgemeingültige« feststellen läsfjt über die 4^^» wii^ 09 
#4cher lUrper orgianisirt und gegliedert wer4^n n^f^, II9 
der Staat kein Aggregat, sondern ei^ Ganzes ist, sp ^oll sii^ auffc m 
4ßr Qese^geb^mg nicht sowd eine 6ufnm von ei^zfl^n WiM^Pi 
sondern der sJDgemeine Wili^ ausspriechep, der aub^s^^iellf) WMto« 
^r der WjUe des Subst»o?;ieUen (nicht ijlnf^^ Ac^denff^lfP) im 
VolkOt ßf^ w^ter «in P^irlam^t 9iUug jw^icde nur, n^l ;der Sfa^t 
nieht mebr «ine Uipiiformität 4er Interefi^fin darbot, #p y^^^m iß 
dem^dbfln iiß wesantlic^n Iptfir^asen flq» JLM^dfß mPf^^ <MW 
müsscRi, wo nur das Wort Interesse ,uich^ im ^teo^ll^p ^ißif^ 
9Mm genommen werden ^uss, indepn Kfkiyst^, Wn^^D^schMliffp, 
Religioii iU.f.w^ Interessen 4fs ;St^a(^s ßind* ^p laji^e dJwAe 
mtrr^^ae» 5^HI 2# die .Stfede 4ftr bjii^g^idic^f»: Q^M|lsq)yift y»- 



— »8 — 

^ilt trsdrieneft/ s« hälfe w«r die niUdakeiAioke GlMehinf M 
2»r «iMelcgelMHig mitwirkenden und Silbtidfeii iind ito«i ^Hiii» 
tewilügeiiideii Kirpen in Adel, ab den Vertretei* der Agfieiilttir, 
BüiiferMhefi; <Me» tilm (^ka, als Vertreier der Inte^esnen der Im- 
dustrie^ Geisüiddteit» As dameie alletnigen Inhabelr und derum ne^ 
tftrüchen Vertr^^r der Iikteitigenx, ganz Ternutiltgetnii8i Enj^eM, 
tnil; «einer Afelrtuag vor allem treditioneileti, nemit dee P$gim^m 
nedh jeUi ^; nur daei» Adel und^ GeieÜiebe ald geiMiehe tttid 
wMAcbe Londa in rinem Hauee ditaen« Faetiaeh hat aieh «beh* 
aodi Ider ^n YiarUlttites gelndert» irelohea eidi AbeHill Säderh 
HMüsstei Die Refiinnatien, indem sie das Dogma von dt^ alge^- 
mAtm Piiiteteradiaft wieder \«rliandigte und so lede* in die 
Ateihe der fteisilidieti (geiatNoh Öe&inüten) eaAialim) liat fii HtMti 
«eCalge febak die altgemeine VeriM*eitung der fmelHgetaiS» mA daa 
InielHgenl- mA Gäaflicligeainntgeyn bedarf eben ao wenig n^ der 
Ptöfotiamüa einer sepi^aloe Vertretungi Viehnehr sollen mir aie 
verti^mnv' inittm die Yeittreter aUer Intereaaen palriotiech, iiitcinU 
gl»fiti ^eiaiKeh geainnt eeyn BoUen» 

fieram iai die Verito^mmgv Weläie ^ich in F'rank^etcb %r- 
averiädi gemadbt hat^ gane da- ffetur der Seebe gemfea. Aütlb 
tm rej^dMaitiren üie 4rei tStande die Interiiirsen des L^bde^. 
AltaMiUg >(«tjard tnm der dritte Sfealid Inhaber der fjtiri^theheti, 
MUH der älrtrigett) BiMMng imd wurde diea tim so ftiel^, äfe 
idni^cii 4m \i^ U^sktütb deta VieHen «rngefUirt^ii Verkauf d^ 
dietten »di eee i hi i n Vaetiaeb erblieh Wurdei^ Mid ^d in den tnliltb^Wi 
ft»ritelbeft daa enf eitehstve "Biidabg gegfBndtite Selb&tgefMii ^HAi 
^ual^^', "^elobea ^n -der^eia^IfcbkeR k^ineh PMt mehr ite^a. 
Dekneir s^ien in den letateft ferner ReVültittem l^ratfetaeti ^imu 
ifiMMiu» iai 9, 16%, daher noi6h Ine^ir in der fluräi kieibetfi^ 
ft^<>^ien Vei*atemMubg <d^r miahlh der drifte Stand Mif die eine 
«iite ^m, M^\ inM OMtÜeltoeit 2ü Verädbmelzen dfufangen, bis 
ikäkdä 178» tfn^dtte «eiatticbe, ivie Si^ mit dein Um H(ä, 
Me ^rt^en i^t Mt dem Adel gebn. An die SteUe der Ver- 
t^tOhig der IfAxAipbttt imd der übrigeh ttre^eAtttebefn tiit^re^seh 
um «eo jetel die intelligente Verttetuteg tief Wteäeftt- 
lie^b<eii Intii^^essen des Staats, tihd das *P^Iament muss be- 
mm aMM MelfijgeMen Vertretern derselben. 

fea \q!\^ 'dtti^tta^ «aäi EibHdhtftifr^ der Art getrogen seyh 
iMMem ^sa H^t* ^ #eseütHäie8 int6!rei(ae pm. tuvertr^t^ 



~ 94 — 

Ulibtk, filMsk.Budi da« Im so wBnig vertn^a s^, diiw es^ ob^ 
gleich eben so bereditigt alsi die äbrigsD^ von diesemmtecdrückt 
werden kmuk Dies ist. nun der Grund; warum, mit sehr wenigen 
Ajusnahmen> die ges^gebenden'Körper ia mehrere Abtbeilongen -r 
nenne miain sie Stfinde, Curien, Hauser, Kammern, gleichviel — 
uttbikn werden. Es gibt solche Ausnahmen» Die Landtage z. B. 
der.nMsisehen Ostseeprovinzen haben das Recht, in den l&ndlichen 
Angelegesnheiten Verordnungen ergehen zu lassen , Leistungen au 
bestimfliten« Weil dort alles Land in den Händen grosser Gate* 
.besiteer ist» deswegen ist dort die Landesvertretung. »ur die eine 
Ritterschaft, die nicht in Kammern zerfallt. Hier aber hat nan 
.§& nur wt.Proyinzialland tagen zu thun* Anders vertiätt sieh's in 
Jlf orweg^n ; das iat ein Staat und doch ist auch hier der Landtag, der 
Slortbingt mr einer^i Allein es ist zu bemerke», dass die Emricbtoog 
i9 Norwegen* nach welcher das Land in lauter Bauermajorate zerOUt, 
m das» QS keine groesen Gutsbesitzer gibt, eine grössere Unifortmtdt 
der Interessen zur Folge hat, und dass dennoch der Storthing durdi 
Auswahl eines Viertheils (zum Lagthing) sich. eine solche Güede- 
rung gibt» Ji^e ; in allen andern Landern mit Gesetze jasadienden 
Versammlungen yial tiefer durcl^reift.. Eine solche Gliederung 
i3|.,niq^t ej^wa nur Gefvohnheift qder Mode — wo sie dies wfire, 
ist sie ui^nutz. -*- sondern indem die Hauptinteressen in ^Mdi- 
berechtigten Hä^sern oder Kanunern vertreten sind, erscheinen 
sie als das , was. sie smd , und diese Einrichtung ist also der Yer* 
nunfl gemäss. Wie aber alles der Vernunft Gemisse am Ende 
auch das Nützlichste is|, so hat diese Einricbtnng. auch ihren 
praktischen Nutzen. In deip normalen Zustande, wo der Patrio- 
tismus Alle durchdringt und Alle einig ^iod, hindert dm Einrich- 
tung, nach welcher jede Neuerung in ganz . verschiedenen Ver- 
sammlungen berathen werden muss, vor übereilten Beschlüssen. 
Macht sich dagegen dcir Egoismns gelt^ndf ordnet das Einzel^In- 
teresse.sich nicht dem Ganzen unter, und es vereiwgeil si<^..die 
beiden ; Abtheilungen nicht, so bleibt es beim Alten» d* :tu bei 
einem. Zustande, bei dem der Staat bestanden haf,. und also be- 
stehn kann. ,Mehr aber, als was bis jetzt gesagt ist, dass nim- 
lidi weil der moderne Staat complicirt und seine Interesi^^ sehr 
mannigfaltig sind, dass deswegen .«phwerlich in irgend einem 
jStfuite eine einzige Kammer oder ein nngeg^edßrt^ Parlament 
wird,.,mi^, lässt sich im AJlgiimeinen nicht «ag^P* 



— 95 — 

(Ich banorbe, dws 4bb fitMpiti Frankmdis .mit seilter .g^gf/n- 
wirtigM VersamnhiDg niiihl gegen mith spricht^ deBn das» diese 
aosretcheode Thttigkeil ««ige.» wkd wobl ffieblaad sagen köonen.) 
In wie viele Aiblbcüungen das Parlament zerfallen,, nbch welchem 
Pmcip dteselben gesondert seyn sollen, di^se Frage . erfordert in 
jedem Staate eine andere. Antwort, weil dies sidi damiick riohtel, 
wie tiel gleiobbereclitigte Haupt-IntereBsea dort unterschieden wer«- 
den müssen lu s. w. Darum, wean ich mich sehr inl^essirt 
hahe für die Frage» ob in Prenssen eine oder zwei Kammem 
wteadienswertli seyen, so^ muss ich auf der andern Seite, gest^hn, 
dasif die Fragen, d> das Ein- oder Zweikammearsystem («beriianpi), 
ejb die ErUaehkeil odtir Midit-£rblid)fceit der einen Kammisr (überf 
lianpt) Yonkizidbien sey, mir gerade so vorkoimmt, wie die. Fragil 
wekhe Farbe d». Damen am Bestell steht, was behanntlieh .Ter^ 
schieden ist, Je na<Mem die Dame braun ist oder blond. Bit 
Ctüedenuig ist gut, die auf einem Gegensatz wirkUcher, dem Staate 
wichtiger. litt^essen bel*uht. Die dagegen ist schlecht, die (etwa 
aus lüchafamnng) wirkliche Verschiedenheit der Interessen ignorirt. 

Dies ist^ wird man sagen, eine sehr allgemeioe Antaivon, 
Das gebe ich, zu, sie ist es aber nicht mehr ^ als jede, die ein 
Prfnap auespiricht Um nun aber zu zeigen, dass es nichts we* 
aiger als. unfruchtbar ist, und um auch hier wieder zu erfiMen, 
was jdi als Theil memer Aufgabe in der Carsten Vorlesung angab 
Ihnen nandioh an. zeigen, wie von einem bestimmten Prinii|& «us» 
factisdie Zustände beurteilt werden können, so werde ich jetzt 
den am Ata&nge der heutigen Vorlesung angekündigten £xcnrs in 
das Gebiet der factiachen Zustande so machen, dass. ich einen 
krtlisohen Bück attf eiietirende Einrichtungen werfe. Je mehr in 
einem Lande: die Organitetion des legislatiTen Körpers der Ausdruck 
ist von dem., w^ im Lande wirklich wesentliches Interesse: ist, 
desto .mehr entspricht sie ihrem Begriff, und desto melur wird 
sie «idk bewahren. Darum hat sie sich bis jetzt bewährt in 

Englaodt welcbes wir zuerst betrachten wellen^ Hier zer- 
fallt bekanntlich 4er legislaftive Körper in zwei H&nser, welche 
ureprin^ch^. weil sie in 2wei verschiedenen Stockwerken ihre 
Sitzungen bielteii, .^ das ^here und untere bezeichnet wurden. 
Das pberbatis besteht aus den Peert {Pareg^ PairsJ des Beichs und 
wird:dafl Heus der Lords genannt (obgleidi die ISohne herzogr 
ticher.Famütieli,i»e]biitwenn aie nieht im Obbrhanaejsitcen» auch den 



— 96 — 

Thal Lord «Sihtm. Durch dis ibj^rtt siid m g^im iOkeri^i, 
Bte sAd, mw sie sieh bei ftiMicheii üdegeri i wl wi ncnaett: die 
fianerti von England» Es ist eine gaosi fadiche VomieUmig'fiMi 
dem englisdien Oborbause, wenn man mandonai sagt, hier sty 
4er Adel vertrateR. Von VertretuHg eiiiar Clasaa ist Mhon 4tas«- 
wegen niobt die Rede, weil Alle, die die Classe der fVar» blMoiii 
hier sitae»« Daher eracbeint auch hier das Recht au sttmnimi als 
<nn persönliches Rächt und kann (durdi die s. g. Pr^mUs) uber«- 
tragaii werden, so das« der Hersog von W^Wn^tim^ wann iob 
ifiÄt irre, itn Namen von einigen vieraig, d* h» mit vier»g ^Süaii'- 
men an vatiren pftegt. Ferner aber gibt es in England , weil der 
Begviff da^ KbenMfitiglieit fehh^ katnen Adel im denlscben Siw», 
Brüder von feern sind Prediger, Kaufieute, ja maDebmal Himd- 
werker, imd Heirathen mit bürgerlichen Mlddieii (wenn sie aabr 
neich sind) kommen hitaig vor« Seodom dfteLordis sind feb«rRe 
Repräsentanten des Lmides. Diesen ihnen fierof tu erfMton aetat 
«ienun in Stand das in unsern Tagen so hlufig angefeefatene Ma^ 
jorat* Man pOegt dieses immer im Namen der FamiUenpialüt au 
^tardam^Rieni. Allein die Familfenpteüt wird böchstenaverkCKt von 
4em Vater, der es stiftete Wie 4ie Majorate der en^isdienl%m 
jetzl sind, ist davon gar nicht mehr die Rede, sondera ^ be^ 
atdbt jetzt ^e Knricbiung, daaa dem Alskeaiaii der «nd der Fa^ 
Hälia ein Landgut eiißUlt, auf dem die Micht haftet, an der Le- 
«gialalton ides Landes tbeil au «ehmen. Wem dum sagt, da 
JQnge^r Brtider könne darüber neidiscAi werden ^ ao ktanle er 
dies auch , wenn dar ältere ein hobeä Staatsemt bnUinm, «nd 
daraus wird dian do<ät nicht folgern wollen , dass jedes Anlt «n^ 
ter Brtidem getfaeitt wenden müsse» ttßt den Slaat iat diMr 
iKiese ftnriehtung darum so widiiig, weg di^ sichere Besitz den 
künftigen fber in Bta^ «etat, stdi tnit Auseehhiea aUer, mS L»^ 
banrstMedialt gericiüeten, ThMigkeit gans dem ^tAdteleben zulwid^ 
men, weH sieh augleieh in ihm eine, weder von WiMern nodi 
-^^ de^Regiena»g abhängige, Gesinnung blMen kaim^ ^ialnsich 
!seft(er HMt hat; kurz alle l«$sem Vei4»Htaiss6 akid dd^^An^ dagaier 
%i<jb 29« einem hitelligenlcB iPaliioten aasAilden ka^n. BaMe !diea 
4b^«ritUtder Fall sej», aondern die Seftiitsiidit Mi «der Bgcdsitaa 
^ b(eJhentö«bttn, eo ist diese Einrichtung ^*«<» Hie wie IdMÜiaupt tdfe 
eligllM^cmnUirifeinidien 4>ereehnet ist, wfihneid imbereClMslittitieos^ 
iMtohar 'inmiet' <aR Gngd ih 4eh Kanunean mA fenM Ism^ 



— w — 

Üidie oder auf deoi TbMne glsdadht zu baten 8cli;0ineii ^ golAi 
tÜete EMriditiiiig) tagei leb, itr Art, ihn i^ogaor iscitt figeSsniB 
dtn Laode iieahh nads. Er ist icr BaiMr im Groasati, derib 
«r 4aher 4gmtiach nur m die blueriidaan Vtrhlltnigse, m in to 
inaitr itine "WBMiytlkto'äcitB det^Stiaiilebensv welcba ier «««ihr«- 
siitMH» «Ad 4 war die^ vermdge wel€b«r*d«r cngliMte, wie jeder 
ätM, an diesem B od etibafteL ^ Em liegt darum in Ier Katar 
der Sacte, iia«i eiob is dem Pewiotiamus dar Lordi üejemge 
Seite beiendeve gdltiid maohen wird, welehe wir frOber <ip* 67) 
^ ^e Aditimg vor dem Herfebraehten beseidmi^, in wtieber 
aieb das Priileip der Fimiliaritft med JialioiialtUt besonden gM^ 
Itttid maohte. Daber ist es mehr ab em lufiliiger fiebraucb, el 
jeteki GefttU danron, data den Lords dir Natioiialebre Alt^Eftg^ 
hmä» besenders theuer sejti werde, aus dem es zu «fkUraiy daes 
IfiterpelleiioDeii an daslfinlsteniui des Answktigeii j>esoDdei8 im 
<tberfaaaee Statt fimieB. Bs Ist wegen dieees riickwirts gewandt 
ten Patriotiemas erkUirli^f dass diese» Saus der oberste 6^ 
riehftehof dies Landes iil, denfti ricbten beisst mit dem Bestdiea« 
den Td^ekhen. Die höd»tea 'J«risten sind Mitglieder dieees 
ifauee^ «d wen» sie wdk kein flonnelles Stimmrecht haben» eo 
twMeht -flJdi'B Ten selbst , *dasB eigentlich eie die Urtfaeäe diotiren. 
Diuni^ darum Neuerungen y wie die EmandftttionB-» und MefHtnbül, 
in^dieeeni flaase Un^m IWidersUAd erfobnen, liegt in der IfMd- 
der-Shcbe^' Vor einem VerknMieni sdiOtst der lAnstandv Arne 
duri^ die Eibiidikät islete audb jwnge Leute hereiakomami nnd 
mal ihnen die I neuen Idetoub Man ärmere ieden» wekter meiaH 
das Oberhaus aey dermafirlidie fiegenshtz gegen die liberalen Ideen; 
an die Namen W^lke^tey Q^^ mid Aisdere« Darcb diese Aa^ 
rieMutig also ist garanirt, dass immer. Menseben da sejn wer^ 
den, Weltibov wienn nioht ans Patiiotismus, se aus Egoismus, ^ 
iatereseen 'der grosaen Laadwirthiohafl festhalten werden, die 
eben« so amentUdi« wie die andern, {j^dcb zu ehttracterielraniiMK 
Mier trat mit. iUebt noch neiteifidist ein Mitglied des Unterbau^ 
ses. aüfa'fitatsdiiedenste der Ansicht entgegen, als sey daa OIn»^ 
bans aiinder wicMig als das UaCerbaos. Gehn wir nnn au die^ 
sena tlber^ ea. besiebt es aus den Abgeordneten der stUtis«hen 
imd ländliahen Coindmnaa. (Auch die roaaa ftoraeyJlt waren dies 
Mberl' 'Inconaerndnaenbat die BefiarmbiU weggeschaft.) Da das 
W<ett der slkdÜMdien ;ConHilUiieii imd der Ueinen Landwirthe <d^ 



— 98 -^ 

Püccliter) von .CnqtuiefiHriea' .abtingt» so. Mi es.begrtiflidi/ daaft<U^ 
.die Seile desPalriotisiiiiH besonders widiäg.sein wird, idie!mr<ik 
^ reirstäadige» auf dieZtikairft gerioblete beieiobnetbaben^ m welr 
.eher «ich ^ der Communaifliim id höherer. Potenz leigte. Durum 
ist es erkläiiicb, warum sieb, die auf radiodiieyepaadefiiiigeiiiMlSr 
gebq.'besondtes hier finden. Da ¥on den verinderleitCeivttMtlir 
rea.die Leistungsfabigkeü «bhftngt, sotlist es. Ttrnfloftig^.daasbei 
SteuerbewilUgungeii dem UntÄrhauae,: diesem. Riyris^iMitm dtß 
wecbfi^nden Gemeindelebens und. der den; ZiifiUigkeilmPireisirger 
gebenen;.Minderbegütef4in« die JoitUtive . geeetzlidi sa. gegeben 
isti dass.dasi Oberhaus keine VerSndeniigen . maoben^ andern 
bloss: Ja, 6der Meia.sageA »kann;, eben so liegt es jki.;den.Iflltur 
dcuriSacte «nd ist dahinidsu lobfen, dass hier WeU $Utt fiadel;. 
Diei Interessen, wechseln und darum Jidunen^die, . zn ;d^»Atn ami 
Vertraiten aeigte, dieses Vertrauen bei verfinderler Lag0. niobt 
mehr, verdienen. Daimwird man Andere sebkken mftssmi. .Weü 
die? Interessen des grossen Landbetitzes und der Gemeindent v^vr 
sehiedanlsind^ beide aber fiir den : Staat, f^tidiwe^eatücb» .desi^v^r 
gea müssen sie. bei der Gesetzgebtu)« ;gleichi sebr berM^wVWgt 
werden« .Satwäre^esinun möglieb, :daas 4ie6e bieide Intereaeeniii.^r 
»(^afto^atanten Gegensatz zu einander sich fflndejs» und der^^vw je- 
dem inalnhlttadien Engländer bedau^rte^Zuslapd sieh ^erttogiite^ jl 
^Wte , : m> ^ wafö^ ', im Unterhauae , hejabt wird > jm Oberhauaei fim 
Vecwejftog if ewiss ; seyn kann (Irie . scb6a .dnei Mal dk : Jndw-r 
Ei^e^iU).: üüea urii'd nun dudijirci) TerJiiedem^idi^ainnelbalb der 
bfftdew miifer sek: Jahriiiinierten ein Gef^satzibeslcibt» Term&ge 
desseii . imm6r eiba. Seite des einen Hdaaesimiti einer des andern 
sympatbi$iirt, .Dadurch nämlich, daes in's Untethsus gaiiihlt wM 
vpn. städtiiBchen und landlieben. CeoGununen, dadurch istim üaierT 
bj})i^et dfir gtosse Gegensalzi.dm'ßtIdtischeB imd.LäiidUGhen re^r 
pUjisQiyirt. Diesem ^t jiunl.täi; Obferiianae. parallel ein igana 
,aAJli#f^. . Obgleich die Num^n üTUv uHd iJCtry ;unsprüagiioh einan 
Qegiansatz der Ansichten! über Idie Beeeditigunge&ldeiJCpoiiei iind 
später ^och andere Gegßm&tn» befeeii^bnet haben; obgleich ; fevr 
ner> ^ im .Umerhause W^ tmd .l^ry's: gibt^iveo) k«ta mad 
doi^b>;im:! Galten sagen * dass die T4»i:9r's. im; Qherilause iHegro«ae> 
a)e4ir.^feudelistis<&e Agricullur aufrecht.auiierhalten auilhen^.;dtber 
Pix»l^onisiteniSind».rWätoea4 'die;:Wbigsninahc. idifirmlt der bt 
dQstrie:)^rbuMeQe :nplercan(ile;Agrk9iltWi>r uad IMmt 

Gegner der Kornzölle sind. Dies ist es nun^ was die Tory's des 



— m — 

ObMiAoses 'dcff.iPäofaleriinlieb. infadilf^ wlfairend 4ie> iWhigsiklte 
Mioiier der 4Iity üiiMk) Ehevinimtnm 'eyonpatfaigiren aiieh .Meder 
die.Bicfal cBispretiienden Parteien der beiden /Häuser; undi^vk der 
ÜBHPquie XmiiMioKme. iiki Oberfaiwe sich.Mdfca fi>t, iden non Lottt 
dun -gevihtten Baroa :Ao<A«eftcld lia's nParkment zir: briagen > im 
kamt: er anfirerseite. der t ABbäDgüditteit der mtiston von Städtet 
abgeofdneteftOoniiiioäenivgewiss' seyn. NittiiBt mki nun nodU»dies 
biilm, daes^ daigewöbalicfa «inAntagotiisamia Statt findet z^obeta 
den rJRdnikälrbciieiip <uiid'ik»'FUirikh^rnr,: jene^ iti.dJBti^ T^tn-den 
fabfi h h er r n .gBhaBgtea^frory'te eben» dämm ihre Frieundei aii?.i»dieli 
glauben,' naaieatlitiy seil den labgesdudVl^n Koii^cöUea die« Her- 
abeeUiäig des Arfae^loltoa ^Mgt id^ so siebt man, dasis.diesar 
PirleigegensatB.^ fiHkkür.En^d ist, weil er diurb das sieb 
Kr^ueen der Gegiendätae di^; Trennung yerkindert. -trr Diei enigiisehe 
Crliedfitfin^'desilegisktiveit.'KdrficiM ht vortrelBicb, nicbt^: ireUer 
ta*zwcaiHiRMer'aerfiUt, ßondem v^eil dies Zerfallian^ auf. gegebeneia 
VerbÜteidsea behifat. Darum fuhr .Frankreich so sdilQcbty.als 
esEngbihd ram BUisIcr ^nebfenen NroBte. Die Btetaura^pon.liatte 
eni lerbliehe Pairakaramer-und; eine gewählte. Deputiktelkkaniniar, 
ant Mane1ier> 4er durch 'einmaliges Liasea 1t)n ifoniaifttMutt-baH 
röhmtem Werk glaubtiß' eih. Politiker sa seyn, Terspradi/sicb aiel 
fiutes^ • Er Irergissi dass dn Frankreich der Adel rlingst Hofadd 
gei#drd8n: war, dasa er sdMm foit Bkhelieu voni dritten Stande 
gehasat . üvarv »iveil ' er ; 5 Mfliioneti jabrlicbe Pensian gfazogen^ batlc^ 
dasa idie/Eaugraüon ihn »icbf beUebÜ geiaaditv dass idie Milliairde 
(dlesesiisan MhnangwVöti Unreeht. begangene! Unreeht>jiba Ünidea 
Att^tA ideil Meiste mdrafisei verniphtet battp. Es. 'ging atdit. 
üiid^danDoob'^Ätand ttese iPaJfskamiber hock nehr'' geachtet ida^ 
ak 'dia nacU derJuIirerdutien; dealn sie war wenigirtbns «iillich 
gewieatoi Jetitiabelr>!sadb'man , >ii%gen del* kdnigüchen Eriienanag, 
ib .jMem PUri eine Greatnr des Königs, und trot» der gfenzcndcn 
Talente in4h^>(eiiiige/der: damaUgeb Paira sieht man noch keute^ 
in-^de^. Nalloaakeiiiaramluhg,: als die Bedeutendsten an) kam sie 
zu -Heiler; Bedeutung, uhd aadem Mängel einer geachteteit ^ntten 
KaflHiber lag es mit^ idassi zuletzt sieh die Gim^verii^ aisunhait*- 
bar .erwica*:. iSiei.iwut.:es,N \aeü sie eine Copie war uafd nicht im. 
VeOie wunMt^, ^nathtitaubiikai. erwachsen Wan ^ 
. .'Em zweiter^legiriatiäerilftriiier, dessen dempesition 9idi> wenn 
afeidb/liiidit ^aa:; langa^^u wi(^. idiä 'des^eDgüsisheb, 0Q"4kKb' geiiauflie 



— 100 — 

2^t bewlbrt hal^ ist die lüei* Verfeihigti^n StaaUB« .AäAet 
cerflilt faizwei Hüusor» den :S«liat ulii (UsAeprasentäDtMlam, 
dio abei^ in keiiMV Wdte nlit deni' eiigUscMn Oher-f and' Dntc^ 
hau» Bii ^eiglelAen sind. : Vieliachr^ da Mord**Aiii«ika ein 8taA- 
ien^ertiii. ist ^ so muss.In dsr Gsselsi^bmig das Inispesae 4er 
eidheit und ^a» Interesse i dbr kimdatu fltaatan wdnrgenomoMi 
avevden«. Baas dies siciMrr gcaduehe^ dazu, dient nuB ieilie C^ie^ 
dmhinig, sto 4al3s inr Sienät iik Vialiieit ivpriaentiift wird, indni 
derselbe gebildet wird am je zwlci Stnatteen }edes EUiidlaiaataa, 
die duvch die legialaüven KAiper der EinzflstaHten briiaani Mrden. 
NeMen dieaein (filaatenluKaaia) atekt n« iaa Bepriaentaaleii* 
kftas, m welches dach Pro^portiKMi 4er.Set;^kehAig, so dasa der 
^rbsscria Staat mehi* acfakkt, ah der<Ueiticre^ RepvJlaenlafitim der 
Tepeibiglen Staaten gesandt «terden^ ahiar auck hfei> mit der Ba4- 
acbrfinhudg, das» ^He WftUer jedef Staates innr einen AagakArigi» 
ibreBi Sitaates wfthlen dürren. Damm reprinentMt dien Him die 
Dnien, vHiA abo ein anderes Moment/ als da&andeile.i WeMi timt 
V^tAwgtffag beider niaht eniek wird, so kkät ea aick hierfaein 
Mtemi lAnch bier* übrigene* Mge die GtMiff nUie,.daaB der Vm* 
tavisnina find der Parliculariaiiiaft in. einen ' stetigen Widarsfferait 
tflteii, wenn nidit^ ganii wie ui Erigland^ ein^ Aieien . «chaeidenn 
to, fiegensatk htts Mittel träte. Dieser Qegenaata, der sehen in 
UTaaMi^loa- lind Jtffmrsim ala Oegeneidaß der Fftditniliaten nlid Br« 
mMaUsir q^ler als' Gegeiteiltsi der Wdjg» und OemoiEntM Mti 
abigi^ manbt in.*neQ^rcr iSeitidM fifegensatz lawiechien Teüheid»* 
gern .der Skläveaei i \xaA AkoUtiniustefl Ftaftz:^ .wdeber eine lial 
«iMger i^^ale lind philbntki^piscdie Bads hat, nb liaiiche:;meieM^ 
\M imiWesentlicheiidem dna gresaln :Utt* des Ueiaett niitiia-» 
duatrie yerkuiidenen LandbesitBks adspifiiiiti >Audi> Hier: sidd #s 
gftade diese inm^halb b^der HlKiser auftaucbclHles, yopibeife^ 
kaiicn fiegeiisätae, welchci sie m : einander bindtli,' Apok 
yaii) der nordamerikanischen Einrifditung wefde ich sagen kdm- 
nen, sie ist gut, weil sie durch, die gtgafaenini Veikäkriisse 
poetidirt. und ihnen entsprechend ist. ^ Gebn wir nun anck Hiert 
wiis hrorhili VM England, auf Frankreich übeci so hätte dtcsea 
Mhei^ iaeinante au einer CompositSeii' das. geaetzherathenden Kftm 
pers gehabt, die Etwas dem Nord^-Anfesrikaniadhiin AHahiges kitte 
geben UUm^hi >M ; niaDen diils die Broniiiaitai mit ihirea SUliden, 
Toniidnqßn: JUan^tHob ftiidge in kohdr Aektupg sn: ganz RfainkiiAkk 



slMUett: Di« KeroMiM 'tduAei^d»' Pumaxte aB^ ufal AHdi, m^. 
tndiltoticfll war, uwdfc lU» derDvparlementseiiUkdinBg ^nird. sd»" 
sicbtlkh iätini UngMvVeiMv Biitricte, die «bmoi ttanlaMmH 
banide MigAöit -liiften'; :ta ttfeniMnau Als die Charte Lttdwig 4* 
ISteo l-cfdijiirt wuHe., hatte daa FMvinaiakBeiwiunlieyB.aidhi faat 
mtiartik^ ein Bapartaiiieütal4l«aruaite7tt aber* nicht gebildet^ moA 
to iiMlati •ta' €iaeh ^SMat ii» AmiFUnniadUcn Sime ebe* j» aehr 
dla^ fiata»,' mi aie btf de» dWdi Verkauf farr NaAuMialglter M- 
splitterten Grundbesitz für eine Paitlar: im: dagüachian SUMa ftK4 
IM^ Nach atioMileti iildiimai' zu scfaUdaini» ioMinI -aich fetzt, 
Km ^ beinitir'iwei Glaierätibneii: (danenl, in. .den eiadalnaBi Bei-; 
llartemeHls ei» Gaiat a^koiaUerZubaainteigehöiii^Edft zutc^geDl' 
»fMigateiiä das< bis« dahin «nerhOita Faetitfn, dfeM»:auf 4ia>l)ep«i^. 
tttamilaterhandlun^eii sttlhet ia Piria geacMetwiirdey dM. die« 
DepwrtaiieiiCsriitbe sieb aia «ipe Macht' eMeisen ^ zeigt; > aitf einsl 
BeeMtraliaatioBi,' weloHe / ifehiil hiebt «iae'^ äa C^n iami^i 
8<Aefi tritt^ vidleicht mmaü eine National«- unid ein« Dej^Hemtelalw 
Ksmmw gMk. rttdeea tstfa b«siMr^ Ton IfrUmenlaar dai^ Wirbt« 
Kühe a«rficks«gehn; ich thue ^ ihfletn ich nrich m. 

Belgkett wende, wekhes, indem ev das 'Prbb4jaUr ipaKti^ 
sch^r Eliaten^en üb^rdavert bat, «in; gutes Vmniitbeil* fdr ü^ 
fämrMitiilig seittea l<9gialativeii Körpers erregt Da* BUlgienV'gdah- 
üs C^egettsata gegen Nbvdaüiaviiia, laelohea-ein Buid irei^ 8laateil' 
ist, €ihie ^tiirn Sftaat gewordene Pk>ovinis dar&ietatv> ^o muad man'^nMil 
iMint'b^reltt "TermiiibMi^/ dpiss' aein.<8 <iii ä'i und Repr As«tf iäs4le]ir>^' 
ha US mit dem Almevikaniadian keine-Arialogie darbieten wird.' «Beir 
einem SDttat wie Belgien^ 'dcfr ancbt'<gtxiss ist; dtar reifi industiM^ 
ter Alt hin, indaas auch die, in eidMlben'Pra^nkievi MmsiMi^v 
Agricvitttlr einen iiiisrißäntiliacb<-indiiairieilen Ghai^aeier bat^ 'kiÄtf 
ven einem' Ober-- nndf Unterhauise im e&gliMhen Slutte' eb^n sd 
wenig die Hede seyn. h de# Indnsiri« ist kein GegeAsattr sö' 
widifig, tU der von Arm; uii< Deich, und die^ Interessen- d«r (SfA^ 
pitaliaten und Derer, die es nidit sind, kdnrien sidi kreüeettv ob^' 
gleieb Beide lAp den^ SUat gleich widitlg sind« Damfti itif H(^^ 
direct' md indirecll dif eeHsne der leitende «ericbt^ilktv Nltiht 
nnr, dessdi» awi' Senat wAblen, geeetelicb die 'Rb^be^tt^ U^' 
miesen; die dazu gewflbit werden, mAssi^n es fatttj^ch seyn , w^il^ 
sie^ nieUt, wie: die Repdto^t^tmn , beseitet Wf#deii>. Ah<$h hi<$t'' 
ktantei bei der (idgang iM^^ cteem Kriege MiMheil» RMeb un# 



Am, «»/sich'überatt vcigt^'idie'fieftlii^ «nMA^ /d«B» beide-^Hi»- 
ser gmx' aasc&iaider .gingeny twAim auieU ilicbt .hier ^iQ'*}Mra 
kreu^fnäerOegenBatz' Statt finde; den Viole •»» ttbr bcUigttif 
orb^Ietdi' op doch dsteu dient, einen. ThoA desSefiatS' tinem TMI 
desi RepräsenUntenhauses näief lu. brii%eki.. Dies- ist: deir €^fg»n4 
datr zWiBcben dem. Gemaoisdien «itf GaUiscbeii, |B^selMn..VltaliB^ 
grir» «d Wallonen, ohne welchen ani6 fielen iGrundett, öb^ nicht 
hnerlier»' geboren,' TtcUeicbti die !. Belgische Monarchie dem: labvft 
1848 nicht widerstamienhäite^ '',.,: ^ . 

• Ich habCiiidi^ Einriobtnng.in«dic0en dilei iLiilderB stf aasfiUNT'^ 
Kehl betneieblet, h^eil jed«: in üireriArt :91t. ist^ obgjteiäi: sie^ alle 
drei ganz Terftchledeil ekNt iHid< weil loh daran i^gen »wettte, da»« 
man dne ' |;abz beetimittle Erfcentitnies' voni d^m- haben kann,. Waft 
ein Pariament seyn amss^ ebn^ daas .mjan deshalb: «1 iverlaB^eBi 
brancblv» dass es ::in Bdgien ao aeyn massiv wie 'in DlonifliiMfikii 
oder bii^ ao)wie> in England« Ich habe aber noch« »etnen aadem 
Grund; 'Dag; WichtigMeifür ni» Ist. doch MHner, i9ä% mir zu d-* 
nekn 'festen Hrtbeil kommen, nicht sejv^ol hin^ehtUcb.d^r Ginrieh-^ 
tungen| andrer Völker, ' soindem hinsiditlich ' unsrer. eignen« I0. einUm 
sohhep \Urihdil aber Sie hinznieiten, dazu erfiebien mit fler Weg, 
den ichi em9cfalug,/zwarnichit ^)s der knrzbste, webl abel* ü» der 
sieher&tai ,, Pf e us s en zeigt .nl)mlich so - dempiicirte VerbaltaHAe, 
da» es Anaiogieniund BeR6hnung8}luiikle.mir den eben>ef wähnten 
Landern, daffbietet: und dkiss. ^en.dt^ wegen. eine Ghederung 1. unse- 
res legislatireü'liöiyelrs guti.d.h. ä«bt preuadieidi: aenn 'Wfindey 
wenn.) sie gewis&ermaasrs^n jenglisehi^dmeeikduisdinbselgiach 
wäre« Um ibier nikbt in» Biauei an aprecbeii,; Hill icblfaFe Auf- 
merksamlteil auf die Jesohaffeoheit unserfea StMtes richten* /und: 
zeigen » wie I naeh dieser, wenn wir ein Pariameat «haben aellen^ 
dies znsammeagesetzt seyn imuss, dann )wiU ich aeigea, ^w^ tiu 
diesem Ziel auf normalem Wege; dt h. ohne Re¥oliltieii 'iS^ gelan- 
gen; geiKesen wäre, mit Beidem will Jkk danil, was jetzt vermittelst 
dervReFoJution geworden ist, vergleieben. Dia beetehtrnun erstlich 
Preussen, .wie die yereiniglen Staaten, aus eikem >Aggregat'versidiie- 
dener zji verficbiedenen Zeiten a^quirirt^ Theile^Pl^vidaeo,! we-^ 
niger 9tt Labials dort,. wei4 jede ungef&br so gross list^- wie der 
grösste unter .<ien. NQrdamerlkaoiechfn Freistaaten. Alle- aber bil- 
den ein Oanzes« das mefar oder, minder gemeikisohafibliehe bietori- 
tjcbe Ejnnnenpgen Mt, nod in dem sieb, .w«nn gleich in ferschie- 



— 101 — 

(NtMrlicb: i«l Üa» ia.dcH jdageTa Praniuea weaigerider l'all als 
iii'deo iUfreD«)'! iveäeu» > eUkHAlt PreiisssD (ivie* Bngland) dAni 
Geg^D4MiT.«tDi' r»faan iickifl^ban, wie er-iiammiUich in gr^s«» 
Gaiecüsidi'ZieiglriUQd den kleiiitrn jAodlicbbn liltel^esBca, r%f9k$4n-^ 
tirC> torcbidia.lzu Settmndbn v^bmideDen Battern«:* £sfdikihl»i 
dabctt aii«b nichl -der lanaloge tiegiaBsatt imfttidliscifajaD Lefeea ütad 
ia der Industrie V ^o Hagialrate uad Stadtverordnete^ Fabrihtwten 
und difttikUiiisa Hand#erkcar dfeasii GegsBsati desOrosseo- wul' 
Kleinen reprisedtirenr' Diüteos ab#r ist «der Gagensatz y üMAet 
die Weli.bebervdebt'iuid der in Beigpen Astder eintige war f in« 
Preasieh . » gldicbfaUs ixu < iod^ , der von lleidi und ' ^ Axm. 
Data- d>er, nm i diesen drlBifachen Gi^ensatz iza geselaScber 
Anbrkennuttg bei> der^ Bildaai; • der Gesetze zu briiigen, ke^' 
ddfffte ^s' nicht letwä aeUis verschiedner Hiuser oder* Kaiunei^ 
Zwei ;eei«fatie* atHdj liier ans. .Denke omh sich ndiülidi eitii^roM 
Timenhanisv bestehend . wie der amerikanisdie fisnat aus. gleich' 
Ticiett (etara < 20^ HepriseütaDlen. jeder > Presins ; uiid> üebcn i dtiosel«: 
ben /einer allgemein^ Landtedainimery wo^fnach Visrhäitniss der^Bs-' 
vMkemng Abgeordnete:' aller ProTimen, oder'' des gavisen Landes' 
sitaen. Denke, nnfa ^ck^aweitens.eihe Einrichtnog, dach \lirddibr 
das Pröwnsenhous Ihesls 'ans^:Soldraki besteht, die: sehen durch äir' 
eigoee Interesde ailf de Ftederuhg der grossem: Landinrthsdi8(ft> 
ansgUiny 'tbeils aus Sdlcben, deren /eigenes loterense' Hnt'>diaf^ 
grossen städtischen inttoeasen «» Terschmoizen ist (alse- ^esitzari 
grossen Lftnddrstrccken und Oberbürgermeiater der grässeh>S4iädte 
aonwid die gtössten Fabrikberrn), wähi^end indieLahdeskamnMri 
SiAche '^hineinkbniläcR soMen; welche durch das VartrauisA derer 
gewifait «wurdl» / ' deren . Ininresise das . kleine ländliche- imid ' städti-' 
sdM^ iat; • Man jisrethige emBtch dataut drittens Einrichtungen/ 
wodui'ch 'Hoch «iofarer,:als es sidi ubrigras durch das Zweite sehen 
von selbst \macfaeniivird, die Interessen der Reichen in tdem ei^t«' 
genannten» idernmlüder Reichen in) 'dem zweiten Hause gewahrt* 
sind, r^ und es. ist' allen entw]ickeltsn Verhältnissen ihTi Rieeht gie-: 
scbehn* — Wäre nuii im Jahre 1S48 nii^t eine gslwall^aaie Uater«- 
brechung des > (leider retzögerten) Enti^frieklungsganges eingetreten^ 
so> hMte sieb, Was ich andeutete, bei uns ganz organisch' snient* 
wickelü köimen: die Provinzialstände. waren' da, eine Einrichtnäg, 
von .der fKtlbf&n vok 9mnhM$ mii Hedlt bemerkt ihi^sie^mfissei 



— 104 — 

dmnal 2» R«kskMlliid«ii Mbreb^ Hfar mmim ^ Mra^ibdctah' 
gdegraheiten besprochw i^Mi Smlckttif ifcireii WlhllcdMiit Airdl 
liBigjäbrigäii Anrndfresits ^ia durdi das fiaMibtii emM fi«wer- 
k» bedingt wair« ond tu wrtcber th«ik^ dtr GubntiMii, tiMib Si&^ 
riiditufeii ttw* Wohlhabende wählen liesBea* Mm hatte in. dei* 
Mäte^ Zeit au» dmaelben AttMidtdaseherTiiivgciuii laiMD mi die« 
aelbe» in Bertio utersanmelt. Bitta bma bei dltser flttageirtieit 
mglMcit wonach das Varlangiin schon langei laut gawdvfcn kar^ 
dia. stiAiicben bitaraatw inafar lerftclsiabtigt;^ aar kbdntini ^die 
AoasAässa dan AöTaBg einer » PhavHneiii unmer abgeben ;j im aie 
oben eaachiidcvt ward^ In ihr 'sisMh die Standeahaivn ihiti iM*ew^ 
wenigstaaB' fadÜKA, mwertuaseFliebani Besitz, sn ihhen koBnleli 
am: jeder ProaiD:» die gehörige Zahl dar Besitaar den ^gröaatatl 
GüercaoqileKe aebst eben soiTielen Verlfeterh derigrtaMHiaettdtiA 
seheiii int^resaan kemnien und e» ward dabei der gtro»» Vovfhiil 
eareicht» daas diese PreviMKfikainmer das ältere Uurtitul ^ntr» aiileni 
■kaii dann ak ekle jAngare Sohweater eine tweite KatnquD hamte 
hkuutifeteBlasaeln, die ana^ nicht fon. des PFeviqaiälsClBdeBi^ somieio 
Y4MBL Geilaeindeft («der mnn es seyn mnealie) RöpfiMi gfssrähkett Ver^ 
trelem des guizen Landes bestaidi Weder mh mier nenmodi^ 
sehen Erfindung .noch Ton einer Machahntaiig fiaglands war. dsna 
hei der enIeD KasBiner die Rdleiy sondaitn sie imt gecade: die 
Utete und ächtpreuflaische EisrishinngV die den üiiaaiiiteidwng 
awiicbda Vergangenheit nnd Gegenwart bildete« «^ Der Augeidiltck 
itl terpasat und jetat ist die. VergaBgenbcit «ad die fieg cmmt 
dütA die ilaY(^tion gelmml::, in- dte*, solll» wob JBIwaa g&woBh 
neai aeyh^ Unwiderbringliches verlorea ging« Wie. liat tich nun 
die. GlkdBEitig des li^islatiten [Körpers gestaltet? **^ Wie. die: 
Verftiaungsurkunde vorliegt, iet sie nicht ein« Werk< ana einem: 
Gnas* Die am SieH December 1818 vom König ^erKdiei» Vcfw 
faasongsttffkunde sishloas' sieb so enge an den ]&itwuirf< der^ Nation 
nabwraannnlBng, daas niditnor die Neue Pransasstiie. Zeitung eiiy 
diai 3»<4kartB W(MBeh^' genannt^ sonderte Waldeak ealhat in dem: 
belBamitett Proceas öffbnilioh aül^sprtidien hat, im Weaentlidiea 
sef) sie daa Werk der NationalTersammluhg;. In .dieser waren« mm 
die -* (ob dnreh Talent oder durch dieEiensoite: auaeerhalb der 
VeeaanunUmg., ist hier gleich riel) ^^ einfittsarmhst^'MitgKedar 
seMn>, webhe am. Liebsten an die Süalle dtar Fraviman Depaifte^ 
s^fseteiti hattel|^ dnd die Umgeeialtug der aben Gendmde- 



— lOf — 

lüAiteuo^ UfAigstewvaBgifüi^if hatten. Dkfi fteWklin dtrlfri 
kimdef wßi b. hwmü nft tilgtci Mmdi««, ii¥s»:«tiesir zerMrifidtii 
Tendenz entsprossen war. Noch mehr geschah- dies»; ihi^cli'^dia 
Kingüdu^i Botschaft twn IteH Janaar 184», «Uidnrtii^ «ker ät die 
GKedsrtng^ der lännitim Hiebt nach eintofr bestitthntett Mn^q^ 
erfolgt, und wenn diuehi fn Aflndl^ imt angeMhert, wttS' ieh M» 
das Sadigemisse halte, so doch ihm no^iiäit^'f^ obktdink* 

Durch die (freilich in mancher Beziehung bedenkliche) Ein- 
richtung der Diäten der Mi t gl i eder der zweiten Kammer ist, wie 
in Belgien, dafür gesorgt, dass in der ersten Kammer nur Wohl- 
habende sitzen werden. Dass ausser den Prinzen und den 
frühem Reichsunmittel^cea w^ erbl^ptM^ iijyMer , deren Stimm- 
recht an einen bestimmten Grunc^atz gebunden, zur ersten Kam- 
aticr gthttreai'; iM^gcti^ (Mtfiribeis^r vi^ei<Ait »v«^^ ^Sr-S^nli an- 
statt d^ Fa^en die *H«rt«ahallen ^HüigUki PßM^ü , ' an ' iMlelMli 
der Sitt^ üoi teüerHeB Kammer hafte«, waef den ettteradhaäi^r 
üaiMk ifürdßi \ BiAdmimg, yw den ßetti^inUeraihefi der gf IsserM 
atftdtBigew«Ulen,; Hüglieder sieheriv de» gt^ssei^hstldliMke« lü^ 
tcaneespa idiS' Vertrelwig. Ob die Htebstbesiteliertetl , w«tette 4i» 
neunzig Bliedeip' dieser Kalnmel* m wthkniiabei^, bes^itfAsrä^ Städter 
und: Fdbvikantt^n odär ob sie f orwiegend^ GuCsbesiUer sind; dawÄ 
wiild esx abbiegen, ob die liiti^pess^, die^'sie t^rü^litett, gt«liAH 
miisig «in» >dieseir Kammert SU Aren Rediten> gekomnftetil srtiidritM 
erstem Falle könnte das llndiiiAf^j im «Weiten dals «tadüsiriie« Mo^ 
mevt au kui^ kdiadKSti. -^' Am »(Cigfeii ▼ertntsse idi diei t>i<e^iizielle 
Betf^utaiig Pieper Kammer; Praictfscfe wird i\& hoitotlieh daMrtA 
heviMtreten:^ daas dei^ Mnfig bei dMm^'Qtia tu £hiinB)Midtt«( 
diei Proviniftn i^iefamässig bedeMres wiird^* iind dassdi^'d^eiSMif 
Sliit* sich zieflliich nadi trmiBxm verth^ai.' Pl^^iliclf M tangd 
ea HHii der ProTipsBiak-Eänrich^ilig sO' sUsMt, daSs üe^ Siftisn RediC 
Uahen^ ^enn sie ^en, die ProtimrialaUliide^ sey^n* durdh ein 6e^ 
seta- aügesduJI, undi 4ie Andern aa»h« Reekt, wenn sU( 'sageii> di^ 
B»TinaiaiBtände beateben;' noch, weil 'sie nicht in äirü Aull^ui^ 
eangerariiligt' habe», ^**^ so lange isit auch mckft^ au ^erwiirten , daeir 
den Biredrtignng Ar proviaBieUen^ InleresQen in' d^ OIMdiiranf 
ddr Kawttiern' hbp auaf^esproehen wird« Dass^ eine OsstalCatfg' 
derseKeff in ähnlicher Weise, wie icb siB* andeiiletis, sacbgemäi^ 
ist; und eheQ< daaum afein derKanmiefwKimtiAtinii^ftafterfewttM' 
reo» kaMiv^ da» weiss ich^ danmi idwühott ich Mch,«:da«» «ie^ 



— 10« — 

kulimeli wM. JrdUch; oK 4i6 ZeH Us zum 7. im» ISftS teg 
geliug>i»tv um ynlea Verwovme iioi|h>abziUiretl,.'das> ist eine 
andre .Flüge. ..... 

Sumifta liiMe Of^diäsdiioii: und €onpaution eiMdi PeM«Msto 
mtig«!, WQi4w HalipMotereisen des. Lande« igiekh tertpeteDeihd 
«fld.<toruin, .aelbsl bei eicb geitted mecbtadem Egoianms, dep 
Staal. nicht, gefäbrdelwiedv 



' Sehnte Torieisniigr* 

J)iiriph eine «wechniimge OrganiaMien desPariamenU iel -viel 
ge«chebn, um sioher au aeyn, daas die Geabtae 4ea Staates )gni 
ainil> nnd geaelftet wecdenii VieU aber lange aodl> nicbt Alles.. 
0«s Alleripeiaie hlingi von der BescbaffienbeH den PeMInMchkeileB 
abl W€J|ch^:]n dßna Parlamente. sUaen. Geiads deswegen nämlicb, 
w(ti) 4^^ Nimbu^' veracbwuod^n ist« von. deai ich .fruter tspracb, 
d«n der .unsicbtbajre Unsprang der Gesetze über^ atei.v^rbreitetey 
deawngen müssen sie jetat eine, auf klarer Biosi(^ der Gebor* 
dfendenberub^nde,. Autoriüit haben. Zu dieser tsdgt zmädist 
4ie8;9ehr viel bisi, daas sie!:voii:)|aonem igemicbl wiirdan/ von 
denen, man.. da9 feste erwartm kann* . 

. Daran) istdiier die Fi»ig9 i^on grosser Wichtigkeit: Wie möasea 
düe.riariamentsgkiedfer beiyohaffesi eeyn? Da die Fähigkeit, den WU^ 
]m des, VeUoes auszaspreQhen^.veader poIiiiseheB Bildung abking, 
oder dnm., .was wir denlotelligetttenPatrietiamus nannten, dies In- 
telligienz «id.BiWungeber den ganzen Menschen bebsst, so wanden 
win lals.lltfnminn v<in .Anforderungenf dies ausspreehen imftssen, 
dnts Ale Männer von Rüdnng sind, dass sie sind wie ! in Englahd 
si0.aiigffl*edet werden, i^fandeinan» ja dass flüau in ihnen die Mb 
den. Bildftng,. siebt. Jede Retiheit ? in den legisIatMeii Kammeni 
schwächt ; des Ansebn der Geselae, weil namantüeb dem weniger 
QcWlddMli» Bildung imponirt/ ftohheit eUei* foniiiir ist. Ltider 
haben MMin in- dieser Hinsieht wir nicht Ursadie ; athr stolz 
aa«. aeyily und* n^enn*. auch :hierin.wir noch' nioliA. so- weit ge^ 
k«UMn>4in<l wie die- Amsvikanar, die sich {sdiroft> oder > die 
Fntnaenan, < 4ie >; äich idaesrischen!' thitlich. an . einander ver* 



— WT - 

veirnätiiriiiag ,nidtt tspiMiiii^M hm demalSlUiiBgtii! 4lk. B^tttaei! 
8nigakad«inie Mimto ih die Zeit '^vciisetite , • FraiiRaÜrnieMer^ vmA 
f«i&e. LebwiBart'MOh'.nichll erfiindelit waMO.^ «bctadem »(^ .aaC 
spitorenVenamiritiiigiia' aber und eri«Mr^ »^ ZOfe^ Mnidtudoi 
BBMrgeonfaidleii GiMdr , ■ äbndem ider. tMatedoTc« W«n r » ^ ieü«!! 
antorer: Mhern.: legiahlHreii . V^fsaaiintatigeii d«r 'Kti«(|HlMWSter 
gemgt dalie ; der : mehtjäbiige : Dianst ley fär diiei, ;G««&h*iiiigi jmi 
DiMp}» «wioiiligv HodlniiMiiMe^ .«a pMiutoalei^ juligerlbB»^ 

sottdem bin 'griiiU|xfigir Obcortrii^iiBabralh <uod atterkmmtor GiieC 
der -OpffiiMlioo tmkh»- sägt: Der Miiii»loribli'jak.«idtot isugtHtan*! 
dei|, dass der BlehrjAirige J)iieMit dazu! dai:tet,^,,tim^VQlktf•illdlidl6 
Geaulkilingen MnzilAicbtebi^' , jio vefrftth dksd n^ UabettrabiiM 
n^^ttb'SoiTiei Aildang', atssweoB .ia .cteek* G^aeUdckafiy Um 
J«lna«d:flairi gesagt;,.. dies Fräuteiki iiabb 'eine' etwfeia Imfß tiMi^ 
kbMaaapoaaMeD'woUle^ eribetauptei aiei.bahe* leiHen £kf»baBt#iiti 
nikaseK * Biii äiidf>e»fteiapiet,-'dai)UiiB idiber liegt:' Wenn eialsaim 
Ummteebende» OppliBilioiitglied in fiefenwartl.des.iUemi Müii^ 
s/bn-wnMnUeuffBl iima .^S^istreiebem IKdUterajato uHsena^' «|lri|^i 
und, idil Eimgti «lUrrea^flMrlfabrfi.M „Sie wctdett doob inii^l isii^^ 
MB^.dns' Ifere >fiWsai..gaBtfeiob0F war.ais Herr iM if4iaii4fhl9 * V 
sot' welsa man> wobl, was uater T>er Augeda. auf* eine aokbb -.*r^ 
pariamentaitiadiQ Wildling .gdiftrt, aber nfcbt-wab .lordtotrAngenf 
dea gauaen iVelkea/ Ea «t 0ewiaa niobt an b>beiv «üito-vdni Min 
oistaiiNdie Aaspidluogc^ anf di« iCorpttlenz aines OppaAitioab»- 
gttadealjgantaßbt ward^o» aber wenn jmnm den.ateoograpbidehenl 
BfifMbiaa; gelten ibati, was :in uns^rm «Pariamei^. alles luld'vvi« 
esi IdmantUcbigfsgieii die Miwster gisaagt vUtA^ beaondens abarwenal 
man '.öfter fiele|^wkh0it «^bab4 .bat, iii; aabn, .wie es beiiidani 
j^ungeu hergebt^ ao wird, mm darObar milder.: urtbailesiv bldü 
dam robeannd i^yniacbeB ^eiat, der.aicb in ;ii>Bi9erfi> lagiftlaltiYieil^ 
Ktrpem ,v9ii iabn auiibl^rniebr eingebürgert hat, der si^b fnioht 
eimnai vordenen.verbii^t« die auf de^Ei Tribwe« .aititea und ..«ft, 
gymz :ant$iMt sind/, aber die .Arti^ wie bei ..uns die aiob* li^lrassii» 
die Qbeif StaatageaeUe »ntsebettkay. ^ niagrea awbwer D0y«»*fi)eb 
i«aier in; dcf9. igieb^rii^B Grenzen., za balteo. Auf. das gute Vor-/ 
urtheitrwtieli^a d«tti Geaetaan ejMgflg.en komaat« ^ereiivUrbeber 
die: dWai.ideriBildurtg aind^ werden die.Aia^nigeo .w^l »Mobietae^ 
MÜimi ! H^aifien ! m^sffm -^ - Viallei^t r {abfpr* tiat . die * Yaraiise^klttiig»^ 



— 109 — 

die- idhf ib^RAiß, di8# die^fliM ein; fiaMes.'imU kietimang 
geeeUtchaMiclMr eintJ^berfliiBs eni poliüMrer Bikhmg ndil' 
hm My, finUddit ist sie Mtch. Es <^y<! SdiedKea vrir.JtaDciB 
iieo MMhiDg^ MdPolttor. Babewticb aber bidier iiBn>^ Isgiila-* 
titeii 'Kammern daihircfa amgeseiebnet» chss sie feste' poldtisdi^e 
9nttcipien'«n(i Saehve^rstaiid in irolleail«»Si6 dariwtaa? Was 
die-eretem betrlffi^ so wftrb et ühI ein« Wdndeii zo nWieDf taean 
wsereifiaiMi^glieder sie' batten^ d»'die iSbntiichd^ Meieoigl we~ 
Begatena 4i9; welabe aieb in Eettni^e« upd HroKhftteD. «lUBpiicht^ 
fesU Pifiocifue», ja nur celiieeqirente polilidcÜ»tADsiiehlieirf>lir 
mmlilK au halten! s^int, sogar idte Maamhegefai^ iMri^ eia» 
^Teiildend^ verrathen, Ar ein UngMdL etUii^i« Setee» «wir -^ jm^ 
irnj^kM»^ ^ de« FaK, Bohl Polmeriio* wärde Herrn' d'iaraill 
iHk ei^ei> MIsftieh beereim, ao würde er oäne ZiwtifeU sdftst bei 
dttis Tovys^,' stdi T«rfl<Mieh: aaaehen. Wie Vielfe unter Aante^ diA 
ifl DeaitMdand Herrn ^n^ ßagwn -Ar 'den erüeg Staateiaga i hieJM 
tBki haben wehl^ wei er als Reiobsmiiiiater Umm Msmduel^ raüi 
Reicbs-tGoDlintssariot emamlU, iin seiner BeÜbigudg: 2te isaaifatai 
aldgeCmgieif? VieHcaehl nieKl Biner! Oder mi ein toäter Hegmi^ 
d«»iBeiapittl ku erwdbnen: tm Jahre 1M6 mtdinBertinf bei .fte*- 
legttiiÜtit dee bAaniiten Jttcady^sohiin Anireges mlep Addeni äwek 
von Bervn vmt RiMeritu dfagegen gesprochen, das» die Frankfarter 
l^ievaaftiiniikng endgttitig beschliessen ketane; in der viet donaeiiraK 
tifi^n tlegislalf>(reBf Versaunnduhg ?oti 1848i inH ia dem liadNri«!»«' 
sdten Afivlnige geaagl, dft|. lA Pi^nbfart besehloasene Vevlbaailng 
besitebe- t^nsditegüUig* ond das gaMe Gentmins mit ihm^'SllhBt' ein 
TIeii'der ReebteK, erhebt aicb, weil die^ in den^ PMeii>«rsii»in^ 
hingen eiiie ft-etie Frage (t) febliAben war, md jJsAei^ dt^r Her- 
ren bÄlt' sieh noch h^e fllr einen gi^oaaen Stealsmanii. Wir ler^ 
lebkn; es wdhl] noch, dasa man awehf Bemi Riebe EUMiennen «MF, 
der^li^tiiGelegenMit der Ehalten übei^ diel Deimi^tioosMiiib bei' 
diiem Beschhiies, der etgentUd» eine Kriegeerhllrtttig^ gegen Frayih^ 
Aiit war, durch steine Sthnifre aitein dem Auseeblfl^ gcdi»^ dfo 
gestern pr<t, hetttieeoüirnj' morgen' 'Wieder pro ww; \4«il, ^wie: er 
selbst erklärte', er von den zweitögigenf Debactto \y^eht ein'Vevi^ 
verstanden habe.'^ Wo noch^ so vv^eni^ auf pdliiisdie Mnetpia» 
gmiaim wiMi iftid w^ die „LeMter de^ «tf^ntUeben^ MkfibiMig'^i Wi« 
riA* «QM^ J^antfaMMHf sd> gern neittien,' duith' di«^ Lnihiidideien 
iteMtt^ MieftnlMikeiteW dte>!Autbietksaniftt^ tob <de»' Prüie^en 



iUenlMM, idä kün er iaiiiil! Viele gebtii^.di«.>dergiei«liM:ha)H^ 
dBBii.>üfaBraH riehtfll i«ih< die Waare Hacb doT MafiWhlg«» AiH^ 
wireaBe8.1tDcb.91r k0iti Bo ^rtMtes .UbgKlÖk, veoa-waere XiMirr 
iMVA. kekw.ci^Mmi Peütiker .imthieilea; das.Wfdiiigei« ial^.him 
ites ab dieMKigel der imMO GeiieU^dbUn« und VirMlltfif, 4l«f 
sibr die Badfl^rfniBaie der Kfeise kaiiMi, «eo ditota'sff^.abgeonJIwit 
ia«rdcB;, tiasa^He äberüenimereaseoi narii(^aidit bab<»aj 4ki (M 
feftretbp, kmtt daaft aie/SaefayMUttdigia eisd ili::Aiin,. naa ;da» 
LiAd fnebr imareaaiiti» efa difr/Mitik, in loerien, «MMnemieHaii * 
iadlMlmiim AngelegetihiBkaii. ledar, er img f öUliacb» Ana i dHe i i 
kobeii^ welAe er «liii, ^wird Ckvridlt le^ea «auf geaeürikto Baa^'' 
BMiBgeb aber l4|MlgeineiQdl»tt, denen ein ^Tappr aetnafBaMBUn«il| 
pbt^ und Jrird ^ Iraaern, wenn t fiiaMialk AI aaatfegeln . engriMei , .Wfr^ 
dkn< ab^ cfn JEttIktPi äfe geabrMch. bezbicftnet Leüer: Aer: aioi 
aolehe ¥irtaefte» (des flaehvemtandea bei una aelteni dttmU ditiAat» 
«ib man bei naja^ntta Parbment^liode md^ -^ iaaif : dia ich «n» 
^di kbmaMtt if«nle .-m. koalflil «a, datfl; be|i jedetn «teicilMli 
Oaselie, ikber traklitg debattirt iflrd> die Mebnabtder.fitiiOniaBrr 
den. niibte .iHin der 4aa)dhe Teratelft. »er Ptofeaaor bälubiar :dNl 
OaneindeondnOD^, der Sebulrciitor ..ober Militairai^legefiheilM 
eben a»»Tial'itt!sag^n nriedeMjaldmlhiuBd dee^Giatfenrii^.^iei lilH 
ttm ' in ider Kaämer < siteen^ nnd .den Jfeiatca lUil&.Uader/ isktnb 
din.SekilitinUBikewtBiils.dea NidilipMafena4: .Wie ea Mafieber 
in teäntam VUli^ dbel* nebmen wwiav ^wenn mte; aagitis, uMem 
Kaeanemitgliadep i^e^en di* äßüM tnsecee.fiiUlung^ aft wiid t% 
Mincbeni gälte, i^dbdierüler'ftrtiaiqitiing, daaa bin fieaetai wetcbea 
aie^ dieSacbventtndigaten, vdlirt, dedh.#iVaeyn mOana, otn^epT 
äaf^ ilAohieln- eDt()e^ena(eliati »wird, .»^i UnA dinnodb ^^iriU iäb 
den Mangel an Bildung ttiefbaüpi,: iväl. sogar den^Mkogel lan |^r 
ittisdian JMndi^n: uni fiachveiaUnd einiar i&amiftcr aiv GMe: hal* 
te», amn ^innrün £infeni datn Ijande ab üfttltelr. iioit9abKi::ABrifl 
niülicb, daaa adni «in eänDhal ala Gtaete faalgeateUtfiaty dess.we 
dieaes riichti^Kaeredilitt« Jcnemi beiden tonn nimlicb nodi dadatfih 
abgiAolfto weadw; ddes dib Bebfldniera und äadMmtia4)|enii 
allniibiig ei»'iJabar|pe^¥iriri! bebomiHilv libd idie Uabidgen aieb 
maiir MIen lasaeii, dagegen w>i«be deai fieaeta Aii.iMGhen habeik 
aeibic d»rin Vorauigehnyiei» dmebdktKaibmeni lieiiatea .Gfa«ta 
variehtttth m tniaeben^ ijlsv >wrden iaie:«[en:Bäohialrimi «Ml «tt föf^ 
dMTtt im ^ibeMattani« IM> Utit iat der JHnÜtt; tttiivon 4bhr wi 



Jabir •'inehi*'» i^in '^Gcbraacbi um '%iih i Igreift y idw «A . Mir. ein 
OiMfesen nMieii k«nm >. Ich nrnne hfiflüick, iwenti. ckHiGeaeli 
dmrdaigcfgangen • > isir, die ' öffenllwbaii « Erkiftrnngen der Mhiorf^ 
tit, um ed T«lr< d^m grostett Phblictim : m'idifivreditiraiw : Denke 
fiiMi '8ioli dedv hl idte lÄ^- der MehmbI in j«diem.Tolk, 4ie 
de«b -einin«! '«ichi ms .Sekheti beslebt,» die .gnifiles . Ab* 
«trareäon^vehitfögen ifaetenit tSie habin- Theil genonmen jaK. .4eii 
«hatten. ^ BerAfaiiAe . Redner' hebeti ^ ^wie die ^ slendgrapbieclieB 
BeriehCe iteen ertfihkn , den i Mweb gefOhrt , eilt sölefaer Bt* 
eohfoee ftef ^,polikiifcher WahnBiMaJ" ; es wiM ihnen «rtinedies. achon 
sebwer^ mtm um durch. eide^Maierilätiiiien .«waniig dder dreiesig 
da§'4kiaeto-Uennoch aiigienoinnien wuede^ au j^evgdsaeiiv data «a 
Wabnainn aeyn sQiHle. Endlioh beruhigen aie aicfa 4aiiHt^ diia 
llaa iar den Giftigkeit der Improviaatioti — denn, dafir haUeto Vtde 
unsere * Kauitherreden — ^ • gesagt ' iwurde« - Nun aber eradieint . .eine 
öffendicbe' Eridäning in den Zeitungen, . uBleraefariebeA .fmi den 
Matadoren der Oppositioiis die iedem«, 4er lesen IcanBi^ bewtiaen 
des Gesetz sey> gegen ^die ^^besebworede** VerCaaaung und eigeiü« 
lieh eitt-Eidbradi.' 16h ^n^ss ftr ein' sofehes Vetfabran nur «in«!» 
Namehe Auflietsiuilg gegen ^die Gesetae, und ich windet« misb 
iiiehtv dabs bei-'unss aeit>wir kgistatire KOrper haben^.die Aeb-* 
tbnf TOT «dem Gesetz 80*geacfa3¥unden.i8t; diea >iai/bei 'unainidM 
mxr*p4ik Jlec/ sondern pnopler.AcN?. . leh aage nä Ahaiite.keEun^ 
dettni>es.itt 'Uiieht einenothiieendige ¥o^ei4f» fiilifknenlnnaciien 
UrspriMigea der<'Geftbtzey wae dies fihgland beweisA, we'fmjiicb 
eM >Parlanlentaglind gaiia Mdbiii'.angeaehn .wkd, «Is btoi uns.« .mal 
wo es Ar Ufaneben'dasihüdhste Kiel eeinen.Ebrgiaiaeai ist-, Innter 
»einäi Nanen • tM«» F. setzen io • dürfen, . weil •dies- ihn kk dto Augen 
des ganzen Volks ün . die äUe Englands elellt. .:.!., . , 

• SMifi viel Mlglj'aa daaaeih üntevsichiede.dn. -der Art, wie eie 
inSngländ und bei ims aagäsehn aierden, ndiesubet, idaas .diei 
EngUiiider' einige ifiioridilunged nidit haben^iiweleba bei .una ftlalt 
flntfen.» Zuerst nicht u neuere AH .Yon.Oeffeiilliehkeit. Jcb bin 
dardJanä nidtt gegen t die i^nffentUchkisit dir ParianenliverhtoiHl- 
Umgenr^olfaiclir, >daidie Glieder ^eakelben.yiartrduttisiMniier.aindt: 
mtlaseh 'die Mandanten lOalef^nhtit. haben» zu^aahn, .Ob. ihn Man«^ 
dtitar aueho^RWiLiidi.'ihrA Inlereaaed wrtritt, ob- er* feiner^ vem 
er etwa Tet«piroiahen Uit; in idieael^ lOikr jener iIUiebUing:m>.lit4»r 
noni diea wirklich Ihnt^ um im falt einer uenanTMil «ab dart> 



— iU — 

aüh jnAum att: <kfitiilioi; Darüni: hühea .Mihi inilfiigiMil täm 
Xianev d«r:mr9dit«4Bmite».P«toii» aidi ftleis: gegen äk gekeioM 
Atetimmauig aA Koigelfi» . wo ai m%U- zu . cMiroUiral ist« . wie i Jtit 
Aeg .se9Üvmi:iMi eiilfirl» Aheiki daviU diis.UB|)riige» wiBtctt^jirfii 
iSiMT. slimtiity Hieiis«. d««tt Jeder ^deüMuth habe!^ (»aiM iAneiell 
au .vertfeteD. . .Bei fiuM : exiaÜFt dureh 4«» yerlfliHiliditoi4cr>8lM 
Mgn^iMdieB. ' Bffudile : <etg^llichi . teboB seit Aem i . VeteimgteD 
Lwiitege yoA 18^7. eine /.viel i^röBeereOeffentbehkeüt dck* Vfiftand-* 
hoigeo, als in Eiigbtfui,« ifo eg' keine .offieieien^eondeni nm* Sie* 
Bognf»li/ßO. der teraehildeneü Zeituagettgihl^.Avaldiei natörlkfl die 
Kodea"; vfirmnen.; Aber euch grtoeere. ale in Eraalireicii,/wo* da^ 
Jfotffeiir. fmtdftreel eehr Ibeuer ist^« .iisUdceodl bei uiia.dieistai»«« 
gmipbiadien BeriebU» .$p«UwoblileH; wacea /udd idurob Ab. Jedeiv «dtto 
«iiJeaea yQraMid».:8cbeii.leiiQl!e, wia.-TefffaaBdellf war. Diitihaota 
irerliiiiglBaBeto.4Afaop dadials..«aacb Ti9btt«en, und imiar iah.jiach 
der. Haupteaidie, jobbe .»l J)ed^nhea, .dass iroa diesen doch ront 
IKe GebcaiKih} maobeii k^oMm idieJo BeHtDifSiadiuod md^ka*^ 
deres lUtbaa ihabeo, .alwi Müssiggäoger. luMiFMisidei .Job* habe 
Nifblt>:dsiglgeiii* .!W»Bii aiidie Uat6rfaaltuag •dieaer.lneideniiClaaeea 
g^i»f)bt:ivkd, wie idbieaiatieb'giDaJmbefihifindei, wettiiiEiiier.'i^^v 
eia. gfossiia .fie^tt gibt, ^dnKtibl ^e .Fenster biMiiStilia Uiasi rtt*«iidl 
«elbsti fffofilire g<ärn vonrjedem «eilattohteten Feniler uadivda jhdto 
EariitoMitaaitauilg*^. aber iidie^HeseinaebeDden .soUeanii^veDgfeflaeiiy 
dass/ei>GAfäUIgiüiit;idbft Wii4bsf.ist^ wann.ieü^diel biattnsdin./läbiau 
Sik^at'^iii Engfand, . /Da .mOmii dietParlanentaglifider 'in ilurBib 
Hittise. und Mmfiber ifeleigt dHGn» rindete: et d^nHul aufbehtit-^und 
Mche blquemiiOiacbiv die^ S'ribflnfcn« die klein Md^^ienlbblteniisir 
gedüMete Crtota^ dia Meise ^ Benlei4teg^.c^e8 Mit^iddte ^^en« 
l^recfa^, iQh>Jieiiierbe Zuhörer, filttf dto. TribAai^f' ^veifchtr.hiii^ um 
sie^ aellKl.difrBeiidilseitat&erider JourniAle, aiia idem Haim zu» 
bii0geiiv,.igana iWrieuder: Wirtb iii^ jenem ; ebta . angtfubrtMi Fatt, 
wean.iet) will den FenstbiMrbang^ &Uto läast& .Sbbniidämm.fiill 
es:>d«rti auüb/ Niemand uein^.afe wärei^r.an ««em^föffentlicben 
Oiiif' Jauta,iBemeriüiilg«iii»i machen» ßtifalh 211 kl*t8cbe«'ikft.ii.< 
wlhreHdj.jn. :d6r. Panlskirobe und der. Beilhiet Singakademie .die 
TribuJlienbiskamltUdi zu aUwiilbtigeaHerrdQherA wunieft..:Qieße dii 
ret^;<Hvwalliih|dkenjsiclJtt:'cKelem Augeal^ dagegen abeb 

faabl»i0ift;ei»eB> ui^ehelirea^iindireiDteni ianflnsaataf 1^ 
unsetclr ^ParlaMetitaredeti ig^^haht imd: halK^ni ihn Mebi ; Die beit 



— llt ~ 

Mn DsMUtiUe näiiilidi, ^ iaBBgland'ttitfbt Statt 'flndm, tttns 
kn «üü ib Redner auf che «rhölileBliilie tk^ateo, nm m redsii, 
aabUHt Ydai Matee jmm zu s^recliDii, und dat6 M «m die:2ti* 
UreitvibAne» bau](it^dilicli foü Damen Ifeeelct sM, üeiki'aeBS- 
JiMka Ualeriiaua nicht hineingehisseii unepdeQ, haben wallen imtm 
KnannMlpraMi den Ciioracler einer eiiigeternten CimddM gegeben, 
der iuieii« ^ana naiv angestetiden wirdi ^>^nn tnaD, von den SiiUiAi 
gbn i^mchend, likbt et«ra sagt, sie war für 4iä Land iriehlig^ 
sondern I sie war interäasant 4>der langwelig, -^ als imm 
ein Mrtament 2nr Kilrawett 4la w&rel — kh woHte nttn> 4e die 
Saeheeipttiai.ae weitigcikoninie» ist, mir noch • gefrilen laaeen» 
we«n deiigleidiett von Zeitzu Zeit, all ,)»asseferdenllicbe Fre« 
diiitian^ VoAäiievund wann wir doeh U^enigMem van • dem Airti- 
hei 39* to9e?er VerfaasttngsuriKHnde Gelraneb nihditen/ der dan 
Kammern erlaabt, sich in ehe geheime i#derTeriradt«lieSitnQiig an 
verviräDdelD« Dies geschieht bei' den Engländern sehr- oft; es kt 
»teilende Sitte, das» das Hausr naeh dem engliadienTemrim»/ skh 
ab Coiintnitee «Qosiilnirt, mo die Tribniien gerteftit werden^ wo 
mter dneifa ttriditee Verhakidlung hllein gewihlten )^risidinlen 
ibereineh Gegenstand terhandeltj wird und Die, die nidit gnaiiae 
Rfdegabe, wähl sfar SaebTerstaod. bähen , sieh geHend machen« 
OlÜgipiBh/ilttV' -nfan Stimtnen bei uns 'nöthigsind« um eimeA eol« 
ohen YetscUag an maobenv eedatesdoeh noehniefeeioliUmv 
und. ; wind wahnicbaialtQha nie geschdhii.' Und didi lel dies die 
ctfaigi Gttlegdnhdt, we «ii nodi inOglich wäi^e^ «bei ISner «eh 
iMnes iüddem» tieHeidÜ Besekrh bd^rte« Hirn- 4MBte erdieAn^ 
sichten -idesi Geipiers.seiitwickelt; hdn» in einer Weise, die nicht 
far:aie ZhhBudr im SpitsenUeide, sondenk füi* Miimer berechnet 
isty dieilSethserstimiige sind; bder es werden wolIeiii> Wöjetirt 
dergleidMln (gv&ndltehe Diaenasionen ^'^ri6emlteen^ geschieht ee vor 
im Schosse der eigned' Partei« wo da» untermeidlidie €laa jUer 
liichtfrfiU^und dks viel TeaderUidbere Weihranchfaaav mit danvmen 
sieh bMlüobeft» Moch weniger. Beides >trilgt «er AiifkUnang^daa 
Verstandes nicht sehr ?iid baiv nnd die ßrsoheiiiung, dsna so Hen^ 
eUsr/ dei» im J« l«47i ein beljr bdleutender Jledner nihht'MMr 
hiess, «inderh warv iMyhn KurtkchgekoeMsen, drUM». eieb^ dnraiisv 
daila >a«f das JHaupi^^BOdnngsinittel temichtat ist, die wirküdie 
INsenssioh mit 4em G^nerv JetalibdrUleder «die meistiNiifidg*^ 
ner -*« (Anäadnnni biidbnl nnr; die •durch '«du Xms mÜL ihm m 



— 113 — 

AbdieOttiig kamen ) odtit txl denscAbeit Ck)mi&i9sion gewiMt 
imrde&i) '-- er Mrt sie Dur «n öffeHfficIteii Sltztmgcn, 4. li; iro 
^iinseUien flkr iie TribOneti, im gßtMstIgsten FaHe ftr ffeTrfMnen 
nüd die Kamtntrii spueeb«»« B«i diesen Reden mtrdtt sidh s ganz 
tMi settisl, ^ss we nidit doroh CrinAichkeH sidi auszeielitien, 
sondern dass sie suelien pikant, oiii»ebettd tn sejn. Bies ge- 
sxMthi, metm man «ieht eetne Zoflueht nim Seandal nehmen will, 
Km in ien «.f. ^^lännisclien SHzuRgen/' durch fein fgedrechseh^ 
HiNM»0ii, deren (wie die leer ge'wofdenen Trifcänen zeigen) sogar 
dfts Mbüciam, wie yid mehr erst D ie saftt werden , die das alle 
Tilge aiibiritt niflMtii. l>aher cKe Ersehehung, dass wenn Einer 
<9|Mri(dit, die Wenigsten «zuhdren, gewöhnlich mir die Parteigenos'^ 
«OH) «m bei «ehiddidien iG«4egenheiten ihre Braro's, oder in 
JVachiihmg der (EngUnder ihre R^kll IKrtl anzubringen. Dfe 
üebrigen inteiüiBlttn «ich 4>der febn in das Frühsifickszimmer. 
AUes dies bemerkt man auf dm* IVIbäne sehr gut. Die ganze Sadie 
madit, da man anieh ganz deutlich sieht, -dass alle diese Reden 
Ml dem Renriliite «der Abstintnung Nichts Indern werden, den 
ttidroek eiftcr lAhm getpüehen Com^dte, und die (Tielleiclit gam 
jmge) AiM^t, ihai die Parlamentsglieder Plirasenmacher seyen, 
feM^innt imi io «ehr Andtfoger, ate wirklich die Messen Phrasen 
ii iiKeMtt Tertammlusgen im Cours mi steigen •stäianen. ImVer- 
eMgten Landtage gefielen Phraeen, in denen -^uch tätM ric9 
Vtrsta^nd war *«— %. B. tfls einem Lobspritche derunmericliehen 
miemx» leailgegeiigceteik w«rd , „der Vormg unseres lahrhunderts 
Wfy dal» irtr AUes mit Bewusstseyn lhun^% ^-- aber wenig- 
irtem hat diei^^Phnse einen ^8inn. Wenn dagegen ein sehr le^- 
vttenter Redner eagtt -Zu dem ad neia , waches man Sber die 
Sammer .schreibt, imll idi niciht «tnmal ein Pünktdhen «nf dem 1 
•Innmigetnn» lurf unler Dreihimdelttf^iirzigen ^findet sich t&äü Einer 
an 4er ^^ctfedieiiSeriebUgang^, dass oi nota «icbt mit i gesdirieben 
i^itii, «• 'srigt dies^ «dMsheiit su Tage Phrasen Hadit 9>At)mmen, <Ke 
sichtänmal einen Wort sinn heben. Daher die t«rminderteTheiI- 
■jinne an dem, was 4ort gespfx>ehen wird, 'wdcfhe es erldäi^lich 
•Mieht, dess «flie stano^phisd^ben 9eii<Me l»o wenig l^bonnenten 
bdben, das« die 'Teilungen es fftr Mthig hallen, die Reden ihrer 
liiriiilinge tin .«dPMio eteudncANP , was 4m 0ahre 1847 tind 1648 
tmobt ,n6lbq; m9t^ weN Jeder jene Seildhte las. "Wellen die Kam- 
anenglieder, rfase men «itf ihre l^oden wieder adhte, so mdssen sie 

8 



— 114 — 

darauf hioarbeiteD^dass keine Weither auf den : TribBnen .eitiöi, 
«ie müssen mehr yertrauliche als öffentliche Sitzongen hallen, sie 
i;verden sich dann von selbst von dem injmer mehr um sich greir 
fenden Pfarasenkram befreien. . So. lange man aber in. Parlaments'- 
Sitzungen angenehme Unterbaltungsmittel sieht, so lange nird 
Nichts aus unserem parlamentarischen Leben. : 

Eine zweite Einrichtung, welche die EngUnder nicht habeni 
und welche aufhören muss, wenn unseire Parlamentseinriehtung 
Dauer haben soll, sind die Diäten derselben. Mein Grund zu 
dieser Behauptung ist nicht, d^ss, seit es Staaten gibt, 'meatr die 
Demagogen und Anarchisten . auf die Einführung der. Diäten alle 
ihre Hoffnung gesetzt haben, nicht die Furcht, dass sieh beilun- 
serer gegenwärtigen Einrichtung Solche finden können, die Intri 
cati^a Kammermitglieder werden wollen und, wenn sie darin sind, 
um der Diäten willen die Veitandlungen in die Länge. ziehnwer'- 
den — r (wodurch, abgesebn von allen übrigen Nachiheilen, die 
Versammelten dumm zu werden pflegen) — sondern ich habe an^ 
dere, schlagendere Gründe, die sich nicht auf BEodhungen und 
Befürchtungen gründen, sondern auf Gewissheit und Erfdirung. 
Hören Sie, wie in Frankreich, seit die Deputirten Diäten liehn, 
Yon den ^Messieurs ä 2& franes" gesprochen wird, achten Sie 
darauf, wie bei uns bis in die tiefsten Schichten des VoUoi hinab 
der Spottname ,,Dreithalermänner'V Beifall findet, und Sie t werden 
merken, dass diese Einrichtung in den Augen des Volkes discre^ 
ditirt. Wenn Punch sich über die englischen Parlamentsglieder 
lustig macht, so zeichnet er sie, wie. sie. nach gesdilossner Ses- 
/»ion in grösster Hast aufs. Land. oder auf Reisiengehn,- glückselig, 
dass die Sache ein Ende hat. Wenn unsere Witzblätter: unsere 
Deputirten aufziehn, so werden sie dai^esteUt weinend, : dass es 
keine drei Thaler pro Tag mehr gibt. In der . englischen Carri- 
catur ist anerkannt, dass. ein Parlamentsglied Opfer bringt, wenn 
es in der theuren, rauchigen Stadt sitzt , anstatt auf Jagden oder 
in Italien sich zu Yergnügen,.in der unsrigen, dass Deputirter zu 
seyn ein profitables Geschäft ist; eben. darum achtet man 
auch in England ein Parlamentsgüed höher, als ba uns einto 
Deputirten, und in England einen iParlamentsBchluss mehr, als bei 
uns* ein Gesetz. Auch dort hält gewiss nidit Jeder die Glieder 
des legislativen Körpers fiir Engel, und vermuthet Mancher, wenn 
Einer sicb^s yielleicht viele Tausende kosten lässt, um in's Unterhaus 



— 115 — 

gewüdt za werden, nicht Uow patriotische Absiditen bei ihm,: gon- 
dem Ehrgeiz, aber der Ehrgeiz flösstals LeidensGln^ zu etwas Ideel- 
lem doch mehrHochachtuDg: ein, als das Verlangen nach einttm reellen 
Profit. Welch uogehieuren Einfluss die Vorstellttiig : „er bat keinen 
Vortheil davon" auf die Beuräieilung eines Menschen hat!, idayon- 
überzeugt uns das Factum, dass überall und je. mfieUtiger eine 
Regierung ist, um so mefar^die Opposition sich grösserer Achtung* 
und Popularität zu erfreuen pflegt, als die Anhänger der Regie- 
rung, denen man gern eigennützige Absichten unterschiebt. Die- 
ses gute Vorurtheil kommt durch unsere Einrichtung Denen nic^t 
zu Statten, wekhe unsere Gesetze machen. : Die Meisten, wenig- 
stens: Viele von ihnen, liaben :wirkIioh pecuniären Vortheil davbii, 
dass sie in den Kammern sitzen, und. die Vorstellung vei^reitet 
sich, immer weiter, dass die Sitzungen so lange dauern, weil bei 
ihrem Schlüsse die Diäten aufhören. Ich weiss: wohl, dass man 
von der Unmöglichkeit spricht, sie abzuschaffen« Wäre ich 
von : dieser überzeugt, so ! wäre ich es auch davon:, dass wir 
nidit lange ein Parlament. haben werden. Denn dauert das Be- 
soldetseyn auch nur zdin Jahre, Isovrird dadurch das Parlsonent 
so discreditirt seyn, dass es an der allgemeinen Verachtung ster- 
ben wird. Ich leufpiie . aber jene . Unmöglichkeit. Wenn gesagt 
wird, dass dann nur. Reicihe gewählt werden könnten, so setze idi 
dem das allerentschiedenste dhfimUi entgegen. Man : kann in Ber- 
lin sehr wohlfeil leben, und. es ist mir noch nicht bewiesen, dass 
ein Deputirter besser leben muss, als ein Student. Dem Ansehn 
der Gesetze wird es gewiss nicht, schaden, wenn die Deputirten 
abgemagwt von der Session zurüdikommen , während, man jetzt 
die ^tgegengesetzte Bemerkung macht. Der gemeinschaftlichen 
gemüthiichen Zweckeasen ;werden vielleicht weniger werden, von 
denen, und von deren erhebenden. Toasten yns <äe Zeitungien jetzt 
hnmer erzählen ; das ist kdn Unglüdi« Jetzt treten ^ diese zu, sehr 
in den Vordergrund, und der Irrthum eines Franzosen, der v<m 
Mr. Miekniz als einem wichtigen Parteihäupt sprach , hat neben 
der komischaft doch auch eine sehr ernste Seite. Weiter aber, 
gesetzt den Fall, Einer, der nicht enimal in der Lage wäre, dass 
er sehr eingezogen in Berlin einige Monate leben könnte, wäre 
wirklich ein guter Deputirter (der Fall wird sehr selten seyn), 
nun so mögen die Wähler zusammenschiessen;. sie mögen es ihm 
geben. -Ein solcher Fall soll in ddr ersten Eiyauner vorgdiommen 

8* 



— 11« — 

saya und der IteAi «bU, im mt roa Matoln andetn :€litd l^tt 
isi>, noeb nicht «vti Viertheil foa dem aasg^gdieft habeOf itids dk 
Deptttirtefi der.aweken Kaitim^ vereehraik Sagt iiati aber emi^ 
li^, da wtßrde auf eitie Reftignatioii gerecknet, die bei otis tiicU 
Statt finde> so erwidere idi, dann Verdienen Hör auch iein Par-^ 
latttent^ Ohne Pi^triolisnitts die Privilefieki des Patriot^ habe^ 
das jgeht einmal nicht. Ehe rnaia Opfe^ bringt^ um Glied 4eb 
PaHattentb lu i^eirden ^ wird es nidit anlMren, dasa Mooatfe tau 
den unnntaen Addressdebatten Teracbwciidet werden; die das V«ik 
g^bt^ das« sie Opfer bringen, wird ea die Glieder des Pada« 
m^nto niebt s« aebtien, wie ea nßlhig ist» damit die Geeette in 
AebUlng stehn. Die Diäten spfecben dl» IWcaurtheil übbr- im* 
eere ^arlameDtärisctie Einriobtung, t(^l die» gerettet werden, sb 
IBüsato jene «itfhören» 

Ich koibtee auf eine dritte Eiiaichtung bei ^ns, ii^eiehe vm* 
gieren D^utirten eine SHelluiig in der iifilfetitlidilen Meinung gärt« 
itelcbe eie nicfat haben seSen und in England auch wicUicfc mcbt 
haben. Sie ist nidit, wie 4ie Difitet^ Btwaa^ wte gar nidit aieyn . 
B^Ule^ cwndtjm besteht ncimdir, i»i^ aiisere OeAmtliohkdt, in 
mer «nglMdiohen ModiAcation von etwas absofait Nothweadig^iii. 
Ba «ämiich das Pariateeot daz« da iU, dass sich in ihm dk 
A«itoitemie des Staatfes attispT0obe> der ibeslimMit» ^wa» G«sMzbt|ni 
«oU , sb Teribtebt sich's gaüa vta «eibst, idlNNS es in dieser. «einer 
Fvüction öbei^ 4em Gesetze etdit^ wie der SthKpfck* tbei* ^cü 
fitoobfipf. Es ^KfJkn darain mk Widereph'uch in sich, wmiä «in 
Pariemenisg^ied limaichliiäi der Debatte irgend wie hesobfe^änfet 
Mrfire. Der D>ei]luth*te darf V<rirachiage madien, weicht er wiU 
«nd dam» ist Nichts^ wa6 bt isagt, ^egm das Gieaetz geepnodnnv 
weil er als Parlamentsglied Herr tAesGesetaes ist. Matft^lidk tgä 
dies nieht von 4en^ ^as ^er auseeribalb des Paiiamenti sagt oder 
tftnt, da ist er eia ^a g^nAhnlitber Bfehs«b« Detagenisa iat 
dffs ganz «evraale YerhlEknisB dies , dase Keiner mt Bechensishaft 
gebogen #erdm daKf lür dal^ wae er im Pariamente gesprochtti 
bat, meid dass «r eben so wcftiig 4arch ^Cüraogegangekie Veifepre«- 
^ctongen meralifccb eder reebtiich gebmiden seyn dtaf, sdne Ukha> 
zeugung an terbeiden, das«^ er siber im Cebrigen, wie jeder an«- 
dereStaatsMrger, unter den Landesgetoizen stebe. Mit AnanUime 
4es einzigeli Pravilegioms, daea sie wOteend der Session mdit 
wegen fidiidden iwbaftrt werd^ daiim -^ die HiAomtit, wnlche 



^ 117 — 

Tot einiger M( auob im 4>9<sbaffe«i wollte, i^r sebr hedeitfend ^ 
mit 4iBSQr^]izigeo Ai|8»ab»e dsQ, stebt da» eAgÜBcbe Parkmanta*- 
gted w {)Qg|a94 gerade ^o, wh) kfa ea fordere. Niemand kaim 
eio Miti^i^ de^.Bauaas belangen w^geades vo« ibm Geaproehar 
p^Q «Dd Yorgesdilagoaen» aif dar wdern Seite, wenn er ein Ver- 
tra^^en begebt, so wird gerade ao gegen ibn Terfabr»!, wie gegen 
j(l4^ Anderq; er wird, wp es bei andern Personen ges(4u^, 
(^QiebfaUa yi^rbaftet, imd das Parlament bat kein Wort darein iiu 
rede». Bei una i^t dies andera, und swar iat ganz (^eiehiaiüg 
bei un^ der Deputirte begrUTawidrig pri«legirt und begriffawidrig 
bcjaobräqktm Jen^ii wenn er daa Privilegium bat, daaa ^ ana 
deoi fießngni^s berauagernfco wird, weil daa Haus dies verlaogi 
wem Jede UntersuQbung für die Seaaionazeit kann niedergeaebla - 
gen werden u« s^ V- Die^e Privilegien baben zu viel Aebnliobkeit 
wt Impunitat» ala daaa aia nieht ao angeaebn werden sollten, und 
.9i> erachelnen gerade Die, deren Name mit der Hocbachtuog vor 
dem Peseta veraebmoitzeu seyo aoUte, der Gewalt der Gesetze mabr 
«nteogen, a)a reebt i^t» (Man aagt: Ja, da bleibe für diese Zeit 
«in Wablkreiä ufivertreten. leb antworte: Warum wiMte man 
Einen, der fSbig iat zu tbun, wofür er geaetalicb kaau verbafiat 
werden? Uebrigena ist dieaer Grund bei Denen merkwürdig, die 
aoaet immer sagen, der Deputirte sey nicbt Abgeordneier seines 
Kreises, sondern ,d^ gatizen Volkes, dem durch einen Abwesenr- 
den gewiss niobt ao viel verleren gebt.) Auf der andern Seite 
findet bei una eine Beachräukung Statt, die nicht etwa desr 
wegen tadelnawerib iat, weil aie in England nicbt Statt findet, 
Bondern virefl sie mit dem Segriff des I^rlamentsgUedea streitet. 
Bei WB» werden die Deputirten auf die Verfassunpurknnde bel- 
eidigt d>9ß» der Kftüig die yerfa$aunganrknnde beacbwörl, i^t 
gams in der Ordnung. Dasa ^Ue Beamten sie bescbw^ren, und 
dasn ^B« ich bebe sohw&ren müa$en> dieselbe „gewissenhaft au 
befolgen,'' obgleieb niekt ein <ei$zig^ Artikel derselben mir irgand 
Etwas vorschreibt, mim ich vvader die Staatagrinzen andami 
•opb die Kammern berufen kunn» ist riemlicb ohne Sinn. Es ist 
einer der nn nützten Eide, deren bei uns so viele geleistet wßr-r 
den und ^mi wttii^itena keisie Bleinei^ige macben, laie unaer 
J^^nigenoidt df^ mnohe Frau zum Meineid gabra<4it bat* weil m 
ihr Alt^r bea«bw4ren mu^a, anstatt, weo^uf 9» d«eb allein aufi 
kommt» au j^eacbw^n^n, da^a ale majierenn odet eidasfibig any« 



— 118 — 

Den Eid auf die Verfassung, den ein Professor gelästet hat, den, 
kann er eben so wenig brechen; als er es könnte, wenn er ge- 
schworen hätte, den Lauf der Planeten nicht zu turbiren. Ist 
dieser Eid darum hinsichtlich unser zwar ohne eigentlichen Sinn, 
^o ist er doch nur in sofern schädlich, als jeder unnütze 
Eid den Respect Tor dem Eide untergräbt. Anders verhält 
sicfa's mit dem Deputirten, der den Eid auf die Verfes- 
sungsurkunde ' leistet. Die Verfassungsurkunde enthält die wich- 
tigsten bestehenden Gesetze; die ihm zweckmässig scheinaide 
Aenderung der Gesetze vorzuschlagen, dazu ist der Deputirte' be- 
rufen; jede, die ihm zweckmässig erscheint, also auch Aeude- 
rungen der Verfassungsurkunde. Würde er durch jenen Eid sich 
gebunden fühlen, ein« als zweckmassig erkannte Aendenmg nicht 
vorzusddagen, so nöthigte ihn der Eid, ein schlechter Deputirter 
zu seyn. Umgekehrt, verpflichtet jener Eid nicht dazu (wie er 
e&' denn wirklich nicht thut) ; so ist er dem Eide gleich, 
die Gesetze (zu befolgen, d. h. er ist nichtssagend. Darum 
hat sich auch diese begrifllswidrige Einrichtung bei uns sdion 
jetzt sehr gestraft , und wird sich immer mehr strafend Es 
wird- Ihnen vielleicht eben so unangenehm aufgefallen seyn, 
-wie mir, wie oft in unsern Kammern die verschiedenen Par- 
teien directer oder indirecter sich den Vorwurf des Meineides 
zuschieben. Hier sagt Einer, diese oder jen& Einrichtung, die von 
der Verfassungsurkunde sanctionirt ist, tauge Nichts, gleich wird 
er an seinen Eid erinnert, als wenn er geschworen hätte, sie 
vortrefflich zu finden. Hier wird auf der andern Seite Einer 
daran erinnert, dass er gegen die Propositionen der Königlichen 
Botschaft vom 7. Januar gesprochen, und es wird unbegreiflich 
gefunden, dass er nachher doch den Eid auf die Verfassungsur- 
kunde geleistet habe. Was ist die Folge? Dass wenn die Mata- 
dore der Parteien sich vor dem ganzen Lande gegenseitig als Eid- 
brüchige signalisiren, dass das Land entweder gleichgültig wird 
gegen den Eidbruch oder gegen die Eidbrüchigen. 

Wenn aber so gesetzliche Einrichtungen die Stellung unserer 
Deputirten erschweren und ihr Ansehn schwächen, so wird natür- 
lich es um so wichtiger, dass was durch die Einrichtungen ver- 
loren geht, durch die Persönlichkeiten wieder eingebracht werde, 
und dies führt uns, nachdem wir uns die Fragen beantwortet ha- 
ben ^ wie die Abgeordneten beschaffen seyn, und welche Stellung 



— 119 — 

sie in der ftffenlliehen Meinung haben »ollen, zu der prektisdi 
widbügsten: Wie kommt man zu tüchtigen Abgeordne- 
ten? ' Wäre dae, wag wir intelligehteD Patriotismus oder politi- 
sche Bildung nennen, ganz allgemein und ganz gleichmfissig in 
eidem; Volke verbreitet, so wäre das Beste, sie würden alle durch 
Geburt dazu bestimmt, oder aber wo die Interessen wechseln 
und es. wünachenswerth ist, dass- immer neue lodiTiduen eintre-^ 
ten, dass das Lo OS. entscheide, wobei viel Zeit erspart, ganz be- 
sonders aber: den Wahlumtrieben nnd Jntriguanten das Spiel ver- 
dorben . würde. . Da dies nun. nicht, der Fall ist, ein Parlament 
aber, den Zweck hatte, dem Volke die Sicherheit zu gewähren, 
dass die Gesetze von patriotischen Männern beratben seyen, welche 
die wesiei^icben . Interessen des Landes kennen» so müssen es 
Vertrauensmänner aeyn. und eben darum aus der freien Wahl 
hervorgehn. Da es weiter darauf, ankömmt,, dass die allgemeinen 
bteressen vertreten werden, so wäre es das Sachgemässeste, wenn 
der Gewählte es. durch. wirkliche Totalitäten, Gorporationen , Ici-^ 
nungei!^, Gemeinden, würde, und. da wieder das Allernatüriichste, 
das» die, welche überhaupt ahgesehn werden als die mit den 
Angelegto^eiten der Commiine am Besten Vertrauten, und die 
man deshalb, zu Bürgermeistern oder Vorstehern der Stadtverord- 
neten . wählte , wenn, diese auch in den Kammern sässen. Wo 
wirkli<^er Gorporations^Geist herrscht, wird sich das auch immer 
so machen. Anders freilich dort, wo oorporativer Geist nicht 
herrsißbt^ wo ein atomisirender Egoismus die substahziellen Mächte 
geschwächt hat; da bleibt nichts Anderes übrig, als an die Stelle 
der Ganzheiten Summen zu setzen, und so die Stelle der Allge- 
meinheit' durch die Allheit oder die Annäherung an dieselbe' die 
Mehrheit ersetzen. Da nuii> wie nicht zu leugnen, der vereinzelnde 
Sinn sehr bei ui» herrscht, so ist es - begreiflich , dass nicht 
die natürlich, Zuisäinmengehdrigen als ein Ganzes betrachtet wur- 
den, sondern man beliebig so und so viel Seelen zu einem Wafal- 
kreise'zusammehfasste, in dem die Majorität zu entscheiden hatte, 
wer Deputirter seyn sollte. Dies hat nun die sehr schlimme 
Folge, dass, weil in jedem Wahlkreise die allermannigfadisten In- 
teiressen äich finden, 'die Deputirten, die aiis einer solchen Wahl 
hervoigehp, viel weiiiger Repräsentanten der Interessen als viel- 
m^r R^räsentahten von MeLqungen seyn werden* Wenn die 
Stadt Halle und. der Saalki^eis zusammen wählen sollen, so ist ee* 



— lao — 

begroifitch^ dasflt un ikb in ninifmi man Wodtf eiheii Conma-* 

nalb^antMi, llooh dUdn Gutsbesitzer wUilt^ sondem Einen t de« 

man für Uboral oder Ar dnen grossen Redner hält« Je mekf 

der Fäle vorkommen, dase die Wahlkreise •• toMmmenge« 

wfirfelt trerden^ um so seltner werden die seyn, ^ mit den 

eigentlieben Lebembeiiirfmssett durch ihre eigne Erfidirang ter^ 

traut sindt nnd um so mehr wird in den Kmmiera an*« 

statt an die Interessen des Landes an die „gr^^e P'elitik'^ ge« 

dacht tverdeit» Hat man oben erat ein Parlament bekeisim^ 

mm so Ist dies interessant, man freut sich^ wemi der eigne 

Depiitirte oft, ärgert sieh, wenn e^ selten oder gar nkM ^riotat 

Ailmiblig stumpft maii sich dagegen ab^ uud so kemmt es denn 

netbwendig dazu, woau wir freilich ungewölmUeh bald gekommen 

sind, duss sich keine Theilnahme mehr bei den Wahlen ieigl, 

dase schon ein Jahr, nachdem wir ein Parlament haben« der 

Fall vorkommt, dase von allen WahUnännern einet Beiirks MT 

yier kämmen, awei derselben ihre Stidmien einem Depntirten ge*« 

ben^ welcher nun, da ihn dail Loos vor seinem Gegner hegte* 

stigt, sich einen „Depntirten durch den Willen d^s Volks'* nennt 

(Wenn der Rath bdblgt wurde, den neulich Jemand gegeben hat, man 

seile bestimmen» dass wo nicht ein Yiertheil der Wähler 2aiaitimeo« 

kommt, der Bezirk fui^ dieses Jahr keinen Depntirten ernennt, wid 

wenn drei Yiertbeile der Wahlbeiiriie dadurch unvertreten blieben, die 

Session ausfallen solle, — so würde Schon beim nächsten Male 

kein Parlament mehr su Stande kommen«) Welche Aend^ungen 

sind hier 2U treffen, damit wieder ^in Ilitei'esse an den Wahlen 

entstehe und damit die Depntirten wirkliche Vertranebsmänner 

ihres Wahlkreises seyen? Erstlich es muss eine Ehre seyn, 

mit zu wählen. Wo Jed^r ohM Ausnahme Wählt, oder» wie es 

10 einer französischen Posse heisst, Jeder als eiil ofpr&n» petk 

äsUeur geboren wird, da wird man gleiobgätig g^gen diesei 

Recht. Ein Interesse an seiner Ausübung hat man nur, wenn e* 

Muhe piacht, es zu erlangen. Datum sind in allen Landern 

(Frankreich von 1848 -<^ 50, und uns. noch immer nnsgetteaimen) 

eise Menge von dieaten Redite ausg«s(dilö8sen. So in Amerika, 

wer nicht eine Zeälang eiiiem Staate angehört und ein^ bealimmte 

Steuer zahlt, so fr Aber in Frankreich, wer nicht 300, später 260 

Francs directe Sieger sshlte, so in England in den Stidlea, Wer 

l^einen Grundbesita hat, der ihm 10 Pfd. Std« jährlich «inUrägt 



- Ml — 

taug imM iMt Hi^r k^nn matt al^ von Einet», der irieM ivdkten 
dari; 2tt einem WiMer beraufavmidreti, «n^ ities wird ein Sporn. 
W^n auf xwaittig Boglinder nur ein Wlhler kmmnf, so bat es 
EtwaiP ^ bedeuten, wenn man dieser Eine' Ist/ An die poKti* 
flcbe tiieicbbeil, Ak man bier gewOhnNeb m eitiroi pflegt, 
gfaiubt keift llen«eii, defiii AUe wollen Kinder und Weiber 
vom iVaklrecht aosgeiehlosa^ wissen, tind wenn binsfebtlicb 
dieser beiden bemerkt wird, AäU die erstem unselbstständlg 
seyeii und die b»tnem iiicbis t^on jlerSaehe Terstebn, so bemerke 
icb^ dass ein Pabrikarbeit^, der ganz vom Fäbribberrh abbSngt, 
auch nltfat sdbittttftndig ist^ and dass manebe FVau yon der Sacbe 
mehr verstelty als die Wdhier, die Einen nacb Berifn deputirten, 
am GAAseweide m bekommen, oder tidcb Erfart, weil sie sonst 
ihren Branntwein auf den KMgHdien Domainen kanfen müssten. 
Theorien aber> die auf der Ficüon bervbn, der Abhängige sey on- 
aUilsagig, die scbrecken mieb nkht, da icb, ,wie schon fVüher ein- 
mal gesagt ward, alle Fictionen beiobrem deutschen Namen zn 
nennen pflege^ Also zwei Kategorien» WaUberedhtigte und solche, 
die es nkfat sind. Was soUnun hierbei entsobeiden? „Der 
Cenftus'S s» ruft uns. dier Cberus aller derer entgegen, die, indem 
m sich «Uein den Ehrennamen der Liberalen geben, alle Uebrigen als 
die Serrilen betrachten, ebgieicb sie in der servilsten Weise fran- 
zösische Formen naohahneüi fai Frankreich nun war der blosse 
CeUStts wirklich eine sdbr zwecbnässige Bestimmmig. Brstlidb 
war von Eiftem^ der so viele Steuern zahlte, vorauszusetzen, da«s 
ihm schon aus eignem Interesse .an der Erhaltung des Staates 
liege , und dass er nidit zu denen gehöre, welche nichte zu ver- 
lieren habea und dämm stets auf Neuerungen speculiren. Zwei*- 
teas ist, wi6 dies vor Jahren Jemand (ich glaube Odüon 'Barrof^ 
gut aueeinaddergesetzt hat, in Frankreich Vermögen dazu nötbig, 
um eiiiett gewisseki Grad von Bildung zu erreichen, während bei 
xM durch unsere grössere Anzabl höherer Lehranstalten dies nicht 
aöthig ist, und MantheT zu der Aristokratie der „studirten Leüt^^ 
gehört, der gar kein Vermin besiiat. Endlich aber ist Flrank- 
reicb da^enige Laari, welcfaes die allergrösste Zahl 6niidbesitz^ 
hat, und ttkiUir den directen BAcaern nimmt die tinmdsteuwr einen 
sdU* westtatlidiefi Platz mh, so daas der bei weitend gr5sBte lliei 
der daUials feur Wahl Bercdhligten Grundbesitaer ivirea Dieser 



- 18» — 

letzte Pnidit ist aber der wichtigste von alleni «in noiigiioob so 
«^pintualutiscb gßsiont seyn» so wird man sich Tor. der firfisbrimg 
nicht verblenden kdnqiea , dass ein sehr wesentliches Monient in 
der Anhänglichkeit an eine Commune und an ein^ Ort das pby* 
sische Hängen an den Boden ist» welches im tiirundbesiU g^febet 
ist. Wer hier in Halle ein Haus und einen Garten bat, der sein 
ist« interessirt sich für die Stadt ganz anders, als z.B. ich; der ieb 
innerlich und äusserlicb ein Anhängsel nur der Universität biOt 
und wenn diese an einen angenehmem. Ort versetzt würde, ohne 
grosse Schmerzen mit ihr ginge, weil ich nicht in der Stadt an* 
sässig bin, nur in der Universität , einen Sitz habe; . Ehen darum 
würde ich, wenn Census die WahlCähigkeit bedingen sollte, : nur 
die tiruodsteuer gelten lassen. Wer sein Besitzthum «i russiaehen 
oder holländischen Papieren in der Tasche trägt, der ist doch an 
einem Ort kaum mehr als ein Yagabond. oder, wenn das zustark ist, 
wie ein durchreisender Fremder. £r interessirt sich vielleicht für den 
Ort, aber er ist nicht solidarisch mit ihm yerbudden, er kann in jeder 
^tadt, in jedem Lande leben; an diese ätadt, an dieses Land bin«« 
det der Grundbesitz. Eben so wie ich es daher unzwepkmtoig 
finde, ^ass nach der neuen Gemeindeordnung jeder von seiner 
Pension lebende Offider, ^eder Rentier, der ein Jahr hier lebt, 
eben so viel mitzuspredien hat wie der, jder hier.eia Hans besitz, 
eben so will ich, dass die wirklich Ansässigen, das aber sind 
die Grundbesitz haben, dass diese mehr mitzusprechen haben als 
die, welche d)»rch nichts an das Land gefesselt sind. ' (Baar Geld 
fnacht frei davon). Das Einzige, was ich -r- höchstens -^ als 
Aequiyalent wollte gelten lassen, wäre ein festes, lange innegehab- 
tes Amt oder Gewerbe,, welches, je mehr es mit diesem Orte- ver^ 
bunden.ist, z. B, Pfarramt, um so mehr auch fesselt. Wer aber 
frei wie der Vogel in der Luft schwebt, und darm vieUeicht semen 
Genuiis hat, habe ihn,, er fordre nur nicht die Vorthbile desEiöb- 
baums zu theilen. Hier also wünschte ich entschieden eine Naeh«- 
ahmung Englands, mit der eben angeführten Modificatiom *(In 
En^nd ist, so viel ich weiss, •»ein Besoldeter nie W^ähler.) Da 
sich aber nun einmal die Sache bei uns so gestaltet bat, dass ur- 
sprünglich Alle das Recht zu wählen hatten, und ein noch grtese-* 
res Antasten dieser „breitesten Grundlage'' als sie durch dte Ver- 
fassnngsurkunde erfahren, vielleicht eine grosse Unruhe geben 
würde, üo gäbe es ein Mittel, weiches ganz ohne irgend Einem 



— 128 ~ 

etwaa zu rauben, wis^ er jetzt hat, weit davon entfernt, die 
Zahl' der Wähler, zu besehränken; sie Termehrte und dennoch 
— beschränkte. Lassen Sie mich diese räthselhafte Behaiq)tung 
dadurdi annehmlieh miichen, dass ich den Satz vorausschicke: 
Die Einzigen, die bei uns eigenth'ch wählen^ sind die Wahlmfin- 
ner. Wenn man nun die Einrichtung träfe , dass gewisse Kate^ 
gorien, also vor Allem die einen gewissen Grundbesitz babto und 
daün, wenn es seyn soll, gewisse mehrjährige Beamte der Com- 
mune und d^s Staates, directe Wähler, die Uebrigen dagegen zuin 
Ernennen solcher directen Wähler befugt wären , so wäre Alles 
erreicht, was ich wäns<^e. Der Urwähler hätte einen Sporn, so 
weit zu kommen, dass ausser dem bärgerlichen Wohlseyn er auch 
das politische Recht hätte in die Kammern zu wählen ; e^ wäre 
eine Ehre Wähler zu seyn; die Zahl der eigentlichen Wähler wäre 
grösser, weil die indirecte Wahl doch' eigentlidi nur eine Illusion 
ist, und weil der von einem Wahldistrict Erwählte jetzt Zeit ge- 
nug hat, bei den ernannten Wahlmännern seine Intriguen zu 
madien. Die directe Wahl durch solche, die als wirklich An- 
sässige gewiss anhänglicher an die Commune und das Land sind; 
als die, welche nur ihren Wohnsitz daselbst haben, würde sacfa- 
gemässer seyn und bei ihr wäre ein grösseres Interesse an deii 
Wahlen mit Gewissheit vorauszusehn. Und was endlich die Haupt- 
sache ist, die zur wirklichen Wahl Berechtigten wären immer 
solche, die an der Commune das grösste Interesse haben, wäh- 
rend bis jetzt die Erfahrung gelehrt hat, dass schon zu Wahlmän- 
nern meistens solche gewählt werden, von denen man meint; sfe 
sprächen gut oder sie hätten liberale oder conservative Ansiditen, 
so dass schon bei der Wahl der Wahlmänner die Meinungs- anstatt 
der Interessen-Vertretung beginnt. Ein Drittes endlich, was ich 
auf das Allerentschiedenste fordere, ist ein persönlicheres Verhält- 
niss zwischen dem Wahlkreise und den Deputhten, als' es jetzt 
Statt findet. Das Allernatürlichste wäre, wenn jeder Wahlkreis 
nur Einen deputiren dürfte , der ihm selbst wirklich angehört« 
Bei dem ganz zufälligen Zusammenwürfeln von 40000 Seelen zu 
einem Wahlkreise ist es aber allerdings denkbar, dass hi einem 
solchen Kreise sich wirklich kein Tüchtiger träfe, während der 
Nachba!rkreis mehrere hat. So hat man solche Bestimmung nidit 
getroffen und wir haben es erlebt, dass Berlin einen Ant aus 
Königsberg und einen Bürgermeister von Brandenburg wäUten, 



— 124 — 

dhss die Maasfiifakr enien Professor aas GmfsmMirählan, im 
irialleiolit nie ein Wähler mit Augen gesehtt hat. b Bngland an4 
Frankreiidi mfiesen ste sich doch wenigstens pfisentiren und 
defr Wlhlera Rede und ^iltwori stehn ilier ihre AnskhtM und 
Vorachläge. Ist nun die Wahl gescbehn, so h6rt bei nna duridl 
dm ArtUbei 83 der Verfassungsurkunde, der die Kjvmergliedei: su 
Vertretern des ganaen Volkes erklärt, die an Aufträge und 1n^ 
stmctionen nicht gebunden sind, jede ControUe während der Let^ 
gisbtnrpmode auf. Es mag schwer seyn, das iUchtige zu ümi»n 
awiichea dem einen Extrem, wie es früher in der EidgenoasfeA-« 
eehaft war, wo die Abgeordneten der einzefaieB Caniene s^ eeht 
an die Instructionen gebunden waren, daas sie in lebendige» finerr 
fen wurden, und dem andern, welches bei uns Statt indet, wo, 
wenn aämmlliche Glieder des Wahlkreises einsehn aettten, dass ihr 
Deptttürter gana gegen ihre Intentionen stimmt, er sidh ins Fäuste 
eben lachen wird und denk^: he^ti ft9t$iäenie$. In Bngbind dürfte 
er dies eueh, es ist aber dort Sitte, dass wenn ein Parlaments^ 
glied au ^iner andern Ueberaeugimg kommt ala aeine Maxidaiitens 
dasa es dann frt^iwiUig aurücktritt. Bei diesem wirklich pera&n-* 
liehen Bande zwischen Gemeinde und Abgeordnelen hat es in Eng«« 
land auch einen Sinn, wenn Eine^ sich den Abgeordneten der 
OU^ oder den Abgeordneten der üni?ersität Oxford nennt» während 
kek uns die Bezeichnungen „der Abgeordnete von Beckum"» „das 
sehr ebrenwerthe (auf deutsch: most Komwrahle) Mitglied fux Ber^ 
nun 'S bei denen sehr b^eiflicber Weise alle Augenblicke Ver-^ 
aebn rorkommen, einen lächerlichen Eindruck machen wnrden, 
wenn sie nicht zu den traurigen Erscheinungen gehörten. Je mehr 
übrigens ein wirkliches Verbunden- eben darum auob Gebunden^ 
aeyn des Deputirten an die Andichten und Wansche «einer Men-t 
danten Statt findet und gesetilidü anerkannt ist, um desto grosser 
ist eigentUieh das Gewieht und die Macht des Deputirten der B^» 
gierung gegenüber. Als die Deputirten in Prankreich iM^h mit 
9» g, Cabiers kamen, mit Instruktionsschriften, in ^wektehen die Ww^ 
sehe der Wahlkreise formuUrt wsjren, da konnte die Beg»sruog 
nicht versucbsn, .durdi einen Orden oder dureh eine dem I^epii« 
tirten oder einem Vetter des Deputirten angetragene 6lelW, ihn 
dahin au ktringen, anders zu stimmen. Um wueste» daae vom es 
hier nicht mit einem Individuum, sondern mit einer wiridicben 
fieatunmtheit au Umiii habe, während jet«, w^ hftohst^ia düaos» 



— m — 

tes Eteer «liedaigewIUt ^9futd^ ^s^biosmsk werdeo kaaii, er bub^ 
die AofticbUn des WahNiraidea >eHrel6D^ die D^putirten immer 
aehr in dme itolirte Sidltiog kcwuiien, in der eui p&flQger Mi-» 
mAt» 4ageii kattli: Abb wasi denen ist Beben l>eiz«kommen« wüh* 
read die d«nöb sie Vertretöneii s^mi Acb was geben uns die 
Bffhi an, die schwalzei^ «ras itaea gut dibdit. Was ake die Aw-» 
fibüoig des Wablreohts betrifll« so 4)precbe ich die Samme uosa* 
rer Beyrachtilvgen so ftus: So lange wir nur indirecte WaUoo ba- 
b^i, «tt diesen aJber AUe (oder 4oGb beinahe Alle) bereebtigt sind^ 
MK lange ferner *weder SiOe noeb Gesetz dae wirkliche CentroUe 
derCeWabllen durcb die Wiblmnden nöglicb macbonj, so lange 
wird es kein Interesse an de» WäUergescbäft geben, und es wird 
ein. glttoklioher Xnüä sefn„ wenn die Depnlirteb die Stimn^e d^ 
Landes ausiipredien. 

Die Ber^cbtfgnng dazu, das« das Reebt des Wälens be^ 
«idrifinkt sey, liegi darin, dass das Wiblen »iebt Zweck» sondein 
Mittel ist, um nfigiiehst sieber zn solchen Parlanent^lredern zu 
kentatoen^ die das VerCrauen auf ihren inteii^enten Patriotismus 
ncbtfeftigen. Dasselbe reabtfertigt nun anob, dass nicbt Alle ge- 
wftbit Herden d&rfbn, oder, wie nan sich auszuArätken jiflq[/U 
dass das passive Wahlrecht ^^ die Wlihlbarkeit *^ an gewisse 
BedhigHiigeil gefcttii^ sind. Denen, welche bieriu «ine Bescbrän- 
kimg der aiatOrJicbc«! Freiheit der Wählenden sehn,, möchte ich 
elilgegQttli, dass les auch eine Besehrankung derselben ist, wenn 
ich meiUk eignes Haus nicht anzuaden darf, iind dass acUechle 
Bc|^irti9 ekk greesereb Unglück sind, als eine Feuiu^raast. Wer 
sidi:der natdrlicben Freiheit ^freuen will, gebe in die Üb: 
wilder Ainerika's, bt wdrd ihrer <so >iale fin4en« als ihm Panther 
4tiid. KJaH^rsdilangeii .zugestebn^ Im Staate der ja kesp natür- 
licher KtiltaDd wari, gesduebst ilm kein Uprecbt, wenn er Terhin- 
dert ffffrd» «Ine unvernünftige WaU zu treffen. Während nun in 
elkti übn^^ Ländern die Bedingungen, tun wählen «su dürfen^ 
«kl leichter erfüllbar sind, als ^die, um gewählt werden .zu dür- 
fen/ so ist es .seltsamer Weise bei uns umgakebrt. Die Bedin- 
CuUg, ^ wekhe bei uns die UrwäUerscfaaft gebunden ist, dass 
ich an dien Gemeindewahlen nach betheiligen darf, d. h. dass ich 
eitte ^((iwi^se jährliche Abgabe zahle, diese ist in den Artikeln 68 
4ibd 74 faiBskbtlich ider Abgeordneten w^gelassen und demge- 
Aäss kimk M uns Jeder i w#nn er nur 4reissig ^der respective 



^ 126 — 

tierssig Jahr alt ist, aoch ein DomestHc oder ein Tom Aümoseii 
Labender, in die erste oder zweite Kammer gewählt werden. Die 
Engländer sind in dieser Hinsicht i^ yiel strenger, als wir. 
Dort ist erstlich, um wählbar zu seyn, nöthig, dass man in Eng- 
land geboren sey, während bei uns drei- resp. fünfjährige Ange- 
höfigkeit an den Preussischen Staatsverband dazu hinrricht Jene 
Forderung in England ist sehr zwedtmässig ,- wenn sie auch hart 
erscheint gegen die Eingewanderten. Der Eingewanderte soll er- 
kennen, dass es ein Unglück ist, auswandern zu rafissen. Dass ein 
im Lande Gebomer eine ganz andere Anhänglichkeit ffir dasselbe 
haben, seine Verhältnisse gaAz anders durchschauen werde, als Einer, 
der einwanderte, ist als Regel zu vermuthen. Nur für das aber, was 
in der Regel geschieht, sind gesetzliche Besttmmungnn beredmet 
Wenigstens wird man dies entschieden aussprechen müssen, dass 
drei bis fünf Jahre eine zu kune Zeit sind. In England wird 
femer, um zum Parlamentsglied gewählt zu werden» ein bedeu- 
tendes Vermögen gefordert. Wer nidit Tiertausend, in Städten 
zweitausend Thaler jährliches Einkommen hat, das, da Besoldun- 
gen nicht zählen, grossen Theils in Renten bestehn wird, ist nidit 
wählbar. In England steht, tietleicht mehr als in irgend einem 
Lande, nur der Reiche in hoher Achtung. Das mag traurig seyn, 
aber es ist, und da die englischen Einrichtungen nie beredbnet 
sind auf Zustände, wie die Doctrinäre sie sich wünschen, son- 
dern auf die factischen, so ist es ganz Temünftig, -dass nicht 
Solche zu Gesetzgebern gemacht werden, die das Volk als „arme 
Schlucker^' verhöhnt, öder denen es wenigstens den Ehrentitel 
geHUeman nithi gibt, weil sie nicht Ton ihrem Gelde leben. Dazu 
Vommt nodi, dass es dort theurer ist, als hier, um einen ge- 
wissen Grad von Bildung zu erreichen, endlich aber, dass der ge- 
sunde Menschenverstand lehrt» dass Solche, die selbst Nidits ha* 
ben, nicht das Recht haben dürfen, in den St6uerbewilli|ungen 
tber die Gassen Derer zu verfügen, die Etwas besitzen. Diese 
selben -Gründe dienen auch zur Rechtfertigung der früheren fran«- 
zösischen Einrichtung, nach welcher bloss solche Franzosen in die 
Deputirtenkammer gewählt werden durften , die mehr als . einen 
dreifachen Census von dem der Wähler zahlten. Man hat gegen 
diesen Censtis besonders dies vorgebracht, dass dadurch die „Ca^ 
padtäten'' ausgeschlossen seyen, d.h. alle die intellectuell Begab- 
ten, die kein Vermögen hätten, und, idi denke» Gui$oi war es, 



— 12t — 

«deher darauf .iufinerkMOK niMhie, dM Kenntnisse auch ein Capitd 
seyen. So richtig diese Bemerkung seyn mag, so ist doch dies 
aafTallenfl, dass. während jener Einrichtung ärmere Gapädtlten in 
die Kammer kamen, 'indem ihre Wähler theils durch Geschenke, 
theils durch ScbcioTerkäuCe ihnen zu jenem hohen Census Ter- 
halfen, dass aber, nadidem jene Einrichtung aufgehört hat ^ man 
eben nicht sagen kann^ dass sieh die as8embU0 nationale durch 
soldie',;Capacitäten*' ausseichnel, die nicht entweder frflher schon 
in den Kammern sassen» oder den damaligen Bedingungen Genüge 
leisteten« Ich wurde bei uns schon deswegen nicht für einen 
hohen Census als Bedingung der Wählbarkeit sprechen, weil bis 
zum Anfange dieses Monates es nur sehr wenige directe Steuern 
bei uns gab, und Niemand noch wissen kann, in welchem Ver- 
bältniss bei uns die fiesteuerang und die geistige Begabung zu 
einander ^tehn yfird. . Ich wflrde viel, mehr für solche Beschrän- 
kungen seyn, die hergenommen wären von absolvirten Studien 
oder von lapgem. Bekleiden eines Amtes u«dgl, so aber, dass 
nicht nur einer dieser Gesichtspunkte geltend geinacht würde» 
sondern dass der Grundt^esitz durch den absohirten Unirersitäts«- 
Cursus und vice vena vertretep werdep, könnte. , Das Wesentliche 
ist dabei dies, dass nur Solche auf die Liste der Wahl-Candida*- 
ten gestellt w^rflen, bei denen es wahracheinlidi ist,' dass sie 
Anbänglichkeiit an das Vaterbind, an ihren Wahlkreis, dass sie 
kein Ipteres^e an. Neuerungen als. solchen haben, dass sie. Iii^ 
telligfnz und Erfahrung genug haben,, um nicht durch PhraBen« 
macher cpnfu^ gem^icht, und Gewissenhaftigkeit genug, um nicht 
durph Aussicht;, auf persdnlicben Vortbeil zum Verleugnen der hy^ 
teressen ihrer Mandanten gebracht zu werden. Nur Unter Sek 
eben muss; die Wahl seyn, darum solTsie auch.;nar frei seyn 
unter Solchen. 

, Di^ SuQime meiner Betrachtungen über die Beschaffenheit 
der Depu^es wäre algo: Sie sollen gebildete, politisch reSieund 
sachverständige ,, besonders aber mit gesetzlichem Sinne ausger 
stattete Männer seyn* Sie sollen aber auch als solche allgemeia 
anerkannt werd<^ und nicht noch aiisser der eignen . Schuld die 
▼Ol) Einfiditupgen. tragen, die früher oder später den. Verdacht 
.her?orrufei|» dass sie an ihren . pecuniären Vortbeil, an ihre'eigiMB 
pers5ffKche Sicherheit diuiken, und Gesetze den Andern «geben, 
über die sie sich selbst lustig machen» Damit man zu solchen 



— 12S — 

wd 99 «ngaseheoeil Defbliiicn kdmme^ Mfltsoi Adulalttn fMsf- 
f«n wurden, die as pur den €l»ch«idteateii imd fieeonnco^bm 
mögUcfa maeheii zu wttlen, Dur den Beslen, gewAidl z« inte^d«. 
Die J^eifaeit, das Sebkckte zu dim, soO NieniMid inbeB^ ebn 
danim aiidi mhl <die Freiheit, meh Kräften dtä Staat an rttki-- 
ren. So. lange aber Alles » was ich hier anMlirtc, ai<At Statt fin- 
det,, und leider iat dies unsere Lage^ so fange linft mati €«ftibr, 
daw die Ka»nem;CesQCa^ maoheitde Edsper blisstn, und Ckssetie 
hemmende «iad. 



Kilfte TorleMuis. 

ibMldta ein Stset, d.h. ein folk, wenn «s auftemom ht, ^ 
jegMülSve fnmüm ausOhl, irirft <^ die gesetdiehen Bestfttinnth' 
ffok weg, idie nicbt mehr in der Sitte wcrrzeln, und erttlärt ander- 
seits , das» Dies und Imies hinfbrt Itediteits seyn md gehen ^seR. 
fittSnit ist aber nogenbliiftlich Bfieht mir tfie ilögircbkeil gegeb««!, 
söadem es 'ist dfe grosse Wahrs«belidichkcfit da, dass Etnzehie 
4ä Mfü werden^ die mit Ifaren ' IfPillen (beiis hinter dem naeb- 
UeibeBy wa» ah allgc»nemer Wille ansge^ocben hfl^ tindtAio'Aa6 
€eset8Ücha nickt Meisten, Iheih wied«' jenem tßgttimmn 
WDlen r<irauMüefi und akra die gesetzliehen Sehranken Bbiet*- 
trvioii, buTK^ lese Dflierenzen entstehen fewisc^en dem l^Ileti 
des Staates «Ad den EfnzelwUlen. Darum wird der.iSlaat eine 
Tkfitiglteit teigeii, 'wcdebe ^etne Bifferenzen aub^icht, indem tn>tz 
jenes lindersimllen^ Ja vieileidi^ mit HiHfe 'dieses Anderswoflens 
der Binielveti, ^tonnoeh der aHgeiheine Wille reaSsirt werde. Da 
diese Thätigkeit offenbar die allergrösste Aehnlichkeit hstt mit iler 
des StMemaenns, welcher ^erm^ge «seines Hudems, trotz des 
isonMiren Windes und des trehigen Strome^, mit tSUf^ Felder 
das SdM dort Innbringt.» wo es bin soll, 'So werden wir nach 
«Mm Worte «liAen ditfen, weAohes an fene erhinett. DasAm^ 
sfisistthe Woft ^g^mvttnm- erififnert 'an §oumnm^; wir kOenten tms 
des Wortes den^k^ng bedi^^nren, wenn ntebt das Wort Regieren, 
imejriies ja ^udk in dem ange^MirtiHi Gescbifte gebraiMit wird, 
4m gi^wMHiliAepe wftre. Wir werden darues unter der fl^gle<- 
nUQigsg«w«U Im ^eAMtze gegen die iegfölätite, das VemA- 



~ 129 — 

gett det Biaiite» T«nitehn, i» «einem Conflicte mit d«n Eiiitelwfl^ 
len seiiMn Willen durcbtsseteeii. (Regieret! »oll also bei uni 
nicht heissen r^^r, londem gcmvemer.) In dieser F^cti^n seigit 
«idi ganE eben so wie in der l^slaliren der Staat th soov^n. 
Mir wienn er, inilcm er selbst bestimmtet Dies soll R^tem 
seyn, m^hr negativ zeigte, dass er Keinen über sich habe, Sd 
tritt dagegen hier, wo er die BiuKehien zwingt, die positive Beile 
seiner Souverainetit hervor, indem sieh zeigt, dass Alle unter 
ihm stehn. Eben darum Itann auch gesagt werden, dass der 
Staat in der Regierung sidi als Obrigkeit zefgt, und die Regier* 
len als die Untei^ebenen. Auf die Frage darum, wer regiert 
und wer die Obrigkeit ist, kann ganz eben so wie oben nur ge- 
antwortet werden: der Staat. Ganz wie dort aber jene Frage 
auch den andern Sinn hatte , «lurch welche Organe der Staat Ge*- 
setie nadit? und metonymisch diese Organe (der legislative Kl^r- 
per) als die Legislation bezeichnet wird, ganz eben so bekommt 
aach hier diese Frage noch den zweiten Sinn: In wem verkörpert 
sidi die Regierungsgewalt? vermittelst welcher Personen regiert 
er? Dass nun diese Personen das gouvemetnent oder die Regie- 
rung genannt werden, dass man sie den Lenker des Staates nennt, 
oder auch die Obrigkeit, die Vorgesetzten, zu denen sich die 
Ueiirigen als Untergebene (Regierte) verhalten, das Hegt in der 
Natinr der Sache. Es entsteht nun hier gerade so wie fVfther bei 
der Thiligkeit des Staates ; vermöge der er Gesetze machte, die 
Frage , ob eine gewisse Verkörperung der Regierungsgewattt als 
die aflein richtige^ oder ob eine als relativ beste, endtieh eb ver- 
sdnedene Weisen dieser Vericörperung gleich gut «lenkbar seyenf 
Da es hier darauf ankommt, dass die gegebenen Ges^e 
ansgefäbrt und respectirt werden , und durch die verscMed^ste* 
Willen bindureh ein gchvisses Ziel erreicht werde, so ist hier ein«' 
mal die Kenntniss der gesetzlichen Besamungen, zweiterie die 
Fertigkeit solober sieiiernden und lenkenden Tbätigkeit nötfaig» 
Filr Beide gibt es nnn objective Beweise, während da» Ver* 
trauen, welches uns bei der Widil eines Mandatars bestimmt, 
rein aubjecttv Jst Beide werden ferner durcb Itogere Debung 
tbeils gemehrt, tbeils .erworben. Eben darum ergibt sich als das 
Sackgemisse., dass die Organe der Regierungsgewalt weder nur 
durch subjedives: Zutrauen berufen sind, nach aüdi nur periodisob 
dt»e. Funclicai verwiildi<)ian, senden dass sie diircb ebjectifeil 

9 



~ 130 -- 

Beweis »Is tüchtig erwiesen »nd unji da«i sie^.den FM dcis Un- 
tilfchtlgwerdeos natflrllclh dusgenammen , stetige Organe! dio»er 
Function »ind, die eben weil sie ganz ihr leben., auch von ihr 
leben werden, also besoldet sind. Dies gibt nun den Begriff 
des im Dienste des Staates Steheaden, 4er eben darum »ich 
Diener desselben nennt, des Beamten; welcher ein Staats- 
(Volks-) Amt hat, wahrend der Deputinte ein Volks- (Staats-^) 
Mandat hatte. Beiden hat dasselbe Subj^et, das Volk, d.h. 
der Staat, ihr Geschäft aufgetragen und es war eke Abge- 
gchmaektheit, wenn einmal in der zwdten Kammer in Berlin Be- 
amte des Staats und Beamte des Volks einander entgegengesetzt 
wurden; der Unterschied, liegt in der versdnedenen Weise der 
Uebertragung des Geschäftes.* Diese gründet sich bei 
den Vertrauensmännern, wie schon der Name andeutet, dar- 
auf, däsjs sie Vertrauen gemessen, bei den Beamte» darauf, 
d^ss sie ihre Einsicht documentirt haben. Ein geborner Richter 
ist ein Widersinn, darum hat auch die Patrimonialgerichtsbarkeit 
nidit darin bestanden, wie Manche sich's heute .TorsteUen« dass 
der Gutsherr selbst richtete, sondern darin, däss er einen Ju- 
ptiziar anstellte und — besoldete. Ebenso wäre ein durch Ver- 
traun des Landes berufener Regierungspriadent eine Sachwidrig* 
kciit.- Dazu muss er sich selbst qualifidren. Dagegen aber wäre 
es Thorheit, wenn Jemand glaubte^ man köiinezum Volksreprä- 
sentanten hinaufayanciren. Selbst die vom König ernannten Pairs 
in Frankreich waren Vertrauensmanner, der Krone nämlich.' 

Aus dem ganz venschiedenen Gescbäfte , « welches die Volks«' 
Tertreter und die Staatsbeamten haben, ergibt sieh nun 
sogleich hinsichtlich ihrer persönlichen Stellung ein sehr grosser 
Unterschied : Jene , da sie das Gesetz machten , waren als solche 
nicht durch das Gesetz gebunden, konnten i «für ihr Ddiberiren 
nicht zur Verantwortung gezogen w^en, standen also über dem 
Gesetz; da ihr Vergehn nur: darin bestehn knimte, dass sie das 
in sie gesetzte Vertraun nicht rechtfertigten, so konnte ihnen 
höchstens gesdbehen , dass ihre Wähler ihr S&strauen gegen sie 
aussprachen oder bei. der nächste Wahl sie: übergingen. Anders 
Terhih* sich's beim Beamten. Dieser ist. an objective Nonnen ge- 
bunden und es unterliegt einer Dbjectivra Beurlheikmg, eb er 
dieselben respectirt. Dazu bedarf es einer; Oontrdlle und diese 
raaÜBirt sich durdi eine Rangordnung^ ton welcher im Paria«^ 



- 13l - 

mente sich teine Spur 2eigt , so dass der Abgeordnet« v«n De^ 
litzsch eben so viel gilt, als der Ton Berlin, während das Bl^am- 
tenwesen sich nothivendig als eine Beamtenhierarcbie zmgen muss, 
als eine Stufenleiter, in weldier die niedrigem Beamten ton den 
höhern controUirt und gelenkt werden, so dass sich also zwis^^h^ 
diesen verschiedenen Stnfen ein ähnliches Yerhältniss wiederholt, 
wie zwischisn den Regierten und Regierenden, und darum auch 
dieselben Bezeichnungen: Untergebener und Yorgesetifter 
entstanden sind. Der oberste yon allen Beamten ist der Mini- 
ster. Ihm sind alle Beamten untergeordnet, und er hat sie zu 
controlliren. Dass die Gesetze befolgt werden, dafür sorgt an 
letzter SteRe der Justizminister, dafür, dass die Leistungen nkhC 
ausbleiben, ein anderer Minister. Indem so in ihnen sidi die 
Beamteniundion concentrirt, sind sie die Beamten scfalechihiil und 
heissen darum par excellence Diener; indem ferner der Staat 
seine Regierungsgewalt in den Beamten Terkarperte, bilden die 
Minister ias gouvernement, sie werden überall als die Regierung 
bezeichnet, Ton ihnen heisst es, dass sie den Staat lenken, sie 
werden als die Vorgesetzten und Oberen, alle Regierten lüls ihre 
Untergebenen bezeichnet. Wenn darum der Staat durch den le- 
gislativen Körper gesagt hat. Dies soll als gesetzliche Sdiranke 
respectirt werden, und Jenes soll geleistet werden, so sorgen 
die Beamten und an letzter Stelle die Minister dafür, dass Beides 
auch wirklich geschehe. 

Damit aber ei^eben sich sogleich zwei von einander ver- 
schiedene Functionen innerhalb der Regierungsgewalt, den^n- na- 
türlich eine Sonderung innerhalb des Regierungspersonals. oder 
der Beamten entsprechen wird, von denen die eine dem Rechte 
der Kammern entsprechen' wird , die Gesetze festzustellen, die an^ 
dere das Correlat bilden wird zu ihrem Rechte di6 Leistung^ 
(Steuern) festzusetzen. Wenn nämlich der Staat durch seine ge-^ 
setzlichen Organe gewisse Schranken der Willkür gesetzt hat, die 
nicht überschritten werden sollen, so hat der Staat durch sieine 
Beamten für die Aufrechthaltung dieser Schranken zu sorgen; die 
Personen, deren er sich zu dieser ricbteirlichen Thätigkeit 
bedient, sind die Justizbeamten mit ihrem Hinister an der 
Spitze. Sie bereiten sich zu diesem Amte vor durch juristische 
Studien, in welchen sie gründliche Kenntnisse des geltenden Rechts 
erlangen, die sie nachher objectiv documentirt haben in einem 

9» 



- m - 

KmiDeft» IQ ]Pjr(4».e-(Ref^rfp4ariat^-)Ja]^ßU u.s.w« Amtier apd«n)i 
S^Q mxfi^ es ^9Jc)ie fieamte geben, welche dafür, sorgeji, das» 
Niepiand hinsic^Ui^b seiner Leistungen im Rückstand bleibe, dass 
er picht i^ur lasse, was verboten, )M)ndern auch thue, was be- 
fohlen ist, Steuern bezahle, Wege erhalte, Kinder in die Schule 
sc^ci^e u^^.w. Das sind die VerwaUupgs* oder Admini- 
strativ-Bean^ten (welche bei uns als die Regierungsbeamten 
UQ eng^rn Sinne bezeichnet werden). Sclion in ihrer Yorfa^ei- 
tuQg durch kameralisti^he Studien zeigt^sich ihr Unter^xbied von 
4^n Justifbeamten, und der lauten Forderung, dass die Admi- 
pistralion von der Justiz geschieden sey, ist, bei pns wenigsten^, 
langet entsprochen, indem die Regierungspräsidentei]i und das ganze 
Ragi^imgspü^rsoQ^l nie zu gleicher Zeit die Oberlandesgerichte ge- 
bildet haben. . An der Spitze der Admiuisbratiop wird dann aber* 
mals ein Minister stehn, den man am Besten mit dem. gewöhn* 
licbep Napien Minister des Inpern bezeicübnet £r st^ht an 
der Spitze der Verwaltung. Sieht man von dem Verbältniss eines 
Staates zu anderen i^, . so sind die beiden, Ministerien der 
Jm^tiz und des Innern die beidfen absolut notbwepdigen. So hatte 
auch Qe^ferreicb bis zum Jahr 1848 ausser dem. Rarsten Metfor 
nink, welcbef Minister des Auswärtigen w^ar, nur eiii^n Minister, 
den Grafen Kolowrat, welcher das Innere leitete; der Chef, der 
JufttijB führte den T^tel Mioisteir nicht, was nicht zu loben, weil es 
die Selbstständigkeit der Rechtspflege nicht «genug hervortreten 
läßsjt. In England, war in (ruberer Zeit ^i^v Gros^siegelbewahrer, 
dv h. disi^ Jus^izj;ninist^r, der allerbedeutendste Ministe^*. Wafifm 
di^ jetzt anders, darauf komme ich später. 

JHic^h^ pur, da;^ dieBeaipten eine andere persönlicbi^ Ste^ilung 
hieben, als die unveraptwortlic^pn Mandatare des Vpli;i^, sonderi^ 
9«ich unteir ^ich zeigoi sie l^ierin einen grossen Unteisscbied, jje 
nachdsm sie der einen oder der andern Classe ap^ebören. . Wir 
hAben zueusehn , in wiefern sieh hier Etwas a pnori feststellep 
]4^t, ppd fapgen mit den Justizbeamten an. Der Richter 
hat,, wenn der Tbatbestand feststeht, was jetfct bekanntlich durch 
^e Qoßchwprpen entschieden wird» auf diesein das Gesetz anzu- 
^ep()ep , und nur dies. Eine falsche Anwendung kann als falsch, 
eine^.wisf^entli^:^^ Yqrdrel^iing als solche nac^igewiesep und ebep 
darum die Vpgerechtigkeit seines Verfahrens ihm pj|;)jectiv.,)>^wie* 
4ePf und ilun. dafür der .Process gepiacbt werden, ^uf der ap^ 



— 133 ~ 

Üfü Seite /diimit er ohne nenschenfurclrt urtbeflen könne, uni" 
damit ai}e Welt ihm dies zutraue, dass ihn bei seinen ürtheilto 
not' das eign^ Gewissen geleitet habe, ist es ndthig, dass tti^ri 
ihm iN^egen eines geflllten ürtheils Nichts anhaben könne. Daruli4 
ist die ünäbsetzbarkeit der richterlichen Persöneti' 
anders, als auf gerrchllichem Wege, eine ganz rernünftige Forde- 
rung. ^ dteäfef ünabsetzbarieit nicirt Statt findet, wie in Ame- 
rika, soH die Justiz auch schlecht seyn, wenigstens i^t diesf ge- 
wiss, dass man, wie die fortwSbrende Selbsthulfe, das Lyncben 
und Slmlifjhe Acte dei' s. g. Vottsjustiz, d. h. der Rohheit; bewei« 
sen , dass mdn , sage ich , ihr nicht sehr traut. Es erregfe Kein 
selir gutes Vorurftelf fftr die protisorische Regierung Frankreich^,, 
dass eänet iKref ersten Acte war, zu erklären, dass die ünäbseftK-- 
barkeit als antiropubKkanisch abgeschafft sey. Auch bei uns hat- 
ten Die'; welche vor deita Jahre 1849 mit Recht verlangt hatten;' 
Aaiss richterliche Perisonen nicht ohne ihre eigne Einwilligung ver- 
netzt oder ohne ihr Verlangen pensfonirt werden dOrflen, als ^ie 
an's Ruder kamen, nicht öbel Lust; Präsidenten von Obergeiich- 
tcn zu entfernen, Weil sie „reactionäre Gesinnungen" hatten. Bei 
uns blieb es Moss^ hfei ' der Lust, und Prankreich ist auch bald zu 
der insHmivn „äTUlr^jwibWcatnß**, wie sie in jenem ftecret genannt 
war, ifuMckgekehrt, Welche Prankreich seinen ehreilwerthcfnRfch- 
terstand gesichert brat. Öie ünabsetzbarkeit und Unversetzbarkeit 
der richterlichen Personen Kegt in ihrem Begtiff und muss dalier 
Statt finden, auch Wenn sich' nicht einmal historische, VonderKhi- 
richtung der Schöffen hergenommene. Gründe dafür anführen Hes- 
sen. Biese Unabsetzbarkeit 'hat nun so lange gar kein Bedenken, 
als der juriistiisJche Sinn und also auch die leidenschaftslose Recht- 
lichkeit din richterlichen Stahd beseelt. So war es bei uns tii 
der Zeit; wd die Preussische Justiz bei uns und im Auslande be- 
rühmt wafr. Eine Menge von Umständen haben seit c. zwanzigf 
Jahren dazu betgetragen, hierin grosse Yeränderungen hervorzu- 
rufen: d?e Zahl Derer, die sich dem Justizfache widmen, hatte 
seVt aiugenötfimeti, die drei Examina, welche init deswegen ein- 
geffilirt waren , nahmen allmäÜg dem Fleissigsten gegen vier, den 
Debrigfen seclis, ja acht und zehn Jahre, in welchen Iheils der 
Aerger dafuber, keine feste Aristellung zu haben, theifs die zum 
Thcil sißhr langweiligen Arbeiten der Referendarien eine gewisse 
Bitterkeit erzeugten, die, wief ich höre, oft genährt seyn soll 



durdi eine gewisse Schroffheit vqq Directoren und Prisidenlen* 
'Zu dies^ äussern Umständen kamen innere. Nicht Avch Hegel, 
yvoU ^ber durch Manche, die sich Hegelianer nannten, war die 
AchtUQg zuerst nur vor der Grandlage alles positiven Rechts, dem 
römischen, dann aber vor allem positiven Rechte sehr erschüttert 
Viele junge Juristen hatten bei Hegelianern gehört. Als durch 
die Neuhegelianer der Uebergang zu Feuerbaeh hin gemaeht ward, 
waren es oamenüich die Referendarien an den Gerichten, welche 
durch, LesegeseUschaften u.s.f. zur Verbreitung von Theorien bei^ 
trugen, die, w^nn sie auch nicht. alles Recht als „romantisdi*' 
verhöhnten,, so doch die alte Auffassung, auf der unsere Juris- 
prudenz ruht, als beschränkt erscheinen Hessen. Diese Männer 
wurden durch das dritte Examen zu Assessoren und so inamo* 
yibeh Als nun seit dem Jahre 1830, besonders aber seit 1840 
die Betheiligung an politischen Dingen so viel grösser ward, als 
bisher, war es sehr begreiflich, dass gerade nnter den Assessoren 
der Gerichte sich die befanden, welche in steter Opposition gegen 
die Regierupg waren. Nach, dem streng' bei ui^s durchgefiUulen 
Ancieonitätsprincip traten diese allmälig in die Stelle der älteren 
Assessoren und Räthe, und so befand sich bei uns endlich der 
Staat in einer Lage, in welcher es zur Regel wurde, dass wenn 
einmal ein Process vor, die Gerichte kam, wo die Bfinister Kläger 
waren, sie denselben verloren, Etwas, das, eben weil es Regel 
war, nicht mehr nur auf Selbstständigkeit der Gerichte, son- 
dern auf eine krankhafte, von beiden Seiten verschuldete Span- 
nung zwischen Justiz und Administration schliessen liess. Alles 
dies gab nun Veranlassung zu dem verschrieenen Gesetz von 1844, 
wekhes den Versuch machte» einen allerdings unhaltbaren Zustand 
c|urch eine Maassregel zu heilen« die unvernünftig war. Per Schrei 
war allgemein und eine der allerersten Veränderungen nach dem 
März des Jahres 1848 war, dass richterliche Perspnen nicht, auf 
administrativem W<^e von ihrem Posten entfernt werden dürften. 
Damit ist aber eingetreten, was immer eintritt, wenn ein Strom 
gedämmt und dann der Damm durchbrochen wird: die Strömung 
wird noch gewaltiger. Alles, was vor dem Jahre 1844 Statt, fand, 
findet auch jetzt Statt, nur sind bei dem allmähligen Avanciren 
die Opponenten gegen jede Regierung um eine Stufe -höher ge- 
rückt, und sie finden sich bereits unter den altern Räthen. Da- 
durch aber ist leider eingetreten, wa$ sehr schmerzlich ist, dassi 



_ 185 — 

mtD uDflorn Gefiditen nicht mehr den leidenschaftoloflen / dürdl 
polilisdie Ansktalen anfetrflbten Reditsrinn zutraut, dnrch den 
«e froher berfihmt waren^ Es machte keinen angenehmen Ein- 
dmdc, als im Jahre 1848 in einem Process gegen einen reac- 
tifmdren Grafen die von ihm angemfene Appeltations-Instattz ofita 
die Linl bekannte, das Urlheii zu schärfen; es warf kein gu- 
tes Xichtf ich sage nicht auf die Gesinnung, nein, auf die juri- 
stische Klarheit unseres berühmtesten Gerichts, wenn in derFrage, 
ob'.<tie Nationakersammhing die Steuern Terweigern dhrfe, die 
Stumnen ginz gleicli getheilt waren. Aber es war dies nicht 
IHK 80 in der Zeit fieberhafter AuiVegung: Ob der gegenwärtige 
Minister ton .Htu9^npßuff wMlicb sieben Thaler, die nach dem be^- 
stfligteh fiananschlage für das Maien einer Badestube bestimmt 
waren, nebst dreizdin anderen, die er aus eigner Tasche zulegte, 
für Goldlei^ten ias Saale seiner Amtswohnung verwandt, ob er 
dann so hat quittiren lassen, als ob die ßadestube gemalt worden, 
1^ er sich dadörch einer Fälschung und einer Untersdilägung in 
gewinnsäciitiger Absiebt schuldig gemacht hat, ob er noch viel 
Schlimmeres gethan, — Alles dies vermag ich natürlich nicht zu 
beurHieilen. Eines aber weiss ich: wenn ein preussisches Gericht 
in einem Urtheil sagt, er habe zwar nicht gefälscht, weil alle 
graetzlicb bestimmten Merkmale der Fälschung fehlten, weil er 
aber einen Andern zur Fälschung verleitet habe, und so morali- 
sdier Urheber der letzteren sey, so habe er dennoch gefälscht, 
— ' so ist' es vollkommen in der Ordnung, dass eine englisdie 
Zeitnng uns bedan^rt^ dass man so bei uns urtheile uiid dass man 
ridi solcher Urtheile freue. (Zu unserer Rechtfertigung bemerke 
ich übrigens, dasi dieses Urtheil in zweiter Instanz cassirt 
vmrde.) — Ich führe dieses nicht an, um darauf die Behauptung 
zn stützen, man solle die Richter amovibel machen; dies habe 
idi eine begrhnwidrige, darum unvernünftige Einrichtung genannt. 
Nein, aber etwas Anderes muss geschehn, und wird darum ge- 
schein: Man wbd Maässregdn ergreifen, durch welche es nicht 
so leidit wird, wie bidier, in die Kategorie der richterlichen 
Personen zu kommen. (Das non plus ultra von Naivetat ist wohl 
bei uns gesdiehtt^ wo die Regierang im Jahre 1848 einen (ab- 
setzbaren) Staatsanwalt, der ihr zu viel Opposition machte, in ei- 
nen (onabsetiäbaren) Gerichtspräsidenten verwandelte.) Auch hier 
k6nnte mte von England Manches lernen. Die Zahl der unabsetz« 



— 186 — 

iMffiA Rwhter itt dort aasaeifordanüicfa kleiD^ Und tSav die, itmsn 
J^üBnitiMiii und RediUaiBtt wh erprobe ond beidlhrt hat« wetden 
dacu bftf4rdert. Es wäre Thorheit zu yorlaogeiK dass bei uns eo 
Weuigeii wie in England die ricteeriiche Würde ertheili werdet 
dies hi^sse dafM absebn, dass England seine unbesddetett Graf- 
aebafltssberiffe und Friedensriehl«* hat, das» doft aaeh in CirS^ 
processeEft Geschworene entocheiden u« a. w* leb habe aber |ened 
Land nur angeführt, um au saig^a, dass man sparsam seyn seile 
mit der BrtbeiliHng. einer Wärde, die ma einem absolut selbatstäd« 
digra Staatst>eamteii taacht« Dnrdb drei Examina nnd AncieaM- 
tat allein dazu zu kommen, ist offenbar die Sache zu leicht fe^ 
macht» Auch in Fraat^eicb hoinml nur ein kleiner Theil der Ju- 
risten ai einem Staalaamt, in d«n sie unabsetibar Sind. Bedr 
aUergr^ste Theil, die oeocato und mxmh sind gar keikie Staats» 
beamte, die jH-efuretiri^ dt* Roi sind unsere Slaalsanwäte und ab- 
setzbar wie diese ; nur die den Geiiehtohef bilden, sind inamovihri« 
Je mebr aidk bei uns die Geschwaraei^eriobte einbttrgemi um so 
mehr. werden auch bei ans skh Juristen der Advecatur widmen, 
deren Aufgabe nicht ist, zu richten, sondern vidmehr den Ur- 
theässpruch möglich zu maichen, deren Ausüber eben deswegoa 
auch nicht die Rechle der Richter, Beamte und aMiglekh von 
ihren Vorgesetzten unabhängig zu seya, in Ansimich nefamim 
können. 

Wenn, wir einer sa starken Reduction der RidHerzadii, die uns 
d^ geringen Anzahl richterücber Beamten in England näherte, nicht 
das Wort reden können, so könnte doch etwas Anderes in deneel- 
ben Lande sehr wohl ein. Muster für uns abgaben , durch des$<fi 
Nachahmung sehr gjuü. die Inconvenienzen rermieden werden, köin- 
nen, welche jetzt die loam^^vibüität so vieler Beamten haben kc^n. 
Ick habe schon darauf hi^|^[^wiesen) dass ein grosser Theil dersel- 
ben darin ihren^Gmnd bat, dass bei un§ so viele ricbtevlidic! Per- 
sqüDien zur Op{M)sitionspariei gehören« Ich will nun gar nicht 
leugpen^ dass dies einen png^unden Zustand des Staates yerräth^ 
i^odess wenn sich die Richler g^nz in ihrem Gebiete Mten, sieb 
immer mehr gewöhnen, nur das einmal geltende< Gesetz anzuwen^ 
den und. auDreel^t zn halten^ sa wird diese Opye^ition nicht zu 
si^htbai: werden,, und wird nicht den demoraUsiremlen Einfluss 
auf den. gemeinen Mann äben, der alle Beamten unter dem Na- 
nsen Obrigkeit zosammenfasst^ Justiz und Administratien nieht 



L 



- U1 - 

fUrettf tön ^mnikr «dMMet, imi Aef mm seifl Vertrauen 2a de¥ 
AdmintetFtfliott zuglläehtidt seinem Vierirtoeii auf die Gerichte ver«^ 
H<nrty wum er sieht, dass dieRicbter Mets gegen die Hinister sprechen 
Her die Minister die Geridfte als ihre Feinde bezeichnen. Er Irer-» 
st«ht von diesem Verfridilottgen nur das Eine: „Die Obrigkeit wellrs 
ja selbirt nicht; ilras Ae wili^ sie isi selbst im Zwiespalt mit sich.^ 
Sdloii dieser Umstsind allein #ftrde berechtigen dureli eine Eiii-' 
rkhiung, weldie Enf^smd hat, das Oeffentlichwerden eines solchen 
Confli0tes m terhindem^ ich meine nämlich dttreh^ das f erbot, 
dnsB Wchtxsr in die Kämmen gewählt werden ddnfen. (In Eng^ 
famd ifititen sie,- aber ohne Stimmen zu haben, im Ober* 
kaiiBe, weil dieses iu((leicti dcfr höchste Gerichtshof des Landes, 
und geben Hiren Hath, der begreiflicher Weise immer befolgt 
wird.) Dieses Verbot wünschte ich abiär nicht nor, um die Fflle 
zn vermeiden, Wo der Präsident eines Obergeriebts, der eben in . 
der Eamoer aufs heftigste gegen ein Gesetz gesprochen hat, acht 
Tage darauf als «MdadB^eulrofdosselben Gesetzes fiingirert muss, was 
dsngenaeiQenMann so'leinist^ dass er sein Vertrauen znm fticbter 
▼erliert, sondern eben so uin der Hegierong eine Menge von Verle^^ 
genheiteA zu ersparen. Ifen denke sich die Fälle, wo in dem' 
beftig6D Tone usd mit alten den U(!berti<eibangen, die einmal die 
Tribüne verlangt, die aber der ruhige Bürger für Ernst hält, Be- 
amte den ihnen vorgesetzten Minister hellig angegriffen haben, 
Aer, wie Jeder der sich vertheidigt, im Nachtheil ist. Der 
Opponent ist inamovibel; dass dies der Grund ist, warum er nach« 
her im Amte* bieibti daran denkt der kleinste Theil, eben so we- 
n^ wird.beröcksicbtigt, dass Niemand wegen dessen, was er auf 
der Ti^ibäae sagt, darf beiangt w^den. Sondern mm hersst es : 
,yda8 muss doidi Alles wdhr sej^, denn sonst Wäre er de<^ fSr 
seine Lügen geStnlft^ jetzt aber wagen die Minister nicht einmal' 
In fortzuschkken, den Ehreiunann der Alles aufe Spiel stellte.*^ 
^Der Eh^enmana dachte vieileidit: Präsident bist dn. Die Präsf^ 
deatnr bleibt dir gewiss, vielleicht aber fabrt die Oppi^sitloil' ^üm' 
Minisi^rporlfefenille.) Gegen die O^Msition der Beamten isl jed^' 
Regieruilg ohnedieS' schwach , gegen die der unabsetzbaren Vülifg' 
•tmmädhiig. kh wünsche aber jenes Verbot gor nicht bl6iss um 
seiner Feigen wüen, sbndiem' wbil es dn und für sieh sacbgemäs» 
itdi Wie es ntetioh ^e Unverouibarkeit giewisiMr kArpcfirlidber' 
BeacUUUgHOftti gibt, wie der' Sehomsteiiifoger ni«ht aagleicb Lei« 



-r^ m — 

meft oder zarte Seidensjtoffe 4en IUi«feriiHi«n VQrlfgm wird, so 
gibt es eine Ineenopatibilität zwiscban gewissen Brufen, und als 
ftolcbj» möchte idi den Beruf des Richters und des Kammerr 
mitgli^des bezeichnen. Der Erstere hat nur das Gesetz zu 
vertreten, es mit Leib und Leben zu vertheidigen, der zweite da- 
gegen hat gerade die Gesetzgebung immer mit kritischem Auge 
zu betrachten, und mit aUen Waffen das Gesetz, welches ihm «n- 
zweckmässig sc)ieiDt, zu bdiämpfen. Ich leugne mcht die MLftg- 
lichkeii, dass Einer Abstractionsyermögen genug habe, um ohne 
Confttsion dieser beiden Berufe als perstma di^l^ su fungiren, 
aber es wird Wenige geben — und diesen Wenigen wird ihre 
Stellung vielleicht den Vorwurf der Diqilicitdt zuziehn. Die AUer^ 
meisten werden in der Kammer nicht den Sldayen des Buchsta* 
bec^ vergessen, und darum das buchstäbeinde, rabulistiscbe 
Wesen in den legislativen Versammlungen sehr fördern» weldies 
notorisch durcl^ Juristen in sie hineingekommen ist; omi^ebri 
aber werden sie den Legislator nicht vergessen, wenn sie am Ge- 
richtsüsch sitzen und die Fälle, wo Einer seine Urtheile politisch 
fällt, anstatt na^ dem Buchstaben des Gesetzes, werdcfn sich, meh- 
ren, obgleich wir derselben schon ohnedies genug heben« AUen 
diesen Gefahren kann man entgehn und ist Eagland entgangen; 
indem seine unabsetzbaren Richter nie in eine Lage kommea kön^ 
nen^ etwas Anderes zn seyn als eben Richter, darum aber auch 
ganze Richter sind, und sich nicht zu schämen braudieai, wenn 
man sie mit demselben Namen bezeichnet wie die Gerechtigkeit 
selbst (justice), was wir leider von allen richterlichen Personen 
bei uns nicht s^en können. Sagt man dagegen, es sey doch sehr 
wüoschenswerth, dass sich in den Kammern solche Männer finden, 
die juristische Kenntnisse und juristische Praxis, hab^n, so erwidere 
id), dasis sich deren genug finden und immer finden werden un- 
ter den, nicht im Staatsdienst stAenden, Advocaten. Diese sind 
durdi das Plaidiren in der öfiEeatlichen Diäcussien geübt,' dazu 
kommi aber, dass ihre Stellung zum Gesetz eine andre ist als die 
der Richter Diese sollen staiT nur das Gesetz im Auge haben, 
ihnen ist es gleichgültig, wer gewinnt oder vertiert. Anders der 
Advocat. Er führt nur an, was für seinen dienten spricht, wo* 
das Gesetz einen Ausweg darbietet, profitirt er daran, und es ist 
nicht, zu leugnen, dass Maneher sich nidit begnügt, ein solches 
„LcMch im Gesetze" zu finden y sondern dass er ^etegenäich dns 



-^ 169 — 

hineinsubolmn flucht* So scUimm dies jst» und so wenig idi 
dies Beugen uod Verdrehen des Gesetzes loben will, so kann, 
doch nicht geleugnet werden, dass sogar dieses mehr Verwwdtv* 
Schaft mit dem Vertadem der Qesetze zeigt, als das starre Fest- 
halten derselben. Wenn schon dieses, um wie viel mehr wirfl 
man darnm ron dem gewis;» anhaften Advocaten, der dasu 
berufen ist,, die Unbilligkeit und das Schwankende der bestehen-' 
den Gesetse kennen zu lernen, sagen, roössen, dass sein Beruf 
yiel weniger von dem verschieden ist, Reformen vorzuschlagen als 
der des Richters. Also an Juristen wird es in den Kammern auch 
dann nidit fehlen, wenn man die richterlichen Personen nicht 
wählbar seyn lässt, etwas was nur der fQr eine Zurücksetzung der 
letzteren ansehn kann, der an dem Richterstand nicht genug bat, 
und ein solcher sollte nic(it Richter werden. Es gibt in diesem 
Augenblick manchen grossen Juristen in Preussen, der es bedaur 
em wird, nicht geblieben zu seyn was er war: unter den richter-* 
liehen Personen eine der grössten Autoritäten, und der von jener. 
Incompatibilität, wie ich sie genannt habe , die praktische. Erfiih- 
rung gemacht hat. Wird sie nicht gesetzlieh ausgesprochen, oder 
aber tritt nicht die Sitte ins Mittel, so dass selten oder nie rich- 
terliche Personen ins Pariament gewählt werden, so kann aiclU 
ohne grosse Gefahr für das Gedeihen des Staates das aufrecht 
gehalten werden, was doch das allein Vernünftige ist: dass durch 
die Inamovibilität der richterlichen Beamten den Gerichten ihre 
Selbstständigkeit gesichert wird, so dass die Leitung des Justiz- 
ministers auf das Anstellen derselben, auf die Gontrolle ihrer sitt- 
lichen Führung, auf das Einfordern ihrer Acten, um zu sehn^ ob. 
«e nicht zur Untersuchung gezogen werden müssen, endlich aber 
auf die Befehle eingeschränkt ist, die er seinen Organen, den. 
Staatsanwälten gibt, jedes Influenziren dagegen auf die Urtheito. 
selbst, wegfällt 

Sehr verschiei^en von d^ des Justizbeamten ist die der Ad- 
ministrativbeamten. Die Administration hat za ihrer Auf- 
gabe, trotz aller verschiedenen Einzelwillen» ja mit Benutzung der-, 
selben, den Staat einem bestimmten Ziele entgegen zu führen,, 
geht's nicht schnell, so langsam, kann jenes Ziel nicht ganz erreicht 
werden, wenigstens ihm möglich nahe zu kommen. Weil alles 
dieses aber nicht vorauszusehn. ist, so kann der Administrativ- 
beaipte nicht an einen bestimmten Cc4ex gebunden seyn, sondern 



— 14Ö — 

die eigne Einsicht, die GesinmüYrg und der Tact, iai 9pttni, wel- 
dies er befolgt, gibt ihm in jedem Falle die Rrchtscftnor Ar seine 
Maassregein. Je mehr nun ein Administrativbeamter för das was 
er rtmt, aHein verantwortlich ist, mn so grösser wird seine Selbst- 
»ISttdigfceit seyn. Je mehr dagegen ein Andrer verantworten touss, 
wd» er thut, um desto weniger darf er daran denken, diesem 
Andern gegenfiber unabhängig zu seyn. Da steht es nun in die- 
ser Binsicht, weil wir noch in einem Uebergangszustand begriffen 
sind, sehr seltsam. In früherer Zeit nämlich standen die Admini- 
^ralivbeamteü dem Minister gegenfiber sehr selbst«tSndig da, weil/ 
niehr dder minder. Jeder für sich dem Könige verantwortlich war. 
J\etzt dagegen soll sowol dem Könige als auch den Kammern ge- 
gen Aber der Minister Alles, auch das Kleinste vertreten, was 
in s«infeAi Ressort geschieht. Natflrlieh kann er das nur in dem 
Mlsiasse, ald durch seine Untergebnen nur sein Wille r^alisirt 
wird. Wo ein andrer als sein WHle sich geltend machen darf, 
da -kann er natürlich nicht die alleinige Yerantworfficldteit über-^ 
nehmen. Bei wem kann nun der Minister sicher seyn, dasa »eitt 
Wille realisirt.wird? Am meisten bei denen, die gleiche Gesin- 
nang' mit ihm haben, dasselbe System befolgen wie er', so dass 
er in Jedem derselben wirklich seinen aller Egö hat. Sind solche 
nicht da> nun dann muss er seine Zuflucht nehmen tn willen- 
loäeh Creaturen. Dagegen selbstständige Männer, die ein anidres 
System haben als der Minister, werden in dem ihm untergeordnef- 
teti Kreise anders ädministriren als er wHI, und doch soll er es 
verantworten. Es liegt darum in der Natur der Sache, dass wenn 
der Chef der Administration Alles verantworten soll, er auch ganz 
nach Seinem Ermessen 4iBe Administrativbeamten muds wählen, ab- 
ketten, versetzen können. Wenn das nun einmal geschieht, so 
ftikigen ftie bei uns eilt Zetergeschrei an. „Unser schönstem PaDa^ 
dium seyen die selbsständigen , kühnen Beamten gewesen." (Je- 
"wkfty '^het damals hatte' kein Minister ihre Schritte tm vertheidi- 
ge|i, sottderti sie selbst. Es gibt kaum ii'gend einen Pimkt, in 
dtfm si<A die Unklarheit des Zeitungsräsonnements deutlicher zeigt 
ak dieser. Sie geben es zu, dfetes in England mit defm Wachse! 
dea MinisteriumB alle Administraftivbeamte wechseln , dass in 
Frankreich in einen soMien Falle mindestens die Hflfte der Pi^- 
fectto entlaased wird,' dann aber treten sie mH; dem weisen 
l^rMie^ entgi^^/jap mtin' MMe „nur das Aute ttaehafafmen.«'^ fler- 



- m - 

«ptwQirUidfejifimstw und ^elbetstSndige Be^te wie ^&b|Br^ in 
i3t ein ebep sq geistreiches Verlangen, als wplj[te man, um doc^ 
„pur das Gut^ zu liaben'S $ich ^inen warmen Sommer wün^cben^ 
weil der $el;ir:,gut. ist, zugleich aber auch bedeckte Schoeefelder, 
weil Schlittenfahren doch auch sehr gut ist Entweder — Oder, 
b^i$4t es hier,. Nicht weil eß in England und Frankreicb so ist 
sondern weil .das Geg^ntbeil unmöglich ist, deswegen muss es sq 
seyn* Wo £in^ Rede stehen soiJ> mus$ er «surRede stellen k^n-* 
nen. Wenn map die Justizbeamten als Beispiel unabbäi^igei; 
Beamten anfuhrt, so yergi^st man, dass d^ Minister für ihre Ur- 
tbeile nicht verantwortlich ist, lu dem, worüber man ihn inter?« 
pdlirt, in S^ep, die das Tbun eines Staatsanwalts, betreffen, f\^ 
h^ er auclf das Recht, dieselben abzusetzen. Die Administratiy- 
beamti^n, deren ganzes Thun der Minister zu vertreten hat, ni^üssep 
g^QZ in seiner Hand &eyn, „Was hat der treßliohe Mann gethan'S 
so heisst es jetzt, wenn ein Minister einep ander^ienkenden 
Obeiyräsi^enten durch .einen . ersetzt, deyr des Ministers SystexQ 
befolgt; „was ha^ er ^ethsö«, dass er abgesetzt wird?" Schop 
das Wort „absetzen"^ welches ganz richtig ist, .wo ein gewissen* 
loser Richter di^rch gerichtliches Urtheil kassirt wird, ist hier un- 
passend gewählt. Die Entlassung eines Administrativbeamtein haf 
nichts lEbrenrMWiges, sie ist nur die Erklärung: Du hast ejn aur 
dere^ Syrern als ich, du musst warten > bis ein Minister komn)t^ 
der mit dir gleich denkt. Ja man kann s^gen, die Entlassung 
ehrt den Eptlassenen, weil sie die Declaration enthält, du. bist 
kein willenloser Mensch, der sich gleich leicht zum Werkzeuge 
jed^s ^ix^isters und jedeß Systems hergibt. 

Es ist nun nicht zu leugnen, dass das häufige Wechseln der 
^e^mten eipe M^nge TonJnconvenien^^ mit sich führt» indem» da 
dici Rillen- uud Gesinnungs- losen von allen Ministern gebraucht 
werden können« diese sich am läng^sten im Amt erhalten, dagegen 
dief . welehe eine entschiedene Gesinnung haben, nur so kurze Zeit 
bleiben werden, wie das Ministerium dauert, und also die nothige 
Geschäft§kenntniss schwerlich erlangen werden, \yelche Mittel 
gibt es nun, um die Vortheile der Ministerverantwortlichkjßit z^ 
haben, ohne auf alle Stetigkeit in der Administration zu verzich- 
ten? In England, noch inchr in Amerika, i^t ein solches Mittel 
gefunden,. indem eine Menge von I^eJ^enskreisen der Administration 
djüircb deAßtpt. entzogen sind, und sich selbst ^dministriren. 
Dies ist jenes so laut gerühmte, so oft beneidete ^elfgovemmenü 



— 142 — 

Wenn dort auch alle Staatsbeamten durch neue ersetzt werden, 
so wird dadurch weder das kirchliche, noch das Communalieben 
tangirt, die Schulen gehn ihren Gang nach wie vor, die Graf- 
schaftsbeamten in England bleiben mit wenigen Ausnahmen die- 
selben, in Amerika, wo fast alle Beamte, sogar die Richter, ge- 
wählt werden, wird ein Wechsel der Regierung in den kleinem 
Kreisen, welche gleichsam Staaten im Staate isind, kaum gespürt. 
Bei uns ist nun die Grundbedingung zu solcher Selbstregiening, 
der Communal" und Corporationsgeist nicht da. Er hat sidi 
znm Theil verloren durch das Hervortreten des Egoismus, zum 
Theil durch etwas gewaltsames Centralisireti und Unterdrücken 
corporativer Selbstständigkeit, zum Theil aber und wie ich glaube, 
am allermeisten durch die Vortrefflichkeit der Administration, de- 
ren sich Preussen mit verhältnissmässig kurzen Unterbrechung 
gen seit Friedrich Wilhelm dem Ersten, ja eigentlich seit dem 
grossen Churfürsten erfreut hat. Der Wählspruch, den man ge- 
wöhnlich als den der bevormundenden Regierungen bezeichnet: 
Alles für das Volk und nichts durch flas Volk, ist (glücklicher 
Weise in seiner Affirmative noch mehr als in seiner Negative) in 
der preussischen Administration mit solcher Energie durchgeführt, 
dass vor Jahren ein Engländer — irre ich nicht,' so war es Lord 
John Rwsel selbst *— öffentlich aussprechen konnte, Preussen habe 
in zwanzig Jakren mehr Fortschritte gemacht, als England in einem 
Jahrhundert. Mag es seyn, dass die bevormundenden Beamten 
oft ein barsches Ansehn annahmen, und sich als die alleinigen 
Inhaber der Staatsweisheit ansahn, man muss nicht ungerecht seyn 
und nicht vergessen, dass das Vermögen des Mündels unter die- 
sen Vormündern nicht vergeudet wurde, sondern dass sie ihm 
materielle und geistige Schätze genug aufgehäuft haben, an denen 
jetzt der mündig gesprochene zehrt, — wenn er sie nicht gar 
verschleudert. Mag man nun eine Ansicht von den alten preussi- 
schen Beamten haben welche man will, mag der Eine bei ihrer 
Beurtheilung besonders die Lichtseite im Auge haben, dass nur 
durch sie Reformen schnell ins Leben zu rufen waren und dass 
ihr „verrosteter Mechanismus'^- ein festes Bollwerk war gegen jede 
despotische Willkühr, — mag ein Andrer besonders die Schatten- 
seite hervorheben, dieses entsetzliche Schreiberwesen, diesen Han- 
gel jedes persönlichen Verhältnisses, indem die tüchtigsten Beam- 
ten fast jährlich eine andere Stella bekamen, -— in Einem werden 



— 14a — 

beida äberdoköimnen müssen, wesn sie sieh nicht gegen die Er* 
bbrang ▼erfalbnden vtoUen, dass wir in Folge des Tielcin Regierens 
und AdministHreBS uns gewöhnt haben, regiert und administrirl 
2u werdea, das6, wie die grosse Bedeutung des Militairs bei uns 
uns 2u emem soiAitiidi gesinnten Volk gemadit bat, ganz ebeti 
So wir (ianerlidh) ein Beamtenyolk sind; wenn Einer sagt, das 
ist traurig, sd antworte ich: es mag seyn aber es ist. Es mag 
auch ^traurig seyn, dass wir einen schlechten Sommer haben, aber 
es ist einmal so , und wer dch, weil dies nicht seyn sollte, nicht 
darnach einrichten wollte, wäre nicht klag. Blicken Sie in wel- 
ches Verbftltniss Sie wollen und Sie werden es finden. Bei jeder 
FacuMtsangeiegenheit ist das dritte Wort : das muss man dem Mini- 
sterio vorlegen ;flhrt Jemand auf der Eisenbahn und es gebt zu lang-^ 
säm, so hetsst es: das kommt daher, dass der Staat nicht die Eisen- 
bahnen Terwaltet; brennt ein Dorf ab, so kommt bei der Privatwohl' 
tbitigkek wehig hwaus, man wendet sich an die Regierung; wo eine 
grössere Stadt anstatt der stadtischen Polizei königliche bekommt, ist 
in Jahresfrist Alles in besserer Ordnung und Jedermann sagt: das ist 
^n anderes Ding, -^ Alles dies ist, nur die Wenigsten haben 
das GefübU dass es anders seyn müsse, oder das Geschick selbst 
BU administriren. Bei solchem Mangel an dem Geist , aus deni 
da» $eifyovinmeni hervorgeht, ist es Thorheit, es zu fordern oder 
2tt erwarten. Die Antwort, die man stets hört. Ja gebt dem VolkA 
mehr Freihdt, so wird das kommen, man muss es dahin bringen 
dazu erzidm u. s. w. ist die ewige Schulmeisterei , die uns dahin 
bringt., Einrichtungen zu treffen, die da passend seyn werden, 
wenn wir zu Eogtindem geworden sind. Wir können ein sol-^ 
cfaes selfgm^emmmU wie sie nicht haben, weil wir nicht so sind 
wie sie. Bemericen Sie wohl, ich sage nicht, weit wir 
noch nicht so sind, idi sage auch nicht, weil wir- zu solcher 
Selbsfregierung nicht reif sind. Ich sage Beides nicht, aus dem«^ 
selben Grunde, aus welchem ich auch nicht sage, die Pflaume ist 
noch nicht eine Kirsche oder der Apfel ist eine unreife Birne. 
Wir sind eben verschieden. Weil wir in' Allem gerade so verschieden 
sind, wie in der Art unseres Wohnens, wo der Engländer lieber 
in drei ^Stockwerken wohnt, um nur allein zu seyn und sicher, 
dass Keiner^ am uiigeladen in sein Haus komme, wir lieber in ei^ 
nem grossen Hause mit dIerWelt zusammen, um es bequem zu 
hisd^en/so müssen wir in unsem EiDrichtungen uns von jenen unter- 



— 144 — 

s^dNdeOt D^rEacUhder wflHle esiSr eiiie Besebrükiuig winer 
Freiheit ballen, wenn es aichl Jedem erlaubt sefin sollte, aachwicmi 
ar KicbU weiss, eioe Schule zu gründen, durch aiaittacbreierisdie 
Anzeigen Kinder aiizulodien und sie zu halten und zu eniehn, 
urie-Au; es beschreibt, — der Preuese sebaadert daror und fragt 
$if^j isjt denn da keine Regierung, welche Ordnung schaSl? 
wie kann Einer, der nicht tou der wissenachaAlichen Pröfiuigs* 
Couinijesioil geprüft ist, dergleichen thun? Beide haben ganzR^adit. 
Wollte* der Engländer sagen: ihr defd iiidit reif aar Freiheit, so 
könnte der Preusse antworten: Und Ihr nicht zur Ordnung. Das 
Vernänftigste ist, nicht sich zu- englisiren oder zu prussiflciren» 
spndern sieh zu sagen, so sind wir Beide einmal. Also die 
englißchen Zustünde , bei welchen die* Sdbstregiemng der etnzel* 
neu Kreise es unbedenklich madit, daas mit dem Ministerio sSmoit» 
liebe AdmuiistotiTbeamte wechseln, diese fiod^ bei uns nicht 
Statt» und der Wechsel von Beamten ist bei ufis sidur viel efan-^ 
flussreicber, wie dort« und daher ist es zu wänsc3ien, dass er nicht 
sehr häufig sey. Es entsteht nun die Frage , wie ist* dies bei 
Verantwortlichkeit des Ministers mögheb? Das eine Ausbunlls-^ 
puttal, darauf hinzuarbeiten, dasa der Minister langie im Amt 
bleibe, wird* schwerlich. nach dem herrschenden jCesdimack eeyn« 
yfjjc haben upp nun einmal die Franzosen zum Muster genommen« 
uM wie es immer beim Nachahmen gebt, dass man uberlreibt« 
so ai|cb hier. Die Fransosen haben , da seit MoKatim Keiner als 
Quixot acht Jahre lang Minister gewesen war* dieaea gestürzt, 
weil er sie langweilte* Bei uns wird keine PopularititJänger ala 
zwei Jahre dauern, ganz abgesehn Von den hundert Minister^Can* 
didaten, die unsere Kammer enthalt» Also, ein anderes Mittel I 
Diesea wäre, ^ie Verantwortlichkeit d^a Ministers nicht zu weit 
zu treibjsn. Wo ßin. Minister jeden Ejäces^ üertreten zoll'« den 
sich ein Constabler in Berlin oder ein PolizeifoMat in irgend einer 
kleinen Stadt zu Schulden kommen- la$at» muss er.disau kommen, 
nur geschickte Creaturen anzustellen, Manner, denen es i^icbt dar* 
^uf ^nkompijl, beute i|Js Vertheidiger tou Verbrechern zu lerUkh 
ren^ als sey der Sta^t nur dazu da, damit ^ Spitabubeues gut 
haben, und morgen als der geschi^teste Spilrlniad zu fungiren« Ea 
kann nid)( durch das Gesetz, ea musa abor durch die Sittei, da war 
yon früherer Zeit her nodi innerlich aethstatlodige Beamte bah/eut 
uichl^^rat zu aduiffi^n braucbeui eine/^^lbatsaudigHeU d#fr aiUMlafeii 



— 146 — 

ß^amleDkreSdid, d^feti t!hef die Verantwortlichkeit hat, ent&t^n; 
ich irfU toiebt ^agen , dass die Oberpräfeidenteti gdii2 die Stellung 
haben sollen, wie früber die Provindalmidister, abef eine gr^säere 
AiiAdlierang an diese Ginricbtatig ist nothwendig, weil die Cen- 
tralisattota, wfeldbe seit deni Jahre 1866 in unsere Administration 
gekommen ist, zwar ungeheure Vortfaeile gehabt hat, während mt 
eine absolute Monarchie waren, mit parlamentarischer Eitrrichtnng 
aber auf die Länge nicht passt, wie Frankreichs trauriges Schick- 
sal bewiesen hat FreiBch versteht sich dann sogleich Etwas^von 
selbst. Diejenigen Beamten, welchen eine solche grössere Unab- 
hängigheit tarn Mhristerio eingeräumt wird, so dass sie zwar nicht 
wie die tlichter, gesetditfa, doch aber factisch unversetzbar wer-- 
den, werden nicht fai der Lage seyn dürfen, dass sie ungestraft 
ftlfentltth Opposition gegen das Ministerium machen ddri^sn. Aho 
besthnme man hier entweder Incompatibtlität ihres Amts mit dem 
Beruf ehies i^rlamentsglieds , oder mache die Compätibilität be- 
dingt, so dass ihnen der Minister Urlaub geben und Verweigern 
kann. f%r was gebiert was. Niemand kann Hechte haben ohne 
Pflichten. Je selbstständiger auf der einen Seite, um so gebun^ 
^en«r auf der andern. Diese Regel iät viefleicbt die einzige, hin«- 
sichtlich der alle Menschen gleich sind. Damm in demselben 
Maasse, iik ider Minister för AHe^ einstelm soll, in demselben 
tnuss er ^dh atimächtig seyn. 

Die Spitze der Administration bildet der Minister, er ist tdeT 
faftcbste Administrator: il gtfu^emis ma%$ ii n^ tigne jm«, um dh» 
berühmte iPhrase ides Berm thim hier in brauchen. Ba di^ 
Admfnistratioli Alles, wa^ sie Vottindcft, alle particnlaren tnteres«^ 
sen U.S.W, so zu lenken hat, dass sie mit dem Staatszwedc nicht 
in Conflict treten^ so ist sie e^, welche mit alleti sonstigen In- 
teressen der Ein^nen in fterdbrutig kommt. Daher hängt die 
IBufriedenbeit In tänem Lande am letzten Orte immer yon der 
gtoten Administration ab; selbst schlechte iGesetze lässt man sich 
gefaMen, wenn sie nur gleithmässig angewandt werden, um so 
ihi^r, da tiian Udi hüten kann, mit den besetzen in Conflict zu 
kommen; l^^htihts abei* erbittert so sehr, als das, was man die 
„8d)reererei** der tiegierüng zu nennen pflegt, ihr liineinmischeh 
in Alles , WfScbi^ bei tmserm Admmistrirtseyn - wollen natürlich 
^Msser seyn itirü , als fiigendwi). le vomplidiler nun die Ver- 
bchttüike werflM, Ita sd mehr wird es der Bertlhrungspunkte 

10 



- m - 

zwischen der Administration und den einzelnen Krei^^n j^^en, 
dadurch wird es immer schwerer, dass ein JEinziger derganze^ji 
Administration vorstehe, einzelne Zweite, bedürfen eines eignen 
Ci^(s, und es entsteht mit weilerer Ausbildung; des Staates, je 
geringer die Selbstregierung ist^ um so me]ir, aus dem einen Mi- 
nisterium eine Vielheit von (Ministeriep« So ^ibt die Erziehung, 
^welche zunächst eine Familienangelegenheit is^t, indem sie mit dem 
Staatszweck in Einklang gebracht wird, der Administration soviel 
zu tbun, dass diese Geschäfte endlich einep UnteFrichtsminißters 
bedürfen, so verhält sich's eben so mit den Interessen der bür- 
gerlichen Gesellschaft, es wird ein Handels-, in manchen Ländern 
ein Landwirthschaftliches Ministerjunx nothw.^ndig , ip andern her 
schäftigen die öffentlichen Arbeiten ein ganzes Ministerium; das 
Yerhältniss, in welches der Staat tritt , namentlich wo er mehrere 
Kirphen enthält, kann ein Cultusministerium nothwendig machen; 
d.^s Steuerwesen wird so copiplicirt, d^ss es zu meiner Regelung 
eines besondern Finanzniini^ters bedarf, so dass; wenn sich alle 
diese besondqrn Zweige von jdem einen. Mini^terijorn des Innern 
abgesondert haben, diesem vorzüglich obliegt, den Staatszweck, 
nidit sowohl d^n corporativen , ak vielmehr den Einzel -Willen 
gegenüber durchzuführen, d.h. die Function znüb^Q, die ipan 
diei polizeiliche nenpt, die Function, \yelche .dieses Ministerium 
mit den Meisten in Berührung b^ngt und eben darum ain 
Leichtesten in's Geschrei kommt, Alle diesQ verschiedenen Mi- 
pisterien sind ursprünglich nur Zweige ^les einen Ministeriums, 
ui^d bonneu, wo in. einem Lande wenige administrirt ^ird,» feb- 
len,(wie in England das Unterrichtsministerium), oder durch blosse 
Directpren verwaltet werden. Wepn, darum im IS^o^br. 18^8 in 
einem damals yielgelesenen Buch darüber geklagt ,w:i|f de, dass nur 
.„fine Minorität von Ministern" ernannt sej^ so bewie«. djes, idass 
.unsere s.g» Staatsmänner keine ande;rje Weisheit haben, als; so 
ist's in Frankreich. Formell kann man Nichts dagegen ^(ßo, 
,wenn ein einziger Minister die ganze Administration leilißt* Ist 
,nun eine g]:össere Menge von Ministern da, so ist es erklärlich, 
dass einer .derselben als die H^up<{»jerson erscheint, nach dem 
^ann das Ministerium genannt wird, weil er aks die Seele d^sael- 
bßn gedacht wird^ seine Ansichten das Sfs^qfi lif^finunen, nach 
welchem regj^rt wd. Ich ^ge ^rkl^L^lich, juicbt absolut nathwen- 
dig, (In England bat in früherer Zeit ^eine ^{rosse Unabhängigkeit 



— 147 — 

der einz^Deh üümAet ron einander Statt gehabt; was ein B^ 
voräcUlgt, daffir ist sein Mitmimeter ifiidrt veranlvvortlieb, ebenso 
Fertfftt SaHfam hur seine Vorscbiäge. FQr At)e war damals nur 
der Grossisiegelbewabrer vertntworttidi , wenn er durch BeMinK^ 
kung des Siegel» -sieb dafür yerbfirgt hatten» dass diese Bestimimiii- 
feh nicbl mit^den' Landesgeseteen stritteni >Aach unter Litiiwig 
MiiipP' ist ^es y M^vke idb, eiamal Torgckbü^n^en, tos kein MM« 
stbi^rdsident ernannt .^ar.) Natnrgemäseer Weise wird die PrX- 
sidenlur Ahm üinister zufaUen, welcher das widittgste Ministerium 
hat, dies aber ist in verschiedenen Landern Tersehieden. In ei- 
odm Geld- und Handelgstaat wie England heisst derPremii^mtni-- 
ster' firster Lord des Schatses, er ist, wenn wir das in. unsere 
Sprache fiberselzen wollen j Handels- und Finanammister zugleich, 
darum auch ihre girdssten Minister, Pill, Ped, NationaldkonemiMi 
und Finanziers waren. Hat ein Staat sich erst eine Stellung zu 
geben, so wird der Minister der auswärtigen Angelegenheiten na- 
turgemässer Weise die. erste Stellung einnehmen. So war es in 
Frankreich nach, dei" Julirerolution , wenn nicht Rücksichten der 
£tiquette dahin brachten, wie bei iSeufl und Gtdxot, den Namen 
<des' Präsidenten von der fadischen Präsidentur zu trennen. Im 
ruhigeh und geordneten Lauf der Dinge ist bei-ttns kein Ministe- 
rium wichtiger, als das des Innern, und mit diesem wird die Prä^ 
sidi»tur verbünden seyn, weün uilser^ Angelegenheiten geordnet 
sind ; ehe sie fes sihd , wird nHin am Masten wünschen müssen, 
dass: der Minister des Auswärtigen und unter Umständen, dass 
einMüitair an der Spitze des Miniateriams steht (Eben darum hätte 
ieh geitPüdsdit, unser Ministerpräsident hätte, als er es wurde, Mmi- 
ster des Innern bleiben' können. Dass bei uns die Pfäsidentnr 
nuch verbunden.seynniuss mit dem auswärtigen Ministerium, zeigt, 
w]e:unsicb^ wir neeh* dem Auslände geg^über stehn.) Ist ein 
Minister als Premier oder als Präsident des Ministeriums bezeichnet, 
so gibt .»ein 'Name die Dmctien des Ministeriums an, und sdn 
Verharren im Ministerium, auch wenn alle Uebrigen wechseln, 
zeigt, dass die Direction dieselbe bleiben wird. Umgekehrt aber, 
wenn auch die Glieder des Ministeriums dieselben bleiben, so zeigt 
die veränderte Präsidentur an, dass nicht mit Bestimmtheit erwartet 
w<$rd0n darf^ das» dtas frühere System fortgesetzt wird« In die- 
jier HtnaMl hi^rsdit nuti hei.mls dne grenzenlose Gedankeülosig^ 
h^it« Aufideremen Seite würden es Viele als einen- Verrath um 



— 148 — 

Vaiftrlaöde ansebn, wenn man da „Miaisteriiiäl oim^ Nämea*' 
hätte , ich glaube» »ie trürden ludi einen Namen ohne Minbftmum 
Ttel der gefallen lassen. Und dass auf der andern Seite «rMer 
die Bedeutung« die dieser Name wirfclidi hat, gar nicht geahndet 
wird, davon haben wir Gelegenheit gdiabt, eine sehr eclatante 
Erfahrung 2U nachen« Bekanntiidi macht die Opposition dem 
Hinister vott Mtinteufftl die bitterste» Vorwürfe, dass ef seit dem 
November Torigen lähres die frohere Pohtik röUig verhaseA habe, 
und man hat es laut in die Welt hinausgerufen, ein solcher Weeh- 
sei des Systeküs, ohne dass das Ministerium wedisela, sey in den 
Annale conaütutionell^r Länder nicht vorgekommen. Abeiresbat 
ja gewechselt An die Stelle des Ministerinma Btandtnhut§ ist das 
Miiiisterinm Manteuffel getreten, es kann darum durch das System 
seines Vorgängers nicht gebunden seyn. Ja aber^ ^agen sie.wei«- 
ter, «ler Minister van Manteuffd war ja selbst Mitglied des Mi*- 
nisterii Brandenburg. Nach „consiitutioneilem Bravofa*^ hätte er 
abtreten, oder die frühere Politik fortsetzen mussem Abei^ gerade 
dieser „eonstitotionelle Brauch," d. h. das Beispiel Frankreichs, 
bietet eine sdilagende Analogie, dio der Minister statt aUer weiterti 
Eipedoratioaen hätte anfilhre» können : Als auf das Hinist^riiifn 
d€ BrogMe Vom 12. März 1836, in wekhem.Herr Thün Mtaisler 
dies Inneiu war, am 2ft. Febr. 18SC dto MimMerwm jygte^ in 
welchem derseibe mer$ die Präsidentschaft und das auswtirtage 
Ministerium übernahm, (also ganz dte- Fall des Herrn «#« Mtn^ 
laujfeO -^*da idt ee Keiiftm eii^faBen, denn er bfttte ihnen ia's 
Geaicht gelacht, ihm zuzumuthen, j^tct Alles lestoihalten imd äa 
Vertreten, was das Ministerium de Bro^e tu seiner Anfgäbe ge-« 
madU hatten Eine ändere Präsidentecäiäft ist ein andnis Systeiti, 
das ist nicht nur BraiKh, soad^m das liegt in der Natnr der 
Säehe, wenn anders mit dem Präsidenteu'^NaaMn ein Sinn verbm^ 
den seyn seU. Freilich auf 4i€fsen kommt es selur Vielen, die an 
allen Einrichtungen aadrer Staateft.BiiA ^,wäs gut ilt'' ausiiicheii, 
leider nicht an^ 



Ili der Legislation zeigt der Staat, dass elr Niemand tibir 
ekh hat,, in der Regie run« <ikech4spflege üafd Ainkttiiatretioii)> 
«hss AUes unter ihih steht, darum sind beide Fuattionen versdiia«- 
dene Beth&tigungen oder Seiten dessen, wodurch er Staat ist, seine 



— 149 — 

Souv«iraiaet|tt So Botbw^dig es nun igt, damit beid« Tbätigk^- 
teo iQfigUcbst vQllkommeii geübt werden, das» dies durch verschie- 
dene Orgfin^ geschehe, so ist d^ch andrerseits nicht zu leugnen, 
4«iss bei dieser gonderung . eine krankhafte Trennung und feinde 
selige Eintgegensetzung der beiden Organe Statt finden kann, we^bo 
Krankheit, wie jede Krankheit, darin bestefan wird, 4ws j^4w 
P^n egoistisch das ganze Leben des Staates für sich in Anspruch 
ninunt, sich für den ganzen Staat erklärt» allein das Volk odef 
souFerain seyn will — (Ausdrücke, die wir als Synonyma erkannt 
habeii). J^q si^lc^ Krankheit führt den Staat dem Zustande des 
Nicb|^t|iates, dr h- der IXesikotie entgegen, nur ds»s sich i^ 
nacfi dem egoistiscbep Isoliren der einen oder andern Sei^e, der 
PespotismM^ verschieden (estalten wird. Halten sich die Bemiten 
fS^ den ganzen Staat, s(i entsteht der B^amtendespotismn)^^ 
pdfr die Büreaukratie, d.h. die alleinige Souveraiqetä^ der Be*- 
9ipte9, in welcher die WilMbr derselben die Stelle des Rechts ver-» 
trittf also Anarchie Statt findet, die uberhai]|)t mit Despotismus ^usam* 
men^llf *^ in diesfw Zustande wird Alles, was nicht zu den Beam^ 
ten gehört, verachtet und der Kastenhoch^)^th erbebt sieh über den 
i^brigen Tbeil des YoU^s, Auf der sindem Seite stellt sich diesem 
Egoismus der gsn^ eiiitgc|;^ngesetzle entgegen, weldier nun gerade 
^ici Beamten dem Volke entgegensetzt, und also nur die Nichts 
h^ti^mten als Volk geltep laast. Dieser Beamtepbass ^ni^i 
d^np seine Spitze i^ dem ])|iniaterhass der Volksrepi!^seiitan-> 
ten» welche in den Vifiistern ilire Feinde sebp, und stets sieh als 
die aUeinige Volksstimme bezeichne^. Di^s ffthrt zu ganz giei* 
ch«m DespQtisoms zuerst der Kammern, dann der Clubs, endlich 
d^ Masse, d^ h« aberm^s ;sur Anarchie, Si«t der Qe^mtenhoeh-* 
Vßnth: l*äaH {le f^f^e) e*€st mm, so antwortet der 9eaint^i9tos&: 
Ifi f^B^ iV^fat} c*esi ^oiu$, Beides ist g^ns gleich verriiek^ und 
qur Sa(^he der, tiebbsberei, für weU^e Form des Wabnmmu» mm 
sich erkürt. Leider i^t dieser, krankhafte Zustf^nd hei uns salup 
berrs^bi^d^ und wie es auf der €ine^ Seite als Beweis vofli „p^üti*- 
scb^r I^ßife'' angesehn w^*d, w«fw Jemand über Minister und Beamte 
Uni^^iflhW 3p auf der aj;idern Sf^te als ein Beweis voq ^«Patriotismus 
U|)d f^td^mäqnis^her Weisbeit'S wenn die Beamten über die Km^ 
O^ffiEi fiiich luifl^ machen. . Wahrend mit Becbt die engUsoben Hi- 
storiker dies in dqr Entwicklung ihres Staatßlebens rühmen, das« 
iis^ fina^fb^n St^atsge^falteA mh gegenseitig gestärkt un4 gesMtift 
if^wfn w¥w4 4mm isi^fiinm bnü ^m m «iqti ^^ Aui^sb« m 



— 130 — 

stellen, einander zu schwächen.S prach* doch einmal ein Päria- 
naentsglied es offen aus, die Minister seyen dazu da, um in Ver- 
legenheit gebracht zu werden. Das einzige Mittel zu einem ge- 
sunden und normalen Staatsleben ist, dass jede der Staatsgewalten 
nur als eine Seite der Souverainetät, aber auch wirklich eine 
Seite der Staatssouverainetät, Geltung hat. Dies führt uns nun, 
nachdem wir den Begriff beider Staatsgewalten jeden f(ir sich 
fixirt haben, zu der Betrachtung über, wo ihr Terhältniss normal, 
und wo es krank ist. 

Fangen wilr mit denl Letztern an , so wäre es ein krankhaf- 
ter Zustand, wenn es von der Regierung gähz abhinge, ob über- 
haupt die legislative Function geübt, d. h. ob die Kammern Ter- 
samtnelt werden. * Davor sicfaeit sie die Pei'iodicität, ohne 
weldhe legislätire Versammlungen kernen Sinn haben. Auf der 
andern Seite können kritische Zeiten kommen, wo öffentliche Be- 
rathungen über den Zustand des Tateriands nur dem Feinde zu 
Gute kommen und jede Regierung unmöglich machish; hier muss 
der Regierung die Möglichkeit gegeben seyn, diese Gefahr abzu-* 
wenden, indem die Kammern nicht berufen werden. Beides ver- 
einigt sieh, und es mM der Bruch der Constitution vermieden, 
wenn wie in England das Parlament viel öfter berufen wird als 
das Gesetz es fordert. Dass es jährlich zusammenkommt, ist kein 
Gesetz, sondern theils usui, theils dadurch nothwendig, dass Vie- 
les der Regierung nur auf ein Jahr bewilligt wird. Müssten ein- 
mal die Debatten auf längere Zeit ausgesetzt werden, so^ geschähe 
keine Ungesetzlichkeit. Bei uns ist nicht nur vorgeschrieben, 
dasd das Parlament jährlich berufen werden muss , sondern so- 
gar dass dies im November geschehn muss. Wenn am 20ten 
November aho ein Feind ins Land bricht, müssen dennoch die 
Kammern berufen und dürfen nicht auf länger als 30 Tage ver- 
tagt werden! Wie Vieles wStc unserm. Lande erspart worden, 
wenn das Gesetz nur alle zwei Jahre, der Gebratfeh aber alte Jahre 
die Versammlungen veriangte, oder wenn es auch nur hi^kse : In jedem 
Jahr werden die Kammern versammelt, und dann sich der Ge- 
braudi bildete, dass dies im Januar geschehe, damit in solbhen 
kritischen Fällen die Regierung mehr Spielraum hätte, indem sie 
etwas sj)äter als gewölmlidi sie convocirte. Bei der gegenwärti- 
gen Einrichtung wird häufig das Dilemma enfstehh, gegen die Ver- 
fessungsul'kunde zu Verstössen, oder das Wohl des Landes Preis 
Xtf gthm. ~ Wi4 #btoe Pei4oMli»l«t ^ik TUfltigit^it dar Sämmem 



-« 151 — 

nuP' als eine Gunst, 'MÜit als ein Reefit^ erschieiie, eben so imiB^ 
mü Recht das Parlament darauf halten^ dass ohne seine* ttewilli^ 
gung Nidits' fiesetzeskraft erhalte« Mnn ist cs^ abei^ niekt 
nur Di6^iob, sondern sehr nvafarsdieinlielifc, dass audi t^abrriid dev 
Zeit, wo das Parlament' nicht sitct, wegen ntdit vorhergeseUeneir 
Falle R^pressinnaassFegieln ergrtffen werden müssen. IMiniBii iiat 
GelHrattch'undGese& in allen I^ändem^ wo es Parlamiiite gibt, der 
Regierung* die* Madrt gegeben, Verordnungen (Ordonnanzen) -ergehn 
zu lassen,' ffitar welcbe die Minierer die) Verantwortung übernehmen, 
die: aber» uin wiitiiclie Gtisctze. zu werden, der naohkräglidbeM Ck-^ 
fielHBigung 'durch ti^ Kammern bedürfen. — 'Es kannte :mri sdieiM 
nen, ds wenn- hhisnchdidi des anidern Rechtes; das wir < den Kam- 
mern 'Tindieirtihä)efi, 'des Redorts der St'euerbewilHgnng etwas 
Analoges Sialt' finden miüsse, so dasj^l die Regierung j Yorbehaltttdi 
der nacbtrSgliehen Genehmigung der/Kammern, auch wdhl Steuers 
auflege könne. Diese Anaiogie kann man aber durchaus nicht 
gelten lassen. Die Ordonnanzen ergehn, w«il neue Attehtate ge-^ 
gen das Recht - vorgekommen sind, um das alte Recht' zu sohOt^en; 
also den siäiui quo JEiuftrecht zu halten, pfeife Steuern dagegen 
rind nötfiig um Neuerungen zu machen; Es beim Alten zu lassen, 
darf de» Hinisfem ilicht unmöglich gemacht wenden, Neuerungen, 
zu unteiii«hlnen darf ihnen nicht freistehn, ebne dass «ie di4 
Mandatare des Volkes gebort haben. -^ Ganz wie sich die Regier 
rung" nicht amhaassen' soll, ohne (voirb^-gehende oder nachfolgende) 
Bewiliigüng'äei^KaAimern Gesetze zu Erlassen, oder ohne vorbei» 
ge^ngene Bewilligung derselben Steuern zu ertieben, eben- so > darf 
andrerseits die Regierung vei^langen, das^ sich die fiammer» nidü 
In ihre Geschäfte hineinmischen. Die „ parlamentarisde Regie^ 
rüng^, die in ''unsern Tagen häufig bejsprodien wird, würde ib# 
Correlät haben an Mnem „von der Regierung • ernannten Parla^ 
ment^S jetie' ist ein Kötzern^ Eisen, diesids ein eisernes Hokl 
Darum soll si<^h das Parlament nicht in die Rechtspfitsge nilsdien 
mit unz<°iitigen Amnestiegesuchen, und nicht in die A^dmimstration, 
wenn sie verfangt, dass in irgetid einer Stadt der fieiagerängszü- 
stand aufgehoben werde. (Btwas Andres ist der Gesetze^antrag^ 
dass überhaupt tiJe ein sblcber erklSrt werden soll.) Anträgt wie 
d^ bekannte Siein&^e im Jahre 1648 sind Eingriffe in die Riechte 
der Adniinistration, weiche die Regierung nicht dulden soll. Wäre 
bei dem letztgenannte» Antrag; ris er zuerst gesteift wurde, vom 



— 15B — 

KrififsminisMr, der der popufadrste alier dänaMgen BGiiistar wnv 
mit einem entsohiedm« Nein geaütwertet^ «8 vtite^ uns MailclMa 
eifapart, unter Andena die grosae L6ge, in der twiD. Seiten dea 
fa%ekid«n Ministariams gatban wurde ^ als aey gescbdbaa« ivaa 
die VereamnlliiDg bescUoasen, und von ihr gethan» als glaube 
aie ea« in solohem Thun bealaadeu datuals niiBro Thalen. 

Ein solebcs si^h nidu ins Handwerk Plnsohen allein kann aber 
niebt daa wabre Verbältnias aeyn, denn dies Aadet am Ende audi 
Statt »wiacifaen der AranEöaischen Regierung und deua engbadifQ 
PaManebtk Zu jenem .negativen Veitiftltdiaa uuiaa das {Kiaitive 
hintokooMnen, dass iie mit eiitonder communidren i Und in eaaer 
Wedlsriwiriumg itehn, wulcbe Ireilioh auch zu Conflictcn fubreu 
kami^ ganz wie die Wechsel wirkuqg iwisbheB Nanr^n und Ge- 
fSaaen die Möf^dikdt zur Entzündung der N^rvenaubetanz, dea 
alterirlan Bintümiaufa in Nervienkrankheiten gibt^ aber aueb daa 
ejnage Jiitiel ist, wodurch die Ner?te ernährt werden und die 
Gefäsae tfaätig aejn können. Die Kammern^ welche «die Gesetze 
festateUen und die Mittel aur VetwaltuBg beiriUigen,» mias^n sieh 
auch «(berzettgeti, db jene befolgt, dieat dazu yerwandt werden» 
wozu sie bewilligt win*den* Dies ist die eigentliche Bedeutung 
der Interpellatisnen, welche den Ministem Gelefenbeit gel- 
ben sollen, vor dem Latide anszusfureoben, in welchem Sinne, nach 
weldiem iSystetn sie regieren. Während in England es. oft vor* 
koknait, dasa ParteigenaaseB der Minister InterpelbtiooeQ an sie 
machen , utn ihBen diese Gelegenheit zu geben, während dessen 
steht man bei uns die Interpellatiott nur ids Mittel an, die äfini- 
sfiei^.zu chioaniren, und demgemäas ist man dnzu gekounnea, in« 
diicrste Fragen auch Inteipdlationen zu Ueonen. Wenn z^ B» ein 
berübmiez KammermUgUed einen Minister fragt i ob es wahr sey» 
dsHs er sich ymi seiner ursprunglidien Absiebt durch eine gewisas 
Partei habe abbringen lassen und, da der Minister darauf sqhweigt» 
eine berühmte Zeitung diesiss Scbweigen „eonstatirt'S so verglas 
m* dass Jtme (Vagen eben so wenig eine Iateq>ellatian ist wie 
etwa 4iß» ob der Minister von seiner Frau sich Gardinenpredigten 
hallen Jasaei and dass es auf beide nur ei nie Antwort gibt» ein — 
aignificaiiiw Schweigen« Dem ftecbte dar loterpeUatjnn aof Sei^ 
tan der Kammera entapridit auf Seiten der Regiemng das Recht, 
gidchfalis (wie die jlammerglieder) Gesetze vorzuschlagen 
und so die Kam&mra zu veranlassna, bi^miber Bescbluss «n fassen. — * 



Hat 0M1 in der Beantwoiftttog fhir lolerpellaMoBi gpxeigt, 4ß9$ dii 
MitfisiBr ota System vecfOlg^Or weMi^a m upteiTßiüi^Qn den Deptt-* 
ttf tea ihr G^wlaten yerbtetet, m werdw sie diee An^^pi^ecbeo, und 
Uir Miß&trauensvotum Mt niotii« Andere«, ab der Ziiruf an 
die Minister: Desinnt Euch, denn ayl die Weit« k^ini^eii wir mcl^ 
im^wmnieM. Jim entapri^t auf Seiten d^r Aeg^ernng ein ganz 
gleiches ReebU Sie rnft ihr: Beeinnt £uph! den Kammern w 
doffch die Yerfbgung und dasa mtmhe Kaoimer in der 2eit» 
wo sie vertagt wurde, sich wkklich be^nnen hat, ist nicht nhoe 
Beispiel und oß zu lohen- -^Weon endlich die MinieUr auf jenes 
Yolui» nisbt ftohtop» iipd die Kaunmern sich uberateiigen, dim das 
System der Begierung verderblich i&t, so entziehn sie ihm dwrob 
die VArweiferuqg der geforcterten Steuern die Mitte},, iu 
dieser Weise weit^ fortzng^m» oder tragen verniöga einer %ittT 
liehen Anklage auf die DienstantbebiHig oder BesttraAuig d^ 
Minister an- Diesem Aeussers^n auf ihr^r Seite entspricht auf 
Seiten deif Rei^rung das Repht der Auflösung der ^antmernt 
wa sie Wablkainmern sind« oder der Pairs^Creationi ^9. si# 
eine erhUcbe ist. Weil djes ausserste Mitlei siadi deswegen stebt 
man in England da^t sehr laqge an^ Stquerverweigerni^g iKid Ail*- 
klage der Minister kommt fast nie vor« Die Pairs^Oeation bleibt ge^ 
wohnlich eine Drohung, so bei derReformbill; auch die Au4ö«^u9g 
0es Parlaments ist wegen der Wablunruheii Etwas, was ein engür 
scbeft Ministerium sdieut. Bei uns, wo. man gern gl^x;b alif 
Trumpfe ausspielt , (jvie. die friscb aus der Tansistiinde. koiyunan 
die halsbrechendstan Pas machen) war man auf der emen Seite 
mit dem Droben des Aeussersten soglei^ bei der Qandf und ia( 
man andrerseits gegen die {LammerauSüism^en ganz abgestuiapdFf 
Nicht nur aber dies, sondern seihst in der Theorüe hat man vifol 
weniger den gesunden Zustand des Staala als vjdmehr die äuspiurr 
sten Fälle im Auge» und die, welche^ wenn sie etpe Yer^ssungsr 
Urkunde in diellande Jiehmen^ zuerst darnach seben und dar«^ 
auch den Werth cbr Urkunde beurtheile«), was dort ubfir ^teuer-r 
yerweigerMüg und Minisieranklagß steht, kommen nnr ffß^ so im 
wie die, welche, die Sehönbeit einess Gesichts dafna<^ benrtbeilen 
wollen, oh die Stir^iuskelp siark genug srnd, um^ wenn die Nase 
yerleren geht, eine künstliche daraus su machen.. Ganz im Ge* 
gensatz gegen diejenigen, weiche es als einen anomalen 2^tand 
aneehn,, wann in m^ß^ Xapde die JLammern. aMf Ywspblag^ 4w 



— 154 — 

Regienmg annefamen, weil das ,;langw€ilig^* s^y *-^ so TeHangeD 
junge Mediciner auch nach „it^^ssanten FHUen^ ', die aber gew{An- 
lieb den Kranken mebts weniger als amüsant sind -r- ganz im 
Gegentheil werden wir ein sokbes Hand in Hand gebn- als das 
allem Normale ansebn müssen. 

Nur unter einer einzigen Bedingung kann dieses normale 
Verhältniss zwischen der Kammer und der Regierung becrtehn, 
wenn -Beide wirklieber Ausdruck Eines und desseften Willens sind, 
sd dass also in der Legislative und Regierung steh ein gleiches 
S^st^n^ beibätigt. Wo dies Hiebt der Fall ist, also eWa die Le-^ 
gi^atite ans FreibSndliäm , die Regierui^g ans Säiutzzöllneml f»e-^ 
stellt; ist das auf die Dauer ohne Ruin des Landes ntcbttndgKtb, 
Und- eä wird entweder das Ministerium abtreteh oder abet*' eide 
neue Kammer berufen werden müssen. Weil- iii England |ius 
vielen Ghf'ünden, die aber nur in England Statt finden, 
wenn ein Ministerium im Uuterfaduse überstimmt wird, dies 
ein Beweis ist, dass zwisdien ihm nnd dem Lande *eine nicht 
mehr auszugleichende Differenz Statt findet, deswegen ist es bei 
den' s;g.-Constitutiondlen ein Dogma geworden, dass wenn ein 
Mlnistet^ in der zweiten Kammer in der Minorität bleibt, er ab- 
treten oder die Kammer auflösen müsse. leb habe das Uebereilte 
kl 'der Folgerung und das Falsche in' der ganzen iTheorie nachzu- 
weisen. Zuerst, warum geschieht es meistens (nicht immei*) in 
England? Sdbon dass «dort besonders der fon auf das Unterhaus 
gelegt wii^dvbaf seinen guten Grund, da nur dieses dürich Wahl 
zu Stande kommt und also aus Männern besteht, die-Moss durch 
das Yerträuen' der Wähler im Hause sitzen, wibrend es'^robie- 
rhatisteh seyn 'kann, ob die Lords Vertrauen gemessen, da dies 
erst während der parlamentarischen Laufbahn erworben wird. 
(Bei lins, wo beide Kammern (bis jetzt) gewählt wurden, ist es 
eine' seltsame Präfension, wenn sidi die zweite Kattimer besser 
oder wichtiger dünkt.) Weiter aber dadurch, dass die"feelbst In- 
teressirten wählen und durch das" viel persönlichei*e Verhälthiss, 
welches zwischen der vrählenden Gemeinde und ddm' PiarlamentS' 
gliede Statt 'findet, ist, wenn eine grosse Majorität iiii ünterhause 
etwa beschliies^t, dies Mn Be^veis, dass die Wahlkreis^ selbst so 
denken, so dass also das Unterhaus wirklidi die Ansicht des Lan- 
det ausspricht Nun sagt man freilich, so müsse ^man auch bei 
nUs die Depütirten ^hsdih , sie se^n, nath Guis^u Ansdniök, das 



— 155 — 

pays Ugal; idi antworte: wenn sib es nicht sind,' so ist kein 
vernfinftiger Grund sje daför gelten zu lassen, und was dabei her- 
auskommt , das payt Ugal för sich zu haben und vom payi im 
Stiche gelassen zu werden, hat das Jahr 1846 gezeigt, und doch 
waren die Einrichtungen in Frankreich solche, wekhe Tfel mehr 
als bei uns die Garantie gaben, dass die wesentlichsten Interessen 
von den Deputiften vertreten wurden; Es wählten nur die selbst 
Interesse an der Erhaltung des Staates hatten, und sie ^ihlten 
direct, Männer, die sie mindestens von Zeit zu Zeit sahen. Ah- 
det*s bei utis;' unsere Einriichtungen isoliren die Deputirten, lassen 
sie bloss vermöge einer Fictiön ixxmpayiligal werden, Fictioüeri aber 
sind Lügen. Daraus, dass die Glieder der zweiten Kammer Et- 
was, z.^. Eiükorataseiisteuer, för vernünftig halten, folgt bei uns 
gar nicht, dass dies Ansicht des Landes, des Volks ist. Endlich 
aber kommt dazu noch ein Drittes. In England ist es bei den 
Wählertl wie bei den Gewählten immer zur Zeit eine Frage, die sie 
besonders beschäftigt. Hinsichtlich einer solchen aber sind immer 
zwei Ansichten und nur zwei möglich; zu verschiedenen Zeiten ist es 
Verschiedenes gewesen, einmal der amerikanische Krieg, ein ander- 
mal das Verhältniss zu Frankreich, wiedei* einmal 'die Reforittbilli 
lein anderes Mitl die Orangelogen, (dann wieder die Korngesetze u.s. w.; 
indem jede dieiser Fragen mit Ja und Nein beantwortet' werden 
konnte, so war immer das Land und ebenso das Parlament in 
zwei Parteien gethe^lt. E!iner diiesei* Parteien muss darum auch 
das Ministerium angehören, und die entgegengesetzte ist dann die 
Oppositionspartei. Da aber weiter alle jene Fragen in einein ge* 
bissen Zusammenhange stehn, so dass es nicht zuHIHig ist. Wenn 
die sich in der Reformförmfrage rechts stellten, andt In der Korn- 
gesetzfrage dort sfehn, 'so vertritt nicht nur die ministerielle Par- 
tei, sondefn auch die Oppo^itfon ein bestimmtes System odisr ist 
systematisch. (Bei uns gibt es Viele, welche meirieÄ,' es 
könne äine systematische Opposition ohne S'yiätein gebfen; 'wasf Sie 
meinen und nur wünschen ist die Oppiosition qaand^ ihSme, das 
Unvernünftigste, was es gibt.) In Folge dessen weiss 'ein' Hinf- 
sterium, w^nn es in einer wichtigen Fragte inl' der Minorität blieb, 
dass das entgegengesetzte System das Debergewieht hat, und ihm 
Selbst daher Alles misslingen wird. Darum, wenn es nicht das 
Unterhaus auflösen wOI, macht es den Gegnern Platz, und die 
Hauptnamen der Opposition werden dann begreifliöber Weise 'in^i 



- IM - 

Blinisterium kooupen, (Ehep darum bat 4«cb in jEfiglaiul, wepo 
die Oppoi^ilioo Dicht aystematisch, sMd^ra pfirft^^RÜch war,.da9 
lüioisterium sieh ubjer Ni^derlagep hinweggesetzt, Qdfjr aber ffejxa 
^eip^m System, 90 wie jetzt, nicht ein, sondern n^brere Sy^iteiKie 
^iltg^ei^ebn, so dasß seine Niederlage nicibt beweist, 4a$s eio 
Anderem inehr Partisane im Parlament bat, bleibt es.) ßaa Ver- 
l^uoiygste also i^ hier: Bei ßinem Parlament, welches wifklicb 
der Attsdriiclf des Yolkswillen^ ist, und in zwei, vefs<^iedene 3y* 
steine repraseotirende Parteien zerfallt, ist es sieht m^Uch, dass 
das Itfinisterium der schwAcbem Partei ^u»gebfire; heß)f;g^ Yon der 
^yiltematißcben Opposition tritt es yemgnftiger Weise pk* — Pif^^ß 
^oChwi^pdighei^ fand nun s^on in dem non^fdiisci^en Fraplireicb 
nach der Juiirevolution nicht Statte Nehmen wir dßP b^riUimtesten 
iiud l^deutimdstei^ Minister ffouis PhUif^^ Gui^ot^ upd s^infBu be- 
deqt^udstep Gegper, Z*wj, so war ihr System ^g^ptl}cft dafs^lbe, 
wie u,A. np^h in der letzten Zeit, als Thinf ßn^q^f Politik hio'- 
^iicbttich der Schweiz angriff, dieser ibm durch eigpe Dfspe^cbe« 
bewies. Wäre darum einmal ein gegen (Jl^^ot gerechterer Aqtrag 
dur(%egapgett , si^ b^tte sieb durch em, Ministerium Tk^erf die 
Sftohe (ur Frankreich pebr wenig g^äpd^rt, es wäre keii^ Sy- 
stem-, sondern eiu Personen - Wechsel eingetreten, und ehf^^ 
darum bfitte Quisoi eben so gut am Ruder bleiben k^nuep- Umt 
de^ttip^ b^^e X;otfi« Philipp in einem solcbeq F^e ymracfft gjSr 
}^|>t, ^poni er das Ministerium &v*X bütte ^laken W<>Uep, w^ er 
giap^ Hecbt hait^, den Grafep Mole ^ «^n^tossen, aU dieser durcb 
die (^oabtiop g^stArpt wurde. Was ihn ;bu ßolcl^^pf iBaud?!^ h^^ 
^timfo^E- ^<^r m<M nur dia Gewissenhaftigkeit, mif^ 4er ^ ap 
iifm ^P jBugtand geborgten par],am«uMri«cbeQ 9|E;au«hQ bieü, 
sppflern auch die ricbtige Würdigung der e^fnÜ^w^^^P Mge 
Frapkr^icbs) upd der französischen Kammer. In d'^f^ i^ämli^b 
fallen die fliaisAer dureb Etw^s , was ^s iu Engfa^ ^\f^i gib^ 
dur^ da^ CenKum. Wie 4b^aU so w^f auqh i^ Frankreich 49s 
iil^ptrum das J[yieb|iugsMm} der lfß^r§msi$f JEw Mmi? terii^, g^^ 
daß aicb das Centrum erklärb^, w^ nicht mehr ^s Mini^^ecfifi^ 4<Br 
ftwWWi^ W»z Pb^Ä so wie ein V^Auig, g^w d^n si^h dit^ N?- 
(JMM^ajgfMrde ~ di^^^ mihtairiAcbe Seitenstu^. zum Cßptrnm depr 
üamwerP — erklärt, pi^^ mehr dpr PftrgprkOujg ist. W?a ab^r 
dii^SQi beis^^ batite er au zwei llefplfMiotte» ge^i^b^, AMffMr I9P* 

dwm $^He war Abe^ dadurch m v^m^^ß^^ x»^ w^mv 



— 167 — 

«ide EroehütCermf aller Verhdtnisse d€6 Lande*. Bte System 
komte. bm so nliehr dts^Uie bleiben , als sich die hcurjfwüi» it^ 
Im Wohi befand; der nidwle Minister konnte daher auch dhne 
Ktaimeffatfldsüng eaf dasselbe Centnioi rechnen » wetobes eeineb 
Vonginger «nteMtfitzt hatte, w<lil der koutgeoh nicht den Ehifeii 
hat, Mlmster weisen tu wollen, sondern jedes Hinisterinm nnter«- 
stützt, welches den materiellen Aufscfawnng des Landes belBrdert 
und gdegentiicb ibito selbst vergit, dass er für die Minister stiiünt 
Altes dies sehien aber der Minister lu yerbeisseli^ mit dem siüh 
das Gfatitnlm xnm Sturse des frühem Terbmden hatte» Also ob«- 
gldich es in Frankreich keine systematische Opposition gab^ 
so konnte detinocb der 6ebraudi Statt haben, dass ein HimsterMBl 
entlassen ward, Sobald es in der MtmuriCät blieb, weil dies bewies^ 
dnis die Personen desselben das Vertranenderrndditig^tett CiassA 
ftieU mehr h^satoen, und weil andrerseits, wenn der Mejoritfit nachge^ 
geben ^urde, man sicher wissen konnte, das folgende Ministerium 
werd^ einfe coAstante Majorität haben, wenigsteBS für so lange, als 
das Gantnim noch von dieseil Personen Btwad bofflbn kdmati'--* Gehfti 
tHr nun Toh den englischen und fransösischeh Zvsttoden au den 
uosrigen über, to ist erstlich bei uns von einter systematischen 
OppesitioB tibeb weniger die Rede, als in Fratd^reich« Unncft^ 
ÜJimmem entholtaD immer mindesttos fünf Parteien ^^ (in der 
Matiosallrennnnnhing eAUrtfe ein Programm des linken Centrums^ 
ea seihst beatebe aus terschiedenen Fractionen) ^^ in denen das 
scbiiiile Mikroskop nicht fünf Systeme aiffittden würden Was sia 
linier einander verbindet, ist immer die Aüteritit gewisser Per*^ 
•üdichkotan, in denen jede Fraction „Minister der ZükunV siektb 
Darum besteht die Opfwsitiim gegen das IfinisteriAm, wo si^ 
gross ist, immer aus vorübergehenden Gdalitionen> die nulrderili 
«ins sind, dfans aie rufen: „Weg nrit dem Minisaerio'*. (Dadürdi 
dal^s ssa dies coüslant Ihnn, wird ihr Rufen nicht «ystema<>> 
tisch. Wenn mm darauf antwortet, sie hütten auch noch pesi'^ 
tfarfe VereiniguingBpmridte^ Wie iatte Welt dies anerkentie, indem es 
sie. die Liberalen nenne, so anibworte ich, daes bbi den mci^ 
sten Menschen dies Wort so viel bedlnitet^ wie ahtihiini-*^ 
st^rielh Jener berühmte Ausspruch eines s.g. Uberaten in der 
•ielanachen Kaasmer: „Ichjkenne die Motive des Sinisterittma nioht^ 
ihßsi ich tadte sie/' ist viel IMirem aus der Seele gesprecken, ab 
«I wahr fari)«o wollen, rieüeioU den McMten unter denen, welche 



— 158 — 

immer di« Erfahrung macben, dass wenn Einer Minister wird, 
er aufhört, liberal zu seyn.) Eben darum aber wird^ w«nn 
hftUte ein Miftislerium abtritt, weil drei Ffinftheü (drei Fiiactioneii) 
der Kammer gegen dassdbe stimmten, morgen das Haopt der 
Onpositiofi, wenn es Blinister ist, dieselbe Erfiafaning madien. 
Das Ministerium kann nie auf eine feste Majorität rechnen; soll 
man Minister wechseln bis man dazu gekommen ist, so wird man 
nicht eher aulhören können, als bis simmtliche Deputirten Mini* 
ster ausser Dienst sind, d.h. • sieh Präsidentaren erobert haben. 
Eben darum kann bei uns nothwendig werden, was in England 
der grösste Tadel wäre, dass ein Ministerium ausserhalb aller 
i[i«nmer*Parteien steht Das ivird nämlich jedes Mal geschdien, 
wenn die Parteien kein System vertreten, sofidem nur Namen, 
PwsöDlichkeiten. Kömmt nun noeh dazu, dass, wegen der in' der 
letzten Vorlesung entwickelten Grunde, es nur gl&eklicher ZnfaH 
ist, wenn unsere Deputirten wirklich die Stimme des Landes «us* 
sprechen, so kt auch durdiaus kein vernünftiger Grand au6nfin- 
den» warum ein Ministerium» weil es heute eine, moigen eine an* 
dere CombiaAtion der Fräctionen gegen sich hat, abtreten soll, 
um änem andern Platz zu machen, welches den Kammern gegeff- 
iäber dieselbe Stellung haben, und im Lande Tielleicfat noch weni* 
g^r Vertrauen gemessen dürfte. In England ist es also so, dass 
jein Mmisteriutn, welches die Majorität in dem (neugewähltea) Un- 
terhame hat^ mit Recht sagen kann, es- habe das Vertrauen im 
Lande/ im entgegengesel^en Falle abtreten muss^ In Frankreich 
stMid «es vor dem Jahre 1848 so , dass wenn es in der Minorität 
«t^r, die» ihm bewies , dass: es nicht das Vertrauen des Landes 
habe»- Das. Umgekehrte aber war nicht n^wendig der Fall ; trotz 
der bedeutendeni Majorität in dem jwyi Ugal ist das Ministeriiun 
^ixu gefallen, and den besten König , den sie gehabt, hdien die 
Franzosen ohne Sang imd Klang vom Thron« stdgen selui. Bei 
uns .endlich i folgt aus einer Niederlage des Ministerimns in der 
Kammer, nidit^ dass es das Vertrauen des Landes verioren, eben 
SO:. wenig aber ailch daraut, dass es die {Majorität, für sick hat, 
dass das «Land ihm vertraut. 

. :fchi brauche .nach dem / was ich eben geshgt, kaum noch be-^ 
sonders: hervorzuheben,, daas hü uns dib Regiennig den Kammern 
^eniberr ^ine ändere JBtellung einnehmen: wird, als in Engknd, 
wb sie sich jganz auf die Majorität in beiden ^ namentlidi dem 



— 159. — ^ 

untern, Häusern stützt Dem Einwand, den man mir m^ch^n 
könnte,; dass ab«r gerade dies das We^en des Constitutionalismus 
ausmache, erwidere ich (wie schon öfter) ^ dass mir „Constitution 
neU" n^ir hßiM? mit A&r — dso bei uns mit unserer — Ver- 
lassungsiurkupdq übereif^sümfoend, dass dort aber kein Ar|ikel be- 
sagt, es foUe bei un^ seyn wie in England. — Ich aber sagie noch 
mehr: selbst wenn, ein solcher Artikel in die Yerfassupgsurku^dQ 
auiigenommen wäre, so vermöchte er Nichts gegen Das, was mäcb'^ 
tiger ist als alle Urkunden, gegen die Vernunft, gegen die Natiur 
der Sacbe^ Stütze kann nur der gewähren, der selbst einen HaU 
bat, beifestigen nur der, der selbst fester steht» als was er be- 
gründen /will. Jetzt frage ich Sie, ob dies der Fall ist mit unse- 
ren Kammern, wie sie sind> denn. nur vpn diesen spreqheich? 
Wenn; vielfache Fälle vorgekommen sind, wo die Wahleandidaten 
sagten : wählt mich, denn ich werde der CamariUa entgegenwirkeiK» 
die das Ministerium Brandenburg - Manleuffel stürzen will, — und 
.es gelingt ihnen durch diesen Kunstgriff, so zeigt dies, dass das 
herrschende Vertrauen zum Ministerio das Schwungbrett geworden 
ist, durch welches sie sich ins Parlament geschwungen I^abei^ 
nicht: aber von ihren Stimmen für oder gegen das Ministeriun» 
die Stellung desselben abhlingen kann. Man muss nicht zu streng 
seyn, warum soll, jener Zaunkönig, der sich vom Adler hinauf- 
tragen liess^ diesem den Spass nicht lassen, dass er höber fliege ? 
Wqna aber jetzt der kleine Schäker Lohn verlangt , dass er den 
Adl^^ ^o.hoch trug, so ist das doch etwas zu stark. Dies abfr 
ist die Lage derer, die am Ministerio in's Parlament hineinklet- 
terten, ^ und nun im Mastkorbe sitzend behaupten, dass der Mast 
an ihnen hänge. Wenn Alles dies anders sejn wird, wenn unsere 
Kammerglieder ganz so seyn und ganz so zum Lande stehn w.e^- 
den wie die englischen Parlamentsglieder, dann werden sie auch 
die Macht derselben haben. Verlangen, dass ohne Besitz. der Macht 
^ie als .allmäphtig ; angesehn werden, ist die alte Forderung der 
iPictionen ,. d. h. der Lugen. 

Wie überhaupt grössere Selbstständigkeit impier mit grOesern 
und schwerern , Pflichten verbunden istV &o au^h hier: der engr 
liscbe Mii^ister hat: es viel leichter, stets dessen bfwusst.zu sc;yn, 
pjt) ßeij^e Yerwaltungsmaassregeln wirklich aus dem im Lande, herrr 
.scben^den Geiste hervorgegangen sind, ob .nicht , Er prientirt i^ich 
(Igrüb^ immer durch j^ein Yerhäl^iss zum yater];^ii|i^e.;.. Viel 



ischWät^r hat ed d«r pren^^schte Hinister, bei wMthem tliei» iLri^ 
teritün kiidit ausreicht. Was bleibt fhiti dbl-i^? ZunSfchst und 
Tür ABem eine fetete Prüfung, ob, wd$ er ihut. Recht ik, dann, 
ob es übereindtitnmt mit dem ti'dditioneR feststehenden preossi^ 
Beben Wes^ti, bb er mit Stok am PHettriehsdenkmal stehn kana 
üder die Augen niedersehlägen muss, endlich ob es iritkKdi In-* 
teresi^ nu^ fBr's Ganze ist, was ihn leitet. Um aber tor Selbst^ 
tinschungen sieher zu seyn , muss er auf die Stimmen Anderer 
hiiren. Die Presse ist ein wesentKches Moment, obgleiiÄi aus 
buiidert <jrftndeh bei uns die Zeitungen nicht so sehr, Ms in England ; 
Trel mebr die Broschüreli und fificher. Viel wichtiger ist di^ Auf- 
lüerltsafAfteit darauf, ob die Börsencourse. steigen , ob Unterneb^ 
hinngen begonnen werden, die erst nach Jahren Ertrag erwarten 
lassen^ ob die Könstler arbeiten, wissensdiafUicber Geist die Jugend 
beseelt. Alles dies nämlich documentirt, dass man ^eder ätifängt, 
an eine berechenbare Zuknnft zu denken. Es wird dies nicftft 
ausreichen« Es wird ein Hinisterinm Verbindungen anknüpfen 
müssen tnÜ V511ig unabhängigen Männeiti, die nicht Beamte ^nd 
und es nie werden wollen, Berichte und Gutaditen sich «ri[)itcen, 
tem zu hören, wie solche Männer die Angelegenheiten beurtheilen. 
Mit einem ausserordentlich richtigen Tact hat, als alle Zeitungen, 
fa«t alle Magistrete utid shnmOiehe Chibs iln November 1*848 
2eter schrien, der Mh^ister Graf iftrtttttten&tir^ sidi fA^er seine Std- 
)aMg Gewissheit vt^rschirtft durdi die Einberufung d#r Limdwehr. 
(Vrdleidhl wtl dureb diesen kühnen Schritt — ich halte ihn ftr Äe 
l^rfrsDte staatsfflännische That in den letzten Jahr^ -^ plötr- 
lich deutlich Wurde, wie tiel unsere Zeitungen bedeuten, vrelleieht 
deswegen erklären liodi beute alle Journalisten, der Mann ttj kdn 
Staatsmann gewesen.) NatOrlidi kann dn isokhes Mittel nur 
einmal nnd nur m sehr kritischer Zeit irersneht werden. 

Summa: Der Geist und WiBe des Volkes isoll in der Legis- 
lative und der Regierung herrschen; wo die» ist, wird m beiden 
ein System geltend gemacht werden. Je weniger die Einritbtmig 
'des }egtshtiven Sürpers Sinrantie dafür gibt, dass sich in ihm nur 
tBe wesf^nflldben Ldnd^-Interesi^en geltend mädien, tm^ ^ weni- 
^ wird die Uebereinstiminung mit ihm hinreichen, damit die Re- 
llierung daii Wohl des Landes realish*e. Vielmehr wi^d in dem- 
iieibeh Mba^s^ ihr^ SelbststSnrdi^keit, dlienso atber an6h ihre 
¥«rantWort!ichk«it grSdser seyn müssen. Kieht d^j^ Ae äidi 



-- iBl ~ 

K«geBftl»lif scbwlob^a , totidttrli dtst tfcl iMi wsUf^^tnä^ «I die 
8e»llMKHiiig der Orgmn beider Staatsge^liltefi« Misstnueii ge^en 
die Eegierung ruft elets ein A^ eolche» Mieüreii^ti gegen die 
Regierteit herter« 



Brelaeelmte Vorlesnnfl^« 

Die Le|;iilatioü ii6d üe Regiel^ng Waren also die beiden 
Seüeii der SeuVerainetAt des Stentes. I& jenet betiiM^ sieb, 
dass er Keineii über sieh hatte, in di^s^r, dass Alle iiote# ilHn 
slandeti^ Aber selbst in dem günstigeil FaHe, ddse stets imlseh^n 
dem legtslatif en K^r^r und den Beamten das normale Einterständ- 
Aiss Statt f^de, wire immer die Einfielt des Staates Ifetabrdet, 
Wenn afle b^ätigaifgefi eeinee Wffleas mir das Ein^ ^Set das An- 
dere wären ( et käme »imlieh denn nie dazn, seine pfaie Sen- 
ferainetat tn Zeigen, Dieses min' geecbielit da, vre er sieb als 
die Gewall zeigt» in der sidi jene beiden begegnen nnd tereini- 
ge», nnd in der sieh eben daram der Staat in seiner Aüseiiiglttit 
nnd Ganarheit zeigt« Wenn man es eben dämm ^on bedenklitih 
finden kamt, dass diese Gewalt As eine dHtte neben den M- 
dlern beiden anfgef&hrt wird, fte mnss lAan auf dAs All^r^n&eUe- 
denst< gegen eine BeMichnang pr6t€fstiren , dr^, ton Mmth^uUn 
dufgebricbt, 4a2tt gedient bat, diese. Staatsgewalt Ha unter dte 
beideiv andern heroittef zn set;ien< fdi meine Ae BeteiebAung 
^pmm^ ^(kuUf. UeberaH ist der Execntor ein utfitergeofdueler 
tieamller« ntt4 jeM Befteiebnaag bat tiel Atm beigeti^agett, daeil ^ 
Staatsgewalt, in der sich die aädem beiden vereinigen nnd die 
tiarnm flbei^ ihnen i^tdit, als eine gant mitergeerdnete Angesehn 
würde» ja Eutettt gleieb Ntili gesetzt wurde. Viel besser ist In 
dieser Hinsieht die Bezeldmang bei ÄH^toUles, A^ unter tiefen 
tndem AusdrGcIten sich aaeh des Wortes xi^eög bedient. Dies«lh 
Ansdmek, so wie den fran^^i^isdien H^nH-t \fk GegekisAti: ?en 
j^(HfaefW«f, habe i<^ iaa Auge, weiin ieh die" Cofteentrafion d^r 
Staatsgewalten mit dem Werte Herrschergewalt bezeichne. 

Anch hier kann natQrfioh auf die Frage: Wer hen^scbt, Wek* 
ist der -Berrseher un4 (yetter) Seuyerain? nvr die AntwoH geg^ 
l>en werden: ifer Staat Aber auch Mer hat diese Frage, wie 
^ben- die beiden anderift, an^h 4^ ISmn« >b es tieltekAt ein 

11 



_ 1^2 — 

besonderes Organ auch für diese Function gibt? Aruid(0le$y wel- 
cher zuerst gezeigt hatte , dass es verschtedena (unter verschiede- 
nen Verhältnissen gleichberechtigte) Weisen der Verkörperung 
dieser Function gäbe, hatte mit sehr freiem Sprachgebraudi f3r 
die Herrscherthätigkeit oft das Wort xQccTeiv, dann aber auch 
aqxBiv gebraucht, und bei der Nomenclatur der drei Fälle, die er 
unterscheidet, nicht ein bestimmtes Princip befolgt, indem fiovaQ- 
xla (der allgemeine Gattungsbegriff, der die rvQawig und die 
ßaaUeia befasst) mit aqxuv, dagegen aqtOTOXQateia mit x^ccreiv, 
endlich noXiTBia (respublica) mit keinem von beidem zusammen- 
gesetzt ist. Später hat man hier grössere Symmetrie. hineinzu- 
bringen gesucht, indem man des Arisioleles Politeia als Demokra- 
.üe bezeichnet und für seine Aristokratie den ursprünglichen Na- 
men beibehalten bat, nun aber nicht so consequent war, auch zu 
sagen Monokratie, sondern den Namen Monarchie beibehielt. Wäre 
man hierin weiter gegangen und hätte gesagt, wie ich eben an- 
deutete, oder aber PaiUarchie, Oligarchie, Monardiie, so wä- 
. ren eine Menge Ton ganz verrückten Ausdrücken (wie. z. B. de- 
mokratische Monarchie, d.h. hölzernes Eisen) nicht aufgekommen, 
die wie aus verworrenem Denken hervorgegangen, Verwirrung im 
Gefolge gehabt haben. Wir werden einen Staat, wo die Herr- 
scbergewalt von Allei^ oder Mebrern ausgeübt, oder vielmehr ih- 
nen zugeschrieben wird, Republik (mit ihren beiden Formen 
Demokratie und Aristokratie) nennen, dagegen von einer monar- 
chischen Verfassung dort reden, wo Einer Subject der Herr- 
schergewalt ist. Dass jene beiden mit einem gemeinschaftlichen 
Namen bezeichnet werden, hat seinen guten Grund darin, dass ihr 
Unterschied ein nur quantitativer ist. 

Die Frage nach der sachgemässen Verkörperung dieser Staats- 
gewalt. kann nur durch Vergleichung mit den ibeiden andern be- 
. antwortet werden. Ii^ beiden zeigte der Staat, was er will« In 
beiden bestand sein Wollen im Deliberiren und endlichen 
Beschliessen« Die Conclusa der Kammern und Behörden wa- 
ren das Letzte. Wenn nun aber die Psychologie lehrt, was übri* 
gens das Beispiel jedes Unentschlossenen bestätigt, dass das Be* 
j&cfaliessen noeh nicht die Vollendung des Wollens ist, sondern 
dass zu diesem, welches nur die Bilanz aus. den Gründen zieht, 
als der Act, der die Sache vollendet, das grundlose Entschei- 
de, d. h.. das hinzustreten muss, wo nicht Gründe^ sondern Ich 



— 163 ^ 

mich bestimme, and welches wir Entschluss nennen, so wird, 
was im BegrifTe des Wollens überhaupt liegt, auch vom Willen des 
Staates gelten müssen. Ist aber dies, so dürfen wir uns nicht 
wundern, wenn überall das Bedürfniss entsteht, dass den durch 
Deliberation gefundenen Beschlüssen des Staates die Sanction 
zum Staats -Entschluss, durch ein gru&dlos Entscheidendes 
gegeben werde. Die Weise des Altertbums, diese Entscheidung 
dem Zufall, dem Orakel oder Omen, zu übertragen, genügt uns 
nidit. Wir wollen, wie die Allen, ^nmdiose Entscheidung, aber 
wir wollen sie, wie sie in dem Willen liegt, und aus einem Wil- 
len heraus spricht. Darum bedürfen wir nach unserer ganzen 
Ansdiauung dazu eines wollenden Subjects, das ^beliebig sagen 
kann: Ich will und Ich will nicht, und die Vollendung 
des Staatswillens , die allendliche Entscheidung, die ein Ent- 
(d.h. Aus-)schliessen aller andern Besciilüsse ist, wird darum bei 
uns realisirt nicht durch ein Collegium oder eine Verkörperung 
von Gründen, sondern durch ein Idi, welches Verkörperung des 
subjectiven Entschliessens ist. 

Es wäre eine grosse Uebereilung, wenn man in dem bis- 
her. Gesagten eine Construction der Monarchie sehn wollte. Das 
was ich von dem modernen Slaate postulire, findet in Republiken 
eben so Statt, wo diese letzte Entscheidung immer Einem über- 
tragen ist , der in mehr als einem Fall viel unumschränkter sie 
geübt bat, als ein König. Darin, dass die letzte Entscheidung 
seinem subjectiven Ermessen überlassen bleibt, darin findet kein 
Untersdiied Statt «wischen einem Präsidenten und einem Könige, 
sondern nnr darin, dass jener mit dieser Macht bekleidet ist, 
oder beamtet, während der König die Verkörperung dieser Macht 
ist und sie permanent übt. Eben darum war es ganz richtig, 
wenn dieselbe Ceremonie, welche sonst gebraucht wird, fum Zei- 
chen des charader indelehilis zu seyn, |die Salbung, überhaupt 
kirchliche Feier, auch bei Königskrönungen angewandt wurde. 
Ein König der nicht wagt sich krönen zu lassen, soll nicht König 
werden. Also auch in Republiken ist es immer Einer, der zuletzt 
entscheidet, und der ist der Herrscher, wenn auch nur fQr eine 
Zeit. Ist er es für immer, so ist er der Fürst. 

' Wenn nun hie^ die Frage aufgeworfen wird, welche von bei- 
den Einrichtungen die bessere ist, so ist dies nicht einer von den 
Fällen^ wo, wie bei der Frage nach Ein- oder Zweikammersystem, 

11* 



— 164 — 

SrbUcbkeit der Pair$ u.s.w., wir antworten wAsaten, darfilMr 
lasst sich gar nichts Allgemeines sagen, sondern der Begriff der 
Herrsch^rgewalt, welchen wir aufgestelit Jiaben, gibt allerdiog^ 
einen Maassstab, nach dem entschieden werden kann, wo ihm 
mehr oder weniger entsprochen wird. Die Einrichtung wird nim^ 
lieb um ^besser seyn, je mehr der Wille des Herrschers das: 
„Mir beliebt es'' des Staates ist. -Eben darum aber muss ich die 

Wahlmonarchie, fär welche so Viele schwärmen, als die 
schlechteste Verfassungsform ansehq« Die Erfahrung in Polen (eigent- 
lich kann man auch Venedig mit seinem Dogen hierher 2aMen) besla* 
tigt, was in der Natur der Sache Hegt, dass ein gewShlter König durch 
die Versprecliungen vor der Wahl, durch die Dankbarkeit und das 
Verlangen, den Sohn zum Nachfolger zu haben, nac^ dersdben 
zu einem willenlosen Wesen wird, der Iheils maltraitirt, th^s so- 
gßV zur Annahme der Krone gezwungen wird, in dem eben,, weil 
er selbst nicht will, sondern muss, die SouTerainetät des Staates 
sich nicht zeigen kann, abgeseJm davon, dass durch die stets ein* 
tretenden Interregna die SouTeraineUit des Staates, die ihrem 
Begriffe naeli unsterblich ist, immer wieder unsichtbar wird. Dies 
ist nun vic^ besser in der 

Republik, in der die HerrscbejigewaU nie ohne Subject 
ist, obgleich sie von einem Subject aufs «ndere übergeht» Diese 
Form, welche die allein Ternünftige in der Commune (und darum 
Mch ds^ Ideal der Commünisten) ist, erweist sich eboi darum 
ak die zweckmassig^te in Staaten, welche den Cbaracter der 
CoflMUne haben. Darum er^lens in kleinen Sta^n« die ihrem 
wesentlichen Bestandtheil nach aus einer Commune bestebn« so 
Baeftburg» Lfibeck, G^. War aber das Wesentliche der bürgerlichen 
Geeeltecbt^ im Gegensatz zur F^miHe, dass sie nicht ein durch 
Silicur» sondern durch Kunst, willkubrUche Verträge u.s.w« gdul- 
deto$ Ganze war, so wird im staatlichen Leben der Communal- 
ebacaeter zweitens dort hervortreten, und damit die repnhlikaqi- 
sobe Verfassung die zweckmassigste werden, ;wo Staaten nidit 
durdi tuaturliche. Baadoi durch Nationalital oder Autocfathonie wi- 
standen, sondern ein Gemisch ¥on Nationalitäten oder auch durch 
ihr Interesse herbeigezogene Eiivwandrer enthalten« Dieft ist nun 
der FaH in der Schweiz, dies m den Nordamerikamsehen Frei- 
MMBkm. Die Nordamerikaner haben noch keine ausgej^ägte Na- 
tioArititl wd wacbaMi tM westi^er durch Entwicklungi als durdi 



o 



~ 169 — 

EtmraideniiiiP* Die Sdiweuer bieten drei yerechiedeiie Ndtionali' 
taten dar« Solcbe kanttiiche, Yertragsmdseige Ganzheiten mäasen 
auch ihr^ Ganzbe^ ala eine kflnsttich, vertragsoiaaaig übertrageae 
SHiaGbaun« In diesen beiden FUleii, in welchen der Staat mehr 
btegerlicbe GeseUacbaft kt als Staate wird also die Republik die^ 
beite Form aeyii; Hamburg eowol ab Nordamerika wttriten eefar 
n«d etobiiesen,» weoin ^e Mefiarchien wfirden> ja Alles etnbussen: 
dio^ teraueftigG Berechtigung ihres Dasiejfns« h nachdem ihre 
Kleinheit o^d^ die KAnstlicbkeit ihrer Einheit die republäuuiiftdie 
Form nothweiiidig BMcht, je ttacbdem wird sie arifttokratiBck oder 
dwaohraäsch t^jn. Die Ansicht» die nan ^tt «tfQhrt^ dasi^ die 
Arietokfatie für grose«, die Demokratie flir kleine RepubUke» die 
natlirgemässeForm sejf, firass gerade umgeheb-t werden« In kkri^ 
oen Staaten werden sLdi Einselne (kdivUuen» denfel Fadiilien) tIoI 
■Mfar MgpsMareh nnd in der aligemetB anerkanotett Acbiüüg slehiit 
aiia welcher die Aristekrslle her? orgeht. Deher Terscbteehtem 
sich andi, wie die Erfahrang leigt, die fieiea neicfaaetadle durcli 
Si^rvortreten das demnkratischen Elemente, währemih in Amerika' 
ekie sich bildend» Aristokratie mit Seeht auf den entsehiedeiisteh. 
Widerstand stossen wurde. (Für die Richtigkeit meiner Behaap ^ 
teng! katin aach dies als Beleg dienen^ dase Rom ab ReptiUik^ jo 
jftösser es wird, uih so mehr das aristokraUsdie Element türich^ 
drflngl.) 

Wenn ich mm endlitfa lU der Erbm^önarchie tfiergäiei 
nnd diese ab diej^enigs Form bezeichne, in .welcher deif $taa^ 
eoCem er wiridich der koditile sittliche Organismus ist nnd darnm^ 
wie Aber die Familie so anoh über die bürgerliche GeeellsolieA 
hinaosgebt, seinem» Begriffe «n meislen, ich sage wodi änfar? 
allein enüpricbt, so bamt ich den Anschein, äli «enft da» tmif 
persttnlidie Vorliebe wdre, bloss so entfernen, dase ich Ali dav 
mkli 4>ezieh«, was ober den Begriff de» Staates und. Was dber ded 
Begriff der HernM^erfuiiction gesagt war. In der letatcnn zeig^ 
i0r Staat seine SiAgied^tM. In deto Herrschca^t no ^vtfeit er dlar 
bt, wicdnlso der Staaf Subje<lt, Ithv Irowi bat durch eitie fisisl^ 
sevdie, wenn gleich! nidht richtige,» Uebersetiung^ in dew bekapm' 
UmrAatt^esi.m6i, den Site geftmden : Der «^tanl i>s4 Idi^; dle^ 
ser Salz istrididg: Im Herrscher ist 4ee Suat Mi. Km ait der 
wirldidie Staat nickt nur, wie Nor<bmerih«, dae sieb aucb nUbt 
eittea Staut imin^ einMnslhchesi GfMse», das tertra^gsttmissig:« 



— 166 — 

Berechtigiifig bat, sondern Termdge des natflriichen Haftend 
am Lande, welches die Nationalitiit gab, ist er ein Näiurproduct 
DaniiB wird seinem Begriffe, der dieses von Natura und Berech- 
tigt-seyn zugleich in sidi enthält, dasjenige Ich-werden allein ent- 
sprechen, wo das von- Natur -seyn mit dem Berechtigt- seyn zn- 
sammenföllt« Da dies nun der Fall nur ist in der (Intestat-) Erb- 
folge, wo der Mensch durch den natürlichen Vorgang der 
Geburt vertragsmässige Rechte hat, wo er erzeugt d. h. auf na- 
türlichem Wege geworden^ aber ehelich d. b. geset^siieh erzeugt 
ist, so ist die Erbmonarchie die E[^scheinung der Herrsdier- 
gewalt, wo die höchste Gewalt des natüriich-rechtlichen Staates an 
einem auf natürlich-rechtlichem Wege Gewordenen, als das was 
ihm von Natur und Rechtswegen zukommt, haftet, oder er die In- 
camation derseften ist. Darum ist der wahre König, der es iit 
der Erbfolge wurde, und wie ganz anders die Stellung ist, die 
der Erste in einer Reihe einnimmt, hat Napoleon richtig ausge- 
sprochen, wenn er wünschte sein Enkel zu seyn. Er war Erb- 
kaiser, als er dies aussprach, aber er hat Redit, sich noch nicht 
als vollen Erbkaissr zu wissen ^ weil die Dynastie in ihm erst 
anfing. Wftre Louis Philipp sein Sohn gewesen , er hätte nidit 
abgedankt, Leopold von Belgien; als sein eigner -Sohn, schwerlich 
seine Demission angeboten; Oskar von Schweden steht fester als 
Carl Johann. Und immer sind doch, gerade die Ersten in der 
Reihe, die Bedeutendsten. Das hilft nichts* Jeder im Lande hat 
das Gefühl, dass in ihnen noch der wahre Herrscher nicht gekom- 
men ist. Es ist nicht natürlich, dass* er herrscht. Also weit 
davon entfernt, dass nur eine ubematürliebe Mystik der Eiiimo- 
narchie einen Werth beilege, ist es gerade das natürlichste 
Verfaältniss ; die Wahl des Präsidenten ist das künstliche, welches darum 
einem künstlichen Ganzen, wie einer Stadt oder Conf5deration ziemt. 
Eben darum kann idi mich auch nicht überzeugen, dass Frankreich 
eine Republik bleiben kann. Es ist noch zu viel natürliche Einheit 
unter den Franzosen, ein Gefühl der Nationalität, das» weil es an- 
geerbt ist, zur Aditung des Ererbten führt Die einzige Bedin- 
gung, unter der die Republik sidi vielleicht halten könnte, wäre, 
wenn die Französen aufhören wollten eine Nation zu seyn, nur 
eine durch Interessen zusammengehaltene Föderation seyn wollten. 
Wie an dem Apfelbaum Alles apfelbaummässig, am Kirschbaum 
nach der Kirschennatur sich macht, so erblüht aus dem natürUch- 



— 167 - 

rechtitcben Staate seio Hmscher aiif natirlich rechtlidnem Wege. 
(Dass aber die natüriiebe Abstammung oboe das Moment des 
recbtiicben nii^t ausreidit, das zeigt wieder die Erfabrung, 
indem wo illegitime Kinder der Forsten den Tbron besteigen, es' 
lange dauert, auch wenn sie treffliche Männer sind, ehe sie Ver-^ 
tränen erwerben, und dieses- leicht untergraben wird. Man denke 
an Badoa.) - 

Obgleich nach dem Standpunkt dieser Vorlesungen^, filr weldie 
Beweisen nur beisst : aus der aufgestdlten Voraussetzung folgern, ob-* 
gleich nach diesem die Frage nach Republik und Monardne entschie- 
den, und die letztere allein als die adäquate Form eines modernen' 
wirldichen Staates dargethan ist, so ist doch die Frage so wich- 
tig, dass es hier, nachdem die eigentliche Deduction'T#HendeJt ist^* 
erlaubt seyh mag, auch das Räsonnement, welches sich besonders ■ 
auf Nutzen und Sehaden, d. b, auf Zweckmässigkeit anstatt auf 
Nothwendigkeit beruft, etwas näher zu beleuchten. Da begegnet 
uns nun zuerst der Einwand, dass die Gebart keine Garantie gebe, 
weder für die Tolksfreundlidie Gesinnung, noch audi für die Ta- 
lente des Herrsdiers. DM*auf antworte ich, dass dies bei der Wahl, 
wo meistens die Intrigue siegt, noch weniger der Fall ist, da der 
Zufall am 'Ende noch besser ist als die Unsittlichkeit ; zu der Er- 
fahrung^ die Herr van Fatlonw jitifSbri, dass in acht Jahrhunderten 
nie ein König Yon Frankreich so grausam und fürthterlicb gewesen 
sey, wie eine ganze Menge, welche die zwei Jahre des Schreckens: 
zu Herrschern Frankrddis machte » könnte als Bestätigung ge- 
ringerer Bedeutung an jene durch „Volksstimrae" bmiifenen Volks- 
Kasseh-freundlidien Herrscher in Baden hingewiesen werden. Was 
dann weiter das Talent betrifft, sovergisst man, dass der König 
nicht ein hoher Beamter ist, der freilich ohne besonderes Talent 
seine Stdle gar nicht ausfüllen kann. Beim Könige ist Lieb^ zu 
seinem ¥olk, und die Gewissenhaftigkeit, die in ihrem Gefolge 
Zweifel an der eignen Allwissenheit hatx und darum tüchtige Ge- 
hülfen wählt, die Hauptsache.. Wo sich, wie bei Friedridi dem 
Zweiten, beides mit der Superiorltät des Geistes paart, wie sie ein- 
Jahrhundert nur einmal producirt, wird freilich das Höchste ge-' 
leistet. Aber unter den Präsidenten hat es auch nur einen 
Waihin0&n gegeben. Bei einer monardiischen Verfassung kann 
der YortrefHiche eben .so viel und mehr tbun, der Unbedeutende 
am wenigsten hindern, der Schlechte viel weniger schaden, als^ 



-- 1(» — 

wo <btf BftWvnftMjn fohtl: er M mter »fttdrliebef Heif«c))eF« 
Wir woUmi 9ber scii^ch Yon chjr DefewAT^ wir Ofenti^ iU>«r«- 
gjBlm, mdeiQ wiir wogen ^ 4aaft bei der StbiMOurcliie AUti »icb 
▼•veimgl» v» d«ii gtn«^g8toii £rft>]g für da» Lwd wtibrskdieifilioh 
zu maobeoi» leb I«gf aber meiner Aiguqieiitoiioa d^e hmm m 
(ktonde, dass keio M«»^i dffriHlk aadbt ei» F«r4l «kibt« die 
teuflische Lust am Bösen als solchem habe, und dass danu», «ei¥l 
sein eign^a Jotareeae veriwigt, 4em I^nde au puUoQi er es 
nidit foriisiebn ¥!»«de» deviaelbftn w achaden, BUi Uaefr siisk e)KV 
leicbl aeigo«^» daaa nivgepda «^o» me i«^ der J&rbmMirahi« naiic^ 
lA(eM4a«tt mii iem» de« sai»ep iandes yeracbinolsoe ««»4« Wji)^ 
rend nitfplidi der ge^Ute Präsident (eder K^teü») divreb ^«d 
Paiicti «eMka i«i« ym der or diii Wiieder web) oder die WaM dee 
Sobnee boPt^ und natA^idb 4 web aein InteregsA ei aber Pertei «M<fo 
vnrbundon ee^^ wird, wihre^ ^sem dankt der erbKehe K$«pc k^ 
oev PMlai wehr Ala der andern, w^ bati ei« imereaefB, ülm 4m P^f^ 
t^im z«i »toben. Wäbrend der Priaide««; in verwandtaetiaAtiflM^ 
Yerbäliwaeen im Qüedem 4^ S^eMea alebt, ietin4ieAer üiBipcht^^^i^ 
pnig durcb Geaetai» feine Bruder u«4 Sc(»weeUra d«reh SJtu 
ieolirt; eie b^beii ihre Verw^dien aueaer Lendes; de« )S9iv,ob^ 
nec9 de» «igne» l<eadea 9teM er gain« g}e»:b 8ege«ajt>er; wedter 
ha4 er fi9riMiobeJ(oi((?e part^M «ueeyn (bei Gnedma^ten a» 80. 
iHW3b wkd n¥ui i\m aolel^ ?nmuibe«« 4fan denke aber ei^e« 
Pr j^ejde«lett , bd <tm e« si^ leiobt •treffen kann,« 4a^ er über 
Verwand*^ j« iw Freunde aeiner Vwn?end(M an entpcbeidw Mt% -^ 
Ea gibt andre Intere^^^n, welche wiebtiger md ala ^ netürlicben 
Bannte, ee wid die 4ea Stunde^ dem wir ansaiidren, Es i^it }mm 
mdigJKd)» daee der I^pnidoiaw und dnee der Qeneral, wenn eie 
Qerraeber werden» itoe Vorti^A für ibren Stund verlenfnen, ve*^ 
nAgstejnei werdea 4ie Weinigste« diea ^nben« {)ep Kö^ig gekört 
k^e% Stunde an> nder wenn man wiU eUe« — deswt«^ inl ea 
niehit külMM(4ii w«iui Fure^e^ ^u^ inMiU^^ 
eigw Trecbt gegen die Anei^hten der Zei^ yeretoflaen > m spUtin 
si0 wceeigf^n» i^eigen, da?^ sie au vm Vm^m ebe« ee gekMa».. 
Ja ^ei guten Eipri^tnngen sind ae^ne Iptereseen soUdetiecA^ fer* 
hmden mit i4le9 and^ni, (ubit er, de? DoBnapnenboaiMier,. den 
Mtaawaebp; wie jeder an^« Giitaharr„ merkt er, wei weiNter Re^ 
gaüen eMaN^ni 3o gfft^ wie die andei-ii, Geiwerb«reibeaideA den 
Druck der ^i^en,: iet d^ei ele Oberlaldlnerr ^H ^ temeni 



— 169 — 

ClMi^n TeybttnAßB, weklie durch ihre Sdhae den grteiten Tbeil 
der bW90teeleD Macbt bilden. Er^t dadurch, dass man ihnnu 
ktw 6«ld aiiaseUt und nelleidit gar kargt, bat man aie dabiii 
g4»r4clitt ihr Qeld auaeer liAndes anzulegen oder geiaig zu wer^ 
dei^ **-7 Alao ibip isi ea weniger als irgend einem Andern nahe ge* 
ingU W9 Par^eii eiae Familie, einea Sland auf Kosten der andern 
«H beg<tna(igan, d?rim iat ea wabrscheinlicb, daaa .er ea am wf^ 
nigatefi thun wfrde. 

. Qaiu kownt aber nodi Poailiyes* Indem die Herracherw&rde 
fortfrbt, Yecacbmibt die patrioliaehe Gesinnung (des PFouasen) 
HHl ^m Faroiiienbewvsataejii (des HeheavoUers) ao» daaai' der 
KöiPg in dem Gedanke« airfwachal: der Ruhm deinear Yolkea isi 
Glan« deinqa flanaea« jede Scbaaacb deioea HawMf haftet ata 
Flecke« an deilieni Volke. Die beiden Seite«, die wir ia dem- 
Patriotianuia unt^rsi^ie^en haben, erkalten ao di^ri^b awei gaM 
analoge in d^m FamiUepb^wnsstaej» ihre Verataarku^g^ Erin«e^ 
mingen an.Brtebias wie jenef bekawte; „Per wird i«ich Sdileaieiv 
i^ci^t iHAirie^ tasaan'' laaaen den Fürsten eingedenk seyn,'waa 
81^11 Volk wd ^ein Haua dem Vorfahren dankt, und s^n G^wjea« 
wird ihm aagea: „{>u darfst deinemi Naclif olger kei»o beflecktai 
Ufow naehlasaan« '' Nur durch diese Einricbl»!« ist ea m^glieh» 
daaa nationalem Politik «iqe Familientradition wird» nur ao ist «ine; 
Brisiebung zum FüraUm mögUeb, wie die. Friedrichs des Groeaen, 
d^ai^en Vater danüt beginnt: daaa er ihm die Fi(ite wegnimmt, 
wfM« ein Kiteig niebt da^u Zeit habe; dazu kommt: in dem jungea 
Sohn einen lUcber der an ihm verübten Treulosigkeit au aebn» damit 
a^rtilieasl: 6o4t für dieaen Sofaq au danken»-^ einen Sohn, der wieder 
&atbst bei aeinor Tbronbeal^ung erUSroft kann, er werde nur naeb 
den Pfincipien seioea Vatera berv&chen, und wenn seine BestimiHutt-r 
g/ukfS/^^ die «iUerUeben adritten, so aey zu Termuthen, er ^ und 
niobt aein Vat#r^. habe sich geirrt Darum waisa aueh Vriedrioli 
d^ Grosse, weno er am S«hlusa<i aeiinea Lebens segt: er habe 
sm Vaterland in den ftecbten und Privilegien erhalten, in denea 
ep e» gefundeA, daaa er nur im Einklänge mit den^ ^rw^lm 4^ 
frroiN»'' eahnndelt bat u«d mit der J^ebre deft Va4ers; nur die eina 
Politik xn vertolgen, das^ dioReehte und def Rubda aeifies Hauaea 
auA-eeht gaMien w^rdan« Si«t man, diea maehe di^ Fürsten stolz, 
so antworte ieh: Stolz (it dberhimpt eioo achöne Sache, ntonttillich 
davStolaelaealSiniga« ^o&b«i^<A/t^beMales,iiiiddioprcmaiacheGieK 



— 17Ö — 

schidite bietet grosse Beispiele dar, wie wabr dies ist. Wenn 
wir sebn, wie der König, der nicht nur, weil er auf den Grossen 
fdgl, sondern auch sonst, als' der unbedeutendste uhter den 
prenssiscben Königen erscheint, den Ratbschligen der SchulenX^rge 
und MöUendorfe gegenüber bloss die Gründe des Rechts und der 
Ehre geltend macht, so sieht man, dass es eine schöne Sache ist 
um die Traditionen, in welchen der künftige Herrscher aufwAchst' 
Die „bloss dynastischen Interessen*', tou denen in unserer Zeit 
so Tiel gesprochen wird, sie treten erst dann hervor, wenn man 
den Fürsten in .eine isolirte Stellung bringt Im gesunden Ver- 
bältniss befindet sich das Volk gut, wenn eye dynastischen Inter- 
essen des Fürsten wahrgenommen werden, denn es sind seine. 
Wenn die Fürsten an ihre Dynastie denken, so führt sie das dazu, 
dieselbe stark d.h. geachtet und geliebt zu machen, das ifit 
dem Lande nur vortheilhaft. Sagt man aber, es habe ja Für^ 
sten gegeben, die ihre Unterthanen für Geld verkauften, so ant- 
worte ich, diesen ist torzuwerfen, dass sie keine dynastischen, 
sondern bloss egoistische Interessen hatten. So war Ludwig der 
Vierzehnte, der, wenn der Thronerbe stirbt, sagen kann : v^as geht 
das mich an, so der Fünfzehnte, der da sagte: mich werden sie 
noch ertragen , mein Nachfolger aber möge zusehn. Ich möchte 
darum in unserer Zeit viel eher darüber klagen, dass die dynasti- 
schen Interessen so wenig wahrgenommen werden, denn isie sind 
die der Völker. Eben deswegen w^l beide im natürlichen Zu- 
sammenhange stehn, eben deswegen sehn wir auch, dass bei Al- 
len, deren Gesinnung mehr im natürlichen Gefahl besteht, als dass 
sie sich auf bewusste Principien gründeten, die Anhänglichkeit an 
die Dynastie mit der an die Nation TöHig zusammenfliesst. Wo 
das Nationalgefühl des Engländers überfliesst, da singt er: 0^4 
$wö0 owrgracioui Queen f, und wo der Badener von seinem Grossberzog 
abfüllt, da ruft er Franzosen und Polen ins Land. Es gehört Ab- 
straction dazu, beides zu trennen, und diese Abstraction 3ni ma- 
chen ist nicht die Sache der Masse. Wenn diese von Patrio- 
tismus spricht, und die Dynastie ihrer Fürsten lästert, so kt auf 
sie Anwendung von dem Spruche zu machen: Wie kann Einer 
)i«ben was er nicht siebet, wenn er basst, was er siebet T 

Summa: Weil Vielherrschaft niemals frommt, deswegen ist 
überall Herrscher nur Einer. Ob ihm die Herrschaft vertregs- 
miasig übertragen oder natürlich in ihm incamirt ist, dies hingt 



— 171 — 

d4von*ab, ob das Ganze, dessen Herrscher er ist, eine Vortrags- 
missige . oder ob zugleich eine durch Natur gesetzte Ganzheit bil- 
det. Im letztern Fall würde es seine Natur verleugne», wenn 
nicht auch die Herrschaft auf diese natürliche Weise henrortrite. 
Es bleibt uns jetzt nur noch übrig zu sehn, was aus dem Begriffe 
der Herrschermacht für Attribute folgen und wie sie sidi gestal- 
ten, wo der Herrsdier ein Erbkönig ist. Diese unveräusserlichen 
ReQhte der königlidieH Würde sind also unser nichster Gegenstand» 



Tleraeehnte Torlesinii§^. 

Im Könige wird der Staat oder das Volk Idi. Er* ist die 
Goncenträlion des Volks, sein eigentlicher Mittelpunkt. Der Ge-' 
gensatz von König und Volk hat daher eben so wenig einen Sinn 
wie der von Cehtrum- und Kreis« Dem Centrom steht nicht der 
Kreis, sondern .die. Peripherie, dem Haupte nicht der Leib, son-r 
dem der Rumpf und die Glieder, dem Könige nicht das Volk son--. 
dern die Unterthanen (s. weiter unten) entgegen. Diese allein 
„ Volk *' nennen ist eben so absurd , als wenn die Beamten aHein 
sich den Staat nannten. Es ist ganz gleich falsch, wenn von hun- 
dert Menschen zehn oder, wenn neun und neunzig sagen: wir 
sind die hundert, nur alle zusammen haben dieses Recht. Eben 
deswegen, weil in dem Könige sich das Volk concentrirt, deswe- 
gen nennt (d. b. denkt) sich der König und wird er genannt 
(d. h. gedacht) mit den Ausdrücken, welche wir stets brauchen, 
wenn wir uns mit unserem Volke identificiren , und in ihm auf* 
gehn. Wie wir sagen, wir haben bei Fehitellin den Sdiwe* 
den, bei Rössbaeh. Frankreich ^^eschlagen, ganz so nennt 
der König, wo er als Herrseher auftritt, sich Wir, sagt der ge-- 
meine Mann, wenn er die Könige zusammenstehn sieht, „das ist 
der Baier, das der Oesterreicher*', finden wir bei Shäketpeare, 
wo Staatsverträge geschlossen werden sollen, die Redensart: was 
'sagt mein Vetter Frank» eich« Alles dies ist vollkommen be* 
rechtigt und richf^, wo der König als die Concentration des Volks, 
als Staats-Idi möchte ich sagen, auftritt, für welches metonymisch 
auch wobl die äussern Attribute seiner Wüi^de, die Krone, 4er 



— 172 — 

Thron u. s. w. gesagt wird. AI» At locaniatioB des Egmmwt^ 
auf dem fraazösiselien Thron an die Stdle des richtigen Simses 
,,Der Stasi ist Idi*' den folscben gesetzt hatte „Ich bin der Staat^', 
und dcmgerolss veiter ging und sagte «^Frankreich ist schUfHg^^ 
ja als sein Nachfolger das noch weiter trieb und sieh in seiner Ter- 
biadung mit einer Bublerin von ihr stets „la Prmiei^' titnliren 
lieaSt da gab dieses egoistbche Vergessen der Kfialgswörde den 
ersten Aolass dazu» dass man sserat im fiönige nacht mehr das 
Haupt eines Ganzen sehn wollte, sondern nur ein Ich unter vie- 
len, — daher später nicht mehr Rot de France, sondern dee 
Franfaiif — dass endlich aber auch der Gedanke la France selbst 
immer mehr in den Hintergrund tritt, wie dies der atomisirende 
Character der Revolution mit atcb beachte (Eioer der hundert 
beweise, wie unsere „Staatsweisen" nur verstehn ein Gebräu aus 
Andrer Schmaus zu kochen, war, dass man, indem man die Ein- 
heit Deutschlands beschloss, xugleich den Namen Deuts^land 
proscribirt« und Kaiser der Dentsdien sagte. Han wollte Alles: 
Kyflhtascrsage un i toi des Franfois.) Wird Frankreich je wie- 
der eine Monarchie, so wird es sich woM auch nichf mehr sebä'- 
mtmldFfaneezmstyn, nndsieh in seiner Spitzie so m nennen. — 
Eben deswegen, weil im Könige sidi das Volk zv seiner individu- 
ellsten Spitae conoentrirt, eben deswegen ist es ganv richtig, dass 
in ihm. die Einheit des Totkes angeschaut, dass ihm alte ^e Prä- 
dicate beigelegt werden, welche dem Y^fte, welches emen Staat 
bildet, zukonmien. Es war Staat durdi seine Seuveraiaetät, darum 
sieht ^s seine Somnerametät im Könige. Er ist der Souverain. 
Behaupten, nein das Volk sey es, beisst den oben geiadielten Ge- 
genaalr machen und wäre eben so töricht, als wollte, wenn Je- 
mand sagte: das Auge siebt, der AndrO antworten: ncwi der Leih. 
Gewiss, aber nur im Auge und durch das Auge* VPir nennen 
fbnrar den König Maj estä t, und der gemeine lÜran ist vollkommen 
in seinem Recht, wenn er sagt: hier kommt unsere Majestät 
griahren. Damm läest ein Volk, welches Demdibigungen seine» 
Kö!Bigs ruhig erträgt, seine Majestät ruhig antaste», und ein Kö- 
nig, (ter seine Wirde antasten Iftsst, wird von der Crosdiichte 
wegen der laeea majesios des Volks, zu dem er gehört, vm Ke- 
chenschaft gezogen werden. Bass unser seliger König, auch w« 
er besiegt wiar, Bonaparte gegenüber, sich stets betrag wie ein 
König, bat Jenen erMttert, aber es hai mit *eu heigelragen^ 



— 173 — 

da«s man in ibfti meltr ab ia irgeiid Einem ^den Prettstmi'^ g»«> 
liebt und jetzt auf sdnem Triamphzuge von Laucbhammer nadi 
Köiiigsbei^ geehrt bat Mogwi Andere iimnerhin lachen «her das 
&o b&ufif bei nn^ vorkommende ,,Königlich Preussich«^ So lange 
Beide» zuaammenMt, so lange ist es g«t mn uns bestellt. •- Ich 
habe weiter darauf aufmerksam gemacht» dass das Volk das Blei- 
bende ist» ^ dem Individuen, ja Generationen, ein Vorübergehen- 
des waren. Seine Majestät wird darum das Volk als eine stetige 
wissen müssen, und -^r schöne Ausdruck bei den Franzosen: le 
roi ne tiiMiri pas, hebt dies TortrefQich liervor. Der Klkiig, ab 
Concentration des Voftes, ist, wie dieses, onsterblielL Wi^ kei- 
nen Augenblick Preussen oder der Preüsse auihdrt zu ezistiren, 
so moss ^mmer Ei^er exisliren, in dem „der Preusse'' sidb be- 
thätigt und entscbliesst — Der König ist wie das Volk, das er 
in sich concentrirt. War nun, wie wir geilehn haben, ein Volk 
dieses Volk durch Natur Und Geschichl^e, und war dies Beides zu* 
sammen da», was wir die Mission zu nennen pflegen, welche ihtn 
durch den gnädigen Gott aufgetragen ist, ao versteht sich's ganz 
von selbst, das6 d>enso die KöntgswOrde als eine solche Mission 
angesehn wird« Wie wir durch Gottes Gnade Preussen sind, so nennt 
sich der Preusse „von Gottes Gnaden/' Er ist der von Gott 
Berufene» weil das Volk, das in ihm Person wird, das von Gott bo- 
mleoei ist Dieser Ausdruck, weldier das Volk ehrt, wed es nicht 
als eine zu{äU% zusammengelaufene Bande, sondern als ein im 
Weltphn nothw«ndiges Glied bezeichnet wird, hat bekamitlich viele 
Widiersachfiir gefunden* (Merkwürdiger Weise sogar bei denen, 
die immer die beiden Satze im Munde führen: vooipapuH vßosDH 
und: dass di^^Koaige durch den Willen des Volks berrsdien, und 
die^ wenn sie aus beiden Sätzen die allan m^giiohe Gondusiob 
x^en, nothwe»di|gef Weise sich für diese Formel erklären müss- 
ten.) Er ist deor b#ste Ausdruck für die K^gswurde. Weit, wie 
ich gezeigt habe, diese Wftrde Ihreni^ Begriffe erst gattz entsprkbt, 
wo sie erblieh ist, eben desw^n triti aueb dieae Formel bei 
der Erbnumarehie als die paasendate herror. Nicht als wenn die 
Könige von Gottea Gnaden wären, weU sie als selche geboren 
sind -^ (NapaUan bat sich mit Recht so genannt und saSben las- 
sen , sobald die Kaiserwürde für erblich midärt war, LeuU PMUppe 
wagte Beides nicht, obgleich audi er Erbkdnig war. Der Unter- 
schied zwischen Beiden war» dw» *,Napotßm der WelMrobermr'*. 

4f r 



— 174 — 

mehr «n das dachte, was seine Dynastie seyn werde, der ,Jikpoiem 
de9 Friedens" dagegen mehr an die Vergangenheitder seinigen) — 
sondern umgekehrt, weil die Könige von Gottes Gnaden aind, 
deswegen werden sie als solche geboren. Das heisst: Ihre wahre 
Gestalt hat die Bethätigung der ganzen Souverainetät des Staates, 
oder die Herrschergewalt, da wo sie zum eharacter indelebüis ge- 
worden ist. Dies ist sie auch schon bei dem Anfänger riner Dynastie. 
Bei diesem, den nur der eine Weg Gottes, die Geschichte, auf 
den Thron f&hrte, fehlt das zweite, das natürliche Moment; da- 
mit auch dieses zu seinem Rechte komme und so Yöllig klar 
werde, dass wie der Staat, so auch sein Idi, auf dem natüriichen 
und rechtlichen Wege durch Gottes Gnade seine Mission erbal- 
ten hat, dazu wird der König auch seihst als Erbe der Königs- 
krone geboren. 

Ich hätte mich bei diesen Ausdrücken nicht so lange aufge- 
halten, wenn nicht die erbitterte Polemik gegen dieselben bewiese, 
dass die Gegner — ganz wie ich — in denselben viel mehr sä- 
hen als blosse Titulaturen, Zeichen nämlich wirklidier Stellung. 
Ich gehe nun auf diese selbst über, und suche ans dem ali%e- 
stellten BegriiTe des Herrschers abzuleiten, welche Rechte ihm 
nicht mangeln düifen, wenn er seinem Begriffe entsprechen soll. 
Erscheint in ihm eben so die volle Souverdinetät, wie in den bei* 
den Staatsgewalten die einzelnen Seiten derselben, so wird der 
König erstlich zu ergänzen und zu Tollenden haben, was jede 
der beiden Seiten geleistet hat. Darum hat zwar der König nicht 
die Gesetze zu madien, er hat sie aber durch seine Sanctjon zu 
Tollenden, und ist, weil eben dadurch erst der Staat sich jedes 
andern mögiidien Wollens entäussert und die Sache fest gemacht 
hat, so dass sie Satzung, Gesetz ist, der alleinige Gesetzgeber. 
Die Gesetze zu machen, dtes steht seiner Würde nidit zu, darum 
wird er, wo sie berathen werden, nicht hinrinreden. Diesen 
realen Sinn hat die eflgHsebe Formel, die bei uns ganz äusser- 
lich genommen wird, dass es unparlamentarisch sey, des Königs 
Namen in die Debatte zu zieh». Wenn unsere auf parlamentari- 
schen Brauch so erpichtai Kammerglieder gehört hätten, wie bei 
der Ministerkrisis Lord Stanley und Lord John Russd tiü Langes 
und Breites von den persönlichen Ansichten derKönigin sprachen, 
sie hätten dieselben gewiss zur Ordnung gerufen. Gründe für nnd 
wider abzuwägen und das Conclusum daraus zu ziehn, dies ist 



- 175 - 

die Abgabe eines CollegittiiiSt. «ich zu entgchliessen, bloss des Sub- 
jects. Dies allein thut er, indem er sagt Ja oder Nein« Durch 
jenes wird das Gesetz zum Gesetz, durch dieses bleibt es beim 
Alten. (Hegel bat einmal gesagt, der König setze nur den Punkt 
auf das i. Nach der gewissenhaften Art, wie man in Deutschland 
Worte eines andern cilirt, hat man daraus gemacht, der König 
sey nur ein Punkt auf dem i. Aber auch die, die dies nicht 
. thaten, behaupteten , jener wirklich Ifi^^ei'sche Ausspruch mache 
den König zu einem ohnmächtigen Wesen. Einem Solchen konnte 
^Hegei sehr gut antworten: Bester Freund! nur durch einen sol- 
chen Punkt wird, was Dem gehörte, Dein, was Du wahrschein- 
lich für sehr bedeutend halten wirst) Da wer nicht Nein sagen 
darf auch eigentlich kein Ja sagt, und der König ja der sich 
fr ei entschliessendi^ Staat ist , so muss gesagt werden, dass 
ein König, der nicht Nein sagen kann, kein König ist. Darum 
führt jede ^Beschränkung- des Veto zur Abschaffung der Königswürde, 
wie das sich in Frankreich gezeigt hat, depn kann man überhaupt 
den König zwingen, so ist der Schritt sehr klein, ihn nicht auf 
dem weiüäuftigen Wege der drei Legislaturperioden, sondern auf 
dem kürzesten zu zwingen. Gegen diese Forderung nun, dass 
der König in dem Sanctioniren der Gesetze oder in dem Versa- 
gen der Sanction nur seinem eignen Ermessen folge, pflegt man 
nun Gründe anzuführen , die theils dem Räsonnement a priori, 
theils der Erfahrung entlehnt sind : In ersterer Beziehung wird 
gesagt, da könne ja der König allen von den Kammern yorge- 
scbtagenen Gesetzen die Sanction versagen. Gewiss! aber man 
bedenke doch, dass jedes neue Gesetz eine Neuerung ist, ohne 
welche der Staat bestehn kann, wie die Erfahrung gelehrt hat, 
dass also höchstens die Entwicklung langsamer wird, und ein 
Volk Z^t bat — ich habe oft gesagt, dass wir Eintagsfliegen 
sind -^ 4)as8 aber jede übereilte Neuerung zurückbringt und Un- 
wiederbringUcbes vergeudet. Was gäbe jetzt nicht Mancher darum 
wenn dem Jagdgesetz die Sanction versagt wäre, oder besser, 
wenn man nicht dem ganzen Volk verschwiegen hätte, dass unser 
König sie nur bedingt gab. Ich bemerke zweitens, dass der Kö- 
nig weniger als irgend Einer ein Interesse hat^ Gesetze,, die 
für das Ganze gut sind, zu hindern, während gerade sein eignes 
und seines Hauses Interesse ihm räth, jeder Untergrabung des 
Bechtsgefühls und jeder Antastung von Rediten entgegen zu tre7 



— 176 — 

ien. fitufiger ftls dieigre Grtode ^eritn iit aM der fifiAfllbg 
genotnineit^ angeführt. In Englftnd ^ef das Velo des Königs eine 
IHusiofl , weil es in anderthalb JahrbfuiHlerten tkvtt einmal ansgeübt 
sey, in Amerika habe der Prfisident nur ein Suspensiires Veto, und 
in beiden Lfindem gehe es gut Das Letztere mag seyo, 4te 
factiscben Behauptungen aber sind, obgleich sie tra sehr bedeu- 
tenden Autoritäten imufter wieder angef&brt uterden, unrichtig. 
In England versagt der Ki^nig gar nicM sehr selten einem B^ 
sddosse beider Häuser die Sanction durch die höfliche Wendung : 
h rot $'aiti$eta. Man Spricht davon nicht, weil es ttidstens Maaäs- 
regeln betrifft, die für das Ausland keine Bedeutung haben, und 
weil das etiglisthe Parlament den Königliche Willen res{)eetirt. 
Jener immer wieder citirt« FaU unter Wiihelm IlL maeble molir 
Aufsefan, weil er betraf, was man bei uns eine Verfassungsfirage 
!^nnen würde, ^ Vereinbarkeit nämlich der MinistM^t«tie 
mit der dea Parlanentsgliedes. Dergleichen Fragen kommen in 
England sehr selten vor und werden erst vorgebracht, wann man 
gewiss ist, dass der König seine Sanction geben werde» wärend 
man sie im entgegengesetzten FaM verschiebt. Daas ako in widi^ 
tigen Fragen in England der König selten in die Ldge kommt, 
Nein zu sagen, das beweist nur, dass das Parlament «nd der K^ 
nig ft»t immer in ihre» Anstellten zusammengebn , des grösale 
Glück für ein Land, was möglich ist, e» beweist aber ni^hi, d«sa 
der König keinen WiMen haben dürfe. Unter grossen^ wiä«fis>^ 
starken Königen hat sieb auch England am Besten .befundene -^ 
Was Nordameriku betrifflt, so bemerke ich eratikhi dass derPri«- 
sid^it kein König ist, dann aber, dass dw Präsident ni^hi duroli 
sein Nein bloss die Sache aufschiebt, sondern daos umsein Mein 
«U contrabalanciren die Dfeiviertbeil Majorität nöthig iot, so dass 
faotiseh, was der Präsident nicht wtil <»eb erinnere am fyler und 
dier Kankfrage), er auch Ate vier lahre kng, wo er herrscht, «n^ 
möglich machen kann* Nitf Norwegen kannte man ala ftoiepid 
eines Königs mit einem suspensiven Veto anföhren, wenn dieses 
auch sonst estceptiMidlie Land nicht afuch darin exeeptioneM 
wäre, dass sein König nie Sei» landeskind ist» was begreifli^ 
dver Weise als ein anomales Veriiältniss^ Anomalien iur Folge bat« 
Indem ' mr dnrdi das Ja de» Königs der BescUnsa da§ Par« 
lamentä »im Gesets^wird« so dass dieses WiUo des Königi 
nicht nur lidssf, aonlern isl, erädieint die I^inetfoil Ass 



_ 177 ^ 

d» dit VoUeAdiMg cter ParlamealMhltigk^ und «r ptrtic^irt ekM 
dmiai an don PrifUe^ derer, die das destit machen^ dM0 er 
mcbt unter demselben gteht. Er ist unreraDlwortllcli dite 
«kaiseUiei fimttde, aus welche» diejeDigen es weren, Ae det^ 6e- 
eeti Bieobten« Der Sdiöpfor stand nicht unter dem Ües^h^f» 
daruit sie Bicht onterdem Gesetz, weil sie dtfs 6emU maebten; 
ciMns0 er nicbl, weil «* es zum Gesetz ttiacht. 'Ver»litwe#tK 
Ikfakeit des Kftnige in demselben Ai^enUiek vwlanj^n, wo sie 
für sich dM nicht •'VeranlwortJichse;» (mit Recht) fSorderten, §e- 
blirte aacb zu den CcafiiMoBen in insern cMistituirenden Versamm- 
loogeft. (Es vtrstefat sick von selbst, dass wo der K^nig Prtv^at^ 
TeriimdliobkeBlen fibcminmt, etwa Schulden macht, dass er wie 
eine Privatpereon behandcit wird« Es ist aber e»e, bei geeutt4em 
StMtdeben Nkmand befhxmdende Ehrforcbt, wen» man dann tod 
Anqurudien an die ,,Scbalulle^ spricht und die Person itm Königs 
nicht nennl. Gsns gleiche Ehrfurcht wird es verbindem, pentdn*- 
Uobn FeUer des Könige öffeotlieh zu rügen, was unserer Zeit^ die 
sa ttuperlieiilch ist ^ ^se« sie gewiss Ham's Betragi»! gegen Noab 
im Sditttz, ge^mmen hätte ^ als erschree&lich vorkommt) Der 
Kj5n}g ab selJQheir steht über dem Gesetz, weil anch die das fie- 
aetB beriethen m dieser ihrer Fuaetio» darftber standen* Wefl 
eheir der König nicht, me dte< Kammern, dler £e Abänderung 
der Gesetze berath und sie tit Antrag bringe, dcBwegen gilt von 
ttttH nicht, wen ieb v«n den Parlancsilsgliedem sagte, dass die 
Beeidigung auf die Veefaaaoiig ihnen eine begrifcwidrige Boschiäs^ 
fcuQg aujBi^^ Aer König sott feierlich geloben, die Gesetze ^ M 
ifecl» ebeir diejenigen, wekbe als. die Grund-Institiitkineii in der 
VerfsiMungsurknode veesaicftnet sind,, zu respeetfaren. Er seit dieet, 
um d^m Volke dunil za zeigen^ dass er der Erste; seyn wolle nk 
BoebacbteO' dea Hergebrachten nad dass er raebt rvttehi woHe aai 
dem , was das FiK^dament UMel aller Einrichinngcn ira^ Staate. 
f%i inebr aber ein kötniglkher Eid eine feieriicie^ Bekrdfti* 
gfeng iet, um so wunsehenswertber ist c8> dass einei siatehe- Ur^ 
bmde den Ghareote» habe, der In der secbstem Vorlesug tcA 
ibr gefordert wttrde, damit nicht aUe Jahn sm dem geindert werden 
wes ebfn^ ais des UDantasIbare bereichnet wimie. Dam attein 
kann das* n^ooMde Veiiialtnise eintreten , dass der König ais^ ¥er* 
IbeidigQr dee wionetMutiMeilea Re<Atfes^ dtK Land« erscheim; 
iveM en» seines Eides gedenkend, wkt WüMm JÜE im angfsfibr^ 

12 



— 178 — 

ieü Falle, den Neuerungsvorschligen des Parlamentes sein Nein 
entgegenstellt. Wie der König als Gesetzgeber die Tbätigkeit 
derer vollendet, welche es berathen und besehliessen, ganz so 
vollendet und ergänzt er auch durch seine Sanction Beschlösse 
der Regierung. Wie er darum die Gesetze nicht machte, aber 
doch der alleinige Gesetzgeber war, ebenso regiert er nicht, ist 
aber der alleinige Regent, der sich zum Gouverneur und zum 
ganzen Gouvernement gerade so verhält, wie der Herr zum Yer-» 
Walter; er ist nicht der höchste Beamte, sondern steht über al* 
len Beamten, so dass eben darum die obersten Beamten seine 
Diener sind und heissen. Eben darum sind wir Alle, die un- 
ter seinen . Dienern stehn, in seinem Dienst, und der stolze 
Engländer thut sich Etwas darauf zu gut, dass er sich „Her ma- 
jeslys co/one^' nennen kann. Darum wird ein Urtheil rechtskräftig 
durch seine Bestätigung, jede Administrativmaassregel berechtigt 
erst durch seine Zustimmung, so weit er nicht für geringere Sa- 
chen, jene und diese Anderen übertragen hat Darum werden die 
Urtheile in seinem Namen, die Ordonnanzen von ihm erlassen, 
nicht vermöge einer Fiction, sondern weil sie wiriclich von ihm 
vollzogen, d.h. vollendet sind, oder er sich entschlossep hat zu 
befehlen, was die Behörden beschlossen haben und was er eben 
so gut annulliren kann. Auch hier ist die Berathung unter 
seiner Würde, und darum mit Recht die Cabinetsjustiz eben so 
wie die Yolksjustiz ein euphemistischer Ausdruck für Injustiz. (Es 
gibt Viele, die den König gern als höchsten Beamten bezeichnen; 
wenn er als solcher sich zeigte, so würden sie — mit Recht — über 
Despotismus schrein.) Die juristischen Kenntnisse der Richter kann 
er nicht haben und soll sie nicht haben. Darum richtet das Gericht, es 
beschliesst, er aber entschliesst sich dazu, ihr Urtheil zu sanctioniren 
und zu erlauben, dass es unwiderruflich (ausgeführt) werde. Ganz eben 
so ist das Abwägen des Für und Wider hinsichtlich einer admi« 
nistrativen Maassregel vorausgegangen, und die Contrasignatur der 
betreffenden Minister zeigt, dass die höchsten Beamten sie bera- 
then haben. In England war ursprünglich die Contrasignatur 
nur ein Zeichen, dass der Minister um den Willen des Königs 
wisse, der das Siegel beidruckte, bezeugte dadurch, dass kein Ge- 
setz verletzt sey. Dies ist jetzt Beides vereinigt, und die Minister, 
welche ihren Namen hinzufügen, übernehmen dadurch die Ver- 
antwortung. Hit Recht, denn da es ihre Sache ist, eu wissen, 



~ 179 — 

wie es in ihrem Ressort aussieht (seiht ein solches administnitives 
Genie, vrie Friedrich der Grosse, musste sich begnögen, von Zeit 
zu Zeit sich dureh ein Examen zu überzeugen, ob sie gehörig 
orientirt seyen), da ferner es ihre Sache ist .und nicht des K5« 
nigs, alle die Gesetze zu kennen, die dagegen sprechen könnten, 
so föllt, was das objectiv zu Beurtheilende betrifll, auf sie. Der 
König lässt sich die Sache yortragen und vorschlagen, er entschei- 
det dann, natürlich unter der Voraussetzung, dass ihre Darlegung 
richtig ist, ob er es vor Gott, vor seinem Gewissen, vor den 
Geistern seiner Vorfahren und vor allen kommenden Geschlech- 
tem verantworten könne, in diese Neuerung zu willigen* Hat 
man ihn wissentlich oder unwissentlich getäuscht, so föllt mit 
Recht die Strafe auf die, welche es thaten. Eben deswegen, weil 
der König nicht (nur) regiert, sondern als Regent über der Re- 
gierung steht, weil femer diese Stellung untrennbar von seiner 
Person ist, eben deswegen sehn die Regierten, welche sich als die 
Untergebenen gegenüber der Regiemng als ihrer Obrigkeit ansehn, 
in ihm mit Recht ihren Oberherrn und nennen sich seine stetigen 
und persönlichen Untergebnen, seine Unlerthanen. DiesViTort 
wird von Vielen als ein Beweis von serviler Gesinnung angesehn, 
und es gab eine Zeit, wo sehr pathetisch in Berlin ausgesprochen 
ward: „es wird mir schwer, mich vom Standpunkte des Bürgers 
auf den des Unterthans zu stellen." Der bekannte Unbekannte 
Junius bat in seinem mit Recht berühmten Brief an den König, 
der dem Herausgeber einen Pressprocess zuzog, die man in Eng- 
land nicht wegen Bagatellen anfängt, weil es sich dabei oft um 
Transportaticm handelt, sich fortwährend Unterthan genannt, 
und war ein so kühner Mann, dass er vielleicht auch hätte Ab- 
geordneter für Jülich werden können, wenn er nicht vielleicht 
dazu zu viele staatsmännische Kenntnisse gehabt hätte. In Eng- 
land hält man den Grandsatz des Aristoteles fest, dass ein wahrer 
Bürger der sey, der über freie Männer zu regieren und freien 
Männern zu gehorchen versteht, und fühlt sich durch den Namen 
Unterthan nicht entehrt, — freilich hat aber jenes Land nicht 
Männer aufzuweisen, die so kühn — declamiren. 

Indem in der Herrschergewalt sich der volle Souverain be- 
tbätigt, erscheint der König zweitens als das Verbindungsglied 
beider Seiten dersielben, also der legislativen ind Regierungsge« 
walt. Er ist es, durch welche sich die Wechselwirkung bethätigt, 

12* 



— 18« — 

voft der firuber gesptechen ward, iia»entlaeh «o etna Spamumg 
eifiCrUt An ihn richlel sidi die Biite, sidi andere llinister zu 
inMen« Ich sage mit Abiicht die Bitte, dena ea haodeil sidk 
hier ttflo» eia «nTerauaserliehes Rochl des Königs, seine Diener <n 
enenneti wie er will. Weil er dies allein sn beslinniien hat» 
deswegen isl es anch nadi der Ordnung, wenn die firanzdaiiche 
Charte von 184S — die hierin der uasroi Tonniziehn isl — mt 
Ernennung eines Ministeriums die Contrasignalar eines Ministeni 
nidit fordert. In der Thal bei unserer Einriditnng wäre es mdg-» 
lidi, dass keiner der d^g^enden Minister die Ernennung des neu 
ernanntea Ministeriums contrasignirteu Was warn dann? In Eng-» 
knd ist einmal ein Versudi ähnlidier Ari gemacht » da hat der 
König hurten Process gemacht und s^e lUiiisier gefragt, ob sie 
die Schmach erleben wollten, dass er aus seinem Palaal herans^ 
gehe und den ersten besten gtnikman, der ihai begegne, au£Ear* 
dere sein Minister zu werden? Dies Recht ist ganz unbeschrankti 
(Es ist zttr Auffirischung des Gesefees vinUncht tiicfal unaweek^t 
mteig^ weil von Zeit zu Zeit ¥tn dem Undank gesprochen wird« 
wnldien die Prenssiache Begiening gegen Pantakirchenminner 
:(eige, daran au erinnern, daaa man im No^br, 1848 ?on Franko 
Carl ana dem Könige torschrieb» andere Minister zu ernennen und 
nntemagte, die Mattonaberaamndung aafznlöaen.) Vortrefflich hat 
Aiftr Callard nachgewiesen, wie ebne völlige Freiheit bei der Br«> 
nenmmg der Minister der König mdkt mehr König sey. Auf dnr 
andern Seite bitten die Mintaler den König um Vertagung und 
AMBösung der Kamnur, oder um Pairs<-Crealiott. Beides darf nur 
er,, ein Umstand, den ieb in einer fröbeni Vorieanng ignnriren 
mnasle, weil dort der Begriff des Herrschers noch unerörtert war, 
ganz wie dort auch ignorirt ward^ dasa das Miastranensrotann ge*^ 
gen die Minister an d^ König gerichtet sey. Je mdir die Ver- 
hüttttsse in einem Staate so sind, dass gar kein Zwei&l darüber 
IMatt finden kann, dasa das Pariament den wahren Willen des lan«< 
des anssiNricht, je mehr femer durch die Theihmg des Parhmenia 
in nur zwei Parteien, welche wirkliche Systcn» re^prflsenlmtn, dm 
Abstimmungen im Pariamente ein unfiridbares Zeichen aind, oh 
das Ißnisterium an halten, iA die Kammern laifgelöst werden 
massen« um so weniger wird die ordnende Sbdht des Kifilga 
sichtbar her^rtreltea Wo dies nicht der Fall ist, wo anstatt der 
^atamatischen 4ine capriciöae (^poailien den Ifinister angreift, 



— 181 — 

da cebn wif idbBt in £o^and den KMg «ein Mtnisterium 4rote 
«Ihr HmtraiieosToten halten; eben so dort, wo dem Minifiterio 
flidit euie Sterke Partei, die das Staatsnidtr z« tibernehmen ver* 
iiag, sondern «ine Coalition entgegentritt, deren einzelne Bealaid- 
tfaeile schwächer sind ab das Hinistertam. Da wäre es wnner* 
Mnfii^, von der Fietion anszugehn, ab eey es so wie somat and 
«Is milsse man deswegen handeln wie sonst. In solchen Zeiten 
jiuSB die fcöuigttche Macht tiel mehr eingreifen wie sonst, und 
was sejn mose, «oU nicht mUerUeiben wegen jenes Afaracadabra, 
welches ^eostetiliitionell^' heiait. Ganz eben so wird es 2eiMi 
^e«, WD der König nidit den gewihniichen Weg befolgt, dan 
«r ein Hinisteritim nur entlisst, weM es in der Minorität bKeh 
und seihet seino Dembsm eimreicht« £s sind FÜle denkbar, wo 
der K6nig eiefat, dass ein Minister (fie Sache des Vaterbwdes >vmv 
Yääi — «&. B. ein praissisoher Ministerpräsident, fegen olb Airigen 
Ministep, mit der Ms^orilät der Yersanmlung besdiiiesst, sein« Sftt«- 
)iatbie mit den Wiener Barrifcadei^kämpfem oosansprechen *«- wer da 
sagen wollte, der König darf seine Minister wicht entlassen, vedl das 
gegen „ooascittttionellett Brauch*' ist, dem antworten wir, wena 
dies wahr ist, so (asgt jener Brauch niichte; was es Obrigens mit 
diesem Brauch fir «ine Bewandtniss hat, dar&ber habe ich midi 
bereits früher aKsgesfrochen« Weiil der König das Band zwisdien 
Jenen beiden Gewalten ist, deswegen tritt er bei jeder Abweichung 
Tön dem ordmmgsmäesig^ti Gange als Rogriator, Moderator, ein. 
Ich braotlie nicht besonders z« bemerk««, daes oben deswegcga 
bei unsem Eänricbtnngeii der König — ich sage nidit i^egiefreii, 
d^tm das ist unter seiner Wörde •-* mehr und öfter ata eingrei* 
fender Regent eidi zeigen mnss als in Englandi Auch in dem 
monarrthischen n^aükreidi wäre ein eignes Einseifen des Begen-^ 
len als Soleben oft »öthig gewesen; dass Vettiltnisse «nd persiön- 
l]«he BigentbfimKchheit den König dabin brachten , «nstalt dessen 
m^r wie ein schlauer, den Andern nberlegner Mimdter sa 
handeln , das hat ihn theils als nnredlichen Sehbukopf emcheh^ 
Mn läseen, fheils manchen Ministerätob «erfetsfft, und unter seinen 
Sät-Ministern — ni<^hl alle sind «o edle Patrioten wie der flsrzog 
Ton 9ro0e — haben die sich gründen, die zu «einem 9tm*ze am 
meisten beitrugen. 

Endlich tritt nns drittens in der Herrsdiergewdt, th der 
B^tiiätigunfg 46r gaftzen Sowreranietät / nieht nur die VoDenAmg 



— 182 — 

jener beiden Seiten, nicht nur das Verbindungsglied beider, sen- 
den ein ganz specifiscb von ihnen Verschiedenes , ein Neues ent- 
gegen, welches eben deswegen roit Recht als das hauptsächlichste 
Attribut der Majestät, als höchstes Hajestdtsrecht bezeichnet wird. 
Indem der Kdnig Gesetze sanctionirt und Urtheile bestätigt, ist 
das nicht nur eine Thätigkeit, bei der die beiden andern Gewal- 
ten die Initiative haben und — je mehr sie ihrem Begriffe ent- 
sprechen, um so mehr — die Hauptsache zu machen scheinen, 
sondern es handelt sidi auch nur um Rechtshestimmungen. Wäre 
der Staat nur ein Rechts-Institut, nur dazu da, um das Eigenthum 
zu sichern u. s. w., so wäre dies genug« Dagegen aber habe ich 
mich schon in der Einleitungsvorlesung (p. 25) erklärt. Vermöge 
seiner Souverainetät erhebt sich der Staat über diese Sphäre und 
zeigt seine absolute — Gott gleiche — Macht darin, dass er 
sich über das starre Recht erhebt, indem er, was innertialb der 
Recbtssphäre Unrecht wäre, versittlicht und so zu einem U eh er- 
recht macht Die Befugniss des Staates, über das Recht sich zu 
erheben, welche ihm zukommt vermöge seiner vollen Souveraine- 
tät, ist eben darum alleinige Prärogative des Königs, bei der 
Niemand concurrirt, wenn er nicht will. Da alle Negationen des 
Rechtes sich darauf zurückfuhren lassen, dass Gnade für Recht 
geschieht, dass Gewalt vor Recht geht, endlich dass das Recht 
dem Interesse weicht, so ergeben sich in dieser Hinsicht drei 
unveräusserliche Majestäts- und Souveraineläts-Rechte. Das Be- 
gnadigungsrecht ist begreiflicher Weise eines, welches der 
blosse Rechtsstand nicht dulden kann; wie Israel, als es auf dem 
Standpunkte des Gesetzes stand, keine Könige sondern nur Rich- 
ter hatte, eben so kann Kant nicht umhin, dieses Recht ein „schlüpf- 
riges'' zu nennen.' Natürlich, denn wasi er König nennt, ist eigent- 
lich nur ein höchster Beamter. Nur in wem die Souverainetät 
des Staates verkörpert ist, Person wird, nur in dem kann der 
Staat persönliches Mitleid zeigen. Darum halte ich das Be- 
gnadigungsrecht eines Präsidenten für sachwidrig. Umgekehrt 
aber, wenn (wie seit einiger Zeit in England) der König nicht 
allein entscheidet, so ist dies eben so begriffswidrig. Er muss 
sich, wie Gott, erbarmen „wess er will.'' Diese Negation des 
Rechtes wäre sach widrig, wenn dadurch irgendwie Rechte der 
Emzelnen gekränkt würden. Jeder, darum auch der Staat, kann 
nur vergeben, was gegen ihn selbst geschah, und der König kann 



— 1S3 — 

nidit erlassen, was ein Andrer mir zahlen soll, daher tritt die Begna- 
digung ein nnr wo der Staat beleidigt war. Aber auch hier sind Aechte 
SU respectiren, namentlich des Verbrechers. Dass Einer begna* 
digt wird, ohne darum zu bitten, halte ich für Despotismus. Ihm 
wird da „sein Recht" gestohlen. (Dies ist z.B. in Norwegen 
vollkommen ana*kannt.) Dass das Begnadigungsrecht in derselben 
Hand sich befindet, welche die Gnade versagen kann, ist eine 
Tautologie, daher muss der König es seyn, der die schwersten 
Urtheile (Todesurtheile) bestätigt. Wer dies nicht wagt, der soll 
auch nicht das Recht haben zu begnadigen. Wenn dagegen ge- 
sagt wird, dies sey schrecklich! so antworte ich: König seyn ist 
auch eine schreckUch ernste Sache. Im Begnadigungsrecht zeigt 
der König seine gottgleiche Macht, er hemmt den ewigen Lauf 
der Gesetze, und llsst Gnade für Recht ergehn. — Wie in 
der Begnadigung des Verbrechers sich die Souverainetät des Staa- 
tes nach Innen betbätigt, so ist der Krieg, dieser Zweikampf 
der Staaten , in dem die Waffen entscheiden und das s. g. Redit 
des Starkem gilt, d.h. Gewalt die Stelle des Rechts 
▼ertreten soll, eine Bethätigung seiner Souverainetfit nach Aussen. 
Wie im Kriege mehr als bei irgend einer Gelegenheit, indem die 
Einzel -Interessen zurücktreten, Alle als ein Ganzes sich wissen, 
und das Bewusstseyn der Volks -Ehre aufgeht, indem ferner der 
Krieg ein Verhältniss ist, in welchem die Staaten einen persön- 
lichen Handel mit einander ausmachen, so ist es nothwendig, dass 
hier der, in dem das Volk sich als eine Person sieht, in den 
Vordei^rund tritt. Den Krieg anzufangen und zu beendigen ist darum 
die Sache des Königs. Er ist darin vollkommen unbeschränkt, 
wie in dem Begnadigen des Verbrechers, denn da hier das Recht 
aufhört, so entscheidet das persönliche Wollen. Ganz wie bei dem 
Begnadigungsrecht aber gesagt war, dass die Rechte der Einzelnen 
nidit gekränkt werden dürfen, eben so haben auch bei dem Kriege 
die Kammern das Recht, die Mittel zu verweigern. (Wäre der König 
im Stande, aus seiner eignen Tasche eine Armee zu besolden, so 
dürfte er den allerunpopulärsten Krieg auch in England führen.) 
Wer den Krieg anßngt und endigt, führt ihn natürlich auch, der König 
ist der natürliche Oberfeldherr, und was dort erreicht wird, wo er es 
wirklich ist, und nicht sein stellvertretender Obergeneral, das haben 
Friedrich der Graste und Napoleon gezeigt (Dass sie nicht mehr, wie 
früher, wenn das eigne Land keinen Krieg hat, in fremde Dienste treten, 



— 1»* — 

ist eiB grosser Mangel in der geg«iiwirtigai Frinsefi**ErMitiBg.) Da 
die gogenwArtige KiiegsfEftirung idtht auf der persOttlidieii Tapfer^ 
keit und gtsehidcUn Wafflenfühnmg 4es ElostliiHi btsteht, wie in 
der bomerisoiiea Zeit, wo eine Schlacht eine Vielbeü mon Dnetten 
war, eondera die Berechnuig des Feldherm die Haoptsadie ist, 
diese aber aur bei maschinenniäesiger Suhordiwtioo mdglich ist, 
s« ist es der Gehocsam, der den guten Soldaten »seht; bei dem 
blinden Cdiearsam bleibt er frei, indem der Stand der Ssbordi« 
nation eugleick der Stand der Ehre ist. Damm hat der Seldat 
allerdings ehie specifisebe Ehre» die: das Vaterland gegen den 
äm$sem Feind iu vertbeidigeft. Der Ausdruck des unbedingten Gtbx^r^ 
sams tritt uns iu d»m £ide der Treue entgegen^ welcher dem 
Obf^rfeldberrn, 4em K&nige geleistet wird, ond erst dann TcrmnfW 
missigiM^ Weise mit dem Eide auf die VerfossuagBurkunde TNrtausobt 
werden wird, wenn die Zeit gekommen iet, wo Urkunden das 
Commnnde fuhren. Der Eid dar Treue, den der SeUbi dem KJb^ 
mge schwort, ist die Erweiterung 4es Fabnen^Eides. Dass mm 
in einem Müitairslaat, worunter iidi, wie gesagt t den Staat ver* 
stehe« in dem Alle Soldaten sind« auch schon durch den Umstand, 
dass Jeder den Fahneneid geschworen hat» noch ein Mues» spe^ 
cifisches» Band «wischen dem Einzelnen ond 4em Ktoige besteht, 
liegt in der Natur der Sache. — Der Krieg wird nkht um seiner 
seÄst willen geführt, sondern um seines Endes ^ des Friedena 
wUlen. Völker «oblagen sich, um sieh au Yertragen. Je weitar 
die lotelligeo» und Cultur sich entwiokett« u» so mehr ^ennt 
man, dass auch wahrend desselben das Elgenllium des EinsefaieQ 
ze re^pectir^n sey^ um so theurer aber werden die Krieget^ und 
um 4e mehr siebt man ein, wie vi^ die Linder duvcb dieselben 
leiden. Ea liegt darum in der Natur der Sacbe» dass man vttr** 
suAcbt m dem Resultate des Krieges^ zum Vertrage», nhne denael^ 
ben m kommen^ Vor die&em äussersten Mittel sehenen sich dm 
Staaten immer mehr, und so reicht endlich die DriAung des Krie* 
gas $^n bin, einen Vertrag zu erzwingen. Um aber mit Erfolg 
drehe« zu ki^nnen, dam geböri zweierlei. Einmal dass man sl«Nik 
genuf sej, um sie eusfuhiren au können, dann dass man stetn 
ijLOterricbtet sey über die Stärke und Absiebten der ahvi^m Staa*' 
ten^ So ergibt sich i^on selbst zweierlei, was Beides in uaaera 
Tagen Gegeni^tand steter Klagen ist; die stehenden Heere in Frie- 
denszeit oder der s.g. bewaffciete Friede» und auf der andern 



— W5 — 

"M^ 4er cKptoitiatilche ¥^k6h^. W«b um 4m enim betriA, 
•d bt ({«g^D die RedMmgen EUhu BftrHCt, Meh wekheD« Gott 
weise dv«b Alles dirfar b^estellt irertfen ktante, was die steben- 
i»n Beere kosten^ es iec gef^en diese ttiehte ekumweiideii ris Eiftee, 
wae frdHeb AHes ist -^ die Notbireirfigkeit Mim kaAd sie, na- 
umitUdi jetst^ Wo die BCaalen der inneren Feinde so fiel, ja aoHir 
haben als der aaasem> nidit niesen, und die flMdaleo erfarften 
oiebr als alle iMedensoongreiBe den Frieden. Das Einsige, was 
Bian bierbei thnn kann, ist, Einriektangen xu treiin, wedurdi die 
stekenden fieve niaeer ikrem näebsten Zwecke anders wichtige 
Staatscwecfce terwiiUidien» Kos ist wm bei nns dnrdi eine Ein« 
risblnng geachehn, die kein andrer Staat haly ach meine die atlge*« 
mei»e Militairpflichtigkeit Wihrend n Frankreiidi aiedar« 
iher klagen, daaa diejenigen, wekbe dnitob sie getroffen werden, 
dnrdi den mehijihrigen Dienet deprafirt werden, wdhfund dessen 
ist aneakatttler Weise bei nns die Zeit des MihtairdiensteB eine 
Scbiile nnd eine Ersiehnngeaastah. Auf der enaen Seite dnrch 
die Discipiin, die leider «af unsem Vottsachulsn nidlt sehr gt* 
lernt wird, auf d«r andern datercfa, daaa jetst nindestens einige 
Jahre aicb der sonst ganz Terbree Corperationsgeist ausbilden 
kann 9 der aenst isoUrte Mensch sagen lernt Wir (Neunaehner, 
Zweiunddreieaiger n. a« w.)» Dann kettunt aber noeh dasu, daaa 
in dieser aUgemeinen MiliiaHrpflichtigkeit die Ansgletckung der 
Stinde Statt findet, die allein Ternftnftig ist; dinroh seine Came* 
radsebaft mit dem Gebildeten erweitert der Ungebildete aeinen 
Gesicbtakrcäs und lernt feiner fühlen, der Gebildete diesen mehr 
eebteni nnd die Wahrheit, dass es Eines gibt, worin wir ahselut 
gleich sind: die Verteidigung nnares Landes gegen den Feinde 
ptigt sich tief in das Herz Jedes» welcher dient Gegmi die An« 
dem ansammenhalten ist aber augleicb das Herviorlreten des weh* 
ren Patriotismus. Wie der Krieg den Patriotiemua hebt, ao auch 
sehen die KriegaAbwig^ In Preosaen erhält ihn hamn Etwas so 
sehr» eis dass so Viele Soldeten gewesen sind« Rechnet man nun 
noch daziu dass sehr Viele« die scitwicbliGh in den Dienst treten» 
gesund und stark benaustreien, ea ist^ wte dem Lande m t>hyei<- 
sfihar,. geislaeBr wd moralischer Kraft nukmnnt, so gross, daaa 
ioh nicht dia IIUli(men beiAanre, die es uns keatet, dnae k 
jedem Augenblicke ae Viele als Soldaten besoldet werden, als wfar 
gesnndie Kenosehn-- aad ZwanSi0ährige haben, sondeHn «ielmebr 



— 186 — 

dies, dass, um einige Millioneii zu ersparen, man so Viele zurflck- 
weist, damit nicht neue Cadres einzurichten seyen. Geht es so 
weiter, so wird, was eigentlich schon jetzt Statt findet, die allge- 
meine Militairpflichtigkeit nur auf dem Papier stehn, und damit 
würden wir so viel verlieren, dass ich hoffe, der Staat wird bald 
die Oecoooinie machen, zehn Millionen jährlich mehr für den 
Miiitairetat auszugehen. — Was das Zweite hetriffl, die diplomati- 
schen Beziehungen, so vermitteln diese den friedlichen Verkehr, 
so dass Abberufung der Gesandten der naturgemdsse Ausdruck 
für das Abbrechen, Beschickung mit einem Gesandten für das An- 
knöpfen freundlicher Beziehungen ist. Durch die Gesandten stehen 
die Staaten im perstolichen Verkehr, und es war ein ganz richti- 
ges Gefühl, welches dahin gebracht hat, Beleidigung des Gesandten 
als Verletzung des Rechtes der Völker anzusebn. . Durch ihn 
fordert England Ausknnft darüber, wanim Frankreich seine Fl<^e 
verstärkt, was es für Absichten hinsichtlich Marocco's hat, um dar- 
nach ^ sich einzurichten. So ist also der Gesandte Repräsentant 
des ganzen Staates, und er hat das Verhältniss seines Staates zum 
andern so zu regeln, dass das Interesse des seinigen wahrgenom- 
men wird. Da nun ab^r die Interessen des Staates zu ihren Be- 
standtheilen die der einzelnen Glieder des Staats haben, so be- 
kommt der Gesandte eine Bedeutung für die einzehien Angehöri- 
gen eines Staates. Durch die gegenseitigen Gesandten ist jeder 
Angehörige eines Staates, wo er den andern besucht, sicher, 
in demselben den Schutz zu finden, dessen er zu Ilanse geniesst, 
und es war vielleicht der grösste Fehler, den der Bundestag ge- 
macht hat, dass während England, Frankreich, Russland u. s.w. 
ihre Bevollmächtigten nach Frankfurt schickten, dass es keine 
Bundestags - Gesandten und Consule in den fremden Staaten gab. 
Diesen Umstand haben die den Bundestag discreditiren wollten, 
gehörig benutzt. Schon dies allein, dass der Gesandte den Staat 
„in Person^' darstellt, und dass in ihm der Staatsangehörige sei- 
nen natürlichen Schutz zu sehn hat, reichte aus um zu beweisen, 
dass die Gesandten Bevollmächtigte ihrer Könige sind, da ja in 
dem Könige der Staat Person wurde und nur der König „natür- 
licher'' Schutzherr war. Die Gesandten sind Diener (Minister) des 
Königs an den König, sie gehn darum wohin der Hof geht, bei 
dem sie accreditirt sind — (so Ton Wien nach Innspruck, worüber 
sich nur die wunderten, welche nicht bedachten, was ein Gesandter 



— 188 — 

ist) — eben so ist binsicbtlich dessen, was der Gesandte zu thun 
bat, der Verträge, der König gerade so frei wie binsicbtiicb des 
Bef oadigongsrechts, d. b. er darf Einzelrecbte nicbt kränken, und 
darum ist es eine vernünftige Bestimmung, dass Verträge, die dem 
Lande Leistungen auflegen, der Balification durcb die Kammern 
bedürfen. Andere, z.B. Heirathsverträge, die für die freundlicben 
Beziehungen der Völker sehr wichtig sind, und von denen früher 
in naiver Weise vom gemeinen Mann gesprochen wurde: „Wir 
haben dem Mecklenburger unsere Tochter gegebenes diese bedür* 
fen einer solchen Ratification nicht. Abgesehn aber davon, er- 
gibt sich, dass das Recht, Gesandte zu schidcen und Verträge ab- 
zuschliessen, eben so wie das Begnadigungsrecht ein ausschliess- 
liches Recht des Königs sey, auch aus der Betrachtung dessen, 
was die Verträge erreichen sollen? Der einzige leitende Gesichts- 
punkt ist hier der V ortheil des paciscirenden Staates. Es tritt 
also ganz wie in der Begnadigung das persönliche Hitleid, im Kriege 
das persönliche Gefühl der Stärke, so hier das persönliche Inter- 
esse an die Stelle der objectiven Grunde , im Könige aber trat 
das Persönlichwerden des Staates hervor. Alle drei sind darum 
Bethätigungen der vollen Souverainetät, nur dass sich in der Be- 
gnadigung die Souverainetät nach Innen, in dem Kriege nach 
Aussen, in den Friedensschlüssen und Verträgen nach Aussen und 
nach Innen zugleich bethätigt. Jenes indem er dem Feinde die 
Hand reicht, dieses indem auf sein Geheiss Jeder, den er eben 
erst zum Todeskampf gegen den Feind aufgerufen hatte, dem 
Hasse Einhalt thun soll und den Andern als Bundesgenossen ach-* 
ten und respectiren. 

Als die aus der Natur der Sache folgenden Bestimmungen 
haben wir gefunden: Der König ist als Vollender der legislativen 
Function der Gesetzgeber, er ist als Vollender der regieren- 
den Function Regent, es hängt endlich von seiner alleinigen 
Entscheidung Alles ab, wodurch sich die volle Souverainetät be- 
thätigt und so ist er souverainer Monarch. 



— 188 — 
Vnnfiselitite Torlesiuiir« 

fiean |;eti(MDin«ii Mt ia dtm hn\M ftesagkeii mMr% Auf«- 
gäbe, d«B Sinat zu betraohMi^ geKiU B« tot aber Mft ZiftU 
gtweMftt da» irir suMat zu dem TerMItniM «wiscbett d«n fitM«- 
teil IkbeiigegaDgen sind. Wir hdien oäiiilidi eikirtMt, 4<mm di^ 
Slaait eiD persönlichei Wollen, ehi wollendes leb ist, ata aoldiei 
bethätigt er sich »im, indem er od itfff« tbjiig ist 0&et bandelt« 
{Handeln iat: den Willen ftueaern.) Indett UM aber in dieser 
dueseriidien Spliära sogleich seinfisfidein den der anderelft Staaten 
begegnet, ergibt sich sogleioii eki Handeln gegen einander 
< Haftdel ausmacben, Krieg) edsr ein Handehi mit einander (tiaä« 
dd treiben, flnedlioher Vettehr)« Dais wir das Letztete pat ^#* 
tMaue Hattdeln nennett^ iteigt, dass trtr es als das Mtiete, den 
Krieg «ur ab das vorfibergehende Mittel 2a jeneim atiMbn, Weil 
Ni doaa fiandebi nw das leb, die Eg^itflt, sieb bethiligt, so ist 
der Krieg sowohl als der Handel, Aetbätigung des^aats^EgoiSmus. 
Nnr die Rfldbsiebt auf den eignen Rabm, auf das eigne WoKI 
leital Ucr. Wie ick handle, well idi so Mn, so liandeli der 
Stälait se, weA er so ist, niebt um eines Andern willen^ le «nehr 
die Staaten isolirt dastebn, ^m so mehr kann es sebeitten, als 
wiann das Wobt und der Vorltieil eines derselben nm se mehr 
gewinM, je sebiechter es in den andern gebt, und in einer 
sokhen Zeit wird die l^olilik begreiAicher Weise perfide seyn^ je 
mehr aber die Staaten mil einander in Verbindung treten, um so 
demlicber wird es, dass jeder dem andern Solches daiWetet , was 
der andere nicht hat, dies aber um so mehr können Wird, als er 
selbst pnosperiit, md eben so, dass es der alle^rösste Vortlieil 
ist, v$ean in dem Verkehr treu und Glauben berrsdift. So kommt 
es, dass der Egoismns dem Hmnanismus dient,. dsÄ Interesse der 
engiischen Zuokerproducenten zur Unterdrückung des Sklavenhan- 
dels führt, die (Jeberzeugung, dass es im Interesse tlnglands liege, 
dass Dänemark ni^dit untergehn dürfe, im Pariamente sagen lüsst, 
es wäre „unwürdig, einen bedrängten Staat zu pressen.*^ Je wei- 
ter die Cultur steigt, um so mehr verbinden sich die Interessen 
des Staates mit den allgemeinen Zwecken der Menschheit, darum 
hört denn immer mehr die Zeit auf, wo durch kleinliche Betrü- 
gereien, Intriguen u. dgl. das Wohl und Wehe der Staaten ent- 
schieden wird. Nicht als wenn nun edle Herzen und liberale 



Aüflielitfii im DlplMuiten tnaoheB wArdeD, &9n m GegentbeiiL 
««il ie4ift atte Welt w^, dass Je4«r aeioen Yorth^il aiiebU wuai 
der ipafare fiiplowat i^iel m^br ab früher wiaaan, wai der ivabre 
Vortheil AI« iat« u» durch Entwi«Uuof| dea wahren Sac^ver* 
haltea den a»dem lUeliUa z« seigeii, was iboeii» waa Alten fr^niiBt. 
Jkt i^ohUeratandne Egoisniua eine^ StaaU iat, wie icih frjibar 
aibon sagte, aeine Beatinmwig au erfOUen, tbut er die«, ao dient 
er der MenaeUieiU Die egoistisebe Politik einea Staatea ia( die 
am meiatet koamopotitisehe. Wenn Dtaeaurk ei(eiiaiittiig<4r Weiae 
aieb durch Siegern rninirt, um das einzig Vortbeilhafte fttr aidi 
seibat nicht z« thuo, ein freundbcfaea Yerbtttniaa mit De«taddieo4 
zu aueheo, ao schadet ea aicb und dem Allgemeinen gleich aebrv 
Daraus schiene aioh nun fflr den Einzelnen hinsichtlicb Sfei* 
«er Stellung ein sehr einfacher Kanon zu ergeben: Patrintismus 
scheint Allee in aidi zu vereinigen , was aittliche Fordevung iat* 
Diee war im Alterthum auch ganz richtige und darum Jenem Recht 
an gehen» welker alz Ziel der Erziefaueg angab, dasa Einer ein 
guter BArger werde. Das ist in der modernen Anacbaningaweise 
anders; Jeder, auch der allereUrigate Patriot, weiaa sieh, euaaer«- 
dem dasa er aieb als Epgl&nder und als Preuase weiaa, auch loch 
siigjMcii, als über die nationale Schranke binattsgcfteudf als 
McMch. Ja dieae beiden Beatimmungen können anaeiuander gebut 
vnd wnil bei una nicht wie bei jenem Weiaen, im den Gttlem 
dankte, dass er ein Menach und kein Tbier, ein Mann und keju 
Weibi ein Crieche und kein Barbar war, die NaIionaUtit um zwei 
Stufen hftber ateht als die Bumanität, kann die Frage entalehn, 
welches ist nun die nermale Stellung zwischen den Forderungen 
dea Slaalea und zwiachen den höchsten Forderungen der 9um«^ 
nltat? Zuniflhrt sind hier zwei QcJ)iete aua der Sphäre 4er rnff^ 
liehen Cnnflicte ausauschmden. Da unter Amt und Beruf die 
SteUnng veratenden wird, die Einer im Staate und durch deu 
Staat hat, «^^ ao bat er hier iKe Staalageaetae als absolute 
Norm festzuhalten. Wer diea nicht kann, snil daa Amt aufgebeu* 
Wer hitf sagen wollle: Man muss Gott mehr gehorchen als dem 
Menadien, dem antworte ich: Durch Dein Amt s|»<ieht eben Gott 
zu Dir, und Dein Herz und Gewiesen, wai dagegen iat, iat eben 
nur ein MenscheBhan. Wer seine Amisfiflicbt i^etzt» ist 
atndbar nicki nmr nach dem taseern Bucbataban, sondern eb^ 
a« BDralisch, religüa. -^ hut Ut andern Seite geht der NeuaA 



— 190 — 

über die Schranken der Volkstbümlichkeit und darum des Staates 
hinaus, als Glied der Kirche und als Werkzeug der WissenschafI» 
jene befasst die Gläubigen unter allerlei Völkern, diese ari>eilet 
für die gelehrte Hit- und Nachwelt. Wollte Einer daher in sei- 
nen religiösen Ueberzeugungen , oder in seinen wissenschaftlichen 
Forschungen sich durch die Siaatsgeselze binden lassen, so wäre dies 
ein irreligiöses Thun, ein unfreies und unwissenschaftliches For- 
schen. Mit Ausnahme der wenigen Glücklichen, denen ihr Beruf 
im Staat nur auflegt, die Resultate ihres wissenschaftlichen For- 
schens unbekümmert um alle gesetzlichen Bestimmungen zu Ter- 
kündigen, die eben dämm, indem sie für die Menschheit arbei- 
ten, ihrer Pflicht als Staatsbürger genügen, wird es für Alle rath- 
sam seyn, dass hier gehörig distinguirt werde, sowol Ton Seiten 
des Staates als auch von Seiten des Einzelnen. Jener wache 
streng über jede verletzte Berufspflicht, und trete andrerseits der 
wissenschaftlichen Forschung und, da diese nur als Wechsel- 
gespräch der Forscher existirt, ihrer Veröfitentlicbung nicht ent- 
gegen. Dieser sey stets eingedenk, dass er als Büiiger diesem 
bestimmten Staate angehört und dass ein Buhlen mit^dem Aus- 
lande den Staat untergräbt, dass er als Forscher nur ein Gesetz 
respectiren darf, das der Wahrheit. Nun yereinigen sich freilich 
bei uns nationale und temporäre Gründe, die solche Trennung 
und Distinction sehr erschweren. Nationale , weil wn* viel mehr 
als andere Völker auf das Ausländische achten und eine Neigung 
haben, was uns daran gefüllt, sogleich, oft zu hastig, bei uns ein- 
zufllhren, temporäre, weil in unsrerZeit sich eine Mittelsphäre ge- 
bildet und ausserordentlich ausgebreitet hat, in der die Morgen- 
und Abendröthe des bürgerlichen Berufs und der wissenschaft- 
lichen Erörterung in einander überfliessen. Ich meine das halb- 
wissenschaftliche Räsonnement in unserer Tagesliteratur und in 
unsern Clubs und Wahlversammlungen, in welchen, wie öfter wäh- 
rend dieser Vorlesungen bemerkt wurde, politische Meinungen 
und Ansichten maassgebend sind, anstatt der wirklichen Interes- 
sen. Je öfter es hier vorkommt, dass unwissenschaftliche Schwätzer 
sich auf die Privilegien der Wissenschaft berufen , oder wiitliche 
Verschwörer das Recht in Anspruch nehmen» sich zu assodiren, — 
um so öfter wird sich das traurige Schauspiel wiederholen, dass 
Regierungen zwischen dem Dulden der Zügdlosigkelt und dem 
Unterdrücken der Freiheit sciiwanken , was seinerseits die Folge 



— 191 — 

haben wird, dass der Einzelne die Grenze fiberschreitet und sein 
Tadel der Regierung nicht mehr dem Vaterlande frommt, sondern 
es untergräbt. Eben darum bedarf es für den Einzelnen eines 
Kanons, nach dem er sich stets zu richten vermag. Unsere Un- 
tersuchung berechtigt uns , ihn so aufzustellen : Jedes egoistische, 
atomisirende Handeln tastet das Wesen des Staates an, denn er 
ist Organismus; jedes unrechtliche und unmoralische Handeln 
eben so, denn er ist sittlicher Organismus. Wer endlich dar- 
über spotten kann, dass an den Staat und sein Haupt, wie an die 
Familie, die Stimme des Blutes fesseln soll, fasst ihn nicht als den 
höchsten unter den sittlichen Organismen, welcher, weil er dies 
ist, die Natur der in ihm enthaltenen beiden andern vereinigt.) 

So schliesst denn unsere Untersuchung mit einer Wieder- 
holung des Satzes, in dessen Entwicklung sie bestanden [hat. 
Ich hatte Ihnen versprochen, zu zeigen, was daraus gefolgert 
werden muss, dass der Staat der höchste sittliche Organismus 
ist, und zugleich, wie diese Folgerungen Daten zur Beurthei- 
lung factischer Zustände an die Hand geben. Ich habe mein 
Wort gehalten. Es kann seyn, ja ich halte es für wahrschein- 
lich, dass manches Urtheil, welches ich aussprach, besonders aber 
die Art, in welcher ich es that. Manchen unter Ihnen verletzt, ja 
vielleicht ganz von mir entfernt hat. Ich hätte dies vermeiden 
können, wenn ich hinter dem Berge hielt, mit doppelsinnigen 
Redensarten die Schroffheit meiner Ansichten bemäntelte. Ich 
habe dies nicht thun wollen. Klarheit und Wahrheit war mein 
leitender Grundsatz, und darum habe ich mich ganz Ihnen preis- 
gegeben. Werfen Sie mich nun, nachdem Sie gehört haben, dass 
ich die Conföderation für die einzige Staatsform des ganzen 
Deutschlands halte, in die Klasse der Grossdeutschen oder gar 
der Antediluvianer , — ich werde es mir gefallen lassen , da ich 
wirklich Deutschland gross wünsche und da ich eine wirklich 
antediluvianische Macht vor Allem verehre, die freilich auch nach- 
märzlich ist, — die Vernunft. Weisen Sie mich, wenn ich wie- 
derholt gesagt habe, die Hauptsache bei einem Gesetz sey nicht, 
dass es einen parlamentarischen Ursprung hat, sondern dass es 
vernünfüg ist, der Familie Absolutus zu, ich werde dazu schwei- 
gen, um so mehr, da ich wirklich eine Antipathie gegen alles 
Relative und Halbe habe, — nennen Sie mich, wenn ich mit Bit- 
terkeit von Denen gesprochen, die unser schönes Preussen aus 



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ißt Zahl der Staaten streichen wolltan', eineii Stockprsneeen, ick 
irill den Naaen gcfn tragen aom Andenken an den Heros, seit 
dem er etiiatirt, -r^ also wie Sie wellett» mar die Ceredttigkett 4ben 
Sio geges mich, dass Sie nieh iweien i^eoies nioht zuweiMm: 
weder der giftigen Mem^kut» noch der dygesobmecklen Mreieetf«- 
ficus. *^ lieben Sie webl) 



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